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Ein Punkt für die Moral

Das 0:4 in Hamburg hatte bei allen, die es mit Werder Bremen halten, Spuren hinterlassen. Unter der Woche erhöhten zudem auch die Medien den Ausstoß an Artikeln mit dem Ziel, endlich die Entlassung von Thomas Schaaf herbei zu schreiben. Ganz vorne dabei vor allem die Zeitung mit den vier Buchstaben, die sich dann auch nicht zu blöde war, einen Sketch von Harald Schmidt zur Unterstreichung der eigenen Forderungen heranzuziehen. In diesem Sketch hatte Schmidt den lybischen (Noch-) Staatschef Gaddafi mit Thomas Schaaf verglichen. Auch die sonst eher moderaten Lokalmedien „Syker Kreiszeitung“ und der „Weser-Kurier“ werden in ihrer Tonalität immer schriller. Ich finde es in solchen Situationen immer schade, dass alle Medien immer dem gleichen Skript folgen und ab einem bestimmten Punkt nur noch wie die Marktschreier die eine Parole rausbrüllen. Andere Standpunkte und Sichtweisen sucht man in der Regel vergeblich.

The Game

Doch es soll hier nicht um wohlfeile Medienschelte gehen, sondern um das gestrige Match zwischen Werder und Bayer 04 Leverkusen. Abstiegskandidat vs. Top-Team oder auch 16. (zum Zeitpunkt des Anpfiffs) gegen den Tabellenzweiten. Das 2:2 ist ein deutlicher Sieg für die Moral der Mannschaft, die über weite Strecken nicht zu überzeugen wusste, aber sich zumindest nicht völlig hängen ließ und einfach in ihr Schicksal ergab. Ja, natürlich hat Leverkusen nach dem 0:2 auch gepflegt aufgehört, weiter zu spielen und ja, wenn Kießling nicht erst das 1:2 per Eigentor erzielt und wenig später noch die Riesenchance zum 1:3 vergibt, dann wäre alles anders gekommen. Aber „hätte, hätte, Fahrradkette…“ zählt nun einmal nicht und so war es am Ende Prödl, der per Kopf das 2:2 erzielte und das Weserstadion zum Wackeln brachte.

The Good

Nun gilt es, auch mal das Positive aus dem Spiel mitzunehmen und beim nächsten Spiel die guten Ansätze aufzugreifen und darauf aufzubauen. Sonst bleibt das Spiel wieder ein Muster ohne Wert. Vor allem vor den bald kommenden Spielen gegen die anderen Kellerkinder müssen erste Erfolgserlebnisse her und damit meine ich drei Punkte. Ich hoffe auch, dass dieses Spiel nicht wieder als „Wende“ ausgerufen wird, wie es unser peruanische Andengott nach dem ebenfalls glücklichen 1:1 in Mainz tat. Eine wirklich positive Geschichte aus dem gestrigen Spiel war der Auftritt vom Newcomer Florian Trinks, der eine richtig gute Leistung bot. Es war nicht alles perfekt, aber er hat sich was getraut, auch mal den Risikopass probiert und die Flanke vor dem 1:2 geschlagen. Man sollte jetzt nicht alle Hoffnung in den 18-jährigen setzen, aber er bietet sich an und überzeugt durch sein frisches Auftreten. Auch Borowski fand ich bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung gut, auch wenn er die eine Großchance gerne mal versenken darf.

The Bad

Zwei, drei Dinge fand ich gestern am Rande des Spielgeschehens weniger prall. Zum einen die wiederholten Pfiffe gegen Aaron Hunt. Ja, er spielt eine miese Saison, aber da ist er wahrlich nicht der Einzige. Ich fand ihn gestern gar nicht so schlecht, schließlich hat er das 2:2 aufgelegt und auch die eine Großchance von Wagner, als dieser per Kopf an Adler scheiterte. Der Theorie, dass die Pfiffe gegen ihn schon dafür sorgen, dass die sportliche Führung endlich einsieht, dass er eine Null ist, kann ich mal so gar nichts abgewinnen. Dann dieses Gejammer über Wagners Einsatz gestern. Natürlich hat er bisher nicht überzeugt. Aber wen will man denn sonst aufstellen? Die anderen bringen doch keinen Deut mehr Leistung und saßen ja auch auf der Bank (Marin, Arno). Und auch wenn aus ihm kein Top-Stürmer mehr wird, hat er gestern eine ordentliche Leistung in meinen Augen gebracht. Er hat sich reingehängt, eine dicke Chance und war kein Totalausfall, den einige gesehen haben wollen. Aber gut, vielleicht bin ich da auch auf dem Holzweg. Die letzte Sache war der Umstand, dass während des Spiels immer wieder auf Twitter/Facebook zu lesen war, dass die Mannschaft spielerisch nix auf die Kette bekommt. Natürlich stimmte das über weite Strecken, aber letztlich ist dieses Team im Abstiegskampf, es geht hier ums nackte Überleben in der ersten Liga. Da finde ich es erstmal wichtiger, diesen Kampf auch anzunehmen und die eigene Verunsicherung in den Griff zu bekommen. Ich will auch lieber Kombinationen, Offensivwirbel und tolle Spielzüge sehen, aber die kommen nach den Leistungen der letzten Wochen nicht einfach so zurück. Hier wird man Schritt für Schritt machen müssen und darauf hoffen, dass der nächste Auftritt ein weiterer Schritt nach vorne ist und nicht wieder mehrere Schritte zurück. Noch 15 Punkte, um sicher drinzubleiben!

3 Projekte

Gestern endete die Transferphase. Die Endphase war nochmal richtig spannend: Schalke und Wolfsburg versuchten, alles zu kaufen, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Der Deal von Maxim Choupo-Moting  zwischen Hamburg und Köln scheiterte an einem defekten Faxgerät. Auf der Insel Liverpool erst Andy Carroll für aberwitzige 41 Millionen Euro, um anschließend Fernando Torres Richtung Chelsea ziehen zu lassen. Im Gegensatz dazu blieb es an der Weser erstaunlich ruhig. Dabei hat man drei Baustellen im Kader bearbeitet. Mit Denni Avdic holte man Ersatz für den abgewanderten Hugo Almeida, Predrag Stevanovic spielt nominell im offensiven Mittelfeld und unser letzter „Neuer“ kann sowohl in der Innenverteidigung als auch als Linksverteidiger auflaufen.

Dabei sind alle drei eher Optionen auf die Zukunft, als sofortige Impulsgeber. Avdic konnte bisher noch kaum überzeugen, was wohl auch der Tatsache geschuldet ist, dass er erstmal die körperlichen Defizite aufholen muss, die das frühe Ende der schwedischen Saison so mit sich brachte. Stevanovic kommt aus der zweiten Mannschaft von Schalke und mit 19 kann man da auch jetzt auch nicht von ihm erwarten, die Probleme im Bremer Spielaufbau im Vorbeigehen zu lösen.  Samuels voller Name Samuel Firmino de Jesus verspricht einiges, doch zuletzt war der 24-jährige Defensivmann arbeitslos und so wird er auch sicherlich Zeit brauchen, um sich in Bremen einzuleben. Das heißt nicht, dass es sich hier um drei Flops handelt, doch sind es Investitionen, deren Rendite noch auf sich warten lässt. Damit wird man erstmal mit dem vorhandenen Spielermaterial in die verbliebenen 14 Spiele gehen.

Allofs hatte während der Winterpause immer wieder an der einen oder anderen Stelle verlautbaren lassen, dass sich der derzeitige Kader ohne internationalen Wettbewerb nicht finanzieren ließe. Dies war ja schon immer offensichtlich, wenn man sich die Rahmenbedingungen in Bremen anschaut, doch war ich immer davon ausgegangen, dass man zumindest eine oder zwei Saisons überbrücken könnte, ohne dass man gleich umbauen muss. Doch wenn man trotz der prekären sportlichen Lage und den durchaus vorhandenen Baustellen im Kader so zögerlich agiert, scheint der finanzielle Spielraum doch noch enger zu sein, als ich gemutmaßt hatte. Man kann gespannt sein, was im Sommer passiert. Mit Jensen und Pasanen scheint man nicht mehr zu planen, hinzu kommt das mögliche Karriereende vom Lutscher. Auch Mertesacker wird immer wieder mit einem Abgang im Sommer in Verbindung gebracht. Ein Umbruch im Kader wird wohl die Konsequenz sein und ist aufgrund der Leistungen in dieser Saison auch nötig. Daneben bleibt dann noch die Frage, was im Bereich der sportlichen Führung, sprich: Trainer und Manager passiert. Frei von Kritik sind beide schon lange nicht mehr.

Es ist viel passiert…

Hugo goes

Zum Fest der Liebe wurde die Beziehung zwischen Hugo Almeida und Werder Bremen geschieden. Angedeutet hatte sich der Abgang von Hugoal schon etwas länger, doch dann ging alles relativ schnell. Während in der Woche vor Weihnachten noch jeglicher Kontakt zu Besiktas von Hugo als Lüge abgetan wurde und er darauf insistierte, frühestens nach Weihnachten über seine Zukunft zu entscheiden, war der Deal dann doch vor dem Ende der Feiertage eingetütet.

Damit geht eine viereinhalb Jahre andauernde Ära zu Ende. Obwohl Hugo viele versprechende Ansätze eines wirklichen Klassestürmers hatte, konnte er sein Potential in Bremen nie ganz abrufen. Bezeichnend war irgendwie das Spiel gegen Pauli, wo er mit seinen drei Toren den Sieg klar machte und auf dem Weg zum Helden des Spiels war. Bis er dann seinen Gegenspieler Zambrano einen mitgab und die rote Karte sah. Auffällig war auch, dass Allofs und Schaaf nicht müde wurden, mehr Konstanz und Einsatz von Almeida einzufordern. Viele sahen darin völlig überzogene Kritik am portugiesischen Publikumsliebling, den die sportliche Führung wohl offensichtlich auf dem Kieker hatte. Ich denke, es müssen intern einige Dinge passiert sein, was sich auch an einem Interview mit Klaus Allofs ablesen lässt, welches kurz vor Weihnachten in der Kreiszeitung erschien. Es passiert in Bremen relativ selten, dass ein Spieler auf diese Art und Weise öffentlich abgewatscht wird.

Ich denke, dass es keinen Sinn gemacht hätte, Almeida unter diesen Umständen weiter zu halten, auch wenn sein Verlust sportlich sehr schmerzhaft ist. Obwohl ich Hugoal immer gemocht habe, hat er auch nie ganz die Erwartungen erfüllen können, die man in Bremen hatte. Und dass er „nur“ zu Besiktas wechselt und nicht in eine andere Top-Liga wie England, Spanien oder Italien, spricht da in meinen Augen auch Bände. Ich wünsche ihm für die Zukunft alles gute.

Denni comes

Seit gestern ist der Transfer von Denni Avdic zum SVW offiziell. Der 22-jährige kommt vom schwedischen Erstligisten IF Elfsborg an die Weser. Dort wurde er mit 19 Toren und vier Vorlagen in der letzten Saison zum besten Torjäger. Ich kann zum Spieler nix sagen was über die üblichen Youtube-Videos hinausgeht. Doch auch ohne eine einzige Minute von ihm gesehen zu haben, wird er in den Foren schon jetzt von manchen als Pfeife abgestempelt. Frei nach dem Motto: „In Schweden macht auch meine 90-jährige Großmutter 19 Buden in der Liga. Und die kann kaum was sehen, hört schlecht, hat Rheuma und ’nen Herzschrittmacher!“.

Ich würde sagen, wie warten mal ab und freuen uns darüber, dass Allofs zeitnah reagiert hat. Avdic kann man morgen im Testspiel gegen Trabzonspor wahrscheinlich das erste Mal in Action sehen. Sport1 zeigt das Spiel ab 19:30 Uhr, wer interessiert ist.  In diesem Sinne: Välkomna Denni!

Das Lazarett

Schlechte Nachrichten gibt es von einigen Langzeitverletzten. Fangen wir mit unserem größten Sorgenkind an: bei Naldo wird es immer wahrscheinlicher, dass er diese Saison nicht wieder für die Grün-Weißen kicken wird. Das Knochen-Ödem, was ihn schon seit dem Sommer behindert, macht wohl einen operativen Eingriff unumgänglich. Ich hoffe, dass die Gerüchte um eine mögliche Sportinvalidität sich nicht bewahrheiten und er bald wieder gesund wird.

Wesley fällt auch länger aus als gedacht, da sich der Heilungsprozess seiner Sehnenverletzung im Oberschenkel in die Länge zieht. Auch Sebastian Boenisch wird noch ein bißchen auf sich warten lassen. Beide sind nicht mit nach Belek ins Trainingslager gefahren.