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Kurzes Sturmtief

Die letzten Tage waren wahrlich turbulent an der Weser. Die ersten Windböen hatte ich letzte Woche schon im Blog niedergeschrieben, Burning und Steffen fassen die weiteren Ereignisse zusammen. Seitdem hat sich noch einmal einiges an der Weser getan: erst deutet Lemke an, dass er zum Ende seiner Amtszeit 2016 seinen Posten niederlegen würde. Anschließend stellt Lemke in Aussicht, seinen Posten als Aufsichtsratschef aufzugeben, wenn Marco Bode seine Nachfolge übernehmen würde. Bode bat um Bedenkzeit und heute dann stimmte er zu und noch in diesem Jahr wird dann Lemke ins zweite Glied treten, während Marco Bode zum Vorsitzenden des Aufsichtsrat aufsteigt. Ich ziehe an dieser Stelle meinen Hut vor Willi Lemke, der mit seinem Rückzug weiteren Diskussionen um seine Person erst einmal den Wind aus den Segeln nimmt und darüber hinaus auch einer möglichen Schlammschlacht aus dem Weg geht.

Auch wenn ich weiterhin glaube, dass ein Rückzug Lemkes richtig ist, stellt sich schon die Frage, warum das auf einmal so schnell ging. Ist es die Einsicht von Lemke, dass er im Verein zunehmend isoliert ist mit seinen Positionen (Angriff von Fischer, Bodes Aussagen zur moderaten Verschuldung)? Beugt man sich den Wünschen möglicher Investoren und was hat Netzers freundlicher Hinweis damit zu tun, er könne sich Bode gut in prominenterer Rolle vorstellen? Da kann man jetzt vorerst natürlich eine ganze Menge spekulieren, obwohl die wahren Abläufe wohl weit weniger dramatisch gewesen sind.

Ich glaube, Bode ist eine gute Wahl für den Vorsitz des Aufsichtsrats. Einerseits ist er eine Werder-Legende, der mit seiner ruhigen und zurückhaltenden Art auch außerhalb Bremens viele Sympathien sammeln konnte. Andererseits war Bode in der Vergangenheit nicht an Entscheidungen beteiligt, die heute viel diskutiert werden (Stadionausbau, Transfers, etc.) und schleppt daher keinen negativen Ballast mit sich rum. Seine bisherige Arbeit im Aufsichtsrat kann ich persönlich kaum beurteilen, da man von ihm kaum etwas gehört hat. Das muss auch gar keine negative Eigenschaft sein, ganz im Gegenteil. Mit dem oben erwähnten Interview hat Bode ja schon angedeutet, dass er sich eine moderate Verschuldung vorstellen kann, um das Budget für Spielerverpflichtungen zu erweitern. Ich bin gespannt, ob sich jetzt tatsächlich Investoren aus der Deckung trauen.

Nachdem in den letzten Tagen vielfach vom Chaos-Club oder dem SV Hollywood die Rede war, zeichnet sich mittlerweile ein relativ schnelles Ende der Auseinandersetzungen und Wortmeldungen in diversen Medien ab. Noch vor dem kommenden Bundesliga-Spiel beim FC Bayern kehrt die notwendige Ruhe, damit jetzt wieder die Action auf dem Rasen in den Fokus rücken kann. Das begrüße nicht nur ich, sondern sicherlich auch viele andere Fans und ich bin gespannt, was der Wechsel an der Spitze des Vereins für die Zukunft bringen wird. Man darf auch nicht vergessen, dass ein Rückzug Lemkes alleine den Verein auch nicht wieder ins gelobte Land führen und uns nicht schlagartig aus dem Tabellenkeller katapultieren wird.

Lebenslang Grün-Weiß!