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Klassenerhalt

Das 1:1 gegen Frankfurt bedeutete den Klassenerhalt am vorletzten Spieltag. In den ersten 40 Minuten konnte ich das Spiel noch per Sky Go und iPad verfolgen, bevor sich die App aus unerfindlichen Gründen verabschiedete. Ich hatte bis dahin eine engagiert beginnende Mannschaft aus Bremen gesehen, die ca. 30 Minuten lang das Spiel im Griff hatte, bevor sich Frankfurt befreien konnte und zunehmend die Kontrolle über das Spiel übernahm. Die restlichen 50 Minuten saß ich mit dem iPad auf dem Schoss und drückte minütlich den Refresh-Button der kicker-App. Den Blick dabei fast mehr auf die Spiele mit Beteiligung aus Augsburg, Düsseldorf und Hoffenheim gerichtet. Durch die Niederlagen der drei Rivalen im Abstiegskampf reicht das Unentschieden, um auch nächstes Jahr in der ersten Liga zu bleiben. Freude habe ich nicht gespürt, nur eine dumpfe Form der Erleichterung.

Das Spiel gegen Nürnberg ist geprägt von Bedeutungslosigkeit auf beiden Seiten: ein lockeres Auslaufen über 90 Minuten. Gewinnt Bremen nicht, hat man die schlechteste Rückrunde der Vereinsgeschichte gespielt (bei Unentschieden entscheidet die Tordifferenz zu Gunsten der letzten Rückrunde). Aber das wäre nur ein weiteres trauriges Zeugnis für die furchtbare Saison. Ich weiß noch, wie Tobias, Anna und ich zu Beginn der Saison im Grünweiß-Stammtisch über unsere Erwartungen sprachen. Damals hatten wir darauf gehofft, die neu zusammengestellte Truppe bei ihrer Entwicklung zu begleiten. Und der Beginn der Saison ließ sich noch sehr gut an, bevor es gegen Ende der Rückrunde kippte und schließlich im Abstiegskampf endete.

Ich beneide die Verantwortlichen im Verein nicht um die kommenden Wochen. Die Saison hat offenbart, dass viele Baustellen im Verein vorhanden sind und dass es vor allem keine einfachen Lösungen für die Probleme gibt. Unter anderem muss auch der Trainer hinterfragt werden, der für die spielerischen, taktischen und defensiven Fehler – nicht nur dieser Saison – verantwortlich zeichnet. Die Zusammenstellung des Kaders gehört ebenfalls auf den Prüfstand. Eichin deutete schon an, dass man auch verstärkt den Charakter der Spieler berücksichtigen möchte, womit ich den Mythos, man könne schwierige Spieler zähmen, für beerdigt halte. Und wo wir beim Kader sind: es deutet sich der nächste Umbruch an. De Bruyne geht auf jeden Fall, Sokratis ist auch auf dem Sprung, die Spezis Arnautovic und Elia wird man sicher loswerden wollen und noch einige andere Personalien sind ungeklärt (allen voran: Hunt, Yildirim und Petersen). Ein Thema, was wir im vorletzten Grünweiß-Podcast am Rande angeschnitten hatten, ist die Nachwuchsarbeit. Zweifel an der von Werder über alle Zuständigkeitsbereiche hinweg praktizierten Nachwuchsarbeit (Ausbildung, Durchlässigkeit und Förderung im Profi-Bereich) gibt es schon länger.

Es ist davon auszugehen, dass eine Sommerpause nicht reicht, um alle Probleme anzugehen und die Früchte der Arbeit zu ernten, doch jetzt ist die Chance, den Grundstein für die Zukunft zu legen. Und egal, wie die einzelnen Entscheidungen im Detail aussehen hoffe ich, dass ich zu Beginn der nächsten Saison mit einem besseren Gefühl dasitzen kann, als dies derzeit der Fall ist. Ich kann nämlich aus vollster Überzeugung sagen: So eine Saison möchte ich nicht wieder erleben. Danke!

ALLEz GRÜN und Lebenslang Grün-Weiß!

Abstiegsk(r)ampf

Nach dem 0:3 daheim gegen den VfL Wolfsburg war unter der Woche viel von „mehr Engagement“ die Rede, welches man beim Auswärtsspiel in Leverkusen zeigen wollte. Es gab ein Teambuilding, eine nächtliche Ausfahrt von Arnautovic und Elia, kurzum: sowohl auf als auch neben dem Platz passierte unter Woche einiges.

In Leverkusen verkaufte sich das Team besser als ich im Vorhinein befürchtet hatte. Man konnte Leverkusen das Leben einigermaßen schwer machen, auch wenn die spielerische Klasse der Werkself nicht über 90 Minuten in Schach gehalten werden konnte. So führte ein guter Spielzug der Leverkusener auch zum Elfmeter in der 35. Minute. Ich fand die Szene diskussionswürdig, aber anscheinend war es ein berechtigter Elfer. Was die Sache noch schmerzhafter machte: Sam war beim Abspiel knapp im Abseits. Auch wenn es schwer zu sehen war: es war somit nicht regelkonform. Bremen selbst hatte in Halbzeit zwei die größte Chance, doch Junuzovic scheiterte im eins gegen eins an Leverkusens Bernd Leno.

Die offizielle Version der „Spin Doctors“ aus dem Verein lautet: „Und es hat Klick gemacht„. Das ist natürlich das gute Recht des Vereins, das Positive am Spiel herauszustellen und sicherlich hat man sich in Leverkusen nicht die befürchtete Packung abgeholt, aber es bleibt die Frage, warum man nicht vorher mit mehr Engagement aufgetreten ist. Wo blieb das Engagement gegen Wolfsburg und in einigen Spielen vorher? Vor allem gefällt es mir nicht, dass jetzt so getan wird, als würde das Spiel eine Art Wende darstellen. Wir waren diese Saison schon häufiger an dem Punkt, wo alle dachten, dass sich etwas zum Besseren ändern würde. Nur um danach wieder bitter enttäuscht zu werden. Zudem haben gestern sowohl Augsburg als auch Hoffenheim gewonnen, so dass Bremen nun noch weiter unten reingerutscht ist. Der Abstand auf Platz 16 beträgt nur noch 2 Punkte.

Damit kommt es nächten Samstag gegen Hoffenheim zu einem echten Endspiel. Mit einem Sieg kann man sich vielleicht den entscheidenden Abstand zu Platz 16 sichern, bei einer Niederlage geht es weiter Richtung Abgrund. Und momentan habe ich verdammte Angst davor, endgültig abzurutschen. Man muss kein Untergangsprophet sein, um für die nächste Saison Montagsspiele auf Sport1 zu befürchten. Leider ist dieses Szenario nur allzu wahrscheinlich geworden. Warum dem so ist, dass wurde hier und an anderer Stelle in den letzten Wochen schon oft genug besprochen. Bis der Verbleib in Liga eins gesichert ist, bringt es auch nichts, jede Woche die gleichen Dinge durchzukauen. Eichin hat gestern noch einmal betont, dass man mit Schaaf die Saison zu Ende bringen und dann weiter sehen wird. Das nehme ich vorerst so hin. Nun gilt es, die nötigen Punkte zu holen, egal wie.

Kevin De Bruyne gibt sich schon einmal sehr kämpferisch vor dem Hoffenheim-Spiel:

KdB-Twitter

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Was mir ein bisschen Sorge macht: anders als die Bremer wissen die Sinsheimer wie sich ein Sieg anfühlt. Gestern gegen Nürnberg scheinen sie ein gutes Spiel gemacht zu haben und die Tore waren gut rausgespielt. Das heißt, die kommen mit einem ganz anderen Selbsbewusstsein an die Weser. Auch Augsburg hat gestern richtig gut gespielt. Ganz anders als die Grün-Weißen derzeit.

Abschließend noch ein dickes „Danke“ an die Auswärtsfahrer, die gestern im Stadion richtig gute Stimmung gemacht haben. Auch über den Abpfiff hinaus. Nächsten Samstag muss es so weitergehen und hoffentlich steht das Stadion während des Spiels hinter der Mannschaft.

Lebenslang Grün-Weiß!

 

Der Tag danach

Heute also das erste Spiel nach dem Allofs-Abgang. Es wurde viel geredet und geschrieben in den letzten Tagen, da tat es gut, dass heute endlich wieder der Ball rollte. Natürlich war die Abwesenheit von KA das große Thema vor und während des Spiels. So erfuhr man von Sky Kommentator Michael Born, dass kein Platz auf der Bank der Bremer frei blieb und Schaaf ja jetzt niemanden mehr zu reden hat (die Bank war voll mit Spielern, Co-Trainern und anderen Helferlein). Man hatte das Gefühl, der arme Born war völlig überfordert mit dieser Situation und dem verzweifelten Versuch, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit auf das Fehlen von Allofs hinzuweisen.

Auf dem Platz dann zunächst der übliche Bremer Tiefschlaf zu Beginn des Spiels (OptaFranz schrieb vom 6. Gegentor in der Anfangs-Viertelstunde). Nach einem Ballverlust tief in der Hälfte des Gegners laufen die Düsseldorfer einen Konter in Überzahl, Kruse täuscht im Strafraum an und Sokratis wirft sich in die Schussfinte, berührt dabei Kruse und Sippel zeigt auf den Punkt. Den vertretbaren Elfer haut Langeneke rein. Alles also wie gehabt. Danach lassen sich die Grün-Weißen zunehmend aus dem Konzept bringen und anstatt Fußball zu spielen, reibt man sich an Gegner und Schiedsrichter auf. Düsseldorf provoziert natürlich auch das eine oder andere mal, doch es ist der Fehler der Bremer, sich darauf einzulassen. Gerade Arnautovic rannte mit Schaum vor dem Mund durch die Gegend und hatte Glück, dass Sippel ihn für seinen (wenn auch kleinen) Kopfstoß gegen Langeneke nicht vom Platz stellt.

Die Ansprache von Schaaf war nicht allzu lang, wahrscheinlich hat er nur gesagt, endlich Fußball zu spielen und sich nicht mehr auf die Scharmützel mit Gegner und Schiri zu konzentrieren. Das hatte schon kurz nach Wiederanpfiff Erfolg, als Lukas Schmitz einem Ball nachsetzt und einen fast verlorenen Ball noch retten kann, um ihn dann auf die Stirn von Nils Petersen zu servieren. Bremen dominiert das Spiel, jedoch kam in Minute 77 der nächste Rückschlag, als Lukimya mit gelb-rot vom Platz musste. Die Zweikampfführung war hier auch eher ungeschickt, angesichts seiner schon vorhandenen gelben Karte. Trotz Unterzahl blieben alle drei Zähler in Bremen, da Kevin De Bruyne eine Flanke von Aaron Hunt perfekt zum 2:1 verwandelte. Die Zahlen sprechen eine deutlichere Sprache als das Ergebnis mit einem Ballbesitzverhältnis von 65% zu 35% und 24:3 Torschüssen. Aber langsam fragt man sich schon, was man tun kann, damit die Mannschaft auch mal von der ersten Minute wach auf dem Platz steht. Koffein intravenös vielleicht?

Ein Thema des Spiels war Schiri Peter Sippel. Alles in allem hatte Sippel nicht den besten Tag erwischt und viele Entscheidungen sind nicht ganz nachvollziehbar gewesen, doch hat er den SVW nicht verpfiffen. Ganz im Gegenteil, denn Arnautovic hätte rot sehen können, vielleicht müssen. Und bei der gelb-roten Karte gegen Lukimya lag er in meinen Augen auch richtig. Ich finde es übrigens erstaunlich, dass sich Arnautovic in Halbzeit zwei so sehr im Griff hatte, denn eigentlich hatte ich fest damit gerechnet, dass er in der Halbzeit von Schaaf ausgetauscht wird. Zum Glück hatte sich der lange Ösi aber im zweiten Durchgang durchweg im Griff.

Nun stehen wir vorübergehend auf Platz 7 hinter dem punktgleichen Sechsten aus Hannover. Doch Euphorie löst der Tabellenplatz nicht aus, da zwischen Platz sechs und dreizehn gerade einmal drei Punkte liegen. Am nächsten Samstag spielen wir gegen das Team auf Platz dreizehn, nämlich den VfL Wolfsburg. Die Vorberichte der nächsten Tage möchte ich an dieser Stelle schon einmal abkürzen: „Allofs trifft auf Ex-Club“. Mehr ist es am Ende des Tages nicht, zumindest nicht für mich.