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Something to build on

Nach einem Spiel beginnt innerhalb der Fanbasis in der Regel ein Kampf darum, wie das jeweilige Ergebnis zu deuten ist (Meine Lieblingsphrase dazu: „Ich weiß ja nicht, welches Spiel Du gesehen hast…“). Eindeutige Siege oder Niederlagen bilden hier meist eine Ausnahme. Auch nach dem Spiel gegen Leverkusen habe ich zwei Lesarten des Spiels wahrgenommen. Die einen sehen das Spiel als völligen Rückschritt und konzentrieren sich vor allem auf die Dinge, die nicht funktioniert haben. Ich möchte mich aber dem anderen Lager anschließen, welches vor allem die positiven Dinge als Fundament für die weiteren Spiele betont.

Was wir gestern gesehen haben, war eine defensiv ansprechende Leistung. Wiese mit einer guten Leistung, die Viererkette davor weitgehend souverän und Herr der Lage. Natürlich soll hier Clemens Fritz nicht vergessen werden, der eine wirklich exzellente Partie gespielt hat. Es ist schon lange her, dass man sowas von unseren Jungs gesehen hat. Dabei fällt mir vor allem auf, wie gut Sokratis seine Aufgabe als rechter Verteidiger löst, gerade auch in der Offensive (man denke nur an seine Vorlage für Thy vor dessen Großchance). Sowohl Schürrle als auch Sam wurden weitgehend in Schach gehalten und auch ansonsten wurde die gut bestückte Offensive der Werkself kontrolliert. Anderswo habe ich kommentiert, dass gestern zumindest 6 der 11 Spieler auf dem Platz ihren Job gut gemacht hätten, letzte Saison war es oftmals nur 1 von 11.

Doch die Freude über die defensive Sicherheit darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach vorne weitgehend nicht viel zusammenlief. Thy und Rosenberg hingen wirkungslos in der Luft und außer der schon angesprochenen Großchance von Thy konnte man vor dem Gehäuse der Leverkusener kaum für Gefahr sorgen. Ekici machte seine Sache nach hinten zwar gut, aber Akzente im Spiel nach vorne waren leider Mangelware. Wesley zeigte gestern wieder, dass er zwar über Technik und Schnelligkeit verfügt, ihm aber das Spielverständnis fehlt. Zu oft trennt er sich spät vom Ball und verschleppt so das Spiel. Hunt war gestern immerhin noch Mittelmaß in der wirkungslosen Offensive. Er bemühte sich, auch mal schnell in die Spitze zu spielen und auch mal was Überraschendes zu zeigen. Leider ist eine halbwegs objektive Beurteilung von Hunt schon nicht mehr möglich und so wird auch nach dem gestrigen Spiel munter auf Aaron verbal eingedroschen. Pizarros Einwechselung brachte zumindest nochmal frischen Wind und nährt die Hoffnung, dass Claudio bald wieder komplett zur Verfügung steht.

Das gestrige Spiel zeigt, dass wir in der Defensive ein mehr als solides Fundament haben. Leverkusen hat uns gestern mit viel Glück geschlagen. Beim Gegentor flippert der Ball fröhlich hin und her, während die Bremer Defensive etwas lethargisch zuschaut. Dennoch sollte das Gesehene für die nächsten Spiele Mut machen. Eine sichere Abwehr bietet die Möglichkeit, auch mal abzuwarten und das Spiel ruhig von hinten aufzubauen ohne von Minute eins an panisch über den Platz zu stolpern. Es zeigt auch, dass Schaaf offensichtlich doch noch seine Schützlinge erreicht. Wenn jetzt Naldo noch zurückkommt, ist das alles andere als schäbig, was sich da defensiv als Alternativen anbietet. Naldo, Merte, Wolf, Prödl, Sokratis und ggf. Silvestre für die IV-Positionen. Sokratis, Fritz und ggf. Schindler für die RV-Position sowie Schmitz und Silvestre für die andere Abwehrseite. Ist jetzt nicht so schäbig in meinen Augen.

Nun also der nächste Schritt: aus einer sicheren Abwehr heraus wieder das Spiel nach vorne ankurbeln. Ein großer Schritt wird die Rückkehr von Pizarro sein. Ekici war in der Vorbereitung lange verletzt und wird sich schon noch reinbeißen. Ich hoffe, dass Wes und Marin wieder einen Schritt nach vorne machen. Ich blicke optimistisch nach vorne und versuche mal, das Positive aus dem gestrigen Spiel mitzunehmen.

Ein Punkt für die Moral

Das 0:4 in Hamburg hatte bei allen, die es mit Werder Bremen halten, Spuren hinterlassen. Unter der Woche erhöhten zudem auch die Medien den Ausstoß an Artikeln mit dem Ziel, endlich die Entlassung von Thomas Schaaf herbei zu schreiben. Ganz vorne dabei vor allem die Zeitung mit den vier Buchstaben, die sich dann auch nicht zu blöde war, einen Sketch von Harald Schmidt zur Unterstreichung der eigenen Forderungen heranzuziehen. In diesem Sketch hatte Schmidt den lybischen (Noch-) Staatschef Gaddafi mit Thomas Schaaf verglichen. Auch die sonst eher moderaten Lokalmedien „Syker Kreiszeitung“ und der „Weser-Kurier“ werden in ihrer Tonalität immer schriller. Ich finde es in solchen Situationen immer schade, dass alle Medien immer dem gleichen Skript folgen und ab einem bestimmten Punkt nur noch wie die Marktschreier die eine Parole rausbrüllen. Andere Standpunkte und Sichtweisen sucht man in der Regel vergeblich.

The Game

Doch es soll hier nicht um wohlfeile Medienschelte gehen, sondern um das gestrige Match zwischen Werder und Bayer 04 Leverkusen. Abstiegskandidat vs. Top-Team oder auch 16. (zum Zeitpunkt des Anpfiffs) gegen den Tabellenzweiten. Das 2:2 ist ein deutlicher Sieg für die Moral der Mannschaft, die über weite Strecken nicht zu überzeugen wusste, aber sich zumindest nicht völlig hängen ließ und einfach in ihr Schicksal ergab. Ja, natürlich hat Leverkusen nach dem 0:2 auch gepflegt aufgehört, weiter zu spielen und ja, wenn Kießling nicht erst das 1:2 per Eigentor erzielt und wenig später noch die Riesenchance zum 1:3 vergibt, dann wäre alles anders gekommen. Aber „hätte, hätte, Fahrradkette…“ zählt nun einmal nicht und so war es am Ende Prödl, der per Kopf das 2:2 erzielte und das Weserstadion zum Wackeln brachte.

The Good

Nun gilt es, auch mal das Positive aus dem Spiel mitzunehmen und beim nächsten Spiel die guten Ansätze aufzugreifen und darauf aufzubauen. Sonst bleibt das Spiel wieder ein Muster ohne Wert. Vor allem vor den bald kommenden Spielen gegen die anderen Kellerkinder müssen erste Erfolgserlebnisse her und damit meine ich drei Punkte. Ich hoffe auch, dass dieses Spiel nicht wieder als „Wende“ ausgerufen wird, wie es unser peruanische Andengott nach dem ebenfalls glücklichen 1:1 in Mainz tat. Eine wirklich positive Geschichte aus dem gestrigen Spiel war der Auftritt vom Newcomer Florian Trinks, der eine richtig gute Leistung bot. Es war nicht alles perfekt, aber er hat sich was getraut, auch mal den Risikopass probiert und die Flanke vor dem 1:2 geschlagen. Man sollte jetzt nicht alle Hoffnung in den 18-jährigen setzen, aber er bietet sich an und überzeugt durch sein frisches Auftreten. Auch Borowski fand ich bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung gut, auch wenn er die eine Großchance gerne mal versenken darf.

The Bad

Zwei, drei Dinge fand ich gestern am Rande des Spielgeschehens weniger prall. Zum einen die wiederholten Pfiffe gegen Aaron Hunt. Ja, er spielt eine miese Saison, aber da ist er wahrlich nicht der Einzige. Ich fand ihn gestern gar nicht so schlecht, schließlich hat er das 2:2 aufgelegt und auch die eine Großchance von Wagner, als dieser per Kopf an Adler scheiterte. Der Theorie, dass die Pfiffe gegen ihn schon dafür sorgen, dass die sportliche Führung endlich einsieht, dass er eine Null ist, kann ich mal so gar nichts abgewinnen. Dann dieses Gejammer über Wagners Einsatz gestern. Natürlich hat er bisher nicht überzeugt. Aber wen will man denn sonst aufstellen? Die anderen bringen doch keinen Deut mehr Leistung und saßen ja auch auf der Bank (Marin, Arno). Und auch wenn aus ihm kein Top-Stürmer mehr wird, hat er gestern eine ordentliche Leistung in meinen Augen gebracht. Er hat sich reingehängt, eine dicke Chance und war kein Totalausfall, den einige gesehen haben wollen. Aber gut, vielleicht bin ich da auch auf dem Holzweg. Die letzte Sache war der Umstand, dass während des Spiels immer wieder auf Twitter/Facebook zu lesen war, dass die Mannschaft spielerisch nix auf die Kette bekommt. Natürlich stimmte das über weite Strecken, aber letztlich ist dieses Team im Abstiegskampf, es geht hier ums nackte Überleben in der ersten Liga. Da finde ich es erstmal wichtiger, diesen Kampf auch anzunehmen und die eigene Verunsicherung in den Griff zu bekommen. Ich will auch lieber Kombinationen, Offensivwirbel und tolle Spielzüge sehen, aber die kommen nach den Leistungen der letzten Wochen nicht einfach so zurück. Hier wird man Schritt für Schritt machen müssen und darauf hoffen, dass der nächste Auftritt ein weiterer Schritt nach vorne ist und nicht wieder mehrere Schritte zurück. Noch 15 Punkte, um sicher drinzubleiben!