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Ende gut, alles gut

Sonntag stand das Spiel gegen Hannover 96 an. Ich war mal wieder vor Ort im Weserstadion und durfte endlich mal wieder ein Spiel bei Flutlicht erleben. Während die Medien das Spiel zu einem Nordderby hochsterilisieren wollten, sehe ich das ganz ähnlich wie Lars: für mich gibt es nur ein Nordderby. Zwar ist Hannover in etwa gleich weit entfernt wie die Stellinger, aber letztlich fehlen mir bei Hannover so bestimmende Spiele wie die Derby-Wochen 2009, die für beide Seiten auf die eine oder andere Weise prägend sind. Aber auch ohne echten Derby-Charakter war das Spiel gegen Hannover eine wichtige Angelegenheit. Die nächsten Spiele halten einige starke Teams bereit und so ist es wichtig, endlich mal die Spiele gegen die Gegner zu gewinnen, die augenblicklich in unsere Gewichtsklasse fallen, wie Hannover mit bis dato 0 Punkten und 0 Toren auswärts.

Nach dem Wolfsburg-Spiel und dem schlappen Auftritt, war ich gespannt, wie Dutt diesmal auf die Tatsache reagieren würde, dass weiterhin kein gelernter Stürmer mit Erfahrung zur Verfügung stand. Vor dem Spiel geisterten Aufstellungen durchs Netz, die auf ein 4-2-3-1 mit Hunt in der Spitze hinwiesen, doch letztlich setzte Dutt auf eine Raute mit Junuzovic und Elia als nominellem Sturm. Und damit konnte Dutt wieder etwas mehr Schwung in die Offensive bringen. Es sah deutlich flüssiger aus als noch gegen Wolfsburg und es wurde deutlich seltener auf den langen Ball zurückgegriffen. Dabei lief das Spiel häufig über die Flügel und bei den Hereingaben merkte man ab und an dann doch, dass uns ein echter Stürmer fehlte, da die Abnehmer fehlten. Aber dennoch konnte man Hannover hinten rein drängen und hatte mehr vom Spiel. Am Ende waren es in Halbzeit eins zwei Elfer und zwei Glückstore, die für den 2:2-Halbzeitstand sorgten. Bitter dabei war, dass man Hannover defensiv weitgehend im Griff hatte, doch Fritz war zu langsam für Huszti und beim Sonntagsschuss von Sakai spielte die Abwehr ihm erst den Ball vor die Füße und ließ ihm dann den Platz, in aller Ruhe den Schuss aufzuziehen.

In Halbzeit zwei war es über weite Strecken ein sehr maues Spiel. Hannover ließ sich nicht mehr so in die eigene Hälfte drängen, ohne selbst allzu gefährlich zu werden. Und wenn ich ehrlich bin, hatte ich vor dem 3:2 mich eigentlich schon auf ein Unentschieden eingestellt. Doch dann kam Garcia, köpfte Hunts Freistoß auf Zieler und drückte den Abpraller über die Linie. Danach explodierte das Stadion, Garcia verschwand inmitten der jubelnden Fans und danach war noch ein bisschen Zittern angesagt, bevor Schiri Kinhöfer das Spiel abpfiff und die drei Punkte eingefahren waren. Mann des Spiels war für mich Aaron Hunt, der an allen drei Toren beteiligt war und zunehmend zu seiner Top-Form findet. Nun haben wir 7 Punkte Vorsprung auf den 16. Platz und können etwas zuversichtlicher an die kommenden Aufgaben gehen.

O Captain! My Captain!

Leider muss ich an dieser Stelle ein paar Worte zu unserem Kapitän verlieren: er hatte in dieser Saison schon einige gute Spiele abgeliefert und war bspw. gegen den HSV einer der besten Spieler auf dem Platz. Doch schon gegen Wolfsburg sah Clemens völlig überfordert aus. Perisic fuhr mit ihm geradezu Schlitten und konnte sich auf der linken Angriffsseite nach Belieben austoben. Daher denke ich auch, dass die Hereinnahme von Selassie ganz klar dazu gedacht war, die rechte Abwehrseite besser abzuschirmen. Leider funktionierte das nur bedingt, da Fritz vor dem Elfer wieder zu langsam war und letztlich Huszti im Strafraum zu Fall brachte. So wichtig Fritz innerhalb der Mannschaft als „Lockerroom Guy“ ist, also als Führungspersönlichkeit, die für gute Stimmung sorgt, sich um die Teamkameraden kümmert und seiner Erfahrungen weitergibt, so wenig sprechen die Leistungen auf dem Platz für ihn. Gerade im Hinblick auf das kommende Spiel gegen Schalke hoffe ich, dass Dutt die Situation erkennt und dadurch löst, dass Theo mal auf rechts hinten ran darf.

Und abschließend muss ich noch ein paar Worte zu einem Teil der Hannover-Fans verlieren. Vielleicht bin ich auch einfach nicht hart genug für diese ganze Nummer, aber es hat mich einigermaßen erschreckt, dass mehrfach der Slogan „Alle Braunschweiger töten!“ neben „Tod und Hass dem BTSV!“ angestimmt wurde. Sowas hat für mich einfach nichts im Fußballstadion verloren und gilt für alle Fans aller Vereine. Ich bin gespannt, was im Niedersachsen-Derby am kommenden Freitag passieren wird, man muss sicherlich kein Pessimist sein, um zu befürchten, dass man den Medien wieder die Art von Bildern liefern wird, die Fußball-Fans wieder als marodierenden Mob abzustempeln. Hoffen wir, dass es dann doch ganz anders kommt.

Lebenslang Grün-Weiß!

Ein Dreier für die Moral

Es war ein dickes Brett, welches am Freitagabend gebohrt werden musste, doch am Ende stand der erste Sieg der Rückrunde mit einem 2:0 gegen Hannover 96. Der erste Sieg seit dem 15. Spieltag und das erste Spiel ohne Gegentor seit dem 8. Spieltag. Schaaf vertraute dabei auf das 4-1-4-1, welches über weite Strecken der Hinrunde zum Einsatz kam. Fritz und Arnautovic fehlten verletzt, Selassie bekam aus Leistungsgründen eine Pause. Für Theo durfte Ignjovski auf der rechten Abwehrseite ran, während Elia und Hunt im Mittelfeld eingesetzt wurden. So spielte Junuzovic wie gewohnt vor der Abwehr, während Elia auf die rechte Außenbahn rutschte und die Position auch konsequent hielt.

Von Beginn an machten die Bremer Druck auf die Roten aus Hannover und konnten die Hintermannschaft von 96 so das eine oder andere Mal in Bedrängnis bringen. Vor allem eroberte man sich so tief in der gegnerischen Hälfte immer wieder den Ball und hielt Hannover weit weg vom eigenen Tor. Erst ab der 30. Minute ließ der Druck der Bremer ein wenig nach und Hannover konnte sich aus der engen Umklammerung befreien. Neben dem gezielten und effektiven Pressing fiel mir vor allem die Rolle von Sokratis auf, der offensichtlich von Schaaf grünes Licht für offensive Vorstöße bekommen hatte. So tauchte er immer wieder tief in der gegnerischen Hälfte auf und konnte so für Verwirrung bei Hannover sorgen. Dabei wurde immer wieder konsequent die entstehende Lücke in der Viererkette abgesichert.

Nach der ersten Halbzeit blieb nur das mulmige Gefühl, zu wenig aus der Vielzahl von Chancen gemacht zu haben. In Halbzeit zwei machte Bremen weiter Druck, aber ab der 60. Minute merkte man, dass das Spiel Kraft gekostet hatte. Ich hatte schon befürchtet, dass Hannover irgendwie zu einem Treffer kommen würde und die Mannschaft mit leeren Händen dastehen würde. Und es sollte noch bis zur 85. Minute dauern, bis Elia nach einer feinen Einzelleistung Petersen bediente, der aus kurzer Distanz das 1:0 machte. Die Erleichterung der Mannschaft und der Fans im Stadion war förmlich greifbar. Drei Minuten später bediente der eingewechselte Yildirim abermals Petersen, der aus knapp 16 Metern und mit Hilfe des Pfostens traf. Beste Voraussetzungen für die Grün-Weiße Nacht am Samstag.

Am Ende stehen 32:6 Schüsse für Bremen zu Buche und sicherlich hätte sich Hannover über eine deutlich höhere Niederlage nicht beschweren dürfen. Ich bin froh, dass die Mannschaft Moral bewiesen hat und bis zum Schluss weiter aufs Tor der Gäste gedrückt hat. Ist jetzt alles im Lot? Natürlich nicht. So verdient und wichtig der Sieg war, so ist er nur eine kurze Momentaufnahme. Ich hoffe, dass auch die Mannschaft jetzt nicht anfängt, von Serien und letztlich dem internationalen Geschäft zu schwadronieren. Denn auch letzte Saison haben wir gegen Hannover zu Hause gut ausgesehen, aber davon abgesehen nur wenig zustande bekommen. Die auch hier geäußerte Kritik der letzten Zeit war ja auch nicht das Resultat eines einzelnen Spiels (auch wenn es ggf. als Katalysator gedient hat), sondern einer langwierigen Entwicklung. Ich hoffe natürlich, dass nun eine Entwicklung in die andere Richtung sichtbar wird.

Man kann jetzt lange darüber diskutieren, wie stark der Gegner nun aufgrund zahlreicher Ausfälle tatsächlich war, aber es war ersichtlich, wozu das Team in der Lage ist. In der Defensive ließ man kaum Chancen zu, presste den Gegner teils sehr gut und kam so in aussichtsreichen Positionen an den Ball. Auch offensiv sah man viel Positives mit viel Bewegung, gutem Kombinationsspiel und daraus resultierend zahlreichen Chancen. Einzig die mangelnde Chancenverwertung muss kritisiert werden. Am nächsten Samstag geht es dann gegen Stuttgart, die gerade erst mit 1:3 gegen Fortuna Düsseldorf verloren haben und derzeit nicht unbedingt vor Selbstbewusstsein strotzen dürften. Hoffentlich gelingt es der Mannschaft mit einer ähnlich engagierten Leistung, nachzulegen.

Lebenslang Grün-Weiß!

Sündenbock

Vor knapp 25 Minuten ging das Spiel zwischen Hannover 96 und dem SV Werder zu Ende. Bremen verliert das Spiel mit 2:3 und klar ist für die meisten: Bargfrede ist schuld. Den Elfer zum 0:1 verschuldet, vor dem 0:2 den Ball mit einem Fehlpass verloren und beim 1:3 dann noch das Abseits aufgehoben. Es ist immer gut, wenn man es sich so einfach machen kann, denn dadurch wird die Komplexität reduziert und am Ende kann man immer sagen: Bargfrede war schuld. Man kann sich auch fragen, warum Wolf vor dem 0:2 an der Mittellinie rumturnt. Ignjovski war auf der linken Seite nach vorne gegangen, da hätte Wolf eigentlich tiefer stehen müssen, um die Seite mit abzudecken. Dadurch erst bekommt Schlaudraff diesen ganzen Raum bevor er Abdellaoue bedient. Und vor dem 1:3 geht Ignjovski erst super ins Tackling, verliert aber dennoch den Ball. Wenn er hier den Ball klärt, ist es völlig egal, ob Bargfrede das Abseits aufhebt oder nicht. Aber geben wir Bargfrede ruhig die Schuld, ist auch einfacher so.

Vor dem Spiel war klar, was Werder zu erwarten hat: eine Mannschaft, die hinten gut steht und vor allem beim Umschalten von Abwehr auf Angriff seine Stärken hat. Mit dem Elfmeter nach nicht einmal zwei Minuten und dem 0:1 spielte man Hannover natürlich perfekt in die Karten. Diese konnten es ruhig angehen lassen und man hatte nicht unbedingt das Gefühl, dass Werder mit seinen Angriffen die 96-Hintermannschaft in Bedrängnis bringen konnte. Auffällig war, dass die Angriffe fast ausschließlich durch die Mitte oder links kamen, die rechte Seite war kein Faktor in Halbzeit eins. Wie oben beschrieben, führte ein Ballverlust auf Höhe der Mittellinie zum 0:2 und hier konnte man schön sehen, wie gut Hannover diese Konter ausspielt. Arnautovic machte aus dem Nichts heraus noch den 1:2 Anschlusstreffer. In Halbzeit zwei machte Bremen gleich von Beginn an Druck und Pizarro hatte eine dicke Chance, bei der er nur den Pfosten traf. Auch Sokratis machte in der Phase eine große Gelegenheit nicht rein. In der 60. sorgte Abdellaoue für das 1:3 und außer dem 2:3 durch Pizarro gelangen den Bremern keine Treffer mehr.

Arnatuovic sah in der 78. darüber hinaus die rote Karte, weil er bei einem Klärungsversuch von Pinto den Fuß drüber hielt. Offensichtlich ist das wohl innerhalb des Regelwerks und somit korrekt. Meinem Empfinden nach war das zu hart.

Ich hoffe, dass die Mannschaft aus dem Spiel lernt und vor allem auch sich selbst nicht mit solchen Fehlern in die Bedrängnis bringt. Am Ende war die Niederlage verdient und die Grube zu groß, die man sich selbst gegraben hatte. Vor allem hoffe ich, dass man endlich mal aufhört, von dem ersten Platz zu faseln. Mir ist klar, dass sich die Spieler selbst motivieren wollen und ein engagiertes Ziel ist ja auch wichtig. Doch bin nur ich das oder haben andere auch das Gefühl, dass Bremen sich immer nach solchen Kampfansagen sehr schwer tut? Vielleicht nehme ich das auch nur so wahr. Ich finde hanseatische Zurückhaltung immer noch am Charmantesten, von daher einfach mal weniger Sprüche klopfen und dafür mehr auf dem Platz zeigen.

Jetzt hat das Team knapp zwei Wochen Zeit bevor es gegen den BVB geht. Ich hoffe, dass Naldo bis dahin vielleicht eine Option für die Startelf ist. Vielleicht zusammen mit Sokratis in der IV und dann Ignjovski auf der rechten Außenbahn. Vielleicht ein Weg zu etwas mehr defensiver Stabilität. Und natürlich Bargfrede nicht aufstellen, aber das versteht sich ja von selbst. 🙂

War das die Wende?

Im Überschwang des in der Nachspielzeit erzielten 1:1 gegen Mainz 05 ließ sich Claudio Pizarro zu folgender Aussage hinreißen: „Ich glaube, das war die Wende.“. Betrachtet man das Spiel etwas distanzierter, so wird einem klar, dass die Mannschaft sich nicht aufgegeben hat und auch bis zuletzt gekämpft hat, was ja auch belohnt wurde. Doch eine Wende im Sinne eines Turnaround ist es wahrlich nicht gewesen. Am Ende hat man den Punkt auch vor allem der Abschlussschwäche der Mainzer zu verdanken, die einige gute Torgelegenheiten nicht nutzen konnten.

Die Grün-Weißen traten durchaus kämpferisch auf und versuchten, vor allem über Kampf und Defensive ins Spiel zu kommen. Doch schon beim Gegentor machten sich die alt bekannten Aussetzer bemerkbar, als Pasanen einfach mal stehen bleibt, um den durchbrechenden Schürrle noch irgendwie ins Abseits zu stellen, anstatt mit nach hinten zu rennen. Auch in einigen anderen Szenen konnten die Mainzer die verunsicherte Defensive in Bedrängnis bringen, doch mit vereinten Kräften konnte man weitere Gegentore verhindern. Rein von der Einstellung und dem Einsatz her will ich der Mannschaft keine Vorwürfe machen.

Im Spiel nach vorne ist das eine andere Sache. Gerade einmal drei gefährliche Szenen konnte die Mannschaft in 90 Minuten vorweisen: Marko Marins Dribbling gegen Christian Fuchs, als ein klarer Elfer nicht gegeben wurde; ein Schuss von Marko Marin nach mehr als 75 Minuten und das Tor von Claudio Pizarro. Dies ist angesichts des durchaus vorhandenen Talents in der Offensive deutlich zu wenig. Der Ball läuft nur stockend durch die eigenen Reihen und es gelingt der Mannschaft nicht, ausreichend Gefahr auszustrahlen. Ein Problem sind dabei vor allem die Standardsituationen. Gerade wenn es bei einer Mannschaft im Angriff nicht läuft, müssen auch mal einfache Tore aus Freistössen und Ecken her. Doch die Standards gestern waren nicht mal dazu geeignet, den Hauch von Gefahr heraufzubeschwören. Zu selten wird der eigene Mann gefunden oder der Ball mal scharf reingebracht, um Verwirrung im gegnerischen Strafraum zu stiften.

Das späte Tor und der damit verbundene Punkt ist vor allem aus moralischer Perspektive wichtig. Zum einen hat sich die Mannschaft nicht hängen lassen und am Ende selbst belohnt. Zum anderen wäre man bei einer Niederlage auf den Relegationsplatz gerutscht. Man hat jetzt auch nur einen Punkt Vorsprung auf Platz 16, aber auf den ersten Blick sieht Platz 13 freundlicher aus als Platz 16. Am nächsten Sonntag geht es gegen Hannover 96. Langsam wird ein Dreier zur Pflicht, da es nun unten immer voller wird. Zwischen Platz 12 (VfL Wolfsburg) und Platz 17 (VfB Stuttgart) liegen gerade einmal vier Punkte.