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Historische Klatsche

Vor dem Spiel gegen die omni-präsenten Bayern habe ich mir nicht viel ausgerechnet. Nur in ganz wagemutigen Momenten habe ich davon geträumt, dass man das Spiel irgendwie offen gestalten kann und sei es nur, weil die Star-Truppe Chance um Chance vergibt. Ich habe das Spiel aufgenommen, war bei Freunden auf einer kleinen Feier und der eigentliche Plan war, mir das Spiel zu späterer Stunde anzugucken. Leider hatte ich hier die Rechnung ohne das tolle Google Now-Feature auf meinem Smartphone gemacht, welches mich irgendwann darüber in Kenntnis setzte, dass Werder im heimischen Stadion gerade mit 0:6 hinten liegt. So weit geht meine masochistische Ader dann auch nicht, dass ich mir den Gang zur Schlachtbank noch einmal anschaue. Die nicht existente Erwartungshaltung wurde unterboten und das 0:7 stellt die höchste Heimniederlage in der Bremer Bundesliga-Geschichte dar. Mangels eigener Spieleindrücke (es sei denn, man lässt einen 30-sekündigen Clip mit allen Toren der Bayern gelten) werde ich über das eigentliche Spiel eher keine Worte verlieren. Aber es gibt zwei Dinge, die mich anschließend ein wenig beschäftigt haben:

Zum einen war das die Art und Weise, wie versucht wurde, die Niederlage beiseite zu wischen (wie Lars auch feststellte). Man müsse das Spiel hinter sich lassen und nach vorne schauen. Das finde ich eine sehr bedenkliche Sichtweise, denn natürlich sind die Bayern aktuell nicht der Maßstab für den SV Werder, aber man kann doch nach einen solchen Pleite einfach so tun, als ob nichts geschehen sei. Zumal das 0:7 ja auch nur der Höhepunkt einer Entwicklung in den letzten Wochen ist, auf die ich später noch näher eingehen möchte. Man muss ja nicht über einzelne Spieler herfallen oder auf die Knie fallen und um Vergebung bitten, aber ich hätte mir schon gewünscht, dass die Verantwortlichen deutlich machen, dass man damit absolut nicht zufrieden ist und auch nicht zufrieden sein kann. Gerade auch als Fan komme ich mir irgendwie veralbert vor, wenn man dazu noch bedenkt, dass andere Mannschaften, die teils hinter uns stehen, sich gegen die bajuwarische Übermacht deutlich besser präsentiert haben. So sehr ich über weite Teile der Saison bisher mit dem öffentlichen Auftreten von Dutt und Eichin (bei aller Floskelhaftigkeit) zufrieden war, hat mir hier das Gespür für die Situation gefehlt.

Für den anderen Punkt muss ich noch kurz ausholen: eigentlich wollte ich – wie Burning Bush – bis zur Winterpause warten, um mich zu Dutt länger zu äußern, aber mittlerweile sehe ich da eine Entwicklung, die mir absolut nicht gefällt. Vor der Saison und auch beim Start in die Spielzeit war die Ausrichtung der Mannschaft klar und wurde auch gebetsmühlenartig wiederholt: hinten sicher stehen, die Mannschaft stabilisieren und davon ausgehend das Spiel nach vorne etablieren. Dabei möglichst wenig in den Abstiegskampf rein geraten. Das hat zu Beginn auch gut funktioniert, man stand sicherer als zuletzt und konnte (auch mit viel Glück) wichtige Punkte einfahren. Und langsam wurde auch geschaut, wie sich ein funktionierendes Offensiv-Spiel aufbauen lässt, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Und soweit habe ich den Kurs auch unterstützt, da ich bis auf wenige Ausnahmen ein gutes Gefühl hatte, was die Entwicklung und den von Dutt vorgegebenen Weg angeht. Nach dem 9. Spieltag stand man mit 12 Punkten auf dem 10. Platz und hatte 9:12 Tore auf dem Konto. Ich weiß, dass viele die Spiele unansehnlich fanden, aber ist das jetzt wirklich besser?

Irgendwann jedoch hat Dutt die anfängliche Zurückhaltung aufgegeben und mehr auf Offensive gesetzt. Die Ergebnisse seit dem genannten 9. Spieltag lauten: 0:3, 3:2, 1:3, 2:3, 4:4 und 0:7, das macht in 6 Spielen vier Punkte und 10:22 Tore. Wenn man sich die Ergebnisse anschaut, kassieren wir in dem Zeitraum mehr als drei Tore pro Spiel. Natürlich hatten wir in der Zeit viele Verletzte und Spieler leisten sich krasse individuelle Fehler, aber dennoch habe ich das Gefühl, dass man hier ohne Not vom eigentlichen Kurs abgewichen ist und zu schnell den Schalter auf “Offensive” umgelegt hat. Dabei war das zu Beginn der Saison beileibe keine Betonabwehr, sondern immer noch ein fragiles Gebilde. Stimmt es, dass Dutt angeblich auf die Fans gehört hat? Sollte man mit einem gewürgten 1:0 nicht zufriedener sein, als mit einem 4:4 im Harakiri-Style? Was ich in den letzten Wochen gesehen habe, weckt zu viele Erinnerungen an die letzten Jahre und lässt jeglichen Fortschritt vermissen. Dabei haben wir die traditionell deutlich schlechtere Rückrunde noch vor uns und steuern zur Winterpause auf 40 Gegentore zu. Das sind Zahlen eines Absteigers, obwohl der Abstand zu den Relegationsplätzen aktuell fünf Punkte beträgt , aber trotzdem mache ich mir langsam Sorgen. Ich hoffe, dass Dutt in den verbleibenden Spielen in Berlin und gegen Leverkusen wieder zur anfänglichen Vorsicht zurückkehrt, denn mit solchen Auftritten wie zuletzt, könnten die Spiele wieder ein bitteres Ende nehmen. Und alleine auf die Winterpause und mögliche Transfers mag ich nicht hoffen.

Man merkt auch, dass bei den Fans die Nerven blank liegen. Es ist ja nix Neues, dass die Bewertung über Spiele zwischen einzelnen Fans mitunter weit auseinander geht, aber es ist schon bitter zu sehen, dass Leute sich darüber freuen, wenn ein Spieler verletzungsbedingt ausfällt. Oder man wünscht dem eigenen Verein Niederlagen, damit alle sehen, was man selbst sieht, dass es nämlich so nicht weitergeht. Auch Dutt bekommt nach 15 Spieltagen schon deutlichen Gegenwind. Auch da kommt aktuell vieles zusammen:

  • Zum einen erwarten viele, wenn das Denkmal Schaaf schon weichen muss, dass es dann bitte aber auch schnell vorangehen möge. Und sind daher enttäuscht, dass es ja der gleiche Mist wie die Jahre zuvor ist. Was man sicherlich differenzierter betrachten kann, siehe oben.
  • Dann gibt es die Gruppe, welche die Trennung von Thomas Schaaf nicht verwunden hat und den Frust darüber an Dutt auslässt und die Misere mit einer gewissen Genugtuung genießt (“Tja, ich habe damals ja schon gesagt, dass TS niemals hätte gehen dürfen”).
  • Dann ist Dutt prinzipiell bei vielen nicht wohl gelitten. Kann nix und hat bei Leverkusen ja auch schon versagt. Oft wird die Zeit in Freiburg dabei unterschlagen, wo er ja durchaus gute Arbeit abgeliefert hat und deren damalige Situation durchaus mit der aktuellen in Bremen vergleichbar ist. Auch werden die Besonderheiten in Leverkusen gerne übersehen, die vor Dutts Ankunft unter Heynckes Zweiter wurden und wo sich Dutt schwer tat, seine Vision von Fußball (gerade auch gegen die Widerstände im Team) durchzusetzen. Dass Dutt ja auch selbst gesagt hat, aus seinen Fehlern dort gelernt zu haben? Egal! Und zu guter Letzt hat er dem armen, armen DFB übel mitgespielt, als er seinen Sportdirektor-Posten dort aufgab, um wieder nach Bremen zu gehen.
  • Da Eichin als Eishockey-Trainer auch häufiger den Trainer wechselte, gibt das den Spekulationen in den Medien auch noch einmal Nahrung. Das sich Fußball und Eishockey sich nur bedingt vergleichen lassen und man nicht von einem Sport auf den anderen schließen kann? Egal.

Schon nach 15 Spielen wirkt Dutt angeschlagener als Schaaf zu Ende seiner Amtszeit. Auf der PK heute sollen Eichin und Dutt angespannt und gereizt gewirkt haben (siehe auch Beitrag im Worum). Hoffen wir, dass die Mannschaft am Freitagabend sich besser als zuletzt präsentiert und vielleicht was Zählbares dabei rausspringt.

Lebenslang Grün-Weiß!

Hilflosigkeit

In der aktuellen Ausgabe des Grünweiß-Podcasts haben Tobi und ich über die Aussagen aus dem Trainer-Team diskutiert und wie diese zu interpretieren sind. Wolfgang Rolff äußert sich nur sehr selten öffentlich, schon alleine die Tatsache, dass er sich zu Wort meldet, lässt einen aufhorchen. Den Inhalt seiner Aussagen hat Lars im Werderblog schon auseinandergenommen. Ich würde noch ergänzen, dass die Taktik, die Spieler so frontal anzugreifen und teilweise auch namentlich zu nennen schon außergewöhnlich ist. Vielleicht soll damit eine Reaktion provoziert werden, aber letztlich kommt man auch schnell zu den Schlüssen die Lars zieht: warum werden die geforderten Dinge nicht vermittelt bzw. woran hapert es?

Eine weitere interessante Aussage stammt von Thomas Schaaf, der nach der Klatsche in München auf die jungen Spieler und deren Unerfahrenheit verwiesen hatte. Ich denke, es gibt genug Beispiele dafür, dass die Erfahrung an sich nicht das allein ausschlaggebende Kriterium für die defensive Stabilität ist. In dem entsprechenden Artikel von Lars wird ja deutlich, dass bspw. Freiburg über weniger Erfahrung verfügt, aber wenn man sich die Defensive anschaut, deutlich besser dasteht. Außerdem sind das ja keine A-Jugendlichen, die man in die Profimannschaft befördert hat. Sokratis, Prödl und Selassie sind Nationalspieler ihrer jeweiligen Länder und auch wenn Griechenland, Österreich und Tschechien vielleicht nicht zu den Top-Mannschaften gehören, so spricht das ja schon für eine gewisse Qualität. Schmitz hat schon ausreichend Erfahrung und Lukimya hat letzte Saison in der Abwehr des späteren Aufsteigers Düsseldorf gespielt.

Was darüber hinaus irritiert ist der Umstand, dass man vor der Saison Selassie, Lukimya und Sokratis verpflichtete bzw. die Kaufoption zog. Es war die Rede vom Umbruch, von neuen, frischen Spielern, die mit Herz und Leidenschaft spielen. Ich kann mich auch daran erinnern, wie zu Saisonbeginn die tolle Stimmung und der Teamgeist gelobt wurde. Und nun soll die Unerfahrenheit schuld an den anhaltenden Problemen sein? Man hätte im Umbruch ja auch erfahrenere Spieler holen können. Und sollte es nicht Ziel sein, die jungen Spieler zu entwickeln, zumal diese ja auch kontinuierlich an Erfahrung gewinnen? Lässt sich die mangelnde Erfahrung nicht durch ein stimmiges taktisches und spielerisches Konzept ausgleichen und zum eigenen Vorteil nutzen? Ich werfe Schaaf nicht vor, dass man im kommenden Sommer den Kader durch erfahrene Spieler ergänzen will, doch sollte man es sich nicht zu einfach machen und die teils erschreckenden Leistungen in der Defensive alleine auf junge und unerfahrene Spieler zu schieben. Zumal man damit ja indirekt auch wieder Spielerschelte betreibt und zudem das eigene Handeln vor der Saison und zu Beginn der Saison ein wenig konterkariert.

Für mich drückt sich in den Aussagen von Schaaf und Rolff eine gewisse Hilflosigkeit aus. Eigentlich sollten beide Lösungen der selbst angesprochenen Probleme erarbeiten und sich nicht hinter Ausreden verstecken bzw. die Spieler angehen. Ich weiß, gerade Rolffs Aussagen sind sehr populär, denn endlich sagt einer den überbezahlten Millionären mal, wo der Hammer hängt. Und auch Schaaf liefert eine – vordergründig – plausible Antwort auf die Probleme dieser Saison. Alleine, mir reicht das nicht mehr. Seit Jahren werden wir vertröstet, ohne dass sich etwas zum besseren ändert. Und ich bin es leid, bspw. bei Spielberichten auf Spielverlagerung die immer gleichen Probleme unter die Nase gerieben zu bekommen.

Augen geradeaus

Das Spiel in München würde hart werden und nur im Falle eines mittelschweren Wunders war davon auszugehen, dass Bremen einen Punkt mitnehmen würde. Zu dominant sind die Bayern, die diese Saison de facto in anderen Sphären unterwegs sind. Am Ende kommt es mit einem 1:6 doch dicker als ich befürchtet hatte. Zwölf Minuten reichten den Bayern für 6 Tore und während Bremen in den ersten 25 Minuten dem bajuwarischen Sturmlauf noch einigermaßen Einhalt gebieten konnte, war in Minute 30 der Drops schon gelutscht. Danach machte man selbst den Weg frei für den Gegner, als erst Prödl kurz vor der Halbzeit die rote Karte sieht und Selassie zu Beginn der zweiten Hälfte das 0:3 kurzerhand selbst erzielt. Ja, über weite Strecken von Halbzeit zwei sah es so aus, als könne man mitspielen, doch war dies nur von Bayerns Gnade und nicht aufgrund der eigenen Stärke. Wann immer die Bayern das Tempo anzogen, sahen die Grün-Weißen nicht mehr als die Hacken des Gegners. Es gab mal Zeiten, da konnten wir die Großkopferten auch mal ärgern, mittlerweile sind wir ein besserer Trainingsgegner für die kommenden Aufgaben der bayerischen Dampfwalze.

Aus diesem Spiel gibt es nichts positives mitzunehmen, denn zu deutlich war der Klassenunterschied und zu schallend die Ohrfeige. Und obwohl uns nur noch ein Tor vom traurigen ersten Platz in der Statistik der kassierten Gegentore trennt, sinnieren viele Fans noch immer über Europa. Auch wenn ich nur ungerne den Partypuper spiele, möchte ich doch darauf hinweisen, dass ich es für extrem unwahrscheinlich halte, sich mit 60-70 Gegentoren für Europa zu qualifizieren. Ja, mir ist auch klar, dass es nur sechs Punkte auf Platz sechs sind und auch die Teams vor uns nicht durch Konstanz zu überzeugen wissen. Dennoch sollten diese Gedankenspiele hinten angestellt werden, denn im Schnitt kassiert die Mannschaft ziemlich genau zwei Gegentore und betrachtet man nur die Rückrunde, so sind es deren drei.

Für die Mannschaft gilt es, nach vorne zu schauen, denn die kommenden Spiele dienen sehr viel besser als Maßstab für die Leistungsfähigkeit des Teams. Augsburg (H), Gladbach (A) sowie Fürth (H) stehen als nächstes auf dem Programm. Zwei Heimspiele also gegen Kellerkinder sowie eine Fahrt zu einem ebenfalls im Mittelfeld gefangenen Club. Es sollten zumindest sieben Punkte möglich sein. Doch Augsburg hat uns schon im Hinspiel gezeigt, wie man Werder mit Leidenschaft und Herz beikommen kann. Zudem hat das Team aus Schwaben gerade Oberwasser und konnte im direkten Duell um den Relegationsplatz die Hoffenheimer niederringen. Die Fürther haben gerade Mike Büskens entlassen und im heutigen Spiel gegen Leverkusen dem Favoriten 90 Minuten lang Paroli geboten. Beide Spiele werden wohl eher zähe Angelegenheiten mit Teams, die unangenehm zu spielen sind. Bleibt der Trip zu den Gladbachern, die uns aus der Hinrunde in wohliger Erinnerung geblieben sind, als man die Fohlen mit 4:0 schlagen konnte. Momentan sind die Gladbacher uns nur drei Punkte voraus, spielen nicht annähernd den Fußball, der sie letzte Saison in die CL-Quali führte, aber andererseits sind sie auch nicht mehr so von der Rolle wie noch im Herbst, als sie an der Weser zu Gast waren.

Ich hoffe, dass die Mannschaft und das Trainer-Team es gemeinsam schaffen, die Klatsche von München schnell hinter sich zu lassen und sich gut auf die kommenden Spiele vorzubereiten. Es wäre überaus gut, nach den jeweiligen Spielen nicht wieder die gleichen Platitüden der letzten Monate zu lesen (“Wir haben die Anfangsphase verpennt”/”Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen bzw. gegangen”/”Wir haben Dinge nicht umgesetzt”). Ich bin jedoch äußerst skeptisch, dass mein Wunschdenken auch in der Realität so umgesetzt wird. Und ich ertappe mich auch häufiger dabei, nicht mehr alleine auf die aktuelle Saison zu schauen, sondern schon auf die kommende Spielzeit zu blicken. Was ist mit De Bruyne, Sokratis, Petersen oder Arnautovic? Werden sie in Bremen bleiben, wenn wir Europa deutlich verfehlen, wenn wir die dritte Saison im Mittelfeld verbringen? Wird man sie davon überzeugen können, dass ja alles gerade im Umbruch ist und alles nächste Saison per se viel besser wird? Welche Spieler wird man noch brauchen, wen kann man überhaupt an die Weser holen? Gedankenspiele, die im schnellen Tagesgeschäft der Bundesliga noch verhältnismäßig weit weg sind, aber die irgendwie auch mit den aktuellen Leistungen verbunden sind.

Lebenslang Grün-Weiß!

Nackenschläge

Das Spiel am letzten Freitag in Stuttgart war de facto ein Schlag ins Gesicht. Nicht die Niederlage an sich, sondern die Art und Weise, wie man sich präsentierte. Selbst nach 1:0-Führung, die sehr glücklich war, konnte man keinerlei Selbstbewusstsein oder Aufbäumen sehen. Es hätte nur noch gefehlt, dass sich Rosenberg persönlich bei jedem Stuttgarter für seinen Treffer entschuldigt, man will ja kein undankbarer Gast sein. Trotz all der Ausfälle und Probleme kann man doch davon ausgehen, dass die 11 Mann auf dem Platz sich wenigstens aufreiben.

Erstaunlich waren auch Allofs’ Aussagen direkt nach dem Spiel, als er meinte, es würde das letzte Quentchen/der letzte Zentimeter in den Aktionen fehlen. Da habe ich mich spontan gefragt, ob er auf seinem iPhone ein anderes Spiel gesehen hat, während er auf der Bank sass. Mittlerweile kamen da aber doch sehr eindeutige Aussagen, die auch noch einmal zeigen, dass der Umbruch im Gange ist. Lars vom Werderblog hat es sehr gut zusammengefasst. Joey von gruenweiss.org hat auch einen sehr guten Artikel geschrieben, der die Lage gut aufgreift.

Vielleicht hätte man häufiger auf den Umbruch hinweisen sollen. Vielleicht nicht dauernd Erwartungen schüren. Klar, nach der Hinrunde waren wir auf Platz fünf, aber dennoch hätte man auch da mehr Zurückhaltung üben sollen. Es ist überhaupt erstaunlich, denn wir haben derzeit einen mageren Punkt mehr als in der letzten Saison. Die gute Hinrunde hat dafür gesorgt, dass wir zu keinem Zeitpunkt im Abstiegskampf steckten. Die Tatsache, dass die Konkurrenz um die EL-Plätze (bis auf Stuttgart) auch nur Grütze spielt, sorgt dafür, dass Platz 7 noch immer in Reichweite ist. Gerade dieser Umstand macht die Rückrunde so bitter. So einfach war es schon länger nicht mehr, sich für Europa zu qualifizieren.

Vielleicht haben wir heute nachmittag Glück und die Bayern kommen zur Butterfahrt vorbei. Real im Kopf und keine Lust, sich zu verausgaben: das könnte unsere Chance sein.

Der Geist der Weihnacht

Das nominelle Spitzenspiel zwischen Werder Bremen und dem FC Bayern wurde dem Ganzen Hype im Vorweg nicht gerecht. Weder war die Leistung beider Mannschaften besonders spitze, noch das Benehmen der Spieler des SVW. Dabei hatten die Bremer ganz den Geist der Weihnacht in sich aufgenommen und den kriselnden Bayern gleich vier Geschenke gemacht. Ganz im Sinne von “Liebe Deinen Nächsten” half man den Bayern wieder auf die Straße des Erfolgs. Das erst Gegentor war ein Bremer Klassiker: Konter nach eigener Ecke. Ich glaube nicht, dass es viele Mannschaften in der Bundesliga gibt, die das so perfektioniert haben. Da half es dann auch relativ wenig, dass man in den ersten zwanzig Minuten den Bayern zwar das Feld überließ, aber dabei hinten solide genug war, keine zwingenden Chancen zuzulassen.

Strohfeuer

Das 1:1 durch Rosenberg war nicht mehr als ein kurzes Aufbäumen. Dabei zeigte sich im Anschluss an den Ausgleich, dass die Bayern noch weit von ihrer Form vom Anfang der Saison entfernt sind. Sicher sieht anders aus, aber wie gesagt, die Bremer waren im Samariter-Modus und verteilten munter Gaben an die darbenden Bajuwaren. Der neue “Ego-Robben” machte den Strafstoß rein und ab dem Zeitpunkt schenkten die Bremer das Spiel ab. Die Einwechslung von Wagner für Marin war das Todesurteil für die Bremer Mannschaft, weil man im 4-3-3 den Bayern komplett das Mittelfeld zum Austoben überließ. Beim 3:1 verlieren die Bremer den Ball im Mittelfeld und zum Abschluss schubst Sokratis Ribéry im Strafraum, welches der Franzose mit der Cleverness eines Weltklassespielers zu nutzen weiß. Ist eigentlich bekannt, ob Franck wieder aus der Umlaufbahn heil zurück ist oder noch im Orbit kreist? Es war eine völlig unnötige Aktion, hier Ribéry überhaupt zum Freiflug einzuladen, denn Mielitz war da.

Disziplin

Unrühmlicher Höhepunkt des Spiels war die eingesprungene Doppelfuß-Grätsche von Aaron Hunt knappe zehn Minuten vor Abpfiff. Toni Kroos blieb als Empfänger dieser Aufmerksamkeit durch Hunt glücklicherweise unverletzt und Hunt wurde für drei Spiele gesperrt. Das ist besonders bitter, da Hunt bisher eine gute Hinrunde gespielt hatte und noch die größte Konstanz der offensiven Spieler im Mittelfeld mitbrachte. Was ihn da geritten haben mag, wird er wohl selber nicht wissen und es ist ihm zumindest anzurechnen, dass er einfach gleich das Spielfeld verließ, ohne noch diskutieren zu wollen. Natürlich darf hier auch Pizarros Ellenbogenschlag gegen Badstuber nicht fehlen. Ebenfalls völlig unnötig und derzeit ist noch nicht klar, ob Schiri Meyer es gesehen und nur als Foul gewertet hat oder ob er die Szene gar nicht gesehen und gewertet hat, was dem DFB die Möglichkeit gibt, nachträglich eine Sperre zu verhängen. Sollte auch Pizarro gesperrt werden, wäre es die vierte Rotsperre der Hinrunde (Arnautovic, Wiese und natürlich Hunt). Das dürfte doch auch ein neuer Negativrekord sein, oder?

Not quite there

Das Ergebnis ist meiner Meinung nach zu hoch ausgefallen. Nach dem 1:2 sind die Grün-Weißen einfach implodiert, davor war es aber keineswegs eine Demonstration der Stärke der Bayern. Aus Bremer Sicht scheint die Erkenntnis zu bleiben, dass man keine Spitzenmannschaft stellt. Das hätte man trotz der guten Tabellenposition auch vorher schon wissen können. Und angesichts der letzten Saison hat doch hoffentlich keiner ernsthaft erwartet, dass man ein Jahr später einfach so um den Titel mitkickt. Die Ansätze sind da und es läuft auch schon vieles besser als letztes Jahr, doch es ist in vielen Bereichen auch noch Luft nach oben. Auch wenn das Gejaule bei Teilen der Fans in den letzten Wochen wieder lauter geworden ist, bin ich bisher schon relativ zufrieden. In der Rückrunde gilt es, an den Schwachpunkten weiter zu arbeiten. Vor allem sollten im Wintertrainingslager so essentielle Themen wie “Benehmen auf dem Platz” auf dem Stundenplan stehen.