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Sündenböcke

„Als Sündenbock wird umgangssprachlich jemand bezeichnet, dem man die Schuld für Fehler, Misserfolge oder sonstiges Konfliktpotential zuschiebt. Tatsächliche Schuld spielt dabei keine Rolle.“ – Quelle: Wikipedia

Noch heute kocht die Fanseele, wenn das gestrige 2:4 in Augsburg zur Sprache kommt. Die blinde Sau an der Pfeife hat uns um die wohlverdienten Punkte gebracht, unterstützt von der Amateur-Schauspielertruppe des FCA, die laut Thomas Eichin nur „gejammert und geweint“ haben. Nun möchte ich die meisten der Aussagen darauf zurückführen, dass sie in der Hitze des Gefechts entstanden, aber auch heute wird allenthalben noch auf den bösen Schiri geschimpft. Ich will gar nicht behaupten, dass der Unparteiische einen guten Tag erwischt hätte oder dass Augsburg nicht auch sehr geschickt agiert hat und gerne aus einer Mücke einen Elefanten gemacht hat, aber das ist mir als Erklärung für das gestrige Spiel dann doch ein bisschen zu billig.

Könnte man nicht erwarten, dass eine Mannschaft in einer solchen Situation auch mal kühlen Kopf bewahrt und nicht jede Entscheidung mit Diskussionen und Herumlamentiererei quittiert? Und das Augsburg einen eher provokanten Spielstil pflegt, vor allem in der heimischen Arena, ist ja nun kein Geheimnis und dürfte uns noch aus der letzten Saison im Gedächtnis geblieben sein (kann Ostrzolek eigentlich wieder spielen?). Dennoch hat sich die Mannschaft komplett aus dem Takt bringen lassen. Abschließend noch eine paar weitere Fragen: Warum kann sich Baier beim 1:1 sich davonstehlen und warum wird der Passgeber nicht zugestellt? Wieso wird beim 1:2 der Ball in der Vorwärtsbewegung so hergeschenkt? Warum nimmt sich Werders Verteidigung beim 2:3 die Zeit, Caiubys Schuss zu bewundern, während einzig Werner auf den Abpraller spekuliert.

Ich bin mir sicher, dass diese Punkte in der Nachbereitung des Spiels bei FCA besprochen werden und man im Hinblick auf das Heimspiel gegen Schalke wird Dutt mit Nachdruck daran arbeiten. Darauf sollte man sich jetzt fokussieren und sich nicht zum Opfer des bösen Schiedsrichters machen. So sehr Marco Fritz bei manchen Entscheidungen daneben gelegen haben mag, für die Fehler in der Abwehr oder bei der Chancenverwertung taugt er nur bedingt als Ausrede. Klar, im Eifer des Gefechts rege auch ich mich gerne über den jeweiligen Schiedsrichter auf, aber mittlerweile habe ich das Gefühl, da bildet sich schon seit geraumer Zeit der Mythos heraus, Bremen würde andauernd und anhaltend von den Unparteiischen bzw. vom DFB benachteiligt. Ich mag solche Verschwörungstheorien ehrlich gesagt nicht. Ein Stück weit gehört das Gejammer zur üblichen Fan-Folklore, aber es nimmt teils schon paranoide Züge an.

Dabei macht es mir viel mehr Sorgen, dass wir uns in den ersten fünf Pflichtspielen schon 12 Gegentore gefangen haben, dass gerade auch gestern wieder die oft erwähnte Balance zwischen Offensive und Defensive fehlte. Das ist noch lange kein Grund, den Weltuntergang herbeizureden, aber in meinen Augen ist das ein viel größerer Anlass zur Sorge als die vermeintliche Benachteiligung durch „die Schiris™“ oder die „Fußballmafia DFB™“. Sich als Opfer dunkler Mächte zu sehen, macht die Niederlage vielleicht erträglicher und kürzt auch die Analyse ab, aber ich bezweifle, dass dies zum Erfolg führt. Gegen Schalke sollten Mannschaft und Fans sich wieder auf das Spiel konzentrieren, in der Hoffnung, dass es gegen die Königsblauen mehr Anlass zur Freude gibt.

Lebenslang Grün-Weiß!

P.S.: Laut Alex Feuerherdt vom Schiri-Podcast „Collinas Erben“ war das mit dem Abseits vor dem 1:2 doch nicht so eindeutig:

Suboptimal

Bevor ich mich zum heutigen Spiel äußere, will ich an dieser Stelle noch ein wenig ausholen. Ist ja auch schon ein Weilchen her, dass ich hier was geschrieben habe. Der 1:0-Sieg über Bayer Leverkusen war ein guter Schlusspunkt für eine durchwachsene Hinrunde. Die Rückkehr zu einer defensiven Grundeinstellung und Taktik bescherte Werder ein überraschendes Weihnachtsgeschenk. Mit diesem Rückenwind ging es in die Winterpause und das damit verbundene Trainingslager Anfang Januar. Die Aufgabenstellung dabei war klar: Stärkung der Defensive und Grundlagen. Das mit den Grundlagen stammt aus einem Artikel des Weser-Kuriers, in dem sich Sebastian Prödl und Nils Petersen zur Lage äußerten. Nun war es ja in vielen Spielen offensichtlich, dass der Mannschaft gewisse Grundlagen abgehen, aber ich fand und finde es immer noch bemerkenswert, dass sich die Spieler dahingehend geäußert haben. Zumal sich daraus auch die Frage ergibt, was in den letzten Jahren passiert ist, wenn nun so ein Nachholbedarf in grundlegenden Bereichen besteht. Immerhin wurde mal nix von Europa gefaselt, was ja auch ganz wohltuend ist. Die beiden Freundschaftsspiele in Jerez habe ich nicht verfolgt, die Ergebnisse habe ich beiläufig zur Kenntnis genommen. Seit Jahren gilt für mich bei Testspielen das Motto: „Bloß nix hochsterilisieren!“.

Neue Impulse

Das Thema Verstärkungen ließ lange auf sich warten und zum Ende der Transferperiode standen zwei neue Spieler fest: zum einen Fin Bartels vom FC St. Pauli, der im kommenden Sommer an die Weser wechselt. Sicherlich ein guter Transfer für die Breite des Kaders. Ich habe ein paar Spiele des FCSP diese Saison gesehen und obwohl er mir dabei gut gefiel, fand ich ihn keineswegs überragend. Aber wahrscheinlich habe ich einfach nur die falschen Spiele gesehen, denn viele sind von seinen Leistungen diese Saison sehr angetan und seine Zahlen sind durchaus gut. Der zweite Neuzugang wechselte sogar noch in dieser Transferperiode zum SVW. Ludovic Obraniak kommt vom FC Girondins de Bordeaux nach Bremen. Bordeaux, da war doch was? Richtig, der Club, bei dem Johan Micoud damals groß raus kam und nach seiner Zeit bei Werder seine Karriere beendete. Und offensichtlich konnte Le Chef dem Ludovic das Leben in Grün-Weiß einigermaßen schmackhaft machen. Obraniak ist polnischer Nationalspieler und im offensiven Mittelfeld zu Hause. Im Gegensatz zu Bartels sehe ich Obraniak eine Verstärkung in der Spitze und nicht in der Breite. Er könnte für Hunt der dringend benötigte Spielgefährte sein, der ihm hilft, dem Spiel nach vorne eine Struktur zu geben. Darüber hinaus ist es natürlich auch ein Signal an Hunt, dass man durchaus gewillt ist, namhafte Spieler zu holen und das Team zu verstärken.

Zurück in die Zukunft

Das Spiel gegen Braunschweig habe ich nicht gesehen, ich weilte auf Rügen im Urlaub. Nach dem Trainingslager war klar, dass dort kein Feuerwerk abgebrannt werden würde, aber es bleibt die Frage, ob ein 0:0 gegen den Tabellenletzten nicht viel zu wenig ist. Ja, Braunschweig ist keine Laufkundschaft, aber auf der anderen Seite muss man die Punkte mitnehmen, gerade im Abstiegskampf und gerade in einem Heimspiel.

Gestern dann das Auswärtsspiel in Augsburg. Auch mit einigen Stunden Abstand habe ich das Gesehene noch nicht wirklich verdaut. Es war auf allen Ebenen grausam anzuschauen. Es war klar, dass es ein schwieriges Spiel werden würde, denn schon im Hinspiel war Augsburg die bessere Mannschaft und Bremen konnte sich glücklich schätzen, die drei Punkte eingefahren zu haben. Und eigentlich erwischte man einen Traumstart in das Spiel als Callsen-Bracker in der dritten Spielminute eine Bremer Ecke in das eigene Tor lenkte. Das hätte der Mannschaft Selbstvertrauen geben können, doch das Gegenteil war der Fall: Abspielfehler, technische Unzulänglichkeiten und viele Fouls tief in der eigenen Hälfte bauten den Gegner ganz schnell wieder auf. Schon in Minute 11 konnte der FCA nach einem abgefäschten Freistoß den Ausgleich feiern (Fun Fact: nur wenige Minuten vorher hat Augsburg die gleiche Freistoß-Variante an den Pfosten geschossen. Lerneffekt bei Versuch Nummer zwei: null). Danach waren die Augsburger endgültig Herr im eigenen Stadion und mehr als erstauntes Zuschauen hatte Bremen nicht zu bieten. Das defensive Mittelfeld bekam keinen Zugriff auf den Augsburger Aufbau und wenn man in Ballbesitz war, wurde der Ball schnell wieder hergegeben. Garcia hatte vor allem mit André Hahn seine Probleme, wurde aber von den Außen im Mittelfeld auch kaum defensiv unterstützt, obwohl Dutt vor dem Spiel die Gefährlichkeit des Augsburger Flügelspiels hervorhob.

Darüber hinaus fiel Garcia in diesem Spiel wieder einmal durch sein stürmisches Vorgehen auf. Nachdem er nach ca. 15 Minuten die erste gelbe Karte kassiert hatte, ging er in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit im gegnerischen Strafraum mit gestrecktem Bein in den Zweikampf. Zwar zieht er zurück und trifft Ostrzolek nicht, aber er nimmt durch sein Einsteigen eine Verletzung in Kauf und sieht zurecht die zweite gelbe Karte. Auch wenn die Schauspieleinlage des Augsburgers unwürdig ist, darf Garcia da nicht so hingehen. Sein Verhalten nach Gelb-Rot lässt zudem befürchten, dass Schiri Dingert noch ein paar Sachen im Spielberichtsbogen notiert haben könnte. Ich bleibe bei meiner Einschätzung aus dem Schalke-Spiel: Garcia tanzt auf der Rasierklinge und mit solchen Aktionen schadet er der Mannschaft. Dingert hätte auch schon nach 23 Minuten die zweite gelbe Karte zeigen können. So sympathisch der Argentinier ist und die Herzen der Fans erobern konnte, aber sein Temperament schadet zu oft der eigenen Mannschaft. Natürlich muss sich Dutt hier die Frage gefallen lassen, warum er Garcia nicht auswechselt. Gerade nach der Aktion in Minute 23, einem harten Einsteigen gegen Hahn mit Armeinsatz, hätte dem Trainer klar sein müssen, dass Garcia ein Risiko darstellt. In Halbzeit zwei sorgt erst ein Aussetzer von Selassie für das 1:2 und am Ende sehen sowohl Wolf als auch Schmitz beim 1:3 mehr als unglücklich aus. Und beim 1:3 konnte man dann vielleicht ein kleines bisschen verstehen, warum Dutt Garcia so lange wie möglich hat spielen lassen.

58% Passquote (FCA: 84%), 29% Ballbesitz und 138 angekommene Pässe in 90 Minuten. Zum Vergleich: der FCA brachte 530 Pässe an den Mann.  So deutlich die Zahlen aussehen, so deutlich fühlte sich das Spiel auch an. Augsburg war in allen Belangen überlegen und Bremen nicht in der Lage, den Gegner wirklich in Bedrängnis zu bringen. In der Hinrunde konnte man glückliche sechs Punkte in den ersten beiden Partien einfahren und nun ist es nur noch einer. Dabei ist es nicht die Niederlage an sich, die so schmerzt, sondern die Art und Weise. Die Ratlosigkeit, mit der über weite Strecken agiert wurde. Auf der einen Seite eine Mannschaft mit einem Konzept, dass beherzigt und befolgt wird, auf der anderen Seite ein kopfloser und verunsicherter Haufen, der sich selbst durch Fehler, Fouls und Undiszipliniertheiten in Bedrängnis bringt. Und anders als bei Facebook direkt nach Spielschluss von Werder dargestellt, lag es nicht nur an der Unterzahl in der zweiten Halbzeit, dass man sich Augsburg geschlagen geben musste.

Fragestunde

Der Auftritt gestern hat mich einigermaßen ratlos zurück gelassen. Ich frage mich, woran in der Winterpause gearbeitet wurde. Der Fokus soll auf die Defensive gelegt werden, aber wenn man sich so präsentiert, wie es gestern der Fall ist und trotz einer defensiven Einstellung drei Gegentore kassiert, wird mir für die kommenden 15 Spiele Angst und Bange. Vor allem ist im Vergleich zu den ersten Spielen der Hinrunde keinerlei Entwicklung erkennbar. Eine Idee für das eigene Spiel nach vorne ist nicht erkennbar. Einfach nur Tore verhindern und darauf hoffen, irgendwie ein Tor selbst zu erzielen, wird auf Dauer nicht reichen. Das ist vielleicht eine geeignete Herangehensweise gegen eine Top-Mannschaft wie Bayer Leverkusen, aber nicht gegen Mannschaften wie Braunschweig und Augsburg. Gerade Augsburg zeigt, wie man mit einer klaren Spielidee zum Erfolg kommt. Ich frage mich ernsthaft, gegen wen man in der Rückrunde jetzt die nötigen Punkte holen will, die uns vor dem Abstieg bewahren sollen. Einzig an einen Sieg im 100. Nordderby mag ich glauben, in diesem Fest des Anti-Fußballs.

Eigentlich wollte ich Dutt die komplette Saison Zeit geben, aber langsam werde ich nervös. Ja, ich weiß: es war von vorne herein klar, dass es ein langer Prozess sein würde, der auch Rückschläge beinhaltet. Ich erwarte auch keinen Zauberfußball und bin auch für kleine Schritte dankbar, aber auch die zu erkennen, fällt mir aktuell schwer. Ist Dutt derjenige, der diese Mannschaft wieder in die Spur bringen kann? Oder ist die Mannschaft einfach zu schlecht für die Bundesliga? Warum sehen wir seit Jahren und nun unter einem anderen Trainer die ewig gleichen Fehler? Ich weiß es nicht, aber ich habe zunehmend das dumpfe Gefühl, dass Dutt vielleicht nicht der Richtige ist. Die Frage, die sich daraus naturgemäß ergibt, lautet: Wer soll es dann machen? Auch hier kann ich allenfalls mit Achselzucken dienen.

Das Spiel gestern hat noch einige eher kleine Fragen bei mir aufgeworfen: Warum kommt ein Yildirim nicht zum Zug? Im Sommer hat man seinen Vertrag noch mit großen Worten verlängert, aber in letzter Zeit spielt er keine Rolle. Stattdessen spielt Di Santo auf einer fremden Position und auch Elia kann sich schwache Auftritte erlauben, ohne dass er mal ausgewechselt wird. Ist Yildirim zu schlecht? Trainiert er nicht gut? Hat er aufgemuckt?

Bargfrede spielt gegen Braunschweig im defensiven Mittelfeld und macht ein gutes Spiel, gegen Augsburg kommt Makiadi von einer Verletzung zurück und ist sofort in der Startelf, obwohl seine Leistungen auch nicht so überragend waren, dass er automatisch gesetzt sein sollte. Auf vielen Positionen stellt sich die Mannschaft mangels Alternativen von alleine auf, aber im Mittelfeld sind für alle Positionen Alternativen verfügbar, die irgendwie nicht ausgenutzt werden. Ich fordere ja nicht, einen Spieler sofort nach einer schlechten Partie auf die Bank zu verbannen, aber macht es nicht Sinn, einem Spieler auch mal eine Pause zu geben? Ihn so auch zu motivieren, sich voll reinzuhängen? Konkurrenz kann auch dazu dienen, dass jeder an sein Limit geht und das Beste aus sich herausholt. Und was ist in dem Zusammenhang mit dem Thema „Junge Wilde“? Wo bleiben genannter Yildirim, Kobylanski und Co.? Es sind Fragen eines Außenstehenden, da ich nicht jedes Training verfolge und natürlich auch nicht Dutts Gedankengänge kenne, aber von der reinen Außenperspektive aus betrachtet wirken die Entscheidungen teilweise schwer nachvollziehbar.

Vor allem aber mache ich mir Sorgen um meinen Verein. Die Mannschaft entwickelt sich nicht und die von Dutt angekündigten harten Worte wirken schon wie die Rhetorik einer Ratlosen. Wie oft haben wir in den vergangenen Jahren nach peinlichen Auftritten gehört, jetzt werde mal Tacheles geredet und mit Konsequenzen gedroht. Ich hoffe, dass es nicht wieder die üblichen Worthülsen sind. Ich will nicht, dass unser Anspruch diese Saison darin besteht, dass drei Vereine am 34. Spieltag schlechter sind als Werder.  Das ist mir zu passiv und zu sehr Prinzip „Hoffnung“, aber viel mehr bleibt nach dem Spiel in Augsburg vorerst nicht.

Lebenslang Grün-Weiß!

Drei plus drei macht sechs

Gestern war ein Teil der Grünweiß-Crew (Anna, Andreas, Tobias und ich) gemeinsam im Stadion, um sich das Spiel gegen Augsburg anzuschauen. Vor dem Spiel kam aber erst einmal der Kauf des ersten Werder-Trikots meiner Fan-Karriere. Aber das nur am Rande. Das erste große Highlight des Tages war die großartige Choreo für Thomas Schaaf. Wir saßen in der Westkurve und hatten einen guten Blick auf das tolle Bild in der Ostkurve. Schön war auch, dass zum Abschluss des Ganzen der „Danke, Thomas“-Banner noch durch ein „Auf geht’s, Robin“ ausgetauscht wurde. So wurde es nicht nur der Abschied von Schaaf, sondern auch ein Willkommen an Dutt.

Das Spiel selbst hatte dann deutlich weniger Highlights zu bieten. Im anschließenden Grünweiß-Stammtisch, den wir live aufgezeichnet und gestreamt hatten, haben wir die meisten Punkte angesprochen. Augsburg war über weite Phasen das optisch überlegene Team und Bremen kam nur selten gefährlich vor das Tor der Gäste. So war es ein Distanzschuss, inklusive Fehler von Augsburgs Amsif, der das entscheidende Tor durch Ekici brachte. Defensiv fand ich das über das gesamte Spiel hinweg betrachtet gar nicht so schlecht, wenn man die 15 Minuten nach der Halbzeitpause außen vor lässt, weil man da wirklich ins Schwimmen geriet. So hat man kaum gute Chancen zugelassen, weshalb die Statistik der 20:5 Torschüsse für Augsburg auch ein wenig trügerisch ist, denn davon kamen nur die wenigsten auf das Tor von Mielitz. Besonders gut hat mir Luca Caldirola gefallen, der auf der Linksverteidiger-Position aufgeboten wurde und sich dort hervorragend verkauft hat. Seit seinem suboptimalen Auftritt im Pokal hat er sich gut gefangen und zeigt, warum man ihn nach Bremen geholt hat.

Im Spiel nach vorne war das deutlich weniger positiv. Auch wenn man jetzt nicht alles verdammen sollte, fiel vor allem in der zweiten Halbzeit auf, dass Bremen große Probleme hatte, den Ball nach vorne zu bringen. Zu oft wurde nach einer erfolgreichen Balleroberung in der eigenen Defensive ein Fehlpass gespielt oder der Ball im Dribbling verloren. Hier hätte man für deutlich mehr Entlastung sorgen können und müssen, denn zu häufig kam der Ball postwendend wieder zurück in das Bremer Abwehrdrittel. Und man sollte in der Lage sein, gegen einen Gegner, der mit zunehmender Spieldauer immer mehr Druck aufbaute, mehr als einen gefährlichen Konter zu fahren (den Petersen in der 89. Minute vergab).

Nach zwei Spielen, in denen das Ergebnis auch ein anderes hätte sein können, findet sich Bremen mit sechs Punkten wieder. Wahlweise bezeichnet man die zwei Siege als glücklich oder dreckig, aber mir soll es recht sein. So viele haben Bremen (auch Fans des Vereins) als Abstiegskandidaten gesehen, da kann es doch eigentlich nur recht sein, dass man gegen zwei Clubs, die aller Voraussicht nach ebenfalls unten drin stehen werden, Dreier eingefahren hat. Zumal jetzt der Borussia-Doppelpack in Dortmund und Gladbach kommt und man nicht unbedingt ein ausgemachter Pessimist sein muss, um hier mit null Punkten zu rechnen. Da hilft das Polster vor allem auch Trainer und Mannschaft, denn wenn wir nach vier Spielen nur mit ein, zwei Punkten dagestanden hätten, wären wir mitten im Abstiegskampf inklusive der dazugehörigen Diskussionen. Nun heißt der gute Start natürlich nicht, dass wir in der Saison nichts mit den tiefsten Regionen der Tabelle zu tun haben werden, aber für den Anfang haben wir einen kleinen Puffer. Und es ändert auch nichts daran, dass es noch viel zu tun gibt in der Mannschaft.

Ich bin gespannt, wie wir in Dortmund auftreten werden und was sich Dutt einfallen lässt, um die Kreise des BVB so gut es geht einzuschränken, so dass wir nicht unter die Räder kommen.

Lebenslang Grün-Weiß!

Niederlage gegen Augsburg

Eigentlich hatte ich gehofft, nach dem Spiel gegen Augsburg endlich mal wieder was positiveres bloggen zu können, doch nach dem 0:1 am gestrigen Nachmittag ist die Stimmung bei mir und vielen anderen Werder-Fans endgültig am Boden. Ich hatte eigentlich mit sieben Punkten aus den nächsten drei Spielen gerechnet, und vor allem gegen Augsburg und Fürth jeweils einen Heimsieg fest eingeplant. Nicht, weil die Mannschaften nur Laufkundschaft sind, denn das ist keine Mannschaft mehr für Bremen, sondern weil sich die Frage stellt, wen man noch schlagen will, wenn nicht die Kellerkinder der Liga. Unter der Woche zog das Trainer-Team alle Register: Spielerschelte und Ausreden, doch wirklich aufschlussreich war vor allem die PK am Donnerstag, wo Schaaf zugab, dass es ihm und der Mannschaft nicht gelungen ist, die Fehler abzustellen, die im Winter-Trainingslager besprochen wurden. Und mir persönlich macht es schon ein bisschen Angst, wenn ein Trainer mehr oder minder zugibt, dass die tägliche Trainingsarbeit und das Besprechen von immergleichen Fehlern offensichtlich keine Veränderung nach sich zieht.

Augsburg kam mit einer breiten Brust nach Bremen und die Frage war, wie die Grün-Weißen sich nach der Niederlage in München präsentieren würden. Schaaf setzte auf ein 4-1-4-1 und statt Elia startete Ekici auf der Linksaußen-Position. Relativ schnell wurde deutlich, dass Augsburg sich perfekt auf diese Spielweise eingestellt hatte. Sie doppelten auf den Außenbahnen und konnten somit den normalen Spielaufbau von Werder unterbinden. Ekici tauchte völlig ab und man merkte einfach, dass er sich da nicht wirklich wohl fühlt. Beim 0:1 verliert man erst im Mittelfeld den Ball und kann dann einen hohen Ball in den Strafraum nicht verteidigen, da Schmitz nicht eng genug am Gegner steht. Am Schluss kommt Ignjovski gegen Werner zu spät, der den Kopfball verwandelt.

Was mich mit zunehmender Spieldauer erst irritierte und gegen Ende verärgerte war das Ausbleiben jeglicher Anpassungen an die Defensivstrategie der Augsburger. Obwohl Bremen nur eine richtig hochkarätige Chance in Halbzeit eins hatte (nach einer Einzelaktion von Arnautovic), wurde in der Halbzeit Elia für Ekici gebracht, die Spielweise blieb jedoch gleich. Dabei konnte Elia das Spiel auf seiner Seite zwar beleben und sich auch einige Male durchsetzen, doch leider blieben die Aktionen weitgehend harmlos, da er seine Aktionen nicht mit einem gefährlichen Pass zu Ende brachte. Auch der Wechsel von Akpala für Hunt sorgte nicht für mehr Gefahr, stattdessen lief Akpala weitgehend orientierungslos über den Platz und nahm am Spiel de facto nicht teil. Ich verstehe einfach nicht, warum man es so selten sieht, dass im laufenden Spiel auf die Gegebenheiten reagiert wird, sondern man 90 Minuten einen Stiefel runterspielt und hofft, dass es irgendwann schon noch klappen wird. Obwohl man schon nach wenigen Minuten sieht, dass der Gegner gut eingestellt ist. Zwar hatte man noch einige gute Chancen in Halbzeit zwei, doch wirklich herausgespielt waren die wenigsten. Und ja, Winkmann hatte Recht, als er nicht auf Elfmeter für Bremen entschied, auch wenn es eine enge Geschichte war.

In der Halbzeit und nach dem Spiel gab es mehr als nur zarte Pfiffe im Weserstadion zu hören. Eichin stellte sich demonstrativ vor den Trainer und nahm die Mannschaft in die Pflicht, während Schaaf selbst direkt nach dem Abpfiff im Sky-Interview völlig konsterniert wirkte. Von den Spielern hatte immerhin Sokratis die Situation erkannt und nahm das Wort „Abstiegskampf“ in den Mund, den auch wenn es noch sieben Punkte bis Relegationsplatz sind, spielt Werder in der aktuellen Form eher wie ein Absteiger und nicht wie ein Europapokal-Aspirant. Ich bin auf die nächsten Tage gespannt, welche Aussagen von den Offiziellen getroffen werden. Der Angriff auf die Spieler von Rolff hat ja schonmal keine Reaktion hervorgebracht. Auch bei den Fans nehmen die Diskussionen und vor allem die Schärfe der Diskussionen zu. Auf der einen Seite diejenigen, die einen Trainerwechsel befürworten oder zumindest nicht mehr ausschließen, auf der anderen Seite diejenigen, die Schaaf die Treue halten und sich jegliche Trainerdiskussion verbitten. Fakt ist, dass ich mir einfach nur wünschen würde, dass die Saison vorbei ist. Es ist einfach keine Vorfreude auf den nächsten Spieltag mehr vorhanden, denn bisher wurde man noch jedes Mal eines besseren belehrt, wenn man dachte, dass es nicht mehr schlimmer kommen könne. Langsam schlägt die Ernüchterung der letzten Wochen bei mir  in Ironie und Sarkasmus um.

Lebenslang Grün-Weiß!

Augen geradeaus

Das Spiel in München würde hart werden und nur im Falle eines mittelschweren Wunders war davon auszugehen, dass Bremen einen Punkt mitnehmen würde. Zu dominant sind die Bayern, die diese Saison de facto in anderen Sphären unterwegs sind. Am Ende kommt es mit einem 1:6 doch dicker als ich befürchtet hatte. Zwölf Minuten reichten den Bayern für 6 Tore und während Bremen in den ersten 25 Minuten dem bajuwarischen Sturmlauf noch einigermaßen Einhalt gebieten konnte, war in Minute 30 der Drops schon gelutscht. Danach machte man selbst den Weg frei für den Gegner, als erst Prödl kurz vor der Halbzeit die rote Karte sieht und Selassie zu Beginn der zweiten Hälfte das 0:3 kurzerhand selbst erzielt. Ja, über weite Strecken von Halbzeit zwei sah es so aus, als könne man mitspielen, doch war dies nur von Bayerns Gnade und nicht aufgrund der eigenen Stärke. Wann immer die Bayern das Tempo anzogen, sahen die Grün-Weißen nicht mehr als die Hacken des Gegners. Es gab mal Zeiten, da konnten wir die Großkopferten auch mal ärgern, mittlerweile sind wir ein besserer Trainingsgegner für die kommenden Aufgaben der bayerischen Dampfwalze.

Aus diesem Spiel gibt es nichts positives mitzunehmen, denn zu deutlich war der Klassenunterschied und zu schallend die Ohrfeige. Und obwohl uns nur noch ein Tor vom traurigen ersten Platz in der Statistik der kassierten Gegentore trennt, sinnieren viele Fans noch immer über Europa. Auch wenn ich nur ungerne den Partypuper spiele, möchte ich doch darauf hinweisen, dass ich es für extrem unwahrscheinlich halte, sich mit 60-70 Gegentoren für Europa zu qualifizieren. Ja, mir ist auch klar, dass es nur sechs Punkte auf Platz sechs sind und auch die Teams vor uns nicht durch Konstanz zu überzeugen wissen. Dennoch sollten diese Gedankenspiele hinten angestellt werden, denn im Schnitt kassiert die Mannschaft ziemlich genau zwei Gegentore und betrachtet man nur die Rückrunde, so sind es deren drei.

Für die Mannschaft gilt es, nach vorne zu schauen, denn die kommenden Spiele dienen sehr viel besser als Maßstab für die Leistungsfähigkeit des Teams. Augsburg (H), Gladbach (A) sowie Fürth (H) stehen als nächstes auf dem Programm. Zwei Heimspiele also gegen Kellerkinder sowie eine Fahrt zu einem ebenfalls im Mittelfeld gefangenen Club. Es sollten zumindest sieben Punkte möglich sein. Doch Augsburg hat uns schon im Hinspiel gezeigt, wie man Werder mit Leidenschaft und Herz beikommen kann. Zudem hat das Team aus Schwaben gerade Oberwasser und konnte im direkten Duell um den Relegationsplatz die Hoffenheimer niederringen. Die Fürther haben gerade Mike Büskens entlassen und im heutigen Spiel gegen Leverkusen dem Favoriten 90 Minuten lang Paroli geboten. Beide Spiele werden wohl eher zähe Angelegenheiten mit Teams, die unangenehm zu spielen sind. Bleibt der Trip zu den Gladbachern, die uns aus der Hinrunde in wohliger Erinnerung geblieben sind, als man die Fohlen mit 4:0 schlagen konnte. Momentan sind die Gladbacher uns nur drei Punkte voraus, spielen nicht annähernd den Fußball, der sie letzte Saison in die CL-Quali führte, aber andererseits sind sie auch nicht mehr so von der Rolle wie noch im Herbst, als sie an der Weser zu Gast waren.

Ich hoffe, dass die Mannschaft und das Trainer-Team es gemeinsam schaffen, die Klatsche von München schnell hinter sich zu lassen und sich gut auf die kommenden Spiele vorzubereiten. Es wäre überaus gut, nach den jeweiligen Spielen nicht wieder die gleichen Platitüden der letzten Monate zu lesen („Wir haben die Anfangsphase verpennt“/“Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen bzw. gegangen“/“Wir haben Dinge nicht umgesetzt“). Ich bin jedoch äußerst skeptisch, dass mein Wunschdenken auch in der Realität so umgesetzt wird. Und ich ertappe mich auch häufiger dabei, nicht mehr alleine auf die aktuelle Saison zu schauen, sondern schon auf die kommende Spielzeit zu blicken. Was ist mit De Bruyne, Sokratis, Petersen oder Arnautovic? Werden sie in Bremen bleiben, wenn wir Europa deutlich verfehlen, wenn wir die dritte Saison im Mittelfeld verbringen? Wird man sie davon überzeugen können, dass ja alles gerade im Umbruch ist und alles nächste Saison per se viel besser wird? Welche Spieler wird man noch brauchen, wen kann man überhaupt an die Weser holen? Gedankenspiele, die im schnellen Tagesgeschäft der Bundesliga noch verhältnismäßig weit weg sind, aber die irgendwie auch mit den aktuellen Leistungen verbunden sind.

Lebenslang Grün-Weiß!

Ich kann nicht mehr

Ich bin mittlerweile einfach nur noch wütend und muss es einfach mal raus lassen. Vor diesem Spiel hatte Augsburg in sechs Spielen gerade einmal zwei mickrige Tore geschossen. Aber hey, Bremen kommt vorbei und schon nach zwei Minuten holen sich die Schwaben das dringend benötigte Selbstbewusstsein. Am Ende gewinnt der FCA mit 3:1 und kann seine Torausbeute um 150% steigern. Die Steigerung hätte deutlich höher ausfallen müssen und nur die Unfähigkeit der Augsburger Angreifer rettet den SVW vor einer richtigen Klatsche. Ich habe die letzten vier Spiele aufgrund meines Urlaubs nicht gesehen, aber dieses eine Spiel ist völlig ausreichend, damit ich langsam die Lust an Werder verliere. Nach den letzten beiden Saisons machte das Wort vom Umbruch die Runde. Es gibt viele neue Namen und trotz einiger guter Ansätze vor allem im Spiel nach vorne bleiben die Fehler gleich.

Es sind die ewig gleichen Fehler und Schlampigkeiten im Spiel nach vorne, die immer wieder zu Gegentoren führen. Das defensive Mittelfeld gleicht eher einer Wüste und zeichnet sich vor allem durch komplette Nichtexistenz aus. Schaaf muss das doch sehen, aber er allein weiß die Antwort, warum sich daran auch nach Jahren nichts ändert. Da kann die Defensive noch so gut eingestellt sein, sie wird immer in Bedrängnis kommen, wenn die gegnerischen Angriffe völlig ungehindert durch das Mittelfeld rollen können. Warum stümpert die Mannschaft defensiv in immer gleicher Weise rum und nach dem Spiel spricht man von mangelnder Aggressivität und davon, dass man den Anfang verpennt. Warum lässt sich sowas nicht abstellen? Ich bin echt sprachlos nach diesem Spiel, in welchem man einen am Boden Gegner liegenden wieder aufgepäppelt hat. Die Namen sind neu, doch das Spiel erinnert immer wieder frappierend an die letzten beiden Jahre und manchmal muss man sich schon fragen, ob aus den immer gleichen Fehlern nicht gelernt wird. Denn danach sieht es aus. Immer wieder klammern wir Fans uns an jeden guten Ansatz, nur um mit anzuschauen, wie man kurze Zeit später wieder in alte Muster zurückfällt.

Und hier stelle ich auch Schaaf zunehmend in Frage. Klar, braucht eine neue Mannschaft Zeit, aber wenn ich die Fehler der letzten Jahre immer wieder mit ansehen darf, dann kann man auch mal die Arbeit des Trainers in Frage stellen. Ein nett anzuschauendes Offensivspiel (welches jedoch noch lange nicht die erhoffte Durchschlagskraft gebracht hat) sollte nicht über den defensiven Serien-Dilettantismus hinwegtäuschen. Bremen stellt derzeit die mieseste Abwehr der Liga und wenn selbst die spielerisch limitierten Augsburger uns nach Schema F auseinander nehmen, dann müssen sich die Vereinsoberen auch mal selbst hinterfragen. Die letzten zwei Saisons habe ich mich weitgehend hinter Schaaf gestellt, aber langsam kann ich es nicht mehr.

Update: Wie Kata in den Kommentaren schon sagte, haben wir 2012 in 24 Pflichtspielen gerade einmal 20 Punkte geholt. Damit sind wir von den Mannschaften, die 2012 durchgehend in Liga 1 waren, die Schlechteste. Kann man auch hier nachgucken: http://www.transfermarkt.de/de/1-bundesliga/jahrestabelle/wettbewerb_L1_2012.html