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Das Werder Jahr von A – Z

Frisch gemästet durch diverse Weihnachts-Leckereien noch ein kurzer Blick zurück aufs vergangene Jahr. Mal sehen, ob zu allen Buchstaben was einfallen will.

Alte Zöpfe: Im Laufe des Jahres haben wir uns von einigen alten Zöpfen getrennt. Im Sommer gingen mit Naldo, Wiese und Pizarro einige bekannte Werder-Gesichter. Im Herbst folgte dann auch der Manager dem Ruf des Geldes und verlagerte seine Zelte nach Golfsburg.

Balance: Auch dieses Jahr waren wir auf der Suche nach der Balance zwischen Offensive und Defensive. Es soll sie ja angeblich irgendwo da draußen geben.

Chancenverwertung: Könnte definitiv besser sein, denn wir spielen uns genügend Möglichkeiten heraus.

De Bruyne: Leihgabe vom FC Chelsea und schon jetzt wissen wir alle, wie sehr er uns nach der Saison fehlen wird, wenn er wieder zurück zum Stammverein geht.

Effekthascherei: Spezialdisziplin der Presse. Zwei Beispiele: zum einen der Platzsturm im Relegationsspiel zwischen Düsseldorf und Berlin, als einige Fans dachten, das Spiel ist aus. Der Presse diente das als Steilvorlage über die ausufernde Gewalt in deutschen Stadien zu sprechen und die Berliner Offiziellen machten daraus vielleicht die Schmierenkomödie des Jahres (Bombenbunker, anyone?). Zum anderen das aufgebauschte Interview mit Kevin De Bruyne, der einfach nur noch einmal bekräftigte, dass er nach der Saison (als Leihspieler) wieder weg sein wird. Danach Musterbeispiel für Söldnertum.

Fans: Ein großes Thema im gesamten Jahr 2012. Von Pyros über Gewaltorgien wie den Düsseldorfer Platzsturm und das neue Sicherheitskonzept der DFL wurde vor allem über aber weniger mit den Fans gesprochen.

Gegentore: Leider immer noch zu viele.

Hoffnung: Zieht sich durch das Jahr 2012, da wir sehr lange in greifbarer Nähe der europäischen Plätze waren bzw. sind.

International: Da sind wir schon seit längerem nicht dabei, wollen aber gerne wieder mitspielen.

Jugend: Das große Thema der letzten Rückrunde, als Trybull, Füllkrug oder Hartherz ins Team drängten.

Kalenderjahr: Das Jahr 2012 war mit gerade einmal 35 Punkten das schlechteste in der Ära Schaaf.

Leidensfähigkeit: Ist als Bremen-Fan derzeit sehr wichtig.

Mies: Da bringt man endlich das begehrte Weihnachts-Trikot für die Fans raus, verlangt für die edle Umverpackung noch mal einige Taler mehr und am Ende ist der Tannenbaum nicht mal aufgestickt, wie bei den sonstigen Trikots, sondern nur aufgedruckt. Aber hey, das ist Business, das ist Fußball.

Niederlagen: Fürs neue Jahr hätte ich gerne weniger davon und mehr von diesen komischen Siegen.

Oha: Eine Frau soll laut Willi Lemke auch unter den Kandidaten für die Nachfolge von Allofs gewesen sein. Ist da was dran, oder ist das der verzweifelte Versuch, zumindest im Bezug auf die Kandidaten die Frauenquote zu thematisieren?

Phrasendrescherei: Jaja, Naldo liebt alles an Bremen, trotzdem ging er weg. Dem Klausi hat es zuletzt so viel Spaß wie kaum zuvor gemacht. Trotzdem ging er weg. Können wir die alberne Phrasendrescherei nicht einfach sein lassen?

Quintessenz: Die fetten Jahre sind vorbei.

Raute: Als Spielsystem eingemottet, als Logo natürlich auch weiterhin aktuell.

Spezialität: Der Pokal war mal unsere Spezialität. Derzeit haben wir uns eher auf ein Aus in der ersten Runde spezialisiert.

Trainer: Stand dieses Jahr häufig in der Kritik und auch hier gibt es Skepsis, ob Schaafs Weg noch in die gewünschte Richtung führt.

Umbruch: Eines der Worte im Zusammenhang mit der neuen Saison. Mit dem Abgang von Allofs setzte sich der Umbruch auch in der Führung fort.

VW: Netter Premium-Partner von Werder. Kaufen uns den Manager in der laufenden Saison weg. So geht Partnerschaft heute.

Weser: Die macht immer noch ihren großen Bogen am entsprechenden Stadion. Etwas, das geblieben ist.

X-Beine: Grundausstattung vieler Fußballer. Haben wir auch ein paar von. 😉

Y-Chromosom: Offensichtlich haben alle Kandidaten für den Allofs-Posten eines davon.

Zuversicht: Die Zuversicht, dass es im nächsten Spiel, in der nächsten Saisonhälfte besser wird, gehört zur Grundausstattung eines jeden Fußballfans. Hier ebenfalls.

Führungspersonal

Nachdem die wichtigen Fragen vor dem Spiel zwischen Wolfsburg und Bremen schon geklärt wurden und wir wissen, dass Allofs a) sich mit seinem neuen Arbeitgeber über seinen alten Arbeitgeber austauschen wird und b) er sich über einen Sieg seines neuen Arbeitgebers über seinen alten Arbeitgeber offen freuen würde, kommen wir zu anderen Themen, die vielleicht nicht diese Brisanz erreichen. Die Frage an der Weser ist nun natürlich, wie die Lücke zu schließen ist, die Allofs beim SVW hinterlassen hat. Dabei scheinen viele Varianten möglich, von einem „Teammanager“ Schaaf (nach englischem Vorbild) über die Besetzung der Stelle des Sportdirektors/Geschäftsführers mit einer Person bis hin zu einer Teilung der beiden Positionen. Laut Aufsichtsratschef Willi Lemke scheint es eher darauf hinaus zu laufen, dass zwei Leute kommen und einer Sportdirektor wird, während der andere in die Geschäftsführung geht.

Dies halte ich für die beste Lösung, da es (im Nachhinein betrachtet) sicherlich nicht optimal war, eine Person auf beide Posten zu setzen. Man kann vielleicht auch sagen, dass Allofs Wirken seit 2009 nachgelassen hat, als er nach dem Abgang von Born in die Geschäftsführung berufen wurde. Vielleicht war es einfach zu viel Arbeit für eine Person, vielleicht versucht man auch, Zusammenhänge zu sehen, wo es keine gibt. Aber auch unter dem Gesichtspunkt der Machtkonzentration ist es vorteilhafter, nicht zwei Position an eine Person zu vergeben (Magath, anyone?). An den Ausführungen von Lemke im oben verlinkten Artikel irritiert mich ein bisschen, dass er Schaaf eine größere Rolle geben möchte. Es mag sein, dass dies eine strategische Entscheidung ist, Schaaf noch enger an den Verein zu binden, aber Schaaf schien bisher ja auch schon einige Wörtchen mitzureden hatte.

Den Vorschlag von bspw. Andreas, mindestens einen der beiden vakanten Posten mit einer externen Person zu besetzten, kann ich nur unterstützen. Ich denke, neue Impulse und andere Sichtweisen können sicherlich nicht schaden. Aber es muss halt auch jemand sein, der zum Verein passt und der nach Möglichkeit auch ein bisschen Erfahrung vorzuweisen hat. Beiersdorfer wird es wohl nicht und auch Lemke selbst steht nicht zur Verfügung. Ich bin gespannt, wie sich das weiterentwickelt.

Das Fan-Dasein

Eigentlich sind die nachfolgenden Ausführungen schon einen eigenen Post wert, aber ich habe auf der anderen Seite keine Lust, das Thema Allofs in einem weiteren Beitrag zu verwursten. Was mich beim Wechsel von Allofs ein bisschen genervt hatte, war der moralische Zeigefinger aus allen Richtungen, wenn man es wagte, den Wechsel zu kritisieren. Dabei gab es zwei Hauptargumente:

1.) Fußball ist ein Geschäft

Ist richtig, würde ich auch nie bestreiten. Aber darf man sich als Fan eines Vereins sich nicht darüber ärgern, dass der Manager nach albernen Versuchen des Rumeierns geht. Darf man es nicht zum kotzen finden, wenn er auf der Abschieds-PK sagt, dass er Bremen liebt und sich so wohl wie selten gefühlt hat? Ich sehe mich als Fan des Vereins und da kann ich nicht alle Vorgänge um den Club einfach mit einem geschäftsmäßigen Achselzucken hinnehmen. Ich leide während der 90 Minuten eines Spiels und natürlich sind die Jungs meines Vereins die Engel, die nie etwas Böses tun, während der Gegner eine Bande von Schauspielern und Tretern ist. Und natürlich pfeift der Schiri tendenziell gegen Bremen. Und auch das Gehen von Spielern/Funktionären begleite ich im ersten Moment mit einem Gefühl der Enttäuschung. Jemand, der Teil „meiner“ Gruppe war, verlässt diese und wird einer von „denen“. Das ist ja auch eine Faszination des Fußballs, die „wir“-gegen-„die“-Dialektik, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Und so lange das alles friedlich abläuft, sehe ich da kein Problem. Und da braucht man mir nicht oberlehrerhaft mit Vernunft kommen, wenn Allofs den Abgang macht. Nach der ersten Enttäuschung kann ich damit gut leben und sicherlich sind die Chancen, die sich ergeben auch nicht ohne.

2.) Der „normale“ Arbeitgeber macht das auch so!

In der Diskussion um den Wechsel von Allofs (und auch immer wieder bei Spielern) kommt man irgendwann zum schnöden Mammon. Wenn man daran leise Kritik übt, heißt es immer gleich, dass wir (wer auch immer „wir“ sein soll…) das ja im Berufsleben auch so machen würden. Der Vergleich hinkt für mich immer an so vielen Stellen und das geht auch ganz plump mit der Entlohnung los. Ein „normaler“ Arbeitnehmer verdient nicht in den Regionen, die Allofs bekommt. Und es soll auch viele Arbeitnehmer geben, die nicht für jede Gehaltssteigerung den Arbeitnehmer wechseln, vor allem wenn man sich angeblich so wohl fühlt. Und vor allem kann ich nicht heute kündigen und morgen einen neuen Job antreten, während im Hintergrund noch eine Ablöse an meinen alten Arbeitgeber fließt. Als normalem Arbeitnehmer schauen mir auch nicht Millionen bei der Ausübung meiner Arbeit zu und ich muss auch nicht dauernd Interviews und Pressekonferenzen abhalten. Darüber hinaus habe ich auch keinen Agenten, der mir das Verhandeln und Denken abnimmt. Können wir also einfach mal aufhören, das Biotop Profi-Fußball mit dem normalen Arbeitsmarkt zu vergleichen?

 

Should he stay or should he go?

Ende letzter Woche hieß es seitens der Medien, dass der VfL Wolfsburg Interesse an einer Verpflichtung von Klaus Allofs habe und die Unterschrift in Kürze erfolgen würde. Seitdem gibt es immer neue Spekulationen darüber, ob und wann Klausi nach Wolfsburg geht. Diese werden sicherlich auch durch die halbgaren Dementis unseres Geschäftsführers weiter befeuert. Die Aussagen reichen von „Ich habe einen Vertrag bis 2015. Das ist Stand der Dinge.“ bis hin zu „Im Fußball verändern sich die Dinge manchmal schnell“. Allofs führt seit 13 Jahren die sportlichen Geschicke des SV Werder und es ist davon auszugehen, dass er die Wirkung seiner Worte sehr genau abzuschätzen weiß. Er hält sich alle Optionen offen und das ist auch legitim. Andererseits geht es mir heute schon auf die Nerven.  Bei wie vielen Spielern hat man diese Form des Rumeierns schon erlebt, bevor sie nach wochenlangem Hickhack von dannen ziehen.

Ich kann dabei auch nicht behaupten, dass mich die Vorstellung sonderlich erschüttert, dass Allofs nach mehr als 13 Jahren die Koffer packt und woanders anheuert. Meine Sympathien hätte er bei einem Wechsel in die Autobauerstadt nicht mehr, aber andererseits sehe ich mit einem Abgang von KA nicht den Weltuntergang heraufziehen. Bitte nicht falsch verstehen: ich schätze Allofs und seine Arbeit sehr und er hat nicht unerheblichen Anteil am sportlichen Höhenflug der Bremer gehabt. Zusammen mit Thomas Schaaf hat er das Maximum aus den an der Weser herrschenden Rahmenbedingungen geholt. Man kann lange darüber streiten, ob der ausbleibende Erfolg der letzten Jahre auch seinem Versagen zuzuschreiben ist oder ob die Hochphase zwischen 2004 und 2009 nicht einfach ein einzigartiger Ausreißer nach oben war. Ja, der Verein hat gerade einen Rekordverlust bekannt gegeben, aber dieser lässt sich durch Rücklagen ausgleichen und zudem diente der Umbruch der letzten Jahre dazu, die hohen Fixkosten der neuen Situation anzupassen. Finanzielle Stunts wird es in Bremen nicht geben.

Der Spiegel bezeichnet Wolfsburg als Paradies für Allofs. Dabei beziehen sich die paradiesischen Zustände vor allem auf die finanzielle Ausstattung, die sich in Wolfsburg ohne Zweifel ganz anders darstellt als in Bremen. Andererseits soll Geld alleine ja auch nicht glücklich machen. Ich kann mir dennoch vorstellen, dass Allofs nach den Jahren in Bremen einer anderen Aufgabe gegenüber nicht abgeneigt ist, zumal Allofs sich in letzter Zeit auch immer wieder mit Gegenwind aus dem Aufsichtsrat konfrontiert sah und er vielleicht auch keinen Bock mehr hat, sich gegen Lemkes Selbstdarstellungsdrang zu wehren. In den nächsten Tagen wird hoffentlich Klarheit in die Sache kommen und für den Fall, dass Allofs dem Ruf aus dem „Paradies“ folgt, möchte mich für die vergangenen Jahre und die Erfolge bedanken. Aber wie auch bei jedem Spieler, der Bremen verlässt, kann ich ihm bei seiner neuen Aufgabe kein „Viel Erfolg“ mit auf den Weg geben. Es wird spannend zu sehen, wie das Vakuum gefüllt wird (Beiersdorfer, Bode oder vielleicht Guardiola*?) und was dann mit Schaaf passiert, der seinen Verbleib ja auch immer an Allofs geknüpft hat. Im Moment wird es nicht langweilig in Bremen, aber egal wie sich die Dinge entwickeln: der SV Werder Bremen ist größer als alle Namen, egal wie sehr sie den Verein geprägt haben. Es wird weitergehen.

Lebenslang Grün-Weiß!

P.S.: Wir haben wohl auf Schalke verloren. Blöd das! 😉

*= Ein kleiner Scherz

Demut

Zunächst einmal ein „Herzlich Willkommen“ an Joseph Akpala. Heute wurde seine Verpflichtung für vier Jahre bekanntgegeben. Der nigerianische Stürmer wechselt vom FC Brügge an die Weser und hat in der belgischen Jupiler-Liga schon seine Knipser-Qualitäten unter Beweis gestellt. Dann war das Aus in der ersten Pokalrunde doch nicht so gravierend, wie von Allofs am Sonntag noch angedeutet.

Was ich im Zuge des Auftritts in Münster sehr bemerkenswert finde, ist die Tatsache, dass sowohl Sokratis als auch Allofs im Nachgang sehr ambitionierte Ziele formuliert haben. Sokratis sieht in der Mannschaft ausreichend Qualität, um diese Saison die Champions League zu erreichen. Allofs möchte mit Werder wieder die Nummer zwei, drei oder vier in Deutschland werden. Nun ist natürlich nichts gegen Ziele einzuwenden, aber in den letzten beiden Saisons hat das mit den Zielvorgaben eher weniger geklappt. Wie im Sommer-Podcast mit Tobi und Anna angesprochen, geht es diese Saison darum, eine Entwicklung zu sehen. Nach zwei Jahren mehr als deutlicher Rückschritte im spielerischen Bereich, wäre es schön, mal wieder etwas mehr Spielkultur und defensive Sicherheit zu sehen.

Die Platzierung ist natürlich nicht völlig egal, denn ein spielerisch brillant herausgespielter Platz 17 würde auch für eher lange Gesichter sorgen. Doch nach zwei mauen Saisons, einem weiter vorangetriebenen Umbruch mit vielen neuen Spielern sollte man sich davor hüten, wieder von Europa zu sprechen, ja sogar die Königsklasse zum Ziel auszurufen. Ich finde das kontraproduktiv und auch in der Außendarstellung mehr als fragwürdig. Intern kann man ja gerne Europa als mittelfristiges Ziel ausgeben, doch alles andere wirkt in Anbetracht der letzten beiden Spielzeiten als Größenwahn. In Bremen sind wir mit klassisch hanseatischem Understatement immer gut gefahren. Wenn man zum Ende der Saison wider Erwarten doch Kurs auf Europa nimmt, dann ist das super und in dem Fall kann man dann auch offen vom internationalen Wettbewerb sprechen. Die Schaumschlägerei unseres Spartaners und von Allofs behagt mir ehrlich gesagt nicht.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch auf einen Thread im Worum verweisen (Danke für den Hinweis @KatarinaWerderfan). User „el pibe de oro“ hat sich hier die Mühe gemacht, sich durch die Bilanzen unseres Vereins der letzten Jahren zu kämpfen. Fazit: Bremen geht es wirtschaftlich relativ gut, aber es wird auch deutlich wie abhängig der Verein zum einen vom internationalen Wettbewerb ist und zum anderen auf Transfereinnahmen angewiesen ist. Ersteres haben wir nun zwei Jahre nicht geschafft und so werden auch die Abgänge von gut verdienenden Spielern wie Naldo, Pizarro, Wiese oder Rosi etwas nachvollziehbarer. Bei den Transfererlösen sieht es zukünftig vorerst mau aus. Spieler, die man wie Diego oder Özil im Bereich von 20 Millionen Euro weiterverkaufen kann, sind nicht in Sicht. Hier wird dann deutlich, dass Transfers nach dem Prinzip „Billig holen, veredeln und dann teuer verkaufen“ in letzter Zeit nicht so funktioniert haben wie gedacht. Krasse Beispiele der Vergangenheit sind hier Carlos Alberto oder Wesley, aber auch ein Arnautovic bleibt sicherlich deutlich hinter dem zurück, was man sich von ihm erhofft hat. Zudem macht der Artikel auch ein bisschen deutlich, dass die Einnahmen bspw. aus dem Diego-Transfer nicht irgendwo versickert sind, sondern in den laufenden Betrieb oder den Stadionausbau geflossen sein dürften. Für Zahlenfetischisten sicherlich eine lohnende Lektüre.

Morgen dann der Auftakt in die 50. Bundesligasaison mit dem Spiel Borussia Dortmund – Werder Bremen. Ich bin gespannt, wie sich die Mannschaft präsentiert und wie viel von der Vorbereitung, die vielerorts positiv beurteilt wurde, zu sehen ist. Im Supercup wirkte Dortmund erstaunlich harmlos, doch das will nichts heißen. Hoffen wir mal auf ein erstes Erfolgserlebnis.

Lebenslang Grün-Weiß!

UUUUSNNSNUNUUNNNN

UUUUSNNSNUNUUNNNN, die Chronik einer misslungenen Rückrunde, die mit 13 Punkten als schlechteste aller Zeiten in die Werder-Annalen Einzug hält. Die einzigen beiden Lichtblicke waren die Spiele gegen den großen und den kleinen HSV, die noch einmal Hoffnung aufkeimen ließen. Am Ende gab man in der Rückrunde Platz fünf aus der Hand. Hatte man am 18. Spieltag noch die Pole Position im Kampf um die Europa League inne, zog ein Kontrahent nach dem anderen vorbei. Dabei war es wahrscheinlich nie so einfach, sich über die Bundesliga für Europa zu qualifizieren wie diese Saison. Schon Platz sieben hätte gereicht und was das Ganze so unfassbar schmerzlich macht, ist die Tatsache, dass die Konkurrenz weit davon entfernt war, gut zu spiele. Stuttgart einmal ausgenommen, war es nicht unbedingt so, dass die anderen Europa-League-Aspiranten einen unaufhaltsamen Lauf hingelegt haben.

Am Ende haben wir in dieser Saison einen mickrigen Punkt mehr als letztes Jahr auf dem Konto. Nach der Hinrunde war auch meine Meinung gespalten, doch in der Rückschau hätte ich gerne noch einmal 29 Punkte aus einer schwankenden Halbserie gehabt.  Zum Glück hatten wir in der Hinserie schon genügend Punkte gesammelt, sonst hätte es auch wieder ganz eng werden können.

Die Probleme sind die gleichen geblieben wie vor ein paar Wochen. Auch Joey und Anna haben die Saison schon eindrucksvoll bei gruenweiss.org Revue passieren lassen. Die Verletztenmisere blieb als unwillkommener Gast bis zum Ende, doch trotzdem hätte man sich trotz der ganzen Ausfälle auch mal ein Aufbäumen gewünscht, ein mehr an Leidenschaft auf dem Platz. Augsburg oder Freiburg hatten auch viele No-Names auf dem Platz, aber die haben geackert, haben sich zerrissen auf dem Platz. Bei Bremen fiel auf, dass es gerade die etablierten Spieler waren, die in der Regel genau in der Kategorie ganz weit hinten. Vor allem die Lebensversicherung der Hinrunde, unser Andengott, schlurfte spätestens nach Bekanntwerden seiner Vertragskündigung über den Platz wie ein gelangweilter Schulbub. Konsequenzen hatte die wöchentliche Lehrstunde in angewandter Arbeitsverweigerung für ihn nicht.

Der Umbruch geht weiter mit Wiese, Rosenberg, Marin und Borowski als namhaftesten Abgängen. Man darf gespannt sein, wie das Gesicht der Mannschaft für die Saison 12/13 aussieht. Ich hoffe, dass es gelingt, eine Mannschaft auf den Platz zu stellen, die mit Herz und Leidenschaft das W auf dem Trikot trägt und dass es gelingt, die vielversprechenden Talente im Team weiterzuentwickeln. Das ist essentiell, um in den mittelfristig wieder von Europa sprechen zu können. Ich erwarte für nächste Saison kaum etwas, mir ist die Platzierung egal (was nicht heißt, dass ich absteigen möchte), sondern ich will Fortschritte sehen. Fortschritte auf dem Platz und Fortschritt abseits des Platzes. Wir müssen die Verletztenseuche in den Griff bekommen und das Trainerteam muss zeigen, dass es lernfähig und -willig ist. Wir brauchen gute Transfers. Letztlich gilt es, für nächstes Jahr auch ein Stück weit Aufbruchstimmung zu erzeugen und den Fans zu zeigen, wie man sich das „neue“ Werder vorstellt und dann muss die Mannschaft das auch transportieren können. Denn sonst könnte es ein langer Weg durchs dunkle Tal werden.

 

Nackenschläge

Das Spiel am letzten Freitag in Stuttgart war de facto ein Schlag ins Gesicht. Nicht die Niederlage an sich, sondern die Art und Weise, wie man sich präsentierte. Selbst nach 1:0-Führung, die sehr glücklich war, konnte man keinerlei Selbstbewusstsein oder Aufbäumen sehen. Es hätte nur noch gefehlt, dass sich Rosenberg persönlich bei jedem Stuttgarter für seinen Treffer entschuldigt, man will ja kein undankbarer Gast sein. Trotz all der Ausfälle und Probleme kann man doch davon ausgehen, dass die 11 Mann auf dem Platz sich wenigstens aufreiben.

Erstaunlich waren auch Allofs‘ Aussagen direkt nach dem Spiel, als er meinte, es würde das letzte Quentchen/der letzte Zentimeter in den Aktionen fehlen. Da habe ich mich spontan gefragt, ob er auf seinem iPhone ein anderes Spiel gesehen hat, während er auf der Bank sass. Mittlerweile kamen da aber doch sehr eindeutige Aussagen, die auch noch einmal zeigen, dass der Umbruch im Gange ist. Lars vom Werderblog hat es sehr gut zusammengefasst. Joey von gruenweiss.org hat auch einen sehr guten Artikel geschrieben, der die Lage gut aufgreift.

Vielleicht hätte man häufiger auf den Umbruch hinweisen sollen. Vielleicht nicht dauernd Erwartungen schüren. Klar, nach der Hinrunde waren wir auf Platz fünf, aber dennoch hätte man auch da mehr Zurückhaltung üben sollen. Es ist überhaupt erstaunlich, denn wir haben derzeit einen mageren Punkt mehr als in der letzten Saison. Die gute Hinrunde hat dafür gesorgt, dass wir zu keinem Zeitpunkt im Abstiegskampf steckten. Die Tatsache, dass die Konkurrenz um die EL-Plätze (bis auf Stuttgart) auch nur Grütze spielt, sorgt dafür, dass Platz 7 noch immer in Reichweite ist. Gerade dieser Umstand macht die Rückrunde so bitter. So einfach war es schon länger nicht mehr, sich für Europa zu qualifizieren.

Vielleicht haben wir heute nachmittag Glück und die Bayern kommen zur Butterfahrt vorbei. Real im Kopf und keine Lust, sich zu verausgaben: das könnte unsere Chance sein.