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Kleine Schritte

Das 0:1 in Dortmund ist eine Niederlage, die man sicherlich verschmerzen kann. Zum einen ist Dortmund einfach nicht mehr unsere Kragenweite und zum anderen wäre auch eine deutlich höhere Niederlage im Bereich des Möglichen gewesen. Ich fand es schon bezeichnend, dass Dortmund Mitte der zweiten Halbzeit mal eben Aubameyang, den amtierenden französischen Torschützenkönig und dreifachen Torschützen des ersten Spieltages brachte. Bei uns kam Di Santo, ein zuletzt vertragsloser Spieler, der für den Premier League-Absteiger Wigan Athletic kickte. Damit will ich nicht sagen, dass Di Santo keine Verstärkung sein kann, aber es ist nur ein schönes Bild für die derzeitigen sportlichen und finanziellen Kräfteverhältnisse beider Clubs.

Kleine Schritte zum Ziel

Kleine Schritte zum Ziel

Aber vor allem macht die Art und Weise Mut für die Zukunft, denn man kann sehen, wie die Arbeit von Dutt langsam zu wirken beginnt. Obwohl Dortmund eine Vielzahl an Chancen hatte, wirkt die Mannschaft in der Defensive deutlich strukturierter. Dabei sind die Fortschritte für Außenstehende, die Bremen nicht seit Jahren verfolgen, wohl kaum zu sehen, vor allem nicht in einem Spiel gegen solch einen überlegenen Gegner. Doch die Ansätze sind da: die Mannschaft verteidigt kompakter, lässt weniger klare Chancen zu und bringt sich vor allem seltener durch Totalaussetzer in Bedrängnis. Auch als Fan vor dem Fernseher hat man nicht mehr bei jedem einzelnen Angriff des Gegners Angst, dass man sich ein Gegentor einfangen wird. Da kann ich vorerst auch damit leben, dass die Offensive vorerst darunter leidet, wie auch Dutt auf der Pressekonferenz vor dem Spiel einräumte:

„Unsere Absicht ist nicht zu mauern, sondern die Bausteine die man braucht in der richtigen Reihenfolge durchzuspielen. Wenn wir den Ball haben lege ich schon Wert auf Kurzpassspiel, Umschaltspiel und dass wir den Ball flach halten, jeder weiß wo der andere Hinläuft, Schnittstellenpass , Rückpass, Tor. Wo sollen die her kommen bei den paar Wochen. Wenn wir damit angefangen hätten, hätten wir die vielleicht gesehen, hätten zwei drei Tore gesehen, aber auch 3-4 Gegentore kassiert. Ich hoffe dass mit jedem Spiel die langen Pässe etwas weniger werden und wenn wir im nächsten Frühjahr spielen und dann zwischen 60-70% Flachpass spielen. Solange müssen wir so spielen, und brauchen ne gute Chancenverwertung. Momentan habe ich gegen 1:0 Siege überhaupt nichts.“ (via Worum.org)

Vielleicht ist es das, was mir in den vergangenen Saisons ein bisschen gefehlt hat: ein Fokus auf die Defensive. Erst hinten sicherer stehen und darauf aufbauend dann das Spiel nach vorne entwickeln. Gut, dass wir diesen Weg nun gehen, zumal mir die ersten drei Spiele auch ein wenig von dem Unbehagen genommen haben, welches nach dem Spiel in Saarbrücken aufkam. Klar, die bisherigen Spiele sind auch kein Grund für überschäumende Euphorie, aber es geht diese Saison vor allem darum, in der Mannschaft eine Entwicklung zu sehen und bisher sehe ich die. Und ich gehe davon aus, dass wir Schritt für Schritt weitere kleine Elemente zum Spiel hinzufügen können und dann bald auch in der Offensive mehr als ein paar nette Ansätze sehen können. Von daher bin ich gespannt, was die Mannschaft gegen Gladbach für eine Leistung abrufen kann. Ich hoffe, dass man zumindest einen Punkt mitnehmen kann.

Lebenslang Grün-Weiß!

Von grauen Mäusen

Es ist schwer, etwas zum Spiel am Samstag abend zu sagen, vor allem, wenn man es nicht in voller Länge gesehen hat. Das es gegen Dortmund schwer werden würde, war mir schon vorher klar, nicht zuletzt wegen der angekündigten taktischen Umstellung. Das „spanische Modell“ sollte u.a. den Ausfall von Arnautovic kompensieren und gleichzeitig die Dortmunder in Schach halten. Die Taktik-Füchse von Spielverlagerung nennen es „eine beeindruckende Taktik der Bremer aus theoretischer Sicht„. Das Problem ist halt nur die Umsetzung und da sieht man, dass Taktik auch nur ein Faktor von mehreren ist, der ein Spiel beeinflusst. Reus‘ Freistoß in Minute 9 stellte sämtliche Theorie auf den Kopf. Vielleicht hat Dortmund uns nicht völlig an die Wand gespielt, sondern vor allem von einer immensen Effektivität profitiert, aber letztlich hat Bremen im Spiel nach vorne kaum etwas Gefährliches zustande gebracht.

Schaaf selbst will von einer falschen Taktik nichts wissen. Aber was ist es dann? Die Abstimmungsschwierigkeiten sowohl in der Defensive als auch im Aufbau waren nicht zu übersehen. Immer wieder stimmten Laufwege nicht und vor allem Petersen schien mit seiner Rolle auf der rechten Außenbahn nicht wirklich klar zu kommen. Schon im Trainingslager konnte mich Petersen auf rechts nicht überzeugen, auch wenn die Ergebnisse darüber hinwegtäuschen. Was sagt es über den Kader aus, wenn der Ausfall von einem Spieler (Arno) schon eine Abkehr vom bisherigen System nach sich zieht? Hätte man nicht Yildirim eine Chance auf rechts geben können und so im „üblichen“ 4-1-4-1 spielen sollen? Sind es nur die Umstände und das Glück der Dortmunder, welches uns auf die Verliererstraße gebracht haben? Soll man Schaaf dafür loben, dass er wenigstens versucht hat, sich etwas einfallen zu lassen gegen den BVB?

Ich weiß, es ist nur ein Spiel, noch sind 16 Spieltage zu absolvieren, aber das Spiel am Samstag hat mir sämtliche Vorfreude auf die Rückrunde verhagelt. Wieder einmal hat man sich eine ganze Menge vorgenommen und wieder einmal endete es mit einer gründlichen Enttäuschung. Vielleicht sind wir noch keine „graue Maus“, wie es der kicker schreibt, aber ganz sicher sind wir nur noch Mittelmaß. Vorletzte Saison fast abgestiegen, letzte Saison im Mittelfeld und wenn man es nüchtern betrachtet, sieht es diese Saison nicht besser aus. Der Glanz vergangener Tage und die Tatsache, dass bei Spielen des SVW immer was los sein kann retten uns vor dem Status der grauen Maus, aber viel ist es nicht mehr. Das Ziel ist Europa, aber derzeit sind wir auf direktem Kurz zu 60 Gegentoren. Und Tobias hatte es auf Facebook schonmal angesprochen: Welche Mannschaft kommt mit einer solchen Defensive ins internationale Geschäft? Und schafft die Mannschaft hier wirklich den Turnaround hin zu einer stabilen Defensive? Die Hinrunde hat sicherlich Anlass zu Optimismus in einigen Bereichen geboten, aber schon dort gab es mehr als leise Zweifel an der Defensive.

Eigentlich halte ich Jörg Wontorra für eine Karikatur eines Sportjournalisten, der im „Doppelpass“ meist nur Dünnpfiff von sich gibt. Aber gestern hat er Willi Lemke eine sehr interessante Frage gestellt, auf die Willi in bester Politikermanier nicht einging. Sinngemäß fragte Wontorra, warum andere Trainer in einem Umbruch zunächst auf eine starke Defensive setzen (bspw. Tuchel oder Streich) und Schaaf versucht, die Offensive zum Laufen zu bekommen und somit einen anderen Weg geht. Wie gesagt, eine Antwort darauf kam nicht, aber Lemke sprach in der Sendung mehrfach Schaaf das Vertrauen aus. Mein Vertrauen wird er sich wieder erarbeiten müssen und mich davon überzeugen, dass der eingeschlagene Weg zum Erfolg führt. Am Sonntag ist in Hamburg Wiedergutmachung angesagt. Hoffen wir, dass es mehr als nur warme Worte sind.

Lebenslang Grün-Weiß!

Eine willkommene Niederlage

Nach dem Pokalaus in Münster war das zarte Pflänzchen Hoffnung bei nicht wenigen Bremern wieder verkümmert bevor es so richtig sprießen konnte. Auch meine Euphorie hatte nach dem 2:4 gegen den Drittligisten einen ordentlichen Dämpfer erfahren. Und dann zum Bundesliga-Auftakt auch noch zum amtierenden Double-Gewinner aus Dortmund. Natürlich von der Konstellation her ein Spiel, bei dem man nix zu verlieren hatte. Allenfalls die Höhe der Niederlage war noch fraglich. Hauptsache, nicht untergehen: das war die Marschroute.

Eingeleitet wurde das Spiel mit einem Zeremoniell zu Ehren der 50. Bundesliga-Saison. Wehende Fahnen, emotionale Einspieler und am Ende durfte Sebastian Kehl als Kapitän der Heimmannschaft auch noch mal was zum Thema Fans und deren Verhalten aufsagen. Die Erklärung im Wortlaut des SV Sandhausen sowie einen passenden Kommentar drüben beim Textilvergehen. Anschließend dann der Auftakt in diese Saison. Vor dem Spiel schon die Frage, wie Schaaf denn jetzt spielen lässt. Die Antwort: in einem 4-1-4-1, wobei vorne kein Mittelstürmer agierte, sondern Kevin de Bruyne sich als so genannte „falsche Neun“ versuchte. Bei Ballbesitz rückten dann Elia links und Arnautovic auf rechts in die Außenstürmer-Position. Und das funktionierte alles ausgezeichnet. In Sachen Spielfluss, Ballsicherheit, Laufwegen und Spielverständnis war das mit Abstand die beste Leistung seit langem.

In der Vorwärtsbewegung überzeugten Hunt und Junuzovic als Ballverteiler, die immer wieder die Außen ins Spiel brachten. De Bruyne ließ sich immer wieder weit zurückfallen und zog damit die Dortmunder IV aus ihren angestammten Positionen. Schon die ersten Minuten waren sehr ansehnlich, doch leider war es der BVB, der nach einer Reihe von Fehlern in Form von Marco Reus das 1:0 in Minute elf machte. Angefangen bei Hunts Fehlpass, weiter zum fehlenden Zugriff auf Kuba, der vergeblichen Grätsche von Sokratis sowie einem Stockfehler von Ignjovski war eigentlich alles dabei, was unsere Hintermannschaft bei gegnerischen Teams so beliebt macht. Wer jetzt jedoch mit einem Auseinanderbrechen der Mannschaft rechnete, der sah sich getäuscht, denn Bremen spielte munter weiter und kam durch Elia und Arnautovic zu guten Chancen. Es dauerte jedoch noch bis zur 75. Minute, ehe Bremen für den Einsatz belohnte und Selassie nach einer butterweichen Flanke von Arno einnickte.

Für einen rundum gelungenen Abend hätte man das 2:1 durch Götze verhindern sollen. Doch leider gelang dies nicht und am Ende feierten die Dortmunder einen abgezockten Sieg. Doch das Spiel ist trotz der Niederlage wahrlich kein Grund, den Kopf hängen zu lassen, sondern ein echter Grund zu berechtigtem Optimismus. Die Mannschaft hat all die Dinge gezeigt, die vor allem in der Rückrunde der letzten Saison schmerzlich vermisst wurden. Neben der Spielkultur war das auch die Bereitschaft, sich nach dem frühen Rückstand nicht verrückt machen zu lassen, sondern weiter an sich zu glauben. Darüber hinaus wurde auch bei Ballgewinn wieder schneller umgeschaltet. Schaaf hat hier wirklich gute Arbeit geleistet und die Neuen bringen sich gut ein. Nun gilt es, das Positive mit in die nächsten Spiele zu nehmen und dem ewigen Sorgenkind, der Defensive, etwas mehr Stabilität zu verleihen.

Und obwohl Marko Arnautovic der beste Mann auf dem Platz war, würde ich mir wünschen, dass er das Gestikulieren nach Fehlern seiner Mitspieler sein lässt. Keiner spielt absichtliche Fehlpässe oder lässt Dich mit Vorsatz ins Abseits laufen, lieber Marko. Da muss man nicht genervt abwinken oder rumpöbeln, dann klappt das auch mit den Teamkollegen. 😉

Gleich nächsten Samstag wäre die perfekte Gelegenheit dafür, wenn wir den HSV im Weserstadion empfangen. In diesem Sinne:

Lebenslang Grün-Weiß!

Demut

Zunächst einmal ein „Herzlich Willkommen“ an Joseph Akpala. Heute wurde seine Verpflichtung für vier Jahre bekanntgegeben. Der nigerianische Stürmer wechselt vom FC Brügge an die Weser und hat in der belgischen Jupiler-Liga schon seine Knipser-Qualitäten unter Beweis gestellt. Dann war das Aus in der ersten Pokalrunde doch nicht so gravierend, wie von Allofs am Sonntag noch angedeutet.

Was ich im Zuge des Auftritts in Münster sehr bemerkenswert finde, ist die Tatsache, dass sowohl Sokratis als auch Allofs im Nachgang sehr ambitionierte Ziele formuliert haben. Sokratis sieht in der Mannschaft ausreichend Qualität, um diese Saison die Champions League zu erreichen. Allofs möchte mit Werder wieder die Nummer zwei, drei oder vier in Deutschland werden. Nun ist natürlich nichts gegen Ziele einzuwenden, aber in den letzten beiden Saisons hat das mit den Zielvorgaben eher weniger geklappt. Wie im Sommer-Podcast mit Tobi und Anna angesprochen, geht es diese Saison darum, eine Entwicklung zu sehen. Nach zwei Jahren mehr als deutlicher Rückschritte im spielerischen Bereich, wäre es schön, mal wieder etwas mehr Spielkultur und defensive Sicherheit zu sehen.

Die Platzierung ist natürlich nicht völlig egal, denn ein spielerisch brillant herausgespielter Platz 17 würde auch für eher lange Gesichter sorgen. Doch nach zwei mauen Saisons, einem weiter vorangetriebenen Umbruch mit vielen neuen Spielern sollte man sich davor hüten, wieder von Europa zu sprechen, ja sogar die Königsklasse zum Ziel auszurufen. Ich finde das kontraproduktiv und auch in der Außendarstellung mehr als fragwürdig. Intern kann man ja gerne Europa als mittelfristiges Ziel ausgeben, doch alles andere wirkt in Anbetracht der letzten beiden Spielzeiten als Größenwahn. In Bremen sind wir mit klassisch hanseatischem Understatement immer gut gefahren. Wenn man zum Ende der Saison wider Erwarten doch Kurs auf Europa nimmt, dann ist das super und in dem Fall kann man dann auch offen vom internationalen Wettbewerb sprechen. Die Schaumschlägerei unseres Spartaners und von Allofs behagt mir ehrlich gesagt nicht.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch auf einen Thread im Worum verweisen (Danke für den Hinweis @KatarinaWerderfan). User „el pibe de oro“ hat sich hier die Mühe gemacht, sich durch die Bilanzen unseres Vereins der letzten Jahren zu kämpfen. Fazit: Bremen geht es wirtschaftlich relativ gut, aber es wird auch deutlich wie abhängig der Verein zum einen vom internationalen Wettbewerb ist und zum anderen auf Transfereinnahmen angewiesen ist. Ersteres haben wir nun zwei Jahre nicht geschafft und so werden auch die Abgänge von gut verdienenden Spielern wie Naldo, Pizarro, Wiese oder Rosi etwas nachvollziehbarer. Bei den Transfererlösen sieht es zukünftig vorerst mau aus. Spieler, die man wie Diego oder Özil im Bereich von 20 Millionen Euro weiterverkaufen kann, sind nicht in Sicht. Hier wird dann deutlich, dass Transfers nach dem Prinzip „Billig holen, veredeln und dann teuer verkaufen“ in letzter Zeit nicht so funktioniert haben wie gedacht. Krasse Beispiele der Vergangenheit sind hier Carlos Alberto oder Wesley, aber auch ein Arnautovic bleibt sicherlich deutlich hinter dem zurück, was man sich von ihm erhofft hat. Zudem macht der Artikel auch ein bisschen deutlich, dass die Einnahmen bspw. aus dem Diego-Transfer nicht irgendwo versickert sind, sondern in den laufenden Betrieb oder den Stadionausbau geflossen sein dürften. Für Zahlenfetischisten sicherlich eine lohnende Lektüre.

Morgen dann der Auftakt in die 50. Bundesligasaison mit dem Spiel Borussia Dortmund – Werder Bremen. Ich bin gespannt, wie sich die Mannschaft präsentiert und wie viel von der Vorbereitung, die vielerorts positiv beurteilt wurde, zu sehen ist. Im Supercup wirkte Dortmund erstaunlich harmlos, doch das will nichts heißen. Hoffen wir mal auf ein erstes Erfolgserlebnis.

Lebenslang Grün-Weiß!