Tag Archives: Marko Arnautovic

Jetzt geht’s los – again

Noch zwei Tage, bevor das erste Pflichtspiel der Saison 13/14 steigt. Genau die richtige Zeit, wieder aus der Versenkung hervorzukommen. Nicht, dass ich in der letzten Zeit nicht auch irgendwie produktiv gewesen wäre, aber den Abstand zum Fußball habe ich gebraucht nach einer – leider aus den falschen Gründen – nervenzehrenden Saison, die im Klassenerhalt und der Trennung von Thomas Schaaf gipfelte. Aprospos Schaaf: es ist nun schon zweieinhalb Monate her, dass die Entscheidung fiel, sich vom scheinbar ewigen Thomas zu trennen. Und man mag mich einen schlechten Fan schimpfen, aber als Ende Juni/Anfang Juli der Robin Dutt den Trainingsauftakt leitete, da fühlte es sich gar nicht so falsch an, wie ich selbst zunächst befürchtete. Wahrscheinlich gewöhnt man sich in diesen Zeiten nur allzu schnell an den Wandel. Vielleicht ist es noch einmal was anderes, wenn der Thomas beim ersten Saisonspiel nicht mehr an der Seitenlinie steht…

Am Sonntag steigt beim 1. FC Saarbrücken das Erstrunden-Spiel im DFB-Pokal. Eine erste wirkliche Standortbestimmung nach einer durchwachsenen Saisonvorbereitung. Klar, man sollte Testspielen nie allzu viel Bedeutung beimessen und gerade mit einem neuen Trainer ist es nur allzu verständlich, dass dieser Zeit braucht, um sich einen Überblick über den Kader zu verschaffen. Wer kann welche Rolle übernehmen, wer kann eine tragende Figur in seinem System werden und wer hat vielleicht keine wirkliche Zukunft mehr in Bremen? Aber dennoch setzte nach dem 1:2 gegen Leipzig eine gewisse Unruhe ein, die durch die Siege gegen Erfurt und Fulham wieder abgefangen wurde. Gerade rechtzeitig, um nicht völlig fatalistisch ins Spiel gegen Saarbrücken zu gehen. Denn die Kombination 1. Pokalrunde, Werder und Drittligist war in den letzten beiden Jahren aus Bremer Sicht eher kein wirklicher Kracher. Aber ich sehe dem Spiel am Sonntag schon optimistisch entgegen. Klar, wir werden Saarbrücken nicht aus dem Stadion ballern, aber ich glaube, wir werden uns durchsetzen und mit einem ersten kleinen Erfolgserlebnis in die Saison starten.

Eichman und Robin

Auch über den Pokal hinaus blicke ich optimistisch auf die kommende Saison. Dies ist nicht unbedingt in den Änderungen beim kickenden Personal begründet, wo bisher nur Caldirola und Makiadi neu in die Mannschaft kamen. Vielmehr ruhen die Hoffnungen auf den Schultern von Robin Dutt. Nein, ich erwarte keine Wunderdinge von ihm und glaube auch nicht, dass er einfach mal das Ruder komplett rumreißen kann und uns in der ersten Saison nach Europa führt. Aber ich glaube, dass er diese Mannschaft entwickeln kann, dass er die Abwehr stabilisieren kann und wir nach drei Jahren der Stagnation und des Rückschritts endlich wieder eine langfristige und nachhaltige Entwicklung zu erkennen sein wird. Also, die Dinge, die wir in der Vergangenheit immer wieder kritisiert haben. Dabei will ich im Voraus gar nicht auf Formationen, Systeme und Taktiken spekulieren, denn auch das wird zu Beginn der Saison noch im Fluss sein, bis Dutt und die Mannschaft die Faktoren herausarbeiten, die zum Erfolg führen.

Auch Eichin kommt dabei natürlich eine wichtige Rolle zu, denn er kann nun erstmalig zeigen, wie er sich auf dem Transfermarkt schlägt. Caldirola und Makiadi sind dabei schon erste gute Transfers gewesen. Darüber hinaus rechne ich stark damit, dass sich in den nächsten vier Wochen noch einiges im Kader tun wird. So wurde heute nachmittag der Transfer von Denni Avdic zum AZ Alkmaar verkündet und auch um Arnautovic verdichten sich wieder die Gerüchte. Dabei ist ein möglicher Abgang von Arnautovic vor allem notwendig, um Geld in die klamme Kasse zu spülen, damit man selbst wieder zuschlagen kann. Ich hoffe, dass Eichin dabei wieder an die alte Bremer Tradition anknüpfen kann, Spieler für einen relativ schmalen Taler zu holen und diese dann später für ein vielfaches zu verkaufen.

Meine Erwartungshaltung ist auf dem gleichen Niveau wie vor der letzten Saison: ich erwarte eine Entwicklung, keinen konkreten Tabellenplatz (natürlich sollten wir uns dabei möglichst fern von den Abstiegsplätzen befinden). Ich will wieder Spaß an der Mannschaft haben und nicht in ein lethargisches Achselzucken abgleiten, wenn wir zehn Spiele in Folge nicht gewinnen. Gerade am Anfang wird es noch Zeit dauern, bis sich alles findet, aber ich bin bereit, der Mannschaft und den Verantwortlichen einen Vertrauensvorschuss zu geben. Und nach einigen Spieltagen wird dann klarer, was Dutt anders machen lässt und welchen Fußball die Mannschaft zeigt. Und ganz ehrlich: wird wieder Zeit, dass der Ball rollt und der SVW wieder kickt. In diesem Sinne:

Lebenslang Grün-Weiß!

Der dreifache Marko

Ein Spiel gegen einen Krisenclub löst bei mir nicht allzu viel Begeisterung aus. Nur allzu oft dient sich der SVW als gerne gesehener Aufbaugegner an. Gestern aber erlöst Bremen die Hoffenheimer nicht aus der Krise, sondern sorgt mit dem 4:1-Sieg dafür, dass Trainer Markus Babbel zu Weihnachten mehr Zeit hat. Hat man eigentlich schon Matthäus in Sinsheim gesehen?

Ich habe die erste Halbzeit verpasst und konnte der Halbzeitzusammenfassung sowie den Stimmen auf Twitter und Facebook entnehmen, dass man eine desolate Hoffenheimer Mannschaft dominierte und die 2:0-Führung eigentlich noch zu niedrig ausgefallen war. Ich hatte noch gescherzt, dass man mich gerne verantwortlich machen könne, wenn das in Halbzeit zwei noch in die Hose gehen würde. Man konnte ja erwarten, dass die Kraichgauer mit mehr Elan aus der Kabine kommen würden, regelrecht erschreckend war jedoch die Tatsache, wie Bremen sich vom Anpfiff weg davon derart beeindrucken ließ. Nach nur fünf Minuten im zweiten Durchgang erzielte Hoffenheim den Anschlusstreffer und nun taumelte Bremen über den Rasen wie ein angezählter Boxer.

Es wurde kein Druck auf den Gegner ausgeübt, schon im Mittelfeld bekam die TSG zu viel Raum und man konnte die Panik förmlich spüren, welche die Mannschaft im Griff zu haben schien. Die Hoffenheimer kamen noch zu einigen guten Gelegenheiten, die sie jedoch nicht nutzen konnten. Allein Mielitz stemmte sich hier gegen die Angriffe des Gegners, während die anderen lieber einen gebührenden Sicherheitsabstand einhielten. Nach vorne kam kaum Entlastung, die sich bietenden Konterchancen wurden nicht genutzt. Es schien nur noch eine Frage der Zeit, bis die Hausherren den Ausgleich erzielen würden und vielleicht wäre es dann noch schlimmer gekommen.

Ein Glück hat Arnautovic dann das erlösende 3:1 per Freistoß erzielt. In diesem Moment sicherlich unverdient, aber es nahm den Hoffenheimern komplett den Wind aus den Segeln und Marko konnte seine tolle Leistung sogar noch mit dem 4:1 krönen. Die beiden Gesichter der Bremer Mannschaft in so kurzer Zeit zu erleben, war schon ernüchternd. Und auch wenn das Spiel so deutlich gewonnen wurde und man den Gegner über weite Strecken dominieren konnte, sollte es nicht darüber hinweg täuschen, dass man nur knapp davor war, das Spiel wieder aus der Hand zu geben. Einerseits könnte man es auf die junge Mannschaft schieben, aber andererseits habe ich das Gefühl, dass wir in den letzten Jahren immer wieder dafür anfällig waren, angeschlagene Gegner im Laufe einer Partie wieder ins Spiel kommen zu lassen. Oder täusche ich mich da?

Der Mann des Spiels war mit weitem Abstand Marko Arnautovic. Mit fünf Toren und vier Assists spielt er bisher eine wirklich gute Saison und zeigt die Leistungen, die man sich seit seinem Wechsel an die Weser erhofft hat. Dabei zeigt er nicht nur in der Offensive starke Leistungen, sondern leistet auch wertvolle Dienste für die Defensive, indem er immer wieder mit nach hinten arbeitet. Abseits des Platzes ist es bisher relativ ruhig geblieben. Naja, man wird ja auch älter, bekommt Nachwuchs und wenn die Leistung stimmt, laufen die Medien auch nicht verzweifelt rum, um aus einem „Saftladen“-Ausspruch eine mittlere Staatsaffäre zu machen.

Wenn ich mir noch etwas wünschen dürfte: könnte jetzt bitte keiner mit hochfliegenden europäischen Träumen um die Ecke kommen? Danke! In den nächsten zwei Spielen einfach 180 Minuten Vollgas geben und dann schauen wir einfach mal, wie viele Punkte unter dem Weihnachtsbaum liegen. Hört sich gut an? Finde ich auch.

Lebenslang Grün-Weiß!

Nicht Fisch nicht Fleisch

Zunächst möchte ich in die jüngere Vergangenheit zurückschauen, nämlich auf Samstag vor einer Woche. Das Spiel gegen Gladbach war wie ein Blick in vergangene und glorreiche Tage. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann die Grün-Weißen einen Gegner derart beherrscht haben und förmlich vor Spielfreude explodierten. Spätestens nach dem 1:0 durch Petersen brachen alle Dämme und in der zweiten Halbzeit nagelte man Gladbach förmlich an die Wand. Beeindruckend auch die kaum gekannte Balance zwischen Offensive und Defensive. Fast hätte man denken können, dass jemand eine Aufzeichnung aus längst vergangenen Tagen eingelegt hat, wären da nicht De Bruyne, Elia und die anderen neuen Gesichter über den Platz gerannt. Das Spiel war eine richtig gute Antwort auf die miese Stimmung nach dem 1:3 in Augsburg. Doch es war kein Grund zu überbordender Freude, denn man musste auch attestieren, dass Gladbach ein dankbarer Gegner war, der Werder auch den nötigen Platz zum Zaubern gab. Der 90-minütige Lichtblick sollte also nicht überbewertet werden.

Serienkiller SVW

Eine Woche nach dem 4:0 gegen Gladbach ging es nach Fürth zum ersten Bundesliga-Duell mit dem Aufsteiger aus Franken. Ähnlich wie Augsburg konnten auch die Fürther eine Serie vorweisen, die es galt, zu beenden: bisher hatten die Kleeblätter im eigenen Stadion noch keinen Punkt geholt und auch noch kein Tor geschossen. Wie gut, dass die Bremer antraten, hier freundlich Aufbauhilfe zu leisten. Nach 8 Minuten traf Fürth zum 1:0, dank freundlicher Unterstützung der Werder-Abwehr, die den üblichen Tiefschlaf zu Beginn des Spiels hielt. In den ersten 15 Minuten waren die Hausherren klar am Drücker und ich war relativ angefressen, denn nach dem Gladbach-Spiel ließen sich einige wieder zu den üblichen Ansagen hinreißen, die Lars schon entsprechend dokumentiert hatte. Und zu Beginn zeigte sich das altbekannte Phänomen, dass diese Ansagen konsequent mit Nicht-Leistung untermauert werden.

Doch nach besagten 15 Minuten rissen sich die Grün-Weißen zusammen und übernahmen die Kontrolle über das Spiel. Die Kombinationen wurden sicherer und man konnte die ersten guten Chancen des Spiels verzeichnen. Kurz vor der Halbzeit-Pause erziele Petersen nach einem sehenswerten Spielzug das längst überfällig 1:1 und nach dem Pausentee kommt Bremen mit Dampf aus der Kabine und spätestens bei der Doppelchance von Petersen und Arnautovic hätte Werder den Sack zumachen können/müssen/sollen. Doch im Fußball gibt es für den Konjunktiv keine Punkte und irgendwo zwischen der 60. und 65. Minute verebbt der Bremer Sturmlauf beim Stand von 1:1. Fürth wechselt mit Pekovic einen defensiven Mittelfeldspieler ein und schafft es zum einen, den Bremer Vorwärtsdrang zu unterbinden und selbst immer wieder gefährliche Angriffe einzuleiten. Bremen wirkt körperlich völlig platt und schafft es kaum, selbst noch gefährlich vor das Tor des Gegners zu kommen. Man hat sogar noch Glück, als Schiri Stieler in der 66. Minute die Szene zwischen Mielitz und Prib nicht als Foul des Bremer Keepers wertet. Ein Elfer wäre hier durchaus im Bereich des Möglichen gewesen.

Am Ende bleibt ein 1:1 und obwohl Bremen mehr und bessere Chancen hatte, geht das Ergebnis durchaus in Ordnung. Fürth hat sich im Rahmen der Möglichkeiten zur Wehr gesetzt und war in der ersten Viertelstunde und in den letzten ca. 25 Minuten des Spiels die aktivere Mannschaft. Hadern muss man mit der Chancenverwertung sowie dem üblichen Tiefschlaf zu Beginn des Spiels. Immerhin hat man sich vom frühen Gegentor nicht völlig aus der Bahn werfen lassen und anschließend gut ins Spiel gefunden. Bedenklich fand ich das Nachlassen nach ca. 65, wo man dem körperlichen Spiel der Fürther immer weniger entgegenzusetzen hatte. Letztlich war es ein Spiel, dass einen mit gemischten Gefühlen zurücklässt: es wäre deutlich mehr drin gewesen, andererseits hätte der mögliche Elfmeterpfiff uns auch alle Punkte kosten können. Mal sehen, welches Gesicht die Mannschaft nächste Woche gegen Mainz zeigt.

Lebenslang Grün-Weiß!

Eine willkommene Niederlage

Nach dem Pokalaus in Münster war das zarte Pflänzchen Hoffnung bei nicht wenigen Bremern wieder verkümmert bevor es so richtig sprießen konnte. Auch meine Euphorie hatte nach dem 2:4 gegen den Drittligisten einen ordentlichen Dämpfer erfahren. Und dann zum Bundesliga-Auftakt auch noch zum amtierenden Double-Gewinner aus Dortmund. Natürlich von der Konstellation her ein Spiel, bei dem man nix zu verlieren hatte. Allenfalls die Höhe der Niederlage war noch fraglich. Hauptsache, nicht untergehen: das war die Marschroute.

Eingeleitet wurde das Spiel mit einem Zeremoniell zu Ehren der 50. Bundesliga-Saison. Wehende Fahnen, emotionale Einspieler und am Ende durfte Sebastian Kehl als Kapitän der Heimmannschaft auch noch mal was zum Thema Fans und deren Verhalten aufsagen. Die Erklärung im Wortlaut des SV Sandhausen sowie einen passenden Kommentar drüben beim Textilvergehen. Anschließend dann der Auftakt in diese Saison. Vor dem Spiel schon die Frage, wie Schaaf denn jetzt spielen lässt. Die Antwort: in einem 4-1-4-1, wobei vorne kein Mittelstürmer agierte, sondern Kevin de Bruyne sich als so genannte „falsche Neun“ versuchte. Bei Ballbesitz rückten dann Elia links und Arnautovic auf rechts in die Außenstürmer-Position. Und das funktionierte alles ausgezeichnet. In Sachen Spielfluss, Ballsicherheit, Laufwegen und Spielverständnis war das mit Abstand die beste Leistung seit langem.

In der Vorwärtsbewegung überzeugten Hunt und Junuzovic als Ballverteiler, die immer wieder die Außen ins Spiel brachten. De Bruyne ließ sich immer wieder weit zurückfallen und zog damit die Dortmunder IV aus ihren angestammten Positionen. Schon die ersten Minuten waren sehr ansehnlich, doch leider war es der BVB, der nach einer Reihe von Fehlern in Form von Marco Reus das 1:0 in Minute elf machte. Angefangen bei Hunts Fehlpass, weiter zum fehlenden Zugriff auf Kuba, der vergeblichen Grätsche von Sokratis sowie einem Stockfehler von Ignjovski war eigentlich alles dabei, was unsere Hintermannschaft bei gegnerischen Teams so beliebt macht. Wer jetzt jedoch mit einem Auseinanderbrechen der Mannschaft rechnete, der sah sich getäuscht, denn Bremen spielte munter weiter und kam durch Elia und Arnautovic zu guten Chancen. Es dauerte jedoch noch bis zur 75. Minute, ehe Bremen für den Einsatz belohnte und Selassie nach einer butterweichen Flanke von Arno einnickte.

Für einen rundum gelungenen Abend hätte man das 2:1 durch Götze verhindern sollen. Doch leider gelang dies nicht und am Ende feierten die Dortmunder einen abgezockten Sieg. Doch das Spiel ist trotz der Niederlage wahrlich kein Grund, den Kopf hängen zu lassen, sondern ein echter Grund zu berechtigtem Optimismus. Die Mannschaft hat all die Dinge gezeigt, die vor allem in der Rückrunde der letzten Saison schmerzlich vermisst wurden. Neben der Spielkultur war das auch die Bereitschaft, sich nach dem frühen Rückstand nicht verrückt machen zu lassen, sondern weiter an sich zu glauben. Darüber hinaus wurde auch bei Ballgewinn wieder schneller umgeschaltet. Schaaf hat hier wirklich gute Arbeit geleistet und die Neuen bringen sich gut ein. Nun gilt es, das Positive mit in die nächsten Spiele zu nehmen und dem ewigen Sorgenkind, der Defensive, etwas mehr Stabilität zu verleihen.

Und obwohl Marko Arnautovic der beste Mann auf dem Platz war, würde ich mir wünschen, dass er das Gestikulieren nach Fehlern seiner Mitspieler sein lässt. Keiner spielt absichtliche Fehlpässe oder lässt Dich mit Vorsatz ins Abseits laufen, lieber Marko. Da muss man nicht genervt abwinken oder rumpöbeln, dann klappt das auch mit den Teamkollegen. 😉

Gleich nächsten Samstag wäre die perfekte Gelegenheit dafür, wenn wir den HSV im Weserstadion empfangen. In diesem Sinne:

Lebenslang Grün-Weiß!

Nordderbysieger

Ein Sieg im Nordderby ist immer Balsam auf die geschundene Fanseele. Doch diesmal ist die Freude nach bisher vier sieglosen Spielen in der Rückrunde besonders groß. Endlich mal ein Spiel gewonnen und dann noch gegen die angeblich wieder erstarkten Hamburger, die nach jedem Erfolg wieder vom Erreichen des Europapokals schwadronieren. Nach dem 1:3 gegen Werder scheint aber selbst Trainer-Guru Fink eher demütig zu erkennen, dass man erst mal nicht mehr von Europa reden sollte.

Über weite Strecken des Spiels war Hamburg die engagiertere Mannschaft, hatte mehr Ballbeseitz, gewann mehr Zweikämpfe und schoss häufiger aufs Tor. Doch in der Kategorie Chancenverwertung waren die Bremer eine Klasse besser und ließen damit die statistische Überlegenheit der Hamburger ins Leere laufen. Schaaf hatte seine Mannschaft mit einer Kontertaktik ins Spiel geschickt und auch wenn sich in den letzten Spielen schon abzeichnete, dass es nun eher das Ziel ist, hinten sicher zu stehen und sich dann um die Offensive zu kümmern, funktionierte das taktische Konzept gegen Hamburg hervorragend. Der Druck des HSV konnte meist absorbiert werden und wenn der HSV doch einmal durchkam, war Tim Wiese zur Stelle.

Tim Wiese war völlig im Derby-Modus und nagelte eigenhändig den Kasten zu. Beim 1:2 durch einen abgefälschten Freistoß war Tim chancenlos. Wäre jede Woche Nordderby, wäre Wiese wohl Welttorhüter oder endgültig wahnsinnig. Er rennt über den Platz, brüllt Kommandos, legt sich mit allen an: Gegner, Fans des Gegners, Schiris und die eigenen Spieler. Würde mich nicht wundern, wenn er zu Hause im Vorfeld des Derbys auch nur noch alle anbrüllt. Gerade auch im direkten Vergleich mit Drobny, der beim 1:0 der Bremer mindestens unglücklich aussieht und beim 2:0 die Luft fangen will, fällt Wieses starke Leistung umso mehr auf. Beim 1:3 durch Arnautovic stehen sich Edel-Verteidiger Westermann und Resterampen-Rajkovic gegenseitig im Weg und Marko sagt nur noch danke.

Ich bin gespannt, wie es gegen Nürnberg weitergeht, denn im eigenen Stadion wird man gegen den 1. FCN sicherlich selbst das Spiel machen wollen. Ich hoffe, dass die Mannschaft durch den Sieg das nötige Selbstvertrauen bekommt und sich nicht so zerfahren wie gegen Hoffenheim präsentiert. Wo wir beim Thema Selbstvertrauen sind: ich gönne Rosenberg endlich mal sein Tor. Am Samstag war er deutlich aktiver als Pizarro und bereitete das 1:0 durch Marin vor. Leider verpasste er es Anfang der zweiten Halbzeit den Sack mit dem möglichen 3:0 zuzumachen.  Es wird mal wieder Zeit, Rosi.

Stillstand

Viertes Spiel in der Rückrunde, viertes Unentschieden und das dritte Gegentor nach einer Ecke (von insgesamt vier Gegentreffern). Es geht derzeit nicht wirklich voran, vor allem wenn man sich anschaut, dass alle bisherigen Spiele der Rückrunde gegen mehr als machbare Gegner waren. Die erste Halbzeit gestern war mit das Schlechteste, was ich bisher diese Saison gesehen habe. Gegen einen allenfalls mittelmäßig kompakten und durchschnittlich pressenden Gegner lag das Aufbauspiel vollkommen brach. Das fing schon in der Abwehr an, wo sich bspw. Affolter viele Fehlpässe leistete und zog sich bis hin zu Ekici auf der zehn durch. Gerade Ekici wirkte gestern mit seiner Rolle völlig überfordert und bis auf einen gefährlichen Freistoß waren seine Frustfouls die einzig auffälligen Szenen von Memo.

Ignjovski erwischte – wie schon gegen Freiburg – einen äußerst schwachen Tag. Er war bemüht, lief viel, verlor aber häufig den Ball und war häufiger nicht dort, wo er gebraucht wurde. Bargfrede war schon bemühter, aber insgesamt war das Mittelfeld bis auf Junuzovic weitestgehend offensiv impotent. Dadurch hingen dann auch Arnautovic und Rosenberg häufig in der Luft. In Halbzeit zwei dann kam Marin für den gelb-rot-gefährdeten Ekici und brachte für 10-15 Minuten frischen Wind ins Spiel nach vorne. Doch obwohl Bremen in Halbzeit zwei engagierter war und auch deutlich mehr Ballbesitz hatte, wurde es selten gefährlich vor dem Tor der Hoffenheimer. Zu selten wurde wirklich schnell und direkt gespielt, um die tiefstehenden SAP-Kicker auszuhebeln. Am Ende war es ein langer Ball von Affolter, den Rosenberg für Arnautovic verlängert, der das Ding zum Ausgleich einnetzt.

Natürlich stehen da im Moment viele junge Spieler auf dem Platz, die sicherlich nicht von vorneherein sofort alle Laufwege und Zuordnungen aus dem Effeff kennen. Und das ist ein Punkt, dem man dem Team zugute halten sollte. Auf der anderen Seite sind es gerade die erfahreneren Spieler, die nicht in der Lage sind, den jungen Spielern einen Rahmen zu geben. Rosenberg, Ekici, Bargfrede, Fritz, Wiese sind eben nicht in der Lage, den Neuen eine Stütze zu sein. Einzig Sokratis zeigte gestern eine gute und solide Leistung. Und langsam muss man auch mal vermehr kritische Fragen in Richtung Schaaf stellen. Mir ist klar, dass ein solcher Umbruch nicht einfach ist und gerade die Raute braucht Zeit, um verinnerlicht zu werden, doch hier kommen wir wieder zurück zur Frage, ob die Raute unter diesen Bedingungen überhaupt das Mittel der Wahl ist. Wäre ein anderes System vielleicht geeigneter, der Mannschaft zu mehr Stabilität zu verhelfen? Haben wir überhaupt die Spieler für eine Raute? Haben die hohen Auswärtsklatschen zum Ende der Hinrunde die sichtbaren Verbesserungen in der Hinrunde wieder zunichte gemacht und das zarte Pflänzchen Selbstvertrauen wieder zertreten?

Vor allem mit Hinblick auf das zunehmend schwerere Programm in der Rückrunde müssen langsam Antworten auf die Fragen gefunden werden. Alleine auf das Trio Pizarro, Naldo und Hunt zu vertrauen, reicht nicht. Vor allem, um sich nicht nur von einzelnen Spielern abhängig zu machen. Gegen das Hoffenheimer Team von gestern hätte es auch ohne das Trio zu einem Dreier reichen müssen.