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Sündenböcke

„Als Sündenbock wird umgangssprachlich jemand bezeichnet, dem man die Schuld für Fehler, Misserfolge oder sonstiges Konfliktpotential zuschiebt. Tatsächliche Schuld spielt dabei keine Rolle.“ – Quelle: Wikipedia

Noch heute kocht die Fanseele, wenn das gestrige 2:4 in Augsburg zur Sprache kommt. Die blinde Sau an der Pfeife hat uns um die wohlverdienten Punkte gebracht, unterstützt von der Amateur-Schauspielertruppe des FCA, die laut Thomas Eichin nur „gejammert und geweint“ haben. Nun möchte ich die meisten der Aussagen darauf zurückführen, dass sie in der Hitze des Gefechts entstanden, aber auch heute wird allenthalben noch auf den bösen Schiri geschimpft. Ich will gar nicht behaupten, dass der Unparteiische einen guten Tag erwischt hätte oder dass Augsburg nicht auch sehr geschickt agiert hat und gerne aus einer Mücke einen Elefanten gemacht hat, aber das ist mir als Erklärung für das gestrige Spiel dann doch ein bisschen zu billig.

Könnte man nicht erwarten, dass eine Mannschaft in einer solchen Situation auch mal kühlen Kopf bewahrt und nicht jede Entscheidung mit Diskussionen und Herumlamentiererei quittiert? Und das Augsburg einen eher provokanten Spielstil pflegt, vor allem in der heimischen Arena, ist ja nun kein Geheimnis und dürfte uns noch aus der letzten Saison im Gedächtnis geblieben sein (kann Ostrzolek eigentlich wieder spielen?). Dennoch hat sich die Mannschaft komplett aus dem Takt bringen lassen. Abschließend noch eine paar weitere Fragen: Warum kann sich Baier beim 1:1 sich davonstehlen und warum wird der Passgeber nicht zugestellt? Wieso wird beim 1:2 der Ball in der Vorwärtsbewegung so hergeschenkt? Warum nimmt sich Werders Verteidigung beim 2:3 die Zeit, Caiubys Schuss zu bewundern, während einzig Werner auf den Abpraller spekuliert.

Ich bin mir sicher, dass diese Punkte in der Nachbereitung des Spiels bei FCA besprochen werden und man im Hinblick auf das Heimspiel gegen Schalke wird Dutt mit Nachdruck daran arbeiten. Darauf sollte man sich jetzt fokussieren und sich nicht zum Opfer des bösen Schiedsrichters machen. So sehr Marco Fritz bei manchen Entscheidungen daneben gelegen haben mag, für die Fehler in der Abwehr oder bei der Chancenverwertung taugt er nur bedingt als Ausrede. Klar, im Eifer des Gefechts rege auch ich mich gerne über den jeweiligen Schiedsrichter auf, aber mittlerweile habe ich das Gefühl, da bildet sich schon seit geraumer Zeit der Mythos heraus, Bremen würde andauernd und anhaltend von den Unparteiischen bzw. vom DFB benachteiligt. Ich mag solche Verschwörungstheorien ehrlich gesagt nicht. Ein Stück weit gehört das Gejammer zur üblichen Fan-Folklore, aber es nimmt teils schon paranoide Züge an.

Dabei macht es mir viel mehr Sorgen, dass wir uns in den ersten fünf Pflichtspielen schon 12 Gegentore gefangen haben, dass gerade auch gestern wieder die oft erwähnte Balance zwischen Offensive und Defensive fehlte. Das ist noch lange kein Grund, den Weltuntergang herbeizureden, aber in meinen Augen ist das ein viel größerer Anlass zur Sorge als die vermeintliche Benachteiligung durch „die Schiris™“ oder die „Fußballmafia DFB™“. Sich als Opfer dunkler Mächte zu sehen, macht die Niederlage vielleicht erträglicher und kürzt auch die Analyse ab, aber ich bezweifle, dass dies zum Erfolg führt. Gegen Schalke sollten Mannschaft und Fans sich wieder auf das Spiel konzentrieren, in der Hoffnung, dass es gegen die Königsblauen mehr Anlass zur Freude gibt.

Lebenslang Grün-Weiß!

P.S.: Laut Alex Feuerherdt vom Schiri-Podcast „Collinas Erben“ war das mit dem Abseits vor dem 1:2 doch nicht so eindeutig: