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Spektakel

Am Freitagabend kann Bremen mit einem 3:3 einen Punkt aus Leverkusen entführen und dabei Erinnerungen an damals™ wecken. An die Zeiten, wo Spiele mit Bremen immer für viele Tore gut waren und es nicht nur im Kasten der Grün-Weißen klingelte. Vor dem Spiel war ich äußerst skeptisch, da Leverkusen sehr gut in die Saison gestartet war und durch hohen Pressing-Druck auch oft zu schnellen Toren kamen, welche den Gegner aus dem Konzept brachten. SKY-Kommentator Lindemann gab sich vor und während des Spiels auch alle Mühe Leverkusen zum absoluten Top-Team hochzusterilisieren.

Bremen kam dabei gut aus den Startlöchern und konnte ein, zwei gezielte Nadelstiche setzen. Über die gesamte Partie ließen sich die beiden Spitzen nach außen fallen und zu Beginn ergaben sich da ein paar schöne Kombinationen mit den aufrückenden Außenverteidigern. Leverkusen roch den Braten aber schnell und konnte zunehmend die Kontrolle über das Spiel übernehmen. Nach etwas mehr als einer Viertelstunde sorgt ein Bremer Ballverlust tief in der eigenen Hälfte für das 0:1 und im Anschluss daran musste man Angst um Werder haben. Leverkusens Trainer Roger Schmidt nannte es einen Witz, dass man mit einem Unentschieden in die Pause ging und was Bayer in der Zeit an Chancen hatte, hätte locker für einen Kantersieg gereicht. Doch mit Glück, Wolf und der Unfähigkeit Leverkusens konnte man das 0:1 halten und kurz vor der Pause einen Konter über Fin Bartels zum 1:1 vollenden. Völlig überraschend und unverdient, aber das ist ja oft das Tolle am Fußball.

In Halbzeit zwei war das Spiel in meinen Augen ein bisschen ausgeglichener, auch wenn Leverkusen immer noch ein Übergewicht hatte. Di Santo konnt in der 60. Minute die Grün-Weißen in Führung bringen, wieder nach einem schönen Konter, doch Leverkusen konnte postwendend ausgleichen und in der 73. Minute sogar das 3:2 machen. Doch Bremen lässt sich diese Saison einfach nicht unterkriegen und stellte auch in der BayArena die eigenen Comeback-Fähigkeiten unter Beweis als Prödl in der 85. das 3:3 markierte. Jubel vor dem Fernseher, Jubel auf dem Rasen und Jubel auf den Rängen. Nach dem Abpfiff bleibt ein zufriedenes Gefühl zurück, sich gegen ein Top-Team der Liga behauptet zu haben, wieder einmal auf Rückstände geantwortet und im Anschluss an das Leverkusener 3:2 nicht aufgegeben zu haben.

Bremen ist aktuell nach drei Spielen noch ungeschlagen und konnte an der einen oder anderen Stelle schon vielversprechende Ansätze zeigen, wie bspw. die letzte halbe Stunde gegen Hoffenheim oder die Konter im Spiel am Freitag. Aber da ist auch noch viel Luft nach oben und man darf sich zukünftig nicht alleine auf die Comeback-Qualitäten verlassen. Auch wenn ich es auf den Adrenalin-Rausch nach dem Spiel schieben würde, las ich häufiger von einem tollen spielerischen Auftritt und gelungenem Kombinationsfußball gegen Bayer. Für die Tore und vor allem die Konter trifft das auf jeden Fall zu, jedoch sollte man nicht außer acht lassen, dass Bremen gerade einmal 51% der Pässe an den Mann brachte (Leverkusen übrigens auch gerade einmal 65%). Im Hinblick auf eine eher reaktive Taktik ist das sicherlich nicht schlimm, aber gelungener Kombinationsfußball sieht irgendwie anders aus. 😉

Im nächsten Spiel spielt Werder auswärts gegen Augsburg, wo man letzte Saison noch ziemlich klar mit 1:3 verloren hatte. Ich hoffe, dass man dort einen weiteren Schritt nach vorne machen kann und vielleicht einmal nicht in Rückstand gerät. Es wird mal langsam Zeit für den ersten Dreier in dieser Saison!

Lebenslang Grün-Weiß!

In den Startlöchern

Am kommenden Sonntag geht die neue Saison los und für den SV Werder steht das erste Pflichtspiel im DFB-Pokal an. Bevor Bremen versucht, die sagenumwobene zweite Pokalrunde zu erreichen, hier eine kleine Vorschau auf die neue Saison.

Der Kader

Es gab im Sommer einige Abgänge: Füllkrug, Wurtz, Röcker, Schmitz, die Steffis, Miele, Iggy, Hunt und ganz aktuell: Akpala. Sportlich ist in meinen Augen nur der Abgang von Hunt einer, der leichte Bauchschmerzen verursacht, ansonsten sind es Abgänge, die allenfalls menschlich ein bisschen schade sind (Miele, Iggy), aber die auf den Verlauf der nächsten Saison keinen Einfluss nehmen werden. Mit Akpala verschwindet eines der letzten Mahnmale vom Propheten des bestellten Feldes. Bei Lücke und Wurtz hat man wohl nicht damit gerechnet, dass sie in naher Zukunft der Mannschaft weiterhelfen können. Insgesamt hinterlassen die Abgänge nicht unbedingt riesige Baustellen im Kader.

Natürlich haben auch einige neue Spieler den Weg nach Bremen gefunden: Raif Husic, der erst einmal in der U23 zum Einsatz kommt, Izet Hajrovic, Alejandro Gàlvez sowie Fin Bartels. Izet Hajrovic kam ablösefrei von Galatasaray Istanbul, die eher sporadisch bis gar nicht die Gehälter überwiesen. Bei der WM konnte er schon in Ansätzen zeigen, was von Ihm zu erwarten ist: Schnelligkeit, Technik und einen guten Torabschluss. Schöner Überraschungsdeal von Eichin. Gàlvez kam ablösfrei aus Spanien und kann sowohl in der Innenverteidigung als auch auf der 6 spielen, wo er in der Vorbereitung überwiegend zum Einsatz kam. Abschließend noch Fin Bartels, der vom FC St. Pauli an die Weser gewechselt ist. Auf den ersten Blick ein Mann für die Breite, der in der Vorbereitung häufiger zum Einsatz kam und vielleicht auch gegen den FV Illertissen ran darf.

Insgesamt sehe ich den Kader ganz gut aufgestellt. Klar, im Sturm ist es noch ein bisschen dünne, aber vielleicht tut sich da noch etwas, bevor das Transferfenster Ende des Monats wieder schließt. Im Mittelfeld sind wir mit einer Fülle an Optionen ausgestattet und ich rechne damit, dass wir hier häufiger mal personelle Wechsel sehen, in Abhängigkeit vom Gegner und der jeweiligen Form. Eine detaillierte Betrachtung aller Spieler lieferte kürzlich Tobias von MeineSaison.

Vorbereitung

Ein Testspiel ist ein Testspiel ist ein Testspiel. Es war eine durchwachsene Vorbereitung mit klaren Siegen gegen unterklassige Teams, zähen Partien wie bspw. gegen Bilbao, dem Höhepunkt gegen Chelsea und zwei Niederlagen im Endspurt. So wie nach dem 3:0 gegen Chelsea bei mir keine Euphorie ausbrach, sehe ich auch die beiden Niederlagen gegen Hannover und Leicester relativ entspannt. Wichtig ist das Pokalspiel am Sonntag sowie der Auftakt der Bundesliga und wenn wir da erfolgreich sind, interessieren die Niederlagen niemanden mehr (ebenso wie man sich bei einem Fehlstart nix für das 3:0 hätte kaufen können).

Wichtiger ist ja eh die Etablierung von Abläufen und das Festigen der Sicherheit, welche die Mannschaft zum Ende der letzten Saison zeigte. Und man hat ja auch ein wenig mit dem WM-Trend 3-5-2 rumexperimentiert und vielleicht sehen wir das ja in der kommenden Saison auch mal live auf dem Platz.

Was ist zu erwarten?

Robin Dutt und Thomas Eichin machen einen entspannten Eindruck. Während Eichin am Kader der kommenden Saison schraubt, arbeitet Dutt an der Weiterentwicklung der Mannschaft. Dabei sprechen beide nach außen mit einer Stimme und formulieren gleichlautende Ziele: die Mannschaft den nächsten Schritt machen lassen und irgendwo zwischen Platz acht und zwölf landen. Die Grundlage dafür wurde in der letzten Saison gelegt, auch wenn die Früchte erst später in der Saison geerntet werden konnten. Doch diese Saison kann man auf den gemachten Erfahrungen aufbauen und muss nur wenige neue Puzzleteile integrieren. Es sollte gelingen, spielerisch einen weiteren Schritt nach vorne zu machen und von einem vornehmlich reaktiven Stil hin zu mehr eigener Aktivität zu kommen. Aber man sollte keine Wunderdinge erwarten und ich finde es richtig, dass die sportliche Führung den einstelligen Tabellenplatz nicht zum allein glückselig machenden Saisonziel auserkoren hat.

Dabei ist der Schritt auf Platz neun im Zweifel gar nicht so groß, denn wenn man sich die letzten fünf Saisons anschaut, hatten die Teams auf Platz neun zwischen 42 und 47 Punkten. Bremen hatte in der abgelaufenen Saison 39, ein so großer Sprung ist dies also gar nicht. Sollte man sich spielerisch weiterentwickeln, vielleicht ein paar richtig gute Spiele abliefern und am Ende „nur“ Zehnter werden, sollte das jedoch kein Anlass zu Beschwerden sein.

Ich gehe positiv in die kommende Saison und erwarte den nächsten Schritt von der Mannschaft. Man hat die Mannschaft punktuell verstärkt und kann auf der Grundlagenarbeit der letzten Saison aufbauen. In meinen Augen ist damit zu rechnen, dass wir dieses Jahr eine Hand voll Spiele dabei haben werden, wo der SVW auch spielerisch überzeugen kann und man rundum zufrieden aus dem Stadion kommt. Einen weiteren Vorbericht findet man bei Andreas im Werder Exil.

Lebenlang Grün-Weiß!