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Lackmus-Test

Vor dem Spiel gegen die Bayern am kommenden Samstag werden die Personalsorgen nicht kleiner. Vorne fehlt uns Claudio Pizarro immer noch aufgrund seiner im Spiel gegen Köln erlittenen Muskelverletzung. Doch sein Ausfall lässt mich noch einigermaßen unbeeindruckt, da ich unsere Offensive für stark genug halte, auch ohne Pizarro für Tore zu sorgen.

Hinten hingegen fällt neben Naldo nun auch Per Mertesacker aus. Im gestrigen Spiel der EM-Qualifikation rammte ihm sein Gegenspieler Dzavadov bei einem Kopfballduell den Ellenbogen ins Gesicht und Per muss ausgewechselt werden. Die Diagnose lautet: Bruch des Augenhöhlenbodens. Merte fällt mindestens für die nächsten beiden Pflichtspiele gegen die Bayern und in der CL gegen Tottenham aus.

Damit wird es hinten sehr eng. Entweder Schaaf lässt hinten Prödl und Pasanen in der IV ran und stellt Silvestre auf links. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass Schaaf evtl. Silvestre als IV aufbietet und dann daneben entweder Pasanen oder Prödl auflaufen lässt. Auf jeden Fall ist es nun die Chance für die zweite Garde in der IV sich zu beweisen und dies auf allerhöchstem Niveau. Geht es schief, höre ich schon das Gejaule, dass die Mannschaft nicht in allen Bereichen doppelt besetzt ist. Schließlich brauchen wir einen Kader von 22 völlig gleichwertigen Spielern und wenn einer ausfällt, darf das keine Auswirkungen haben.

Mal sehen, was die Mannschaft und vor allem die „Notabwehr“ am Samstag und am nächsten Mittwoch daraus machen. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Spiele positiv gestalten können, zumal weder die Bayern noch Tottenham jetzt in einer Form sind, die einem Angst einjagt. Unseren bayerischen Freunde haben selbst Probleme in der IV und vorne ist man noch weit von der Form der letzten Rückrunde entfernt. Tottenham ist in der Liga mittelprächtig gestartet und hat am letzten Spieltag ein 0:1 gegen Wigan an der heimischen White Hart Lane hinnehmen müssen.

Coming back

Der Artikel fängt mit einem Geständnis an: Ja, ich bin Fan der englischen Nationalmannschaft. Das hat unter anderem damit zu tun, dass ich Halb-Engländer bin, nur falls man mir mangelnden Patriotismus vorwerfen möchte. Es ist eine schwierige Beziehung zwischen den Three Lions und mir. Bisher hat die Mannschaft noch bei jedem Großturnier (sofern sie qualifiziert war) jedesmal für eine herbe Enttäuschung gesorgt.

Die vergangene WM bildet da keine Ausnahme. Das 1:4 gegen Deutschland im Achtelfinale war nur das Tüpfelchen auf dem i eines völlig verhunzten Auftritts der englischen Nationalmannschaft. Schon in der Vorrunde waren die Auftritte gegen die USA, Algerien und Slowenien alles andere als mitreißend. Dabei hatte man eine gute WM-Quali gespielt und berechtigte Hoffnungen, dass Capello dem Team für die WM einen Schub geben könnte. Doch während des Turniers zeigte sich die altbekannte Ideen- und Leidenschaftslosigkeit, die in den letzten Jahren kennzeichnend für die Three Lions geworden ist.

Dabei gelingt es vor allem den Top-Stars nicht, die Leistungen, die sie wöchentlich für ihre Vereine auf den Platz bringen, abzurufen. Ein Frank Lampard, der für Chelsea in der abgelaufenen Saison 22 Tore erzielen konnte, war nicht mehr als ein Mitläufer und konnte keine Akzente setzen. Auch ein Gerrard und ein Rooney blieben über weite Strecken blass. Vor allem Lampard und Gerrard scheinen zusammen auf dem Platz einfach nicht miteinander zu funktionieren, dies ist nicht erst seit dieser WM offensichtlich. Leider konnte Capello hier den gordischen Knoten nicht durchschlagen.

Nun kommt die Qualifikation zur EM 2012 in Polen und der Ukraine. England trifft hier in Gruppe G auf Bulgarien, Montenegro, die Schweiz und den Nachbarn Wales. Sicherlich keine Todesgruppe, aber auch kein Spaziergang für die Three Lions. Das Team tritt im Vergleich zur WM kaum verändert an. Eigentlich hatte ich erwartet, dass Capello nach dem erfolglosen einen Schnitt macht und versucht, das Team zu verjüngen. Dies wäre vor allem auch für die Fans ein Zeichen des Aufbruchs gewesen. Nun bleibt dieser Schnitt aus und ein Großteil der WM-Fahrer wird sich die Zuneigung der Fans wieder hart erarbeiten müssen. Ganz haarig wird es auf der Torhüter-Position. Während Joe Hart von ManCity sich als neue Nummer eins herauskristallisiert, hat Capello Schwierigkeiten, darüber hinaus noch fähiges Personal aufzustellen. Da Ben Foster und Scott Carson in der Vorbereitung auf das erste Quali-Spiel angeschlagen waren, musste der fünfte(!) Keeper von Arsenal, James Shea, ins Team berufen werden. Ich glaube, das Problem mit den Torhütern wird sich nicht mehr lösen lassen, eher friert die Hölle zu.

Am Samstag geht es in Wembley gegen Bulgarien los. Zu Bulgarien kann ich relativ wenig sagen. In Abwesenheit von Dimitar Berbatov ist Martin Petrov noch einer der bekannteren Namen, der einst für den VfL Wolfsburg spielte. Doch genau das macht das Spiel auch gefährlich für die Engländer, da man Gefahr läuft, einen solchen Gegner nur allzu schnell auf die leichte Schulter zu nehmen. Hier gilt es, gleich ein Ausrufezeichen zu setzen und vor allem engagiert und leidenschaftlich zu Werke zu gehen.

Nächsten Dienstag ist England dann in der Schweiz zu Gast. Die Schweiz konnte als einziges Team bei der WM die Spanier bezwingen. Mit 1:0 konnten die Schweizer das erste Gruppenspiel gegen die Iberer für sich entscheiden. Im entscheidenden Gruppenspiel gegen Honduras wurde das größte Manko der Schweizer deutlich: die fehlende Kreativität. Die Eidgenossen mussten das Spiel gegen tiefstehende Mittelamerikaner selbst machen und kamen über ein 0:0 nicht hinaus. Der Star der Schweiz sitzt auf der Bank und heißt Ottmar Hitzfeld. Hier in Deutschland braucht man sicherlich nicht mehr viele Worte über Hitzfeld verlieren. Die Schweizer sind nominell sicherlich der stärkste Gegner der Engländer. Also, ich bin gespannt, was bei den beiden Spielen für England rausspringt.

Come on England!