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In der Puppenkiste

Ich will nach dem gestrigen 1:1 erst mal mit dem – aus meiner Sicht – Positiven anfangen. Das mache ich an zwei Personen fest. Zum einen ist da Aleksandar Ignjovski, der gestern den zuletzt etwas formschwachen Bargfrede von Anfang an vertrat und seine Sache sehr gut machte. Es war jetzt keine Offenbarung, aber ein mehr als solides Spiel, in dem Ignjovski andeuten konnte, dass er durchaus eine Option für die 6er-Position ist. Auch im Spielaufbau gefiel mir der Junge sehr. Die zweite Person kann niemand anderes als Naldo sein. Was der da gestern – in seinem zweiten Spiel von Beginn an – abräumte, war schon phänomenal. Von gefühlt 100 gewonnen Kopfballduellen über die Grätsche im letzten Moment bis hin zum akrobatischen Klärungsversuch war alles dabei. Und bis auf ein paar wenige Wackler alles sehr souverän. Auch nach vorne bringt Naldo mehr frischen Wind aus der Innenverteidigung heraus. Wie ist eigentlich der Stand der Klontechnik…?

Doch leider gab es auch viele Dinge, die gestern nicht so recht klappten und dafür sorgen, dass das 1:1 gegen weitgehend harmlose und schwache Augsburger sich eher wie zwei verlorene Punkte anfühlt. Der entscheidende Punkt ist die mangelnde Chancenverwertung: Pizarro hätte noch eins machen müssen, Rosenberg hatte auch noch zwei Dinger auf dem Kopf bzw. Fuß und der gute Sandro drischt das Ding lieber in den Augsburger Himmel statt Hunt zu bedienen. Einen davon hätte man versenken müssen, dann hätte man in einem weniger brillianten Spiel immerhin einen Sieg eingefahren. Vor allem nach dem 1:1 durch Pizarro waren die Augsburger deutlich angezählt und sehnten nur noch den Abpfiff herbei.

Im Mittelfeld zeigte vor allem Marin eine erschreckend schwache Leistung. Ich kann mich an nicht eine einzige gute Aktion von ihm erinnern, man hätte auch glauben können, er steht gar nicht auf dem Feld, so unsichtbar war der kleine Marko zuweilen. Gestern legte er sich ein paar Mal den Ball am Gegner vorbei und brach das anschließende Laufduell dann beim ersten kleinen Körperkontakt wild gestikulierend ab. Dumm nur, dass Schiri Kircher nix pfiff und das in meinen Augen völlig zu Recht. Gerade mit solchen Aktionen versaut man sich den Ruf und die Bereitschaft des Schiris, bei wirklichen Fouls zu pfeifen,  sinkt in zunehmendem Maße. Natürlich fällt einem das umso mehr auf, wenn die Leistung dann auch noch so schlecht ist. Vielleicht braucht der Marko mal eine kleine Denkpause auf der Bank, denn Ekici war gestern nach seiner Einwechslung deutlich effektiver und schaufelte zudem die Ecken nicht einfach nur in die Arme von Augsburgs Keeper Jentzsch.

Hätte man eine der dicken Gelegenheiten noch genutzt, müssten wir auch nicht über Wolfs Fauxpas vor dem Augsburger Treffer sprechen, als er über den Ball säbelt und dem Drama den Weg bereitet. Ja, das Anspiel von Naldo war nicht optimal, aber irgendwas etwas Besseres hätte Wolf schon draus machen können. Ich bin sowieso nicht der größte Fan unseres Blondschopfs in der IV, da er zu oft zu solchen kapitalen Böcken neigt. Seine kompromisslose Art ist an sich mal was anderes und nicht völlig verkehrt, aber auch gestern verursachte er mindestens zwei unnötige Freistöße in Strafraumnähe. Ich plädiere generell dafür, Naldo und Sokratis in die IV zu stecken. Ich glaube, dass die beiden sich hervorragend ergänzen und Sokratis vor allem taktisch intelligenter ist als Prödl und Wolf. Und ich habe auch das Gefühl, dass Sokratis auf RV nach vorne seinen anfänglichen Schwung verloren hat. Und ein Ignjovski oder Wesley kann man auch mal auf rechts stellen. Es wäre einen Versuch wert in meinen Augen.

P.S.: Szene des Spiels war vor dem Anpfiff bei der Seitenwahl als Augsburgs Kapitän Möhrle dem Clemens eine Jim Knopf-Puppe in die Hand drückte. Wenn schon Puppenkiste, dann richtig.

 

Ernüchterung

Im Laufe der Sommerpause stieg die Vorfreude immer mehr an. Die Fußball-WM der Ladies war da nur ein sehr dünner Ersatz. In den letzten Tagen kündeten auch immer mehr Sonderhefte den baldigen Beginn der Sommerpause an. Einen ersten Eindruck vom Team sollte den Fans das Pokalspiel gegen den 1.FC Heidenheim liefern. Wobei sicherlich alle, die es mit den Grün-Weißen halten, einen anderen Ausgang des Spiels bevorzugt hätten.

Das es eine schwierige Nummer werden würde, war für mich vor dem Spiel klar. In der Regel tut sich der haushohe Favorit bei solchen Pokalspielen immer schwer und das Spiel gestern sollte dafür einen weiteren Beweis liefern. Dennoch war nach dem 1:0 von Markus Rosenberg die Welt zumindest ergebnistechnisch in Ordnung. Mit der Leistung auf dem Platz konnte man hingegen weniger zufrieden sein. Die Offensive blieb in weiten Teilen Stückwerk und den Bremern gelang es nicht, die Heidenheimer Abwehr wirklich auseinander zu ziehen. Am meisten Gefahr ging von Marin und seinen Dribblings aus, die im Laufe des Spiels jedoch zunehmend ihre Wirkung verloren. Hunt und Borowski auf den Halbpositionen der Raute blieben blass und Rosenberg und Thy hingen meist in der Luft und bis auf Rosenbergs Treffer ging von den beiden Stürmern selten Gefahr aus. Der Abwehr war die mangelnde Eingespieltheit vor allem zwischen Wolf und Sokratis anzumerken und auch Lukas Schmitz machte auch nicht den sichersten Eindruck.

In den Berichten zum Spiel markiert der vergebene Elfer von Marko Marin den Wendepunkt des Spiels. Nach einem Handspiel der Heidenheimer im Strafraum trat Marin an, um den Elfer halbhoch und unplatziert zu schießen. Leichte Beute für Heidenheims Keeper Lehmann. Nur wenige Minuten später kann Heidenheims Sauter einen Freistoß direkt verwandeln und noch einmal zwei Minuten später erzielt Schnatterer das 2:1, nachdem erst der Heidenheimer Außen nicht gestellt werden kann und Wolf nach dem Anspiel auf Schnatterer zum Grätschen/Blocken des Balls runter geht und damit dem Heidenheimer erst den Weg zum Tor ebnet.

Spätestens das 1:2 brach den Bremern das Genick und danach war eine halbe Stunde die blanke Verzweifelung zu sehen. Ekici, Arnautovic und Wagner kamen ins Spiel und fortan wurde mit einem Drei-Mann-Sturm gespielt, doch war die Mannschaft nicht in der Lage, sich wirklich gefährliche Situationen herauszuspielen. So saß ich vor dem Fernseher und habe eigentlich nur noch auf ein Glückstor bzw. ein Eigentor der Heidenheimer spekuliert. Doch nach dem Schlußpfiff blieb es den Blau-Weißen vorbehalten zu jubeln.

Heute schwanke ich zwischen Zweckoptimismus und Pessimismus. Natürlich ist das nicht das erste Mal, dass ein Erstligist im Pokal gegen unterklassigen Gegner ausscheidet. Und nicht jedes Mal hat solch ein Ausscheiden den direkten Abstieg des betroffenen Erstliga-Clubs zur Folge, was ja offensichtlich bei uns der Fall zu sein scheint, wenn man manch hysterischen Stimmen Glauben schenken kann. Dennoch ist das Spiel ein empfindlicher Schlag für meine Vorfreude und ich hoffe, dass sich das Team am nächsten Samstag gegen Lautern in besserer Verfassung und vor allem Einstellung präsentiert als gestern nachmittag. Wir wollen ja nicht, dass es wieder zu Busblockaden mit integriertem Dosenwerfen kommt, oder!?