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Es ist was faul im Staate Bremen

11 Punkte aus 11 Spielen lautet die bisher sehr ernüchternde Rückrunden-Bilanz der Grün-Weißen. Beim 0:3 gegen Mainz konnte man wieder einmal nicht gegen einen Gegner aus der unteren Tabellenhälfte gewinnen. Im Moment steht Bremen auf dem achten Tabellenplatz und wäre somit nicht für den internationalen Wettbewerb qualifiziert. Die letzten sechs Partien der Saison haben es in sich: auswärts in Köln, Stuttgart und Wolfsburg sowie daheim gegen Gladbach, Bayern und Schalke. Das sind drei Mannschaften aus den Top 4 sowie zwei direkte Konkurrenten um die EL-Plätze. Köln kämpft gegen den Abstieg und trotz zuletzt desolater Leistungen der Domstädter würde ich nicht darauf hoffen, dass ausgerechnet die Bremer da die Punkte holen.

Dabei kommen momentan gleich mehrere Dinge zusammen, welche zu den schlechten Ergebnissen führen. Es gibt nicht DAS Problem und auch nicht DIE Lösung. Vor allem maße ich mir nicht an, diese Lösung zu haben.

Verletzungsmisere

Es fällt schwer, angesichts des sich munter weiter füllenden Lazaretts noch von Verletzungspech zu sprechen. Natürlich sind da auch einige Sachen dabei, die niemand beeinflussen kann, wie bspw. Kouemahas Tritt ins Prödls Gesicht. Doch es gibt auch einige gravierende Auffälligkeiten, wie bspw. die nicht endenden wollenden Muskelverletzungen oder auch die häufigen Schambeinprobleme einiger Spieler. Hier gilt es zur neuen Saison dringend zu überprüfen, wo hier die Probleme liegen könnten. Meine medizinischen Kenntnisse habe ich allesamt aus der „Schwarzwaldklinik“ bzw. „Emergency Room“, aber auch mir kommt das Ganze spanisch vor. Das Thema wurde in diesem Artikel schon an anderer Stelle aufgegriffen. Welche Rolle spielt die medizinische Abteilung, die Intensität des Trainings und was können die Spieler beitragen? Sind wir in allen Punkten optimal aufgestellt. Bei dem recht dünnen Kader können wir es uns auf Dauer nicht erlauben, dass Leistungsträger immer wieder ausfallen.

Wachtumsschmerzen

In den letzten Wochen haben die „Jungen Wilden“ für viel Freude unter den Werder-Fans gesorgt. Doch die bisher starken Leistungen und das vorhandene Potential sind nur die eine Seite der Medaille. Bei jungen Spielern sind Fehler und Formtiefs ganz normaler Bestandteil der Entwicklung, denn sie werden daraus lernen. Beim Spiel gegen Mainz führten individuelle Fehler unserer Youngster zu den ersten beiden Gegentoren. Beim 0:1 können Hartherz und Trybull den Ösi Ivanschitz nicht stellen und Affolter ließ sich von Szalai austanzen. Beim 0:2 reicht ein kleiner Schubser von Chupo-Moting aus, um sich Hartherz vom Hals zu schaffen. Man kann dies den Spielern nicht vorwerfen, doch natürlich tun die individuellen Fehler in dieser Situation weh.

Alterserscheinungen

Während die ersten beiden Gegentore noch dem jugendlichen Leichtsinn und der Unerfahrenheit zuzuschreiben sind, lieferten ausgerechnet die beiden alten Hasen Fritz und Wiese beim 0:3 Slapstick vom Feinsten. Dumme Fehler sind also nicht nur der Jugend vorbehalten. Darüber hinaus fällt auf, dass von den erfahreneren Spielern oftmals wenig kommt und sie nicht oder kaum in der Lage sind, dem Spiel Struktur zu geben und auch den Jungen ein Vorbild zu sein.

Vertragssituation

13 Verträge laufen nach der Saison aus. Ein dickes Brett, welches Klaus Allofs da bohren muss. Allein, er fängt noch nicht damit an. Angeblich ist der SVW bei den Planungen für die nächste Saison nicht auf das Geld aus der EL angewiesen. Doch worauf wartet Allofs? Gibt es einen Königsvertrag, von dem alle anderen Planungen wie bei einem Domino-Spiel abhängen? Warum wird keine Klarheit geschaffen, für Spieler, Mannschaft und Fans?

Palaver neben dem Feld

Die teils ungelösten Vertragssituationen münden auch in den nächsten Punkt: zusätzliche Unruhe durch die öffentlich gemachten Abwanderungsgedanken der Spieler. Auf der einen Seite kann ich natürlich verstehen, dass die Spieler sich Gedanken über die Zeit nach der Saison machen. Ob es allerdings so hilfreich ist, das ausgerechnet öffentlich zu machen? Pizarro lässt verlautbaren, dass noch nichts entschieden ist und er für jegliche Angebote offen ist. Warum ein Mann wie Pizarro das nötig hat, erschließt sich mir nicht. Dann kommt erschwerend hinzu, dass er ja auch immer wieder vollmundig Ziele verkündet und indirekt auch immer wieder dem Verein die Pistole auf die Brust zu setzen. Seine letzte Kampfansage („Ich schieße gegen Mainz zwei Tore!“) endete dann in einer erschreckenden Nicht-Leistung seitens des Peruaners.

Kaum aus dem Lazarett kokettierte Naldo wieder mit einem Wechsel in die brasilianische Heimat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es sich hierbei um einen kompletten Alleingang von Porto Allegre handelt. Und langsam nervt dieser ständige Flirt mit dem Abgang. Entweder oder, aber bitte nicht so ein Geeier.

Das System

Auch über den Trainer muss an dieser Stelle geredet werden. Ich habe Schaaf auch zuletzt immer wieder verteidigt, doch die Leistungen der Mannschaft werfen zunehmend Fragen auf. Ich glaube schon, dass Schaaf die Mannschaft noch erreicht und sich keineswegs abgenutzt hat. Doch wie sinnvoll ist das starre Festhalten an der Raute? Mit ist es egal, ob es sich dabei um ein veraltetes System handelt, wie bei der Spielverlagerung angemerkt. Entscheidend ist einfach, ob das System erfolgreich ist und die eigenen Stärken herausarbeitet. Griechenland 2004 auch mit Libero gespielt, wurde ausgelacht und holte den Pott. Gerade mit der ellenlangen Verletztenliste sind einige Positionen der Raute nicht optimal besetzt. Kann man hier nicht auch mal ein gewisses Maß an Flexibilität erwarten? In Hamburg haben wir eher mit einem 4-5-1 agiert, den Druck absorbiert und die entscheidenden Konter setzen können. Danach immer wieder die Raute.

Vor allem wird immer wieder deutlich, dass wir nicht in der Lage sind, dem Gegner über wirklich lange Zeit unser Spiel aufzuzwingen. Ja, es gibt immer wieder mal gute Phasen, die auch mal eine Halbzeit lang dauern, aber es bleibt immer nur bei Phasen. Andere Mannschaften holen aus ihrem nominell schwächeren Kader mehr raus. Auch andere Teams haben viele junge Spieler oder viele Verletzte, dennoch ist da eine Flexibilität vorhanden, das Spiel an die Gegebenheiten anzupassen und die jeweiligen Schwächen des Gegners anzugreifen. Und bei uns? Ob Heidenheim oder Bayern: die Raute wird’s schon richten!

Ich persönlich habe die EL für Bremen schon abgeschrieben. Natürlich hoffe ich als Fan auch weiterhin, dass wir jedes Spiel gewinnen, aber man muss die Situation auch realistisch betrachten. Dann hätte man die gute Ausgangssituation aus der Hinrunde aus der Hand gegeben und wird sich den kritischen Fragen auch mal stellen müssen.

Unentschuldigtes Fehlen

Nach dem 0:1 in Berlin ist meine Lust, diese Nicht-Leistung mit einem Blogbeitrag zu adeln, nicht besonders hoch. Man könnte stundenlang die Fehler analysieren, sich über Spielaufbau und taktische Finessen unterhalten, doch am Ende bin ich einfach nur entsetzt über die Leidenschaftslosigkeit, mit der die Mannschaft in Berlin aufgetreten ist. Ein Glücksschuss reichte den Herthanern zum Sieg, die im Spiel selbst viele Fehler und ein gerüttelt Maß an Verunsicherung zeigten. Sobald Bremen in die Nähe des gegnerischen Strafraums kam, wurden die Knie der Weiß-Blauen weich und auch der Keeper Thomas Kraft wirkte nicht sonderlich souverän in seinen Aktionen. Die Hertha wird sich über den Sieg freuen, doch das Spiel ist in meinen Augen kein besonderer Mutmacher.

Es ist traurig, dass dem Gegner eine solche Leistung gereicht hat, um sich gegen die Bremer durchzusetzen. Die Zahl an Fehlpässen und Stockfehlern war am letzten Samstag Legion und jegliche positiven Ansätze aus den letzten Spielen wurden durch den Grottenkick zur Makulatur. Selbst im Angesicht von solch Ergebnissen wie in Gladbach, München und auf Schalke in der Hinrunde gebe ich Allofs recht, der vom „schlechtesten Spiel der Saison“ sprach. Gerade im Hinblick auf die gezeigte Leistung des Gegners trifft dies zu, denn die Hertha war selbst weit davon entfernt, ein gutes Spiel zu machen.

Mittlerweile fühlt man sich ein wenig wie bei „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Jedem Lichtblick und der anschließenden Hoffnung auf Besserung folgt der nächste Nackenschlag in Form einer unterirdischen Leistung. Und auch wenn in der Hinrunde nicht alles Gold war, so war man zumindest in der Lage, die Spiele gegen die kleineren Gegner positiver zu gestalten, vor allem im heimischen Weserstadion. Zunehmend steht man im Kampf um die internationalen Plätze mit dem Rücken zur Wand, da die Aufgaben in den nächsten Wochen nicht kleiner werden. Die ersten Vier der Liga kommen noch, genauso wie die direkten Konkurrenten um Platz 6 (namentlich Hannover und Stuttgart) und bei den derzeitigen Leistungen braucht man keine besonders pessimistische Einstellung, um zu sehen, dass man weiter nach hinten durchgereicht werden wird.

Der Blick richtet sich auch wieder Richtung Thomas Schaaf. Wie kann es sein, dass eine Mannschaft sich derart präsentiert. Samstag wäre es in meinen Augen egal gewesen, welches System oder welche Spieler (Stichwort: Jugend) auf dem Platz gestanden hätten, denn mit der Arbeitsauffassung hätte man eh keinen Blumentopf gewonnen. Auch hier grüßt der kleine freundliche Nager von oben: immer wenn man denkt, dass Schaaf dem Team neue Impulse gibt und es auch Reaktionen gibt, kommt so ein Spiel um die Ecke und lässt einen ratlos zurück. Ich werde Schaafs Kopf nicht fordern, dass überlasse ich anderen, aber die Fragen nehmen zu. Wenn man nicht im Mittelfeld der Liga landen möchte, dann sind langsam Antworten fällig, denn sonst freuen wir uns am Ende der Saison nur noch über die beiden Derby-Siege gegen den HSV.

Ein versuchtes Fazit

Ich hoffe, die werten Leser haben die Weihnachtsfeiertage gut überstanden und freuen sich schon auf das neue Jahr. Hier der Versuch eines Rückblicks auf die Hinrunde.

Engelchen links

29 Punkte, Platz 5 und der sehr inoffizielle Titel des Heimherbstmeisters steht nach der Hinrunde für die Grün-Weißen zu Buche. Gemessen an den Erwartungen und Befürchtungen nach der letzten, äußerst katastrophalen, Saison ein gewaltiger Schritt nach vorne. Ich gebe zu, dass ich damit nicht unbedingt gerechnet hatte. Naldo feierte ein viel umjubeltes Comeback und war sofort wieder ein Fels in der Brandung. Pizarro ist in überragender Form und mit 12 Toren und 7 Assists ein nicht unerheblicher Grund für den Bremer Höhenflug. Darüber hinaus wurde gestern verkündet, dass die Verträge mit Klaus Allofs und Thomas Schaaf verlängert wurden. Es könnte also richtig gute Stimmung und Optimismus unterm Bremer Weihnachtsbaum herrschen, doch dies ist nur die eine Seite der Hinrundenmedaille.

Teufelchen rechts

Dem gegenüber steht ein negatives Torverhältnis (30:31 Tore), kein einiziger Sieg, nicht einmal ein einziger Punkt gegen die Mannschaften von Platz eins bis sieben. Dazu die Tatsache, dass man sich von Gladbach, Schalke, den Bayern und Hannover insgesamt 17 Buden einschenken ließ und man sich in diesen Spielen defensiv zum Teil wie ein desolater Absteiger präsentierte, trotz Naldos Rückkehr und der Verpflichtung von Schmitz, Sokratis und Wolf. Zudem ist man in der Offensive zu sehr von den Heldentaten Pizarros abhängig. Zu Hause hatte man bis auf Dortmund vor allem Gegner aus der zweiten Tabellenhälfte vor der Brust, was die tolle Heimbilanz ein wenig relativiert. Trotz der offensichtlichen Probleme in der Kaderzusammenstellung und der ständig wiederkehrenden Defensivschwächen der Mannschaft wurden die Verträge mit Schaaf und Allofs verlängert.

Ein Fazit der Hinrunde ist wahrlich kein einfaches Unterfangen, da sich ein und derselbe Sachverhalt immer in zwei Richtungen deuten lässt. Die Hinrunde weist deutliche Parallelen zu einem Januskopf auf. Das hat sicherlich zu einem nicht unerheblichen Teil damit zu tun, dass der Eindruck der letzten drei Auswärtsspiele (Gladbach 0:5, Bayern 1:4 sowie Schalke 0:5) vorhält und damit die positiven Eindrücke nachhaltig trübt.

Mannschaft

Was in der Hinrunde vor allem positiv auffällt, ist der Einsatzwille der Mannschaft, die sich oftmals trotz Rückstands nicht aufgibt und so immer wieder in der Lage ist, einen verpennten Start in das Spiel wieder wettzumachen. Zudem ist die Laufbereitschaft (anders als in der vergangenen Saison) viel höher. Doch man fragt sich auch immer wieder, warum die Mannschaft so oft nicht von Beginn an voll da ist und immer erst einen Rückstand als Weckruf benötigt. Gerade in den oben beschriebenen Auswärtsspielen ist von diesen positiven Eigenschaften jedoch nicht viel bis gar nichts auszumachen. Oftmals konnte man die jeweiligen Anfangsminuten einer Halbzeit noch ausgeglichen gestalten, um sich danach dann ohne großen Widerstand auf die Schlachtbank führen zu lassen. Dieser mangelnde Wille, sich mit Kampf und Einsatz gegen die Klatsche zu stemmen, lässt mich immer wieder sprachlos zurück.

Dazu kommt, dass gerade die großen Namen den Anforderungen und Erwartungen hinterher hinken. Marin hat stark begonnen, viel aber nach seiner Verletzung stark ab, Wesley werden wir (meiner Meinung nach) in der Rückrunde nicht wiedersehen. Arni zeigt immer wieder gute Ansätze und hat sich definitiv gesteigert, doch manchmal steht er sich noch selbst im Weg, bspw. im Torabschluss oder bei seiner roten Karte in Hannover. Ekici war immer wieder verletzt und konnte sich noch nicht in dem Maße einbringen, wie es von ihm erwartet wurde.

Trainer

Thomas Schaaf ist mittlerweile seit zwölfeinhalb Jahren Trainer in Bremen und damit in dieser Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung in der Bundesliga. Doch auch Schaaf muss sich Fragen gefallen lassen nach der Hinrunde. Trotz einiger positiver Trends im Spielaufbau sowie einer einigermaßen soliden Abwehr zu Beginn der Saison, bleiben nach den Spielen gegen die Top-Mannschaften einige Fragezeichen stehen. Gerade bei den Auswärtspartien habe ich die taktische Flexibilität vermisst, die Bereitschaft, sich auf das Spiel des Gegners einzustellen. Bei den Bayern klappte das bis zur Implosion nach dem 1:2 einigermaßen, doch in Gladbach und Gelsenkirchen war die Aufstellung der Mannschaft doch mindestens naiv.

Hier gilt es, weiter dran zu arbeiten. Und ich traue Schaaf durchaus zu, das hinzubekommen und der Mannschaft die nötigen Impulse zu geben. Doch sein unbedingtes Festhalten an der Raute hat manchmal etwas irrational Störrisches. Nicht alle Positionen sind in der Raute optimal besetzt. Hier ergibt sich dann die Henne-Ei-Frage: Sollte Schaaf das System am vorhandenen Spielermaterial ausrichten oder auf der Raute beharren, wofür noch einige Veränderungen im Kader nötig wären? Im Moment scheint es auf letzteres hinauszulaufen, wobei wir uns dann in einem Umbruch befinden, wo noch die nötigen Puzzleteile hinzugefügt werden müssen.

Management

In den letzten Jahren scheint die Allofsche Spürnase ein wenig verstopft zu sein. Von den großen Verpflichtungen der letzten Jahre (Carlos Alberto, Marin, Arnautovic, Wesley, Ekici und Pizarro) konnte nur Pizarro restlos überzeugen. Die anderen kamen mit großen Erwartungen und konnten diese – aus welchen Gründen auch immer – nicht einlösen. In diesem Sommer dann ging es wieder ein bißchen back to the roots, als das Transferbudget ein bißchen kleiner ausfiel und man mit Wolf, Sokratis, Ignjovski und Schmitz gute Leute für einen schmalen Taler holen konnte (und Ekici ist ja auch gerade einmal ein halbes Jahr hier, daher würde ich ihn noch nicht als Flop kategorisieren wollen).

Dabei hat Bremen unter Allofs eigentlich darauf gebaut, anderswo verkannte oder gescheiterte Spieler für eine geringe Ablöse zu verpflichten, diese dann zu Stars zu machen und gewinnbringend abzugeben. So hatte Bremen zum einen natürlich einen finanziellen Gewinn, aber auch sportlich von diesen Spielern extrem profitiert. Nun ist dieses Modell in den letzten Jahren ein bisschen ins Stocken gekommen. Hier muss Allofs wieder zu seinen alten Tugenden zurückkehren: gute Spieler, die dem Team weiterhelfen für relativ wenig Geld nach Bremen lotsen.

Hoffen wir, dass die positiven Punkte ausgebaut werden und das Team es schafft, die negativen in den Griff zu bekommen.

Lebenslang grün-weiß!

Let the sun shine

13 Punkte nach nur 6 Spieltagen, ein Spitzenplatz in der Liga und so mancher reibt sich verwundert die Augen. Derzeit kann man sich als Bremen-Fan nun wirklich nicht beklagen, vor allem bei einem Blick auf die Position der Stellinger. Dabei bin ich gespannt, wie sich das Ganze weiter entwickeln wird, denn bisher meinte es der Spielplan wirklich gut mit uns. Was natürlich insofern postitiv ist, als die Mannschaft sich einspielen kann und auch die nötigen Erfolgserlebnisse sammelt, um sich das nötige Selbstvertrauen für die dicken Brocken zu holen. Doch woran liegt es, dass es diese Saison viel geschmeidiger läuft als noch in der letzten Spielzeit?

Transfers

In den letzten Jahren nahm in Bremen schon ordentlich Geld in die Hand, um es in Spieler wie Carlos Alberto, Marin, Arnautovic oder Wesley zu investieren. Diese Transferperiode saß das Geld nicht so locker. Das Team spielt nicht international und bis zum eigentlichen Beginn der Saison hatte man auch keine nennenswerten Summen durch Spielerverkäufe einnehmen können. Also, back to the roots für Allofs. Ekici vom FC Bayern war noch der teuerste Spieler. Dazu Spieler wie Schmitz, Wolf, Sokratis oder Ignjovski für einen relativ schmalen Taler. Nicht alle Transfers waren bei den Fans unumstritten und ich gestehe, dass ich bei Wolf immer noch mehr als skeptisch bin, aber alles in allem haben wir damit den Kader sowohl qualitativ als auch in der Breite verstärkt. Mit Schmitz und Ignjovski auf der LV-Position haben wir fast schon zwei solide Alternativen für die Dauerbaustelle der Defensive.

Spieler

Letzte Saison war der Abstiegskampf sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass viele weit unter ihrem Niveau spielten. Gerade im Mittelfeld, wo bspw. Bargfrede, Marin oder Hunt keine konstant guten Leistungen zeigten, machte sich dies bemerkbar, da zum einen das Offensivspiel meist gar nicht erst in Schwung kam und zum anderen die Abwehr meist auf sich alleine gestellt war. Ein weiteres Beispiel für die ansteigende Form ist Arnautovic, der endlich das bringt, was sich viele von ihm schon in der letzten Saison erwartet hatten. Selbst in der österreichischen Nationalmannschaft wurde er wieder begnadigt und war gegen die deutschen der einzig positiv auffällige Ösi. Das führt auch dazu, dass Schaaf bei den Kadernominierungen immer wieder die Qual der Wahl hat und es sich bisher auch mehrfach erlauben konnte, Wesley auf der Bank zu lassen.

Verletzungen

Diese Saison haben wir auch deutlich weniger Probleme mit Verletzungen bzw. der Kader ist in der Lage, diese aufzufangen. Letzte Saison war Pizarros Oberschenkel quasi die Problemzone des Vereins. Abhängig von seinen Toren, musste er oft schon gebracht werden, obwohl er noch nicht ganz auskuriert war, was eine neuerliche Verletzung nach sich zog. Er selbst hatte am vergangenen Wochenende im „Aktuellen Sportstudio“ selbst davon gesprochen, dass er selbst auch ein bisschen zu voreilig war im Bezug auf die Rückkehr.

Auch Naldo profitiert enorm von der besseren Personaldecke, so dass selbst nach dem Verkauf von Merte keine Eile bestand, den Publikumsliebling vorzeitig aufs Feld zu stellen. Stattdessen wird Naldo Schritt für Schritt wieder ans Team herangeführt und eventuell gibt er morgen gegen die Hertha aus Berlin dann sein Startelf-Debüt. In der Situation der letzten Saison wäre der Trainerstab eventuell versucht gewesen, Naldo wieder schneller auf den Platz zu bekommen.

System

Die letzte Saison war auch davon geprägt, dass Schaaf lange an der taktischen Grundausrichtung der Mannschaft rumdokterte. Eigentlich wollte man mit einem 4-2-3-1 in die Saison starten, doch als das partout nicht funktionieren wollte, war guter Rat teuer. Vielleicht doch die Raute? Oder was anderes? Leider konnte Schaaf der zunehmend verunsicherten Mannschaft keine stabilisierende Struktur verpassen. Diese Spielzeit greift Schaaf von Anfang an auf die Raute zurück und trotzt dem allgemeinen Trend zum Einheits 4-2-3-1. Dabei ist es aber keineswegs völlig starr, sondern die Spieler rochieren immer wieder miteinander und in den letzten Spielen waren mit Fritz und Bargfrede zwei eher defensive Spieler in der Raute, die bei gegnerischem Ballbesitz dann die Positionen vor der Abwehr einnehmen und von denen sich einer bei eigenem Ballbesitz auf eine der Halbpositionen schiebt. Marin spielt eine Art 10, wobei er sich dann häufig auf den Flügel fallen lässt und weniger den klassischen 10er gibt. Sowohl defensiv als auch offensiv ist wesentlich mehr Struktur im Spiel, was wiederum den Spielern mehr Sicherheit gibt.

Keiner der genannten Gründe steht für sich alleine, sondern sie greifen ineinander. Dennoch bilden sie die Grundlage für den bisherigen Höhenflug, den nach dem Pokalaus in Heidenheim wohl die wenigsten so erwartet haben.

Ein wenig Pathos

Die guten Nachrichten an der Weser sind ja auch eher dünn gesät derzeit. Ich sage nur medial aufgeblasene Schlammschlacht und so. Dabei wird vor allem immer wieder deutlich, dass die meisten Berichte über die Finanzlage bei den Grün-Weißen allenfalls oberflächlich bleiben. Man könnte meinen, dass Peter Zwegat höchstselbst mit seinem Flipchart anrückt und dann erstmal Allofs und Filbry mal eine gepflegten Ausgaben/Einnahmen Aufstellung anfertigen lässt. Ganz gut fand ich eigentlich in diesem Zusammenhang diesen Artikel, der mal einen Fachmann zu Wort kommen lässt, um auch mal das Argument zu entkräften, Werder hätte unsolide gewirtschaftet. Und damit der Verein auch weiterhin handlungsfähig bleibt, steigt man halt auf die Kostenbremse. Wir wollen ja nicht so enden, wie der BVB vor ein paar Jahren.

Aber Zumindest ist unser neuer Innenverteidiger/Philosoph endlich ein Bremer. Herzlich Willkommen, Sokratis. Ein weiterer Name, der in den letzten Tagen immer wieder im Zusammenhang mit möglichen Neuverpflichtungen fällt, ist Aleksander Ignjovski (kurz: Iggy). Vor mehr als 3 Wochen hat er schon den Medcheck in Bremen hinter sich gebracht und wartet seitdem tapfer auf grünes Licht aus der Hansestadt. Und auch wenn nicht der defensive Heiland ist, hat er sich mit diesem Interview im Weser-Kurier schon einen Platz in den Herzen der Werder-Fans gesichert. Meine Lieblingsaussage:

Gibt es denn auch andere Angebote?

Ja, die gibt es. Aber ich habe mit meinem Berater beschlossen, dass Werder Priorität genießt. An andere Vereine verliere ich keinen einzigen Gedanken.“

Schon bemerkenswert, dass der Junge die Angebote anderer Vereine nicht als Drohgebärde gegenüber Werder verwendet, sondern weiter wartet. Hoffen wir, dass das Warten schon bald ein Ende hat.

Außendarstellung

Die gerade abgeschlossene Saison war für alle Beteiligten äußerst schwierig und hat deutliche Spuren hinterlassen. Während Bremen jahrelang als idyllischer Hort der Ruhe und Unaufgeregtheit galt, hat dieses Image in dieser Saison einen ähnlichen Abwärtstrend erlebt wie die sportlichen Ergebnisse. Die Einbehaltung von 50% der monatlichen Gehälter im Oktober war da der unrühmliche Höhepunkt, zumal man den einbehaltenen Teil einen Monat später auszahlen musste. Auch jetzt ist die einstmals vorhandene Souveränität im Bereich Public Relations noch in weiter Ferne.

Erst die Eskalation der Causa Jensen, als man ihm einen letzten Auftritt im eigenen Stadion verwehrte und ihn dann sofort freistellte, als er es wagte, sich darüber öffentlich zu beklagen. Dann der allzu leise Abschied vom Lutscher. Ja, man hatte schon früh verkündet, dass alle Personalentscheidungen erst mit dem Erreichen des Klassenerhalts getroffen werden würden. Aber es ist trotzdem schade, dass man ihm nicht auch noch die Möglichkeit gegeben hat, sich zu verabschieden.

Den Vogel schießt die Vereinsführung aber im Falle von Petri Pasanen ab. Am 07.05., im Spiel gegen Borussia Dortmund wird der stille Finne vor heimischer Kulisse verabschiedet. Nun auf einmal sieht es so aus, als wolle man doch noch weiter auf Petri setzen. Damit macht man sich in meinen Augen lächerlich. Die Tatsache, dass Naldo, Boenisch und Prödl wohl nicht wieder zur Verfügung stehen werden, kann da nicht als Ausrede gelten, denn das stand auch schon vor zwei Wochen relativ fest. Ich verstehe auch nicht, was hier für ein Zeichen gesetzt werden soll. So sehr ich Pasanen mag und ihn aufgrund seiner ruhigen geschätzt habe, so wenig verstehe ich das Signal, was von diesem „Schachzug“ ausgehen soll. Ist Pasanen die „sichere“ Variante oder einfach nur der Notnagel. Oder steht schon Mitte Mai fest, dass man die angepeilten Transfers in der Defensive nicht wird tätigen können? Ich bin da etwas ratlos und auch nicht ganz sicher, was ich davon halten soll.

In die ganze Situation passt auch die Tatsache, dass der Verein Pascal Testroet suspendiert hat, nachdem dieser seinen Unmut über seine Situation bei Werder über Facebook kundtat. Selten dämliche Aktion, da kann man eigentlich auch von einem 20-jährigen erwarten, dass er schlau genug ist, sowas nicht in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Hoffentlich geht das jetzt nicht drei Monate so weiter, bis der Ball wieder rollt.