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No expectations

Nur noch 5 Tage bis zum ersten Spiel der Three Lions gegen die Franzosen. Höchste Zeit, einen Blick auf das englische Team und die Aussichten für die EM zu werfen.

Einführung

Gestern hatte ich ja die Entwicklung der Nationalmannschaften aus Deutschland und England seit der EM 2000 beleuchtet. Schaut man sich das Abschneiden der Engländer seitdem an, blieben wirkliche Erfolge aus: WM 2002 – VF, EM 2004 – VF, WM 2006 – VF, EM 2008 – nicht dabei und WM 2010 – AF. Von den fünf großen Turnieren der letzten Jahre war in meinen Augen nur die EM 2004 dabei, wo das Team auch mal spielerisch überzeugen konnte, bevor man im Elfmeterschießen an Portugal scheiterte. Ansonsten waren die Erwartungen stets hoch, aber die Resultate höchstens ernüchternd. Die so genannte Goldene Generation (das Scheitern ist expliziter Bestandteil dieses Begriffs) um David Beckham blieb gänzlich ohne Titel und sorgte nicht unbedingt für Furore auf dem Platz.

Dennoch wurden die Three Lions im Vorfeld der Turniere von der größenwahnsinnigen Yellow Press immer wieder zu einem Favoriten erklärt. Oftmals wurde dazu noch einzelnen Spielern die Rolle des Heilsbringers aufgebürdet (bis 2006 war das Beckham, seitdem Rooney), scheiterte das Team an internen Querelen und der Angst der Trainer, sich gegen die Meinung der Presse einen funktionierenden Kader zusammenzustellen. Hier sei als Beispiel das Duo Lampard/Gerrard aufgeführt, welches zusammen im zentralen Mittelfeld so gut wie nie funktionierte, doch immer wieder gemeinsam nominiert und aufgestellt wurde.

Der Trainer

In den vergangenen Jahren versuchten sich verschiedene Trainer daran, die englische Nationalmannschaft zum Erfolg zu führen. Erst Sven-Göran Eriksson, dann Steve „Umbrella“ McLaren und bis vor kurzem Fabio Capello. Vor knapp zwei Monaten ist Fabio Capello als Cheftrainer zurückgetreten und nachdem die Medien verzweifelt versuchten, Harry Redknapp auf die Trainerbank zu befördern, entschied sich die englische FA am Ende für Roy Hodgson. Eine Entscheidung, die ich zunächst auch eher belächelt habe, doch bei genauerem Hinsehen ist Hodgson vielleicht genau das, was England momentan braucht.

Hodgson ist sicherlich kein Star auf der Bank, keiner der unzählige Meisterschaften gewinnen konnte und einen ähnliches Ansehen genießt wie z.B. Fabio Capello. Hodgson ist jedoch sehr gut darin, mit beschränkten Ressourcen gute Ergebnisse zu erzielen. Er ist keiner, der dem englischen Spiel eine revolutionäre Idee einhauchen wird, aber jetzt ist auch nicht der Zeitpunkt, im Eilverfahren die Versäumnisse der Vergangenheit wieder auszugleichen. Hodgson gilt als Pragmatiker und Freund der Disziplin, der von seinen Teams erwartet, die taktischen Vorgaben genau umzusetzen. So führte er Fulham anno 2010 überraschend ins Finale der Europa-League. Wahrscheinlich hätte eine Berufung von Harry Redknapp wieder einmal dazu geführt, dass die Erwartungshaltung zu groß wird, denn Harry hatte ja Tottenham an die Spitzenplätze der Premier League herangeführt und ähnliches wäre dann auch von der englischen Mannschaft erwartet worden.

Hodgsons Nominierung ist vor allem auch ein Signal an die Öffentlichkeit, dass man seitens der FA erkannt hat, dass die Three Lions genauso einen Trainer brauchen und nicht wieder einen Star-Trainer, der mit viel Geld und Hoffnungen geholt wird. Hodgson steht für eine neue Bescheidenheit und das Wissen darum, welchen Platz man im Weltfußball einnimmt.

Das System

England wird in einem klassischen 4-4-2 auflaufen, welches dabei durch einen hängenden Stürmer eher einem 4-4-1-1 entspricht. Dabei wird Hodgson vor allem auf defensive Disziplin setzen und versuchen „to park the bus in front of goal“, wie der Engländer so schön sagt. Das Verhindern von Gegentoren wird dabei die oberste Priorität sein. Dies ist auch eine Schlussfolgerung aus der Tatsache, dass England im Mittelfeld zum einen über relativ wenig Kreativität verfügt und zudem auch nicht in der Lage sein dürfte, in einem offenen Spiel dem Gegner rein von der Geschwindigkeit in der Rückwärtsbewegung etwas entgegen zu setzen.

Im letzten Testspiel gegen die Belgier konnte man eindrucksvoll sehen, wie sich das dann auf auf dem Rasen auswirkt: die Abwehr-Viererkette an der Strafraumkante und die Mittelfeld-Viererkette ca. 10 – 15m davor. Chelsea aus dem CL-Halbfinale und –Finale lässt grüssen. Dadurch gabe man das Mittelfeld bereitwillig an die Belgier ab, aber machte das letzte Spielfelddrittel vor dem eigenen Tor extrem eng. Die Belgier schoben den Ball hin und her, ohne dabei wirklich zu gefährlichen Szenen zu kommen. Die Offensive basiert dabei auf der Aussicht auf Konter. Gegen Belgien klappte das beim 1:0 mustergültig: Gerrard und Welbeck bedrängen den ballführenden Spieler in der belgischen Hälfte, nehmen ihm den Ball ab, der zu Young kommt, welcher mit einem perfekt getimten Pass den durchgestarteten Welbeck bedient, der zum 1:0 lupft.

Darüber hinaus klappte das Konterspiel der Engländer nicht wirklich. Zu selten konnte man den Belgiern in der Vorwärtsbewegung den Ball abnehmen und selbst, wenn man den Ball gewinnen konnte, dauerte es zu lange, den Ball nach vorne in die Spitze zu bringen. Mein Eindruck war, dass Hodgson seine Mannschaft extra anwies, extrem tief hinten zu stehen, um die Formation für das Spiel gegen die deutlich stärkeren Franzosen zu testen. Sobald England mit etwas Druck und Tempo auf das Tor der Belgier spielte, taten sich entsprechende Lücken auf. Doch insgesamt kamen im Spiel nur eine Handvoll solcher Spielzüge auf und in der Regel begnügte sich England damit, sich hinten einzuigeln. Ich bin gespannt, ob man in der Lage ist, mehr Offensive ins Spiel zu bringen. Vor allem von den Außenpositionen im Mittelfeld war ich enttäuscht. Oxlade-Chamberlain halte ich an der Stelle seine Jugend zu Gute und zudem hat er wenigstens einmal Drang nach vorne zu entwickeln. Von seinem Gegenüber, James Milner, konnte man das nicht behaupten.

Die Spieler

Spricht man über die Spieler der Three Lions muss man vor allem über die Serie an Verletzungen sprechen, die seit Monaten den Kader dezimieren. Smalling, Cahill, Lampard, Barry und Brent sind hierbei die bekanntesten Namen. Insgesamt elf Spieler stehen Hodgson nicht mehr für die EM zur Verfügung, von Langzeitverletzten wie Jack Wilshere bis zum neuesten Mitglied im Lazarett: Gary Cahill. Dabei sind es nicht nur die Stammplatzkandidaten, die Hodgson fehlen werden, sondern vor allem auch die Alternativen von der Bank. Als neuer Innenverteidiger wurde nun Martin Kelly nachnominiert, der auf die stolze Erfahrung von zwei Länderspielminuten zurückblicken kann.

Die zentrale Achse Englands ist für mich Hart – Terry – Gerrard – Rooney. Joe Hart ist die unangefochtene Nummer eins beim englischen Meister Man City und auch in der englischen Nationalmannschaft. Er hat eine wirklich gute Saison gespielt und bewiesen, dass er ein Siegertyp ist. Mit gerade einmal 25 Jahren kann er für einige Zeit den Platz zwischen den Pfosten für sich beanspruchen und damit eine Problemzone der Engländer souverän ausfüllen.

John Terry ist der unumstrittene Chef in der Abwehr. Die Saison bei Chelsea drohte eine Enttäuschung zu werden, doch in der Champions League konnten die Londoner triumphieren und rührten in zwei Spielen gegen Barca sowie im Finale gegen die Bayern feinsten Beton an. Terry sah im Rückspiel gegen Barca glatt Rot nach einem unmotivierten Tritt gegen Spieler des Gegners. Obwohl Terry immer wieder für einen Klops gut ist, wird viel auch von ihm abhängen, zumal er den zweiten Innenverteidiger neben sich in jedem Fall in Sachen Erfahrung haushoch überlegen sein wird.

Steven Gerrard ist der Kapitän der Three Lions und der Boss im Mittelfeld. Vor der Verletzung von Barry und Lampard sah es danach aus als hätte Hodgson eine offensivere Rolle für Stevie G vorgesehen, doch gegen die Belgier kämpfte und grätschte Liverpool‘s Finest auf dem Rasen wie ein Wilder. Die Saison war für Gerrard eher durchwachsen, da Liverpool weit hinter den eigenen Erwartungen zurückblieb und man nur im Carling-Cup erfolgreich war und sich dort im Elfmeterschießen gegen Cardiff City den Titel sichern konnte. Er wird im Mittelfeld zum einen nach hinten dichtmachen und gleichzeitig ist er noch am ehesten in der Lage, das Spiel nach vorne anzukurbeln. Hoffentlich gelingt es ihm, die richtige Balance zu finden.

Wayne Rooney ist der unumstrittene Star des Teams. Mit 27 Toren der zweitbeste Torschütze der Premier League und der einzige Spieler, der das Prädikat Superstar bei den Engländern zu Recht trägt. Bei den WMs 2006 und 2010 lasteten die Hoffnungen Englands fast einzig auf ihm. Und bei beiden Turnieren schien er an diesem Druck zu scheitern. Gerade bei der WM 2010 war er nach den Spielen oft sichtlich gefrustet und legte sich sogar mit den eigenen Fans an. Dennoch verfügt „Wazza“ über viele Fähigkeiten, die ihn vielfältig einsetzbar machen. Obwohl Rooney in der abgelaufenen Saison nur eine Gelbe Karte kassierte, hat er ab und an noch Probleme mit der Beherrschung. So auch im letzten Qualifikationsspiel in Mazedonien, als er (wie auch Terry) seinem Gegner stumpf von hinten in die Beine trat. Er sah glatt Rot und die anschließende Sperre wurde von anfänglich drei Spielen auf zwei reduziert, so dass er erst im letzten Gruppenspiel zur Verfügung stehen wird. Sollte die EM da noch nicht gelaufen sein, könnte seine Rückkehr dem Team einen Schub geben.

Das Umfeld

Es ist erstaunlich ruhig in England. Selbst die Boulevard-Presse hält den Ball erstaunlich flach, obwohl diese vor den letzten Turnieren nicht weniger als den Titel forderte. Sowohl die Nominierung Hodgsons als auch die Erkenntnis, einfach nicht besser zu sein, sorgt an der Front für angenehme Ruhe. Was jedoch derzeit für Unruhe sorgt, ist der Konflikt zwischen Terry und Ferdinand. Hintergrund ist der Umstand, dass QPRs Anton Ferdinand – der kleine Bruder von Rio Ferdinand – im vergangenen Jahr angeblich von John Terry rassistisch beleidigt wurde, was Terry vehement bestreitet. In dieser Geschichte ist noch ein Gerichtsverfahren anhängig, welches für den 09. Juli terminiert wurde.

Diese Geschichte kochte nun wieder hoch, als Hodgson den unerfahrenen Martin Kelly nominierte und damit Rio Ferdinand abermals unberücksichtigt ließ. Hodgson beruft sich auf sportliche Gründe und dies ist auch durchaus nachvollziehbar, da Ferdinand diese Saison häufig verletzt war und in den Spielen, die er bestritt, nicht besonders souverän wirkte. Rio selbst sieht seine Nichtnominierung im Zusammenhang mit den Rassismus-Vorwürfen seines Bruders gegen Terry und machte seinem Unmut via Twitter Luft. Die Meinungen in England zu dem Thema sind gespalten, die einen unterstützen Hodgsons Entscheidung und andere schlagen sich auf Ferdinands Seite.

Prognose

England versucht es wie die Griechen Anno 2004: hinten Beton anrühren und vorne auf das eine Tor hoffen. Ob das gelingt, wage ich zu bezweifeln. Ich sage, die Engländer scheiden im Viertelfinale aus. Dabei gehört auch nicht viel Fantasie dazu, ein Aus in der Gruppenphase vorherzusagen. Am Ende retten sich die Three Lions knapp auf Platz zwei und ziehen hinter den Franzosen ins Viertelfinale ein.

Für weitere Prognosen schaut doch entweder bei Tobias vorbei oder hört Euch die Podcasts von Flatterball an. Für die Freunde der englischen Sprache seien noch die Prognosen von Zonal Marking sowie des Guardian empfohlen; beim Guardian vor allem noch einen Blick auf die Clips „Animated History“ werfen.

Looking back in anger

Vor dem Beginn der EM in Polen und der Ukraine kommt noch in den nächsten Tagen eine etwas ausführlichere Vorschau auf „mein“ Team. Bevor ich mich mit den eher mauen Aussichten der „Three Lions“ für die kontinentalen Wettkämpfe beschäftige, hier ein Artikel, der mir schon lange im Kopf rumspukt und der quasi als Basis gelten kann.

Sicherlich ist es etwas einfach gedacht, doch für mich ist der 20. Juni 2000 ein wichtiges Datum. An diesem Tag finden die letzten EM-Gruppenspiele der Vorrundengruppe A statt. England spielt gegen Rumänien und Deutschland muss gegen Portugal ran. Für die beiden Rivalen geht es um alles, es winkt das klägliche Aus schon in der Vorrunde. Für die Engländer fängt der Abend noch einigermaßen gut an, sie führen 2:1 zur Halbzeit. Doch in Halbzeit zwei drehen die Rumänen auf, erzielen zwei Tore und lassen konsternierte Engländer zurück. Deutschland spielt gegen die schon fürs Viertelfinale qualifizierten Portugiesen und holen sich gegen eine B-Elf eine deftige 0:3-Klatsche ab. Den „Three Lions“ bleibt der zweifelhafte Trost, wenigstens die Deutschen mit 1:0 geschlagen zu haben. Am Ende bleibt aber die Tatsache, dass beide Mannschaften sich blamiert haben.

Beide Länder fanden unterschiedliche Wege damit umzugehen. Deutschland hatte an der sportlichen Leistung und dem Bild, welches die Mannschaft durch die internen Querelen abgab, zu knabbern. 10 Jahre nach dem WM-Titel und Beckenbauers legendärem „Mit den Spielern aus dem Osten sind wir auf Jahre unschlagbar“ war man ziemlich weit unten angekommen. Doch die schmerzhafte Niederlage führte im DFB zu einem Umdenken. Man erkannte, dass man im Bereich der Talentförderung mittlerweile einiges an Aufholbedarf hatte. Dies führte zu einem weitreichenden Auf- und Umbau der Nachwuchsförderung seitens des DFB und heute, zwölf Jahre später, erntet Deutschland in Form von Spielern wie Götze, Özil, Badstuber oder Hummels die Früchte. Fast die gesamte deutsche Nationalmannschaft ist mittlerweile das indirekte Produkt der EM in Belgien und der Niederlande. Durch bessere Sichtung, eine gezielte Förderung sowie die Qualifikation der Trainer hat man die Grundlagen der heutigen Erfolge gelegt. Seit der Ernennung von Jürgen Klinsmann zum Bundestrainer in 2004 und der gleichzeitigen Berufung von Joachim Löw zum Co-Trainer wird die Grundlage für die heutige Spielphilosophie des deutschen Teams gelegt. Mittlerweile greift beides ineinander und bei diesem Turnier ist Deutschland seit langer Zeit wieder Top-Favorit.

Im Vergleich zu Deutschland lag England damals noch nicht so sehr am Boden. Jedenfalls waren die gezogenen Schlüsse nach der EURO 2000 deutlich andere. Man hatte ja die Generation Beckham mit ebenjenem Spice Boy und darüber hinaus noch Spieler wie Owen, Ferdinand, Scholes, welche auf der Insel dazu führten, dass man sich gut gerüstet für die Zukunft sah. Etwas mehr als ein Jahr nach der EURO konnte man ja zudem noch Deutschland in München mit 5:1 bezwingen, also alles in Butter, oder? Leider nicht, denn die EM 2012 ist das letzte Zucken der vermeintlichen Goldenen Generation. Gerrard, Lampard oder Terry sind die Relikte früherer Tage und der nicht eingelösten Hoffnungen von damals. Das WM-Achtelfinale 2010 sollte eindrucksvoll zeigen, wie sich beide Länder entwickelt hatten. England mit der ewig gleichen Lethargie, den völlig überzogenen Ansprüchen im Hinblick auf Titelchancen und der Überforderung einzelner Spieler (hier: Wayne Rooney), die das schon irgendwie richten würden. Im Gegensatz dazu Deutschland mit Leidenschaft, einem echten Team und dazu noch einem perfekt zum Team passenden System.

Es ist sicherlich kein Zufall, dass kurz vor der EM in England ein neues Nachwuchsförderungssystem vorgestellt wurde. So wird vielleicht auch Roy Hodgsons Nominierung nachvollziehbarer, der in seiner Karriere ein deutlich ausgeprägteres Interesse an der Entwicklung von Spielern hatte als der von den Medien lauthals geforderte Harry Redknapp. Zahlen aus dem Jahr 2008 zeigen, dass England vor allem bei der Ausbildung und Qualifizierung von Trainern noch viel Aufholbedarf hat. So verfügte Deutschland über knapp 35.000 Trainer mit einer UEFA Pro, A oder B-Lizenz, Italien hatte knapp 30.000, Spanien noch 24.000, während England gerade einmal annähernd 2.800 Trainer mit einer der drei Lizenzen vorweisen konnte. Für das „Mutterland des Fußballs“ sind das erschreckende Zahlen. Die Lücke schließt sich langsam, doch es wird sicher noch lange dauern, bis man ein ähnliches dichtes Netz spinnen kann. In diesem Zusammenhang muss sicher auch noch auf den Umstand hingewiesen werden, dass der starke Einfluss der Vereine in der Nachwuchsförderung sicherlich auch nicht gänzlich unproblematisch ist. Zumal viele Spieler auch gar keine Chance bekommen, sich in den Entsprechungen der ersten, zweiten und dritten Liga zu beweisen.

Ich hoffe, dass man England die Zeichen der Zeit erkennt. Das gilt sowohl im Hinblick auf die Trainer- als auch die Nachwuchsausbildung. Darüber hinaus ist es auf der Insel auch dringend notwendig, sich über Spielsysteme und -philosophien Gedanken zu machen, um in der Zukunft wieder an die Weltspitze heranrücken zu können und nicht noch weiter den Anschluss zu verlieren.

Coming back

Der Artikel fängt mit einem Geständnis an: Ja, ich bin Fan der englischen Nationalmannschaft. Das hat unter anderem damit zu tun, dass ich Halb-Engländer bin, nur falls man mir mangelnden Patriotismus vorwerfen möchte. Es ist eine schwierige Beziehung zwischen den Three Lions und mir. Bisher hat die Mannschaft noch bei jedem Großturnier (sofern sie qualifiziert war) jedesmal für eine herbe Enttäuschung gesorgt.

Die vergangene WM bildet da keine Ausnahme. Das 1:4 gegen Deutschland im Achtelfinale war nur das Tüpfelchen auf dem i eines völlig verhunzten Auftritts der englischen Nationalmannschaft. Schon in der Vorrunde waren die Auftritte gegen die USA, Algerien und Slowenien alles andere als mitreißend. Dabei hatte man eine gute WM-Quali gespielt und berechtigte Hoffnungen, dass Capello dem Team für die WM einen Schub geben könnte. Doch während des Turniers zeigte sich die altbekannte Ideen- und Leidenschaftslosigkeit, die in den letzten Jahren kennzeichnend für die Three Lions geworden ist.

Dabei gelingt es vor allem den Top-Stars nicht, die Leistungen, die sie wöchentlich für ihre Vereine auf den Platz bringen, abzurufen. Ein Frank Lampard, der für Chelsea in der abgelaufenen Saison 22 Tore erzielen konnte, war nicht mehr als ein Mitläufer und konnte keine Akzente setzen. Auch ein Gerrard und ein Rooney blieben über weite Strecken blass. Vor allem Lampard und Gerrard scheinen zusammen auf dem Platz einfach nicht miteinander zu funktionieren, dies ist nicht erst seit dieser WM offensichtlich. Leider konnte Capello hier den gordischen Knoten nicht durchschlagen.

Nun kommt die Qualifikation zur EM 2012 in Polen und der Ukraine. England trifft hier in Gruppe G auf Bulgarien, Montenegro, die Schweiz und den Nachbarn Wales. Sicherlich keine Todesgruppe, aber auch kein Spaziergang für die Three Lions. Das Team tritt im Vergleich zur WM kaum verändert an. Eigentlich hatte ich erwartet, dass Capello nach dem erfolglosen einen Schnitt macht und versucht, das Team zu verjüngen. Dies wäre vor allem auch für die Fans ein Zeichen des Aufbruchs gewesen. Nun bleibt dieser Schnitt aus und ein Großteil der WM-Fahrer wird sich die Zuneigung der Fans wieder hart erarbeiten müssen. Ganz haarig wird es auf der Torhüter-Position. Während Joe Hart von ManCity sich als neue Nummer eins herauskristallisiert, hat Capello Schwierigkeiten, darüber hinaus noch fähiges Personal aufzustellen. Da Ben Foster und Scott Carson in der Vorbereitung auf das erste Quali-Spiel angeschlagen waren, musste der fünfte(!) Keeper von Arsenal, James Shea, ins Team berufen werden. Ich glaube, das Problem mit den Torhütern wird sich nicht mehr lösen lassen, eher friert die Hölle zu.

Am Samstag geht es in Wembley gegen Bulgarien los. Zu Bulgarien kann ich relativ wenig sagen. In Abwesenheit von Dimitar Berbatov ist Martin Petrov noch einer der bekannteren Namen, der einst für den VfL Wolfsburg spielte. Doch genau das macht das Spiel auch gefährlich für die Engländer, da man Gefahr läuft, einen solchen Gegner nur allzu schnell auf die leichte Schulter zu nehmen. Hier gilt es, gleich ein Ausrufezeichen zu setzen und vor allem engagiert und leidenschaftlich zu Werke zu gehen.

Nächsten Dienstag ist England dann in der Schweiz zu Gast. Die Schweiz konnte als einziges Team bei der WM die Spanier bezwingen. Mit 1:0 konnten die Schweizer das erste Gruppenspiel gegen die Iberer für sich entscheiden. Im entscheidenden Gruppenspiel gegen Honduras wurde das größte Manko der Schweizer deutlich: die fehlende Kreativität. Die Eidgenossen mussten das Spiel gegen tiefstehende Mittelamerikaner selbst machen und kamen über ein 0:0 nicht hinaus. Der Star der Schweiz sitzt auf der Bank und heißt Ottmar Hitzfeld. Hier in Deutschland braucht man sicherlich nicht mehr viele Worte über Hitzfeld verlieren. Die Schweizer sind nominell sicherlich der stärkste Gegner der Engländer. Also, ich bin gespannt, was bei den beiden Spielen für England rausspringt.

Come on England!