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Ein Nürnberger Würstchen

Die Kreiszeitung nennt es „Bremer Bruchlandung“ und der Weser-Kurier macht aus dem gestrigen Spiel gegen Nürnberg einen „Herben Rückschlag„. Wie so oft ist es auch eine Frage der Perspektive und ich weigere mich, das Spiel so negativ zu bewerten, wie es die beiden genannten Zeitungen tun. Im Vergleich zum letzten Heimspiel gegen Hoffenheim sehe ich sogar große Fortschritte, denn die Mannschaft konnte zumindest zeitweise gute Kombinationen zeigen und das Spiel war weniger zerfahren wie gegen die TSG. Leider galt das nur für die ersten 20-25 Minuten der ersten Halbzeit und die ersten 30 Minuten im zweiten Durchgang. Gerade in Halbzeit eins gab es einen deutlichen Bruch, wo die anfängliche Sicherheit einer zunehmenden Verunsicherung wich.

Leider konnte Bremen die wenigen wirklich guten Chancen nicht nutzen und über weite Strecken schaffte es Nürnberg, die Bremer aus der gefährlichen Zone vor dem eigenen Tor fernzuhalten. Zwei richtig große Chancen hatten die Gäste aus Franken und eine davon konnte Esswein nutzen, nach einem schön vorgetragenen Angriff. Nürnberg zeigte die gleiche Effektivität, die Bremen am letzten Wochenende noch gegen die Hamburger zeigte. Es war deutlich, dass Bremen noch nicht an dem Punkt ist, selbst 90 Minuten lang das Spiel zu gestalten und zudem ohne einen Pizarro in Topform vorne die Durchschlagskraft fehlt. Ich hoffe, dass die Mannschaft das Ergebnis richtig einordnet und weiter am verbesserten Zusammenspiel arbeitet.

Nächste Woche geht es nach Berlin, zu einem Gegner, der mit dem Rücken zur Wand steht und der nun von Rehhagel bzw. König Otto trainiert wird. Es ist davon auszugehen, dass die Berliner zu Hause sicherlich versuchen werden, nach vorne zu spielen. Das sollte uns in der derzeitigen Situation entgegenkommen. Danach geht es dann gegen 96, den direkten Konkurrenten um die EL-Plätze. Ich bin schon sehr gespannt auf das Spiel, nicht nur, weil ich dann endlich mal wieder live vor Ort sein werde. Mit einer kompakten Abwehr und schnellen Angriffen ist Hannover genau die Art von Team, gegen die wir immer wieder schlecht aussehen.

Einen vor, einen zurück

Das Spiel gegen Freiburg schien rein statistisch schon vor Anpfiff zugunsten Bremens entschieden, ob der guten Serie gegen die Breisgauer. Dabei wird gerne übersehen, dass schon das 5:3 in der Hinrunde alles andere als ein Galaauftritt der Grün-Weißen war. Und es wurde alles andere als ein gemütlicher Ausflug. Freiburg dachte gar nicht daran, sich einfach nur hinten reinzustellen und das Beste zu hoffen, sondern spielte ein aggressives Pressing und suchte seine Chance im Spiel nach vorne.

Bremen war über weite Strecken des Spiels nicht in der Lage sich spielerisch dem Pressing zu entziehen, was sich in vielen Ballverlusten in der Vorwärtsbewegung zeigte. Nur selten konnte man sein Kombinationsspiel durchziehen und zweimal resultierte das in Treffern unserer peruanischen Lebensversicherung der Marke Pizarro. Doch leider sollte das nicht reichen, um drei Punkte einzufahren. Beim 1:1 kam Makiadi kurz vor dem Bremer Tor per Kopf an den Ball. Hier offenbarten sich (wieder einmal) starke Probleme bei gegnerischen Standards, die vor allem an der mangelnden Zuordnung zu liegen scheinen. Beim 2:2 schlagen die Freiburger einen langen Ball in die Bremer Hälfte, können diesen kontrollieren und schnell auf die rechte Angriffsseite bringen, wo Hartherz den heraneilenden Schmid nicht mehr stellen bzw. entscheidend stören kann.

Damit bleibt Bremen in der Rückrunde ungeschlagen, hat andererseits aber auch noch keinen Sieg eingefahren. Auch wenn die Tore zeigen, dass die Mannschaft zu flüssigem Kombinationsspiel fähig ist, bleiben erstmal nicht mehr als positive Ansätze. Um den Platz in der EL zu sichern, sind in Zukunft auch Siege fällig, zumal Hannover von hinten langsam aber sicher Druck macht. Man sollte nicht darauf vertrauen, dass die Leverkusener uns dauerhaft den Gefallen tun, ebenfalls Punkte liegen zu lassen.

Am Ende möchte ich noch ein paar Worte zu den Dingen auf den Tribünen in Freiburg loswerden. Ich habe immer eine gewisse Sympathie für den SC und seine Fans gehegt. Leider scheinen auch dort die Hirntoten zunehmend in den Vordergrund zu rücken. Es ist einfach zum Kotzen, wenn Teile der SC-Fans einfach unkommentiert mehrfach „Wiese an die Wand!“ skandieren dürfen. Mir ist klar, dass Wiese kein Sympathieträger ist und er auch keinen Friedensnobelpreis mehr bekommt. Aber ist das ein Grund, sich derart zu entblöden? Ich finde es auch erbärmlich, dass man dazu weder während des Spiels einen Kommentar gehört hat, noch etwas darüber in den Medien zu lesen ist. Aber gut, es ist auch nur Wiese und nicht ein gewisser Mäzen und Duz-Freund von Theo Z., bei dem nach einem Banner mit Zielscheibe gleich das ganz große Rad gedreht wird. Es tut mir leid, aber alleine für die Spacken vom Sonntag wünsche ich dem SC einen Gang in Liga 2.

 

Der Geist der Weihnacht

Das nominelle Spitzenspiel zwischen Werder Bremen und dem FC Bayern wurde dem Ganzen Hype im Vorweg nicht gerecht. Weder war die Leistung beider Mannschaften besonders spitze, noch das Benehmen der Spieler des SVW. Dabei hatten die Bremer ganz den Geist der Weihnacht in sich aufgenommen und den kriselnden Bayern gleich vier Geschenke gemacht. Ganz im Sinne von „Liebe Deinen Nächsten“ half man den Bayern wieder auf die Straße des Erfolgs. Das erst Gegentor war ein Bremer Klassiker: Konter nach eigener Ecke. Ich glaube nicht, dass es viele Mannschaften in der Bundesliga gibt, die das so perfektioniert haben. Da half es dann auch relativ wenig, dass man in den ersten zwanzig Minuten den Bayern zwar das Feld überließ, aber dabei hinten solide genug war, keine zwingenden Chancen zuzulassen.

Strohfeuer

Das 1:1 durch Rosenberg war nicht mehr als ein kurzes Aufbäumen. Dabei zeigte sich im Anschluss an den Ausgleich, dass die Bayern noch weit von ihrer Form vom Anfang der Saison entfernt sind. Sicher sieht anders aus, aber wie gesagt, die Bremer waren im Samariter-Modus und verteilten munter Gaben an die darbenden Bajuwaren. Der neue „Ego-Robben“ machte den Strafstoß rein und ab dem Zeitpunkt schenkten die Bremer das Spiel ab. Die Einwechslung von Wagner für Marin war das Todesurteil für die Bremer Mannschaft, weil man im 4-3-3 den Bayern komplett das Mittelfeld zum Austoben überließ. Beim 3:1 verlieren die Bremer den Ball im Mittelfeld und zum Abschluss schubst Sokratis Ribéry im Strafraum, welches der Franzose mit der Cleverness eines Weltklassespielers zu nutzen weiß. Ist eigentlich bekannt, ob Franck wieder aus der Umlaufbahn heil zurück ist oder noch im Orbit kreist? Es war eine völlig unnötige Aktion, hier Ribéry überhaupt zum Freiflug einzuladen, denn Mielitz war da.

Disziplin

Unrühmlicher Höhepunkt des Spiels war die eingesprungene Doppelfuß-Grätsche von Aaron Hunt knappe zehn Minuten vor Abpfiff. Toni Kroos blieb als Empfänger dieser Aufmerksamkeit durch Hunt glücklicherweise unverletzt und Hunt wurde für drei Spiele gesperrt. Das ist besonders bitter, da Hunt bisher eine gute Hinrunde gespielt hatte und noch die größte Konstanz der offensiven Spieler im Mittelfeld mitbrachte. Was ihn da geritten haben mag, wird er wohl selber nicht wissen und es ist ihm zumindest anzurechnen, dass er einfach gleich das Spielfeld verließ, ohne noch diskutieren zu wollen. Natürlich darf hier auch Pizarros Ellenbogenschlag gegen Badstuber nicht fehlen. Ebenfalls völlig unnötig und derzeit ist noch nicht klar, ob Schiri Meyer es gesehen und nur als Foul gewertet hat oder ob er die Szene gar nicht gesehen und gewertet hat, was dem DFB die Möglichkeit gibt, nachträglich eine Sperre zu verhängen. Sollte auch Pizarro gesperrt werden, wäre es die vierte Rotsperre der Hinrunde (Arnautovic, Wiese und natürlich Hunt). Das dürfte doch auch ein neuer Negativrekord sein, oder?

Not quite there

Das Ergebnis ist meiner Meinung nach zu hoch ausgefallen. Nach dem 1:2 sind die Grün-Weißen einfach implodiert, davor war es aber keineswegs eine Demonstration der Stärke der Bayern. Aus Bremer Sicht scheint die Erkenntnis zu bleiben, dass man keine Spitzenmannschaft stellt. Das hätte man trotz der guten Tabellenposition auch vorher schon wissen können. Und angesichts der letzten Saison hat doch hoffentlich keiner ernsthaft erwartet, dass man ein Jahr später einfach so um den Titel mitkickt. Die Ansätze sind da und es läuft auch schon vieles besser als letztes Jahr, doch es ist in vielen Bereichen auch noch Luft nach oben. Auch wenn das Gejaule bei Teilen der Fans in den letzten Wochen wieder lauter geworden ist, bin ich bisher schon relativ zufrieden. In der Rückrunde gilt es, an den Schwachpunkten weiter zu arbeiten. Vor allem sollten im Wintertrainingslager so essentielle Themen wie „Benehmen auf dem Platz“ auf dem Stundenplan stehen.

In der Puppenkiste

Ich will nach dem gestrigen 1:1 erst mal mit dem – aus meiner Sicht – Positiven anfangen. Das mache ich an zwei Personen fest. Zum einen ist da Aleksandar Ignjovski, der gestern den zuletzt etwas formschwachen Bargfrede von Anfang an vertrat und seine Sache sehr gut machte. Es war jetzt keine Offenbarung, aber ein mehr als solides Spiel, in dem Ignjovski andeuten konnte, dass er durchaus eine Option für die 6er-Position ist. Auch im Spielaufbau gefiel mir der Junge sehr. Die zweite Person kann niemand anderes als Naldo sein. Was der da gestern – in seinem zweiten Spiel von Beginn an – abräumte, war schon phänomenal. Von gefühlt 100 gewonnen Kopfballduellen über die Grätsche im letzten Moment bis hin zum akrobatischen Klärungsversuch war alles dabei. Und bis auf ein paar wenige Wackler alles sehr souverän. Auch nach vorne bringt Naldo mehr frischen Wind aus der Innenverteidigung heraus. Wie ist eigentlich der Stand der Klontechnik…?

Doch leider gab es auch viele Dinge, die gestern nicht so recht klappten und dafür sorgen, dass das 1:1 gegen weitgehend harmlose und schwache Augsburger sich eher wie zwei verlorene Punkte anfühlt. Der entscheidende Punkt ist die mangelnde Chancenverwertung: Pizarro hätte noch eins machen müssen, Rosenberg hatte auch noch zwei Dinger auf dem Kopf bzw. Fuß und der gute Sandro drischt das Ding lieber in den Augsburger Himmel statt Hunt zu bedienen. Einen davon hätte man versenken müssen, dann hätte man in einem weniger brillianten Spiel immerhin einen Sieg eingefahren. Vor allem nach dem 1:1 durch Pizarro waren die Augsburger deutlich angezählt und sehnten nur noch den Abpfiff herbei.

Im Mittelfeld zeigte vor allem Marin eine erschreckend schwache Leistung. Ich kann mich an nicht eine einzige gute Aktion von ihm erinnern, man hätte auch glauben können, er steht gar nicht auf dem Feld, so unsichtbar war der kleine Marko zuweilen. Gestern legte er sich ein paar Mal den Ball am Gegner vorbei und brach das anschließende Laufduell dann beim ersten kleinen Körperkontakt wild gestikulierend ab. Dumm nur, dass Schiri Kircher nix pfiff und das in meinen Augen völlig zu Recht. Gerade mit solchen Aktionen versaut man sich den Ruf und die Bereitschaft des Schiris, bei wirklichen Fouls zu pfeifen,  sinkt in zunehmendem Maße. Natürlich fällt einem das umso mehr auf, wenn die Leistung dann auch noch so schlecht ist. Vielleicht braucht der Marko mal eine kleine Denkpause auf der Bank, denn Ekici war gestern nach seiner Einwechslung deutlich effektiver und schaufelte zudem die Ecken nicht einfach nur in die Arme von Augsburgs Keeper Jentzsch.

Hätte man eine der dicken Gelegenheiten noch genutzt, müssten wir auch nicht über Wolfs Fauxpas vor dem Augsburger Treffer sprechen, als er über den Ball säbelt und dem Drama den Weg bereitet. Ja, das Anspiel von Naldo war nicht optimal, aber irgendwas etwas Besseres hätte Wolf schon draus machen können. Ich bin sowieso nicht der größte Fan unseres Blondschopfs in der IV, da er zu oft zu solchen kapitalen Böcken neigt. Seine kompromisslose Art ist an sich mal was anderes und nicht völlig verkehrt, aber auch gestern verursachte er mindestens zwei unnötige Freistöße in Strafraumnähe. Ich plädiere generell dafür, Naldo und Sokratis in die IV zu stecken. Ich glaube, dass die beiden sich hervorragend ergänzen und Sokratis vor allem taktisch intelligenter ist als Prödl und Wolf. Und ich habe auch das Gefühl, dass Sokratis auf RV nach vorne seinen anfänglichen Schwung verloren hat. Und ein Ignjovski oder Wesley kann man auch mal auf rechts stellen. Es wäre einen Versuch wert in meinen Augen.

P.S.: Szene des Spiels war vor dem Anpfiff bei der Seitenwahl als Augsburgs Kapitän Möhrle dem Clemens eine Jim Knopf-Puppe in die Hand drückte. Wenn schon Puppenkiste, dann richtig.

 

Sündenbock

Vor knapp 25 Minuten ging das Spiel zwischen Hannover 96 und dem SV Werder zu Ende. Bremen verliert das Spiel mit 2:3 und klar ist für die meisten: Bargfrede ist schuld. Den Elfer zum 0:1 verschuldet, vor dem 0:2 den Ball mit einem Fehlpass verloren und beim 1:3 dann noch das Abseits aufgehoben. Es ist immer gut, wenn man es sich so einfach machen kann, denn dadurch wird die Komplexität reduziert und am Ende kann man immer sagen: Bargfrede war schuld. Man kann sich auch fragen, warum Wolf vor dem 0:2 an der Mittellinie rumturnt. Ignjovski war auf der linken Seite nach vorne gegangen, da hätte Wolf eigentlich tiefer stehen müssen, um die Seite mit abzudecken. Dadurch erst bekommt Schlaudraff diesen ganzen Raum bevor er Abdellaoue bedient. Und vor dem 1:3 geht Ignjovski erst super ins Tackling, verliert aber dennoch den Ball. Wenn er hier den Ball klärt, ist es völlig egal, ob Bargfrede das Abseits aufhebt oder nicht. Aber geben wir Bargfrede ruhig die Schuld, ist auch einfacher so.

Vor dem Spiel war klar, was Werder zu erwarten hat: eine Mannschaft, die hinten gut steht und vor allem beim Umschalten von Abwehr auf Angriff seine Stärken hat. Mit dem Elfmeter nach nicht einmal zwei Minuten und dem 0:1 spielte man Hannover natürlich perfekt in die Karten. Diese konnten es ruhig angehen lassen und man hatte nicht unbedingt das Gefühl, dass Werder mit seinen Angriffen die 96-Hintermannschaft in Bedrängnis bringen konnte. Auffällig war, dass die Angriffe fast ausschließlich durch die Mitte oder links kamen, die rechte Seite war kein Faktor in Halbzeit eins. Wie oben beschrieben, führte ein Ballverlust auf Höhe der Mittellinie zum 0:2 und hier konnte man schön sehen, wie gut Hannover diese Konter ausspielt. Arnautovic machte aus dem Nichts heraus noch den 1:2 Anschlusstreffer. In Halbzeit zwei machte Bremen gleich von Beginn an Druck und Pizarro hatte eine dicke Chance, bei der er nur den Pfosten traf. Auch Sokratis machte in der Phase eine große Gelegenheit nicht rein. In der 60. sorgte Abdellaoue für das 1:3 und außer dem 2:3 durch Pizarro gelangen den Bremern keine Treffer mehr.

Arnatuovic sah in der 78. darüber hinaus die rote Karte, weil er bei einem Klärungsversuch von Pinto den Fuß drüber hielt. Offensichtlich ist das wohl innerhalb des Regelwerks und somit korrekt. Meinem Empfinden nach war das zu hart.

Ich hoffe, dass die Mannschaft aus dem Spiel lernt und vor allem auch sich selbst nicht mit solchen Fehlern in die Bedrängnis bringt. Am Ende war die Niederlage verdient und die Grube zu groß, die man sich selbst gegraben hatte. Vor allem hoffe ich, dass man endlich mal aufhört, von dem ersten Platz zu faseln. Mir ist klar, dass sich die Spieler selbst motivieren wollen und ein engagiertes Ziel ist ja auch wichtig. Doch bin nur ich das oder haben andere auch das Gefühl, dass Bremen sich immer nach solchen Kampfansagen sehr schwer tut? Vielleicht nehme ich das auch nur so wahr. Ich finde hanseatische Zurückhaltung immer noch am Charmantesten, von daher einfach mal weniger Sprüche klopfen und dafür mehr auf dem Platz zeigen.

Jetzt hat das Team knapp zwei Wochen Zeit bevor es gegen den BVB geht. Ich hoffe, dass Naldo bis dahin vielleicht eine Option für die Startelf ist. Vielleicht zusammen mit Sokratis in der IV und dann Ignjovski auf der rechten Außenbahn. Vielleicht ein Weg zu etwas mehr defensiver Stabilität. Und natürlich Bargfrede nicht aufstellen, aber das versteht sich ja von selbst. 🙂

Doppelter Charaktertest

16 Punkte nach sieben Spieltagen, d.h. nur noch drei mickrige Punkte und wir haben die gleiche Anzahl an Punkten wie nach Abschluss der letzten Hinrunde. Vielleicht werden die „fehlenden“ drei Punkte ja schon am Sonntag gegen Hannover eingefahren, wer weiß. Die beiden letzten Spiele gegen Nürnberg und die Hertha aus Berlin zeigen, dass die Mannschaft zwei klassische Charaktertests bestanden hat.

Test Nummer 1 – die Unterzahl

Im Spiel gegen Nürnberg musste erst Sokratis früh ausgewechselt werden, bevor Tim Wiese nach nicht einmal 20 Minuten glatt Rot sah. 70 Minuten in Unterzahl also, dazu noch teils hanebüchene äußere Bedingungen. Obwohl man die 1:0-Führung durch Ekici nicht über die Zeit retten konnte, zeigte die Mannschaft taktische Disziplin. Nach dem Spiel meinten viele, die Mannschaft habe sich zu weit hinten reingestellt nach der Führung, doch was hätte sie tun sollen? Nach 20 Minuten waren schon zwei von drei möglichen Auswechslungen getätigt, d.h. Schaaf waren im Bezug auf das Personal die Hände schon frühzeitig gebunden. Zudem war es teilweise eine wahre Wasserschlacht und weniger ein geordnetes Fußballspiel, vor allem zum Ende der ersten Halbzeit. Zu guter Letzt war es ja auch nicht so, dass Nürnberg Bremen so wirklich unter Druck setzte. Das Tor fiel nach einer Ecke, als die Abwehr den Nürnberger Wollscheid blank stehen ließ.

Vor dem Spiel hätte man sich vielleicht eher über ein 1:1 geärgert, doch nach dem Spielverlauf und den Steinen, die man sich teils auch selbst in den Weg legte, war das ein annehmbares Ergebnis. Wenn man sich die teilweise äußerst blamablen Auftritte der letzten Saison anschaut, so zeigte das Spiel in Nürnberg, dass man eben in der Lage ist, die defensive Struktur zu halten und sich nicht so leicht aus der Bahn werfen lässt, wenn die Dinge mal nicht so ganz nach Plan laufen.

Test Nummer 2 – die Überzahl

Gegen die Hertha Berlin dann am letzten Sonntag gleich der zweite Charaktertest für das Team. Als deutlicher Favorit in das Spiel gestartet, gab es nach wenigen Minuten die kalte Dusche in Form des 0:1 aus Bremer Sicht. Der konnte noch in Halbzeit eins egalisiert werden, doch erst im zweiten Spielabschnitte sollte der Charaktertest folgen. Erst mäht Lell Wolf tief in der Bremer Hälfte um und wenige Minuten später schlägt Ramos nach einer Freistoßentscheidung gegen Berlin den Ball weg. Da beide schon die Gelbe Karte gesehen hatten, war an dieser Stelle Schluss für die beiden. Bremen hatte damit über 25 Minuten zwei Mann mehr auf dem Platz. Keine angenehme Situation, da der Gegner sich in der Folge tief in die eigene Hälfte stellt und das Ergebnis zu verteidigen sucht. Doch Hertha tat mehr als das und konnte einige gefährliche Konter setzen, die fast zum Erfolg führten.

Es sah zeitweise so aus als würden sich die Grün-Weißen richtig in die Nesseln setzen. Am Ende musste wieder unsere peruanische Lebensversicherung ran und in der 94. Minute das erlösende 2:1 machen. Ein sicherlich sehr glückliches Ergebnis und ich kann auch die Hertha verstehen, die mit diversen Entscheidungen von Schiri Brych nicht einverstanden waren. Aus Bremer Sicht wird man bald kaum noch darüber sprechen, wie der Sieg und die drei Punkte zustande gekommen sind. Wichtig war in diesem Spiel, zu zeigen, dass man auch bis zur letzten Sekunde gewillt ist, den Dreier zu holen.

Am Sonntag geht es nach Hannover. Letzt Saison setzte es hier ein 1:4 und das Spiel war einer der ersten Wachmacher der Saison. Zu offensichtlich waren damals die Defizite im Spiel und in der Mannschaft und es sollte nicht die letzte Klatsche in der Saison bleiben. Vielleicht endet das Spiel ja auch ganz langweilig mit 22 Spielern auf dem Feld.