Tag Archives: Mehmet Ekici

Drei plus drei macht sechs

Gestern war ein Teil der Grünweiß-Crew (Anna, Andreas, Tobias und ich) gemeinsam im Stadion, um sich das Spiel gegen Augsburg anzuschauen. Vor dem Spiel kam aber erst einmal der Kauf des ersten Werder-Trikots meiner Fan-Karriere. Aber das nur am Rande. Das erste große Highlight des Tages war die großartige Choreo für Thomas Schaaf. Wir saßen in der Westkurve und hatten einen guten Blick auf das tolle Bild in der Ostkurve. Schön war auch, dass zum Abschluss des Ganzen der „Danke, Thomas“-Banner noch durch ein „Auf geht’s, Robin“ ausgetauscht wurde. So wurde es nicht nur der Abschied von Schaaf, sondern auch ein Willkommen an Dutt.

Das Spiel selbst hatte dann deutlich weniger Highlights zu bieten. Im anschließenden Grünweiß-Stammtisch, den wir live aufgezeichnet und gestreamt hatten, haben wir die meisten Punkte angesprochen. Augsburg war über weite Phasen das optisch überlegene Team und Bremen kam nur selten gefährlich vor das Tor der Gäste. So war es ein Distanzschuss, inklusive Fehler von Augsburgs Amsif, der das entscheidende Tor durch Ekici brachte. Defensiv fand ich das über das gesamte Spiel hinweg betrachtet gar nicht so schlecht, wenn man die 15 Minuten nach der Halbzeitpause außen vor lässt, weil man da wirklich ins Schwimmen geriet. So hat man kaum gute Chancen zugelassen, weshalb die Statistik der 20:5 Torschüsse für Augsburg auch ein wenig trügerisch ist, denn davon kamen nur die wenigsten auf das Tor von Mielitz. Besonders gut hat mir Luca Caldirola gefallen, der auf der Linksverteidiger-Position aufgeboten wurde und sich dort hervorragend verkauft hat. Seit seinem suboptimalen Auftritt im Pokal hat er sich gut gefangen und zeigt, warum man ihn nach Bremen geholt hat.

Im Spiel nach vorne war das deutlich weniger positiv. Auch wenn man jetzt nicht alles verdammen sollte, fiel vor allem in der zweiten Halbzeit auf, dass Bremen große Probleme hatte, den Ball nach vorne zu bringen. Zu oft wurde nach einer erfolgreichen Balleroberung in der eigenen Defensive ein Fehlpass gespielt oder der Ball im Dribbling verloren. Hier hätte man für deutlich mehr Entlastung sorgen können und müssen, denn zu häufig kam der Ball postwendend wieder zurück in das Bremer Abwehrdrittel. Und man sollte in der Lage sein, gegen einen Gegner, der mit zunehmender Spieldauer immer mehr Druck aufbaute, mehr als einen gefährlichen Konter zu fahren (den Petersen in der 89. Minute vergab).

Nach zwei Spielen, in denen das Ergebnis auch ein anderes hätte sein können, findet sich Bremen mit sechs Punkten wieder. Wahlweise bezeichnet man die zwei Siege als glücklich oder dreckig, aber mir soll es recht sein. So viele haben Bremen (auch Fans des Vereins) als Abstiegskandidaten gesehen, da kann es doch eigentlich nur recht sein, dass man gegen zwei Clubs, die aller Voraussicht nach ebenfalls unten drin stehen werden, Dreier eingefahren hat. Zumal jetzt der Borussia-Doppelpack in Dortmund und Gladbach kommt und man nicht unbedingt ein ausgemachter Pessimist sein muss, um hier mit null Punkten zu rechnen. Da hilft das Polster vor allem auch Trainer und Mannschaft, denn wenn wir nach vier Spielen nur mit ein, zwei Punkten dagestanden hätten, wären wir mitten im Abstiegskampf inklusive der dazugehörigen Diskussionen. Nun heißt der gute Start natürlich nicht, dass wir in der Saison nichts mit den tiefsten Regionen der Tabelle zu tun haben werden, aber für den Anfang haben wir einen kleinen Puffer. Und es ändert auch nichts daran, dass es noch viel zu tun gibt in der Mannschaft.

Ich bin gespannt, wie wir in Dortmund auftreten werden und was sich Dutt einfallen lässt, um die Kreise des BVB so gut es geht einzuschränken, so dass wir nicht unter die Räder kommen.

Lebenslang Grün-Weiß!

Vergessenes Glück

Nach ziemlich genau sechs Monaten gewinnt Werder wieder ein Pflichtspiel (zuletzt am 09.02. beim 4:1 in Stuttgart) und sogar ein paar Tage länger ist das letzte Pflichtspiel ohne Gegentor her (am 01.02. beim 2:0 gegen Hannover 96). Die Bremer Fanwelt wird von ungeahnten Glücksgefühlen übermannt und stellt zumindest für diesen ersten Spieltag die beste Abwehr der Bundesliga. Damit ist zumindest vorerst einmal die Depression nach Saarbrücken ein wenig in den Hintergrund gedrängt und die Mannschaft kann das – im Grünweiß-Stammtisch angesprochene – Erfolgserlebnis feiern.

Dabei ist das Spiel an sich wahrlich kein Grund zur Euphorie gewesen. Zwar zeigte man deutlich mehr Willen als zuletzt in Saarbrücken und konnte die ersten 60 Minuten auch defensiv sicher stehen, aber das Spiel nach vorne war deutlich ausbaufähig. In der Offensive waren gerade Hunt und Ekici regelrechte Fremdkörper, die oft falsche Entscheidungen trafen und kaum Akzente setzen konnten. Darüber hinaus war man beim Umschalten nach Ballgewinn oft zu träge, um den Ball mit Geschwindigkeit in die gegnerische Hälfte zu bringen und den Gegner unter Druck zu setzen. Und nach besagten 60 Minuten und der Herausnahme von Ekici verlor man auch die Ordnung in der Defensive. Ob die Auswechslung von Memo (die zudem völlig verständlich war) nun damit kausal zusammenhängt, steht auf einem anderen Blatt, aber kurze Zeit später hatte Braunschweig die erst Großchance nach einem Distanzschuss von Reichel, den Mielitz gerade noch an die Latte lenken konnte. Weitere gute Möglichkeiten, die Braunschweig entweder vergab oder die Caldirola noch von der Linie kratzen konnte, sollten folgen.

Aus Sicht der Braunschweiger ist es bitter, dass das Tor der Bremer ausgerechnet in diese Phase fällt. Prödl schlägt einen langen Ball/Befreiungsschlag nach vorne zu Junuzovic, der cool bleibt und das 1:0 erzielt. Bremen kann nach sieben Jahren mal wieder ein Auftaktspiel auf fremdem Platz gewinnen. Der Bann ist gebrochen und die Aussagen der Mannschaft nach dem Spiel zeigen in meinen Augen, dass man das Spiel richtig einzuordnen weiß. Aber es kann dem Team Selbstvertrauen geben und man kann in der nächsten Woche ruhig auf das Augsburg-Spiel hinarbeiten, ohne gleich nach dem ersten Spieltag die vielen Skeptiker zu bestätigen, die Werder zu den Abstiegskandidaten zählen (Who the fuck is Franz B.?).

Natürlich ist nun nicht alles gut und Robin Dutt hat weiterhin viel Arbeit vor sich, aber gerade in den letzten Tagen haben Eichin und Dutt schon viel getan, um die Fans darauf vorzubereiten, dass es Zeit brauchen wird. Zum einen Zeit, um den Kader umzubauen und an die neuen Anforderungen  des Trainers anzupassen. Zum anderen bis die Mannschaft die Ideen von Robin Dutt vollständig verinnerlicht hat und dies sich auch auf dem Spielfeld im Ganzen zeigt. Ich persönlich finde es gut, dass sich die Vereinsführung so offensiv in der Öffentlichkeit präsentiert und dabei auch auf die Bekanntgabe eines konkreten Saisonziels verzichtet. Vor allem nach den oftmals sehr optimistischen Ansagen der letzten zwei Jahre, wo ich oft das Gefühl hatte, dass man die neuen Realitäten nicht erkennen konnte oder wollte.

Zum Abschluss möchte ich übrigens noch kurz auf meinen Man of the Match eingehen: Felix Kroos, der im defensiven Mittelfeld auflaufen durfte und in meinen Augen einen richtig guten Job machte. Er spielte unauffällig, hatte aber viele Ballkontakte und gewann einen Großteil seiner Zweikämpfe. Zudem dirigierte er seine Mitspieler und war sehr aktiv am kommunizieren. Ich kann mich an eine Szene in der zweiten Halbzeit erinnern, wo er Selassie auf der Außenbahn nach vorne schickt und die Position absicherte. In meinen Augen hat sich Felix damit einen weiteren Einsatz im nächsten Spiel mehr als verdient. Gegen Augsburg kann die Mannschaft hoffentlich einen weiteren Schritt in die richtige Richtung machen. Ich bin auf jeden Fall live vor Ort dabei.

Lebenslang Grün-Weiß!

Eine Frage des Selbstvertrauens

Fußball ist einerseits ein relativ simples Spiel. Um dem Spiel folgen zu können, genügt es, die wichtigsten Regeln zu kennen und deren Zahl ist überschaubar. Dennoch ist es gleichzeitig ein unglaublich komplexes Spiel, in dem viele Faktoren eine Rolle spielen können. Von der Klasse der einzelnen Spieler, über die Stimmung im Team bis hin zur Taktik oder auch so banalen Dingen wie dem Einfluss des Zufalls. Im gestrigen Spiel ist mir (neben auch anderen Dingen) der Einfluss des Selbstvertrauens aufgefallen, also „die Bewertung, die man von sich selbst hat„.

Beweisstück A: Der Gegner

Der VfB Stuttgart kam mit einer Negativserie von vier Niederlagen am Stück in dieses Spiel. Die Mannschaft begann das Spiel äußerst aggressiv und schien bereit, sich gegen diese Serie zu stemmen. Man drückte Bremen tief in die eigene Hälfte und konnte den Bremer Spielaufbau weitgehend unterbinden. Schon nach zwei Minuten hatte Sakai eine richtig gute Chance auf dem Fuß, die er zum Glück vergab.  Doch nach knapp 20 Minuten konnte sich Bremen aus der Umklammerung befreien und das eigene Spiel aufziehen. Die erste richtig gute Gelegenheit hatte Kevin de Bruyne, der erst am Pfosten und mit dem Nachschuss an Ullreich scheiterte. In der 34. konnte Ekici eine Hereingabe/Schuss von De Bruyne zum 1:0 verwandeln, dem gleichzeitigen Halbzeitstand. Im zweiten Durchgang kam Stuttgart zum Ausgleich durch Traoré und wer dachte, dass die Stuttgarter dadurch sicherer werden, der sah sich schnell eines besseren belehrt. Kvist pennt und lässt sich von Petersen (der wieder zeigte, wie exzellent seine Arbeit gegen den Ball ist) den Ball an der Mittellinie abnehmen. Einen Pass später ist Hunt frei durch und macht das 1:2. Eine knappe Viertelstunde später ist es Niedermeier mit einem Katastrophenpass, den Hunt abfängt und der zum Freistoß führt, den Ekici direkt verwandelt. Aus dem Ausgleich konnte Stuttgart kein Kapital schlagen und lud die Bremer mit den Fehlern geradezu ein.

Beweisstück B: Ekici

Mehmet Ekici war in der Winterpause eigentlich schon abgeschrieben. In der ersten Saison durch Verletzungen immer wieder zurückgeworfen, spielte Memo in der Hinrunde offensichtlich auch keine wirkliche Rolle in den Überlegungen von Thomas Schaaf. Es wäre nicht überraschend gewesen, wenn man in der Winterpause versucht hätte, Ekici zu verkaufen oder auszuleihen, obwohl Schaaf Anfang Dezember davon sprach, Ekici zu brauchen. Im Spiel gegen den HSV stand Memo dann auf einmal in der Startelf und absolvierte seit gefühlten Ewigkeiten wieder ein ganzes Spiel, auch wenn er nicht wirklich zu überzeugen wusste. Etwas überraschend stellte ihn Schaaf gegen Hannover auf und er spielte deutlich überzeugender. Eigentlich hatte ich vor dem Spiel in Stuttgart damit gerechnet, dass Ekici für Arnautovic Platz machen würde, aber eine Verletzung von Arno sorgte dafür, dass Schaaf sich gar nicht zwischen den beiden entscheiden musste. So kam Ekici zum Zuge und avancierte durch die beiden Tore zum Man of the Match. Vom Abgeschriebenen zum Matchwinner in nur 270 Minuten. Und auf einmal ist Ekici wieder mittendrin, ein Teil des Teams und eine wertvolle Option. Was so ein bisschen Spielpraxis und zwei Tore ausmachen können. Ich bin gespannt, wie die Aufstellung für das nächste Spiel aussieht, wenn Arno wieder dabei ist (und sofern sich niemand verletzt).

Nach 15 Monaten konnte Bremen endlich wieder zwei Spiele in Folge gewinnen. Wir haben eine Mini-Serie am Laufen. Und auch wenn es sicherlich kein überragendes Spiel war, so hat man doch deutlich gewonnen und aus den Fehlern des Gegners Kapital geschlagen. Ich hoffe, dass sich das angesprochene Selbstvertrauen auch ins nächste Heimspiel gegen den SC Freiburg überträgt. Und noch mehr hoffe ich, dass auch nach dem zweiten Sieg in Folge keiner abhebt, keiner von Europa erzählt, sondern man einfach versucht, die nächste Partie für sich zu betrachten und erfolgreich zu gestalten. Oder wie Sokratis neulich meinte: erstmal 40 Punkte voll machen und dann gucken, was noch passiert.

Lebenslang Grün-Weiß!

Mittendrin und nicht dabei

Noch ein Spieltag fehlt, um die Hinrunde zu komplettieren. Ich habe das Spiel gegen Frankfurt nicht sehen können, sondern nur die Kurzzusammenfassung. Wenn man den Spielberichten von Tobias und bei Spielverlagerung glaubt, dann war Bremen im Spiel gegen die Adler gar nicht so viel schlechter, wie es das Ergebnis mit 1:4 vielleicht vermuten lässt. Und dennoch verliert man schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit mit 1:4. Von den vor kurzem avisierten neun Punkten bis zur Winterpause stehen drei bisher zu Buche und den Winter wird man im Mittelfeld der Tabelle verbringen und dabei das internationale Geschäft immer noch in Reichweite behalten. Nur fünf Mannschaften haben mehr Tore geschossen als Bremen, aber auch nur zwei Mannschaften haben mehr kassiert.

Ich bin mir derzeit nicht sicher, wie ich die bisherige Saison bewerten soll. Ja, das neue System hat für neue Impulse im Spiel nach vorne gesorgt, vor allem im Vergleich zu dem Gewürge der letzten Rückrunde. An guten Tagen sieht das schon sehr schick aus und man kann die Idee von Schaaf sehen und nachvollziehen. Nur die Chancenverwertung wollte da zuletzt nicht ganz mithalten. Leider sehe ich in der Defensive kaum Fortschritte bzw. in den letzten Spielen auch wieder deutliche Rückschritte. Wenn diese Mannschaft wirklich weiter nach vorne rücken will, muss das Defensivverhalten der gesamten Mannschaft einen Schritt nach vorne machen. Und zwar einen großen. Gegen Frankfurt verteilte man munter Geschenke an Frankfurt. Beim 0:1 wird die Flanke von außen nicht verhindert und in der Mitte geht Prödl gegen Meier nicht zum Kopfball hoch. Und beim 1:2 hat Schwegler alle Zeit, um aus 30 Metern draufzuhalten. Klar, den macht er nicht jedesmal so, aber man kann ihn trotzdem am Torschuss hindern, oder nicht? Vor dem 1:3 begleitet Prödl seinen Mann nur halbherzig, während in der Mitte Schmitz unfreiwillig komisch aussieht und die Bodenhaftung verliert.

Bin ich zu kritisch, wenn ich das Gefühl habe, dass wesentliche Probleme der letzten Jahre uns auch diese Saison verfolgen? Zu oft ist die Abwehr entblößt durch ein nicht-existentes defensives Mittelfeld. Zu oft leistet man sich individuelle Fehler. Sollte Schaaf auch mal früher reagieren? Einen Prödl, der derzeit nicht in Top-Form zu sein scheint, auch mal draußen lassen? Statt Fritz lieber Ignjovski spielen lassen? Ich weiß es nicht. Es ist alles noch relativ dicht beeinander. Ein Dreier gegen Nürnberg und man könnte (die tatkräftige Hilfe der anderen Vereine angenommen) wieder auf Platz sieben vorrücken. Andererseits will ich gar nicht von Europa träumen, so wahrscheinlich es auch sein mag, denn dafür scheint mir die Mannschaft in der derzeitigen Form nicht reif zu sein.

Was in den letzten Tagen auch eher unter dem Radar flog, ist die Tatsache, dass Francois Affolter wieder zurück zu seinem Club Young Boys Bern gehen wird. In der letzten Rückrunde schon fast eine feste Größe im Team kam Affolter in der neuen Saison überhaupt nicht mehr zum Zug. Ich kann natürlich nicht beurteilen, wie er sich im Training gemacht hat, aber in meinen Augen hatte er durchaus gute Anlagen und bin daher etwas überrascht, dass er für den Trainerstab offensichtlich keinerlei Rolle in den weiteren Planungen spielt. Zumal die anderen Innenverteidiger (Sokratis mal ausgenommen) auch nicht so überragend spielen, dass es da kein Vorbeikommen gibt. Und wo wir schon bei Aussortierten sind: Ekicis Abgang scheint auch nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Selbst als Hunt und Junuzovic fehlten, kam der Türke nicht zum Zug. Auch wenn Schaaf zuletzt gesagt hat, dass er weiter mit Ekici plant, so wirklich glauben mag ich daran nicht. Beide Personalentscheidungen wirken etwas eigenartig auf mich, ohne dass ich benennen könnte, was es ist. Zumal ich auch wie gesagt, die Leistungen im Training nicht beurteilen kann.

Hoffen wir mal, dass uns der Weihnachtsmann am nächsten Sonntag ein paar Geschenke in Form von drei Punkten da lässt.

Lebenslang Grün-Weiß!

Stillstand

Viertes Spiel in der Rückrunde, viertes Unentschieden und das dritte Gegentor nach einer Ecke (von insgesamt vier Gegentreffern). Es geht derzeit nicht wirklich voran, vor allem wenn man sich anschaut, dass alle bisherigen Spiele der Rückrunde gegen mehr als machbare Gegner waren. Die erste Halbzeit gestern war mit das Schlechteste, was ich bisher diese Saison gesehen habe. Gegen einen allenfalls mittelmäßig kompakten und durchschnittlich pressenden Gegner lag das Aufbauspiel vollkommen brach. Das fing schon in der Abwehr an, wo sich bspw. Affolter viele Fehlpässe leistete und zog sich bis hin zu Ekici auf der zehn durch. Gerade Ekici wirkte gestern mit seiner Rolle völlig überfordert und bis auf einen gefährlichen Freistoß waren seine Frustfouls die einzig auffälligen Szenen von Memo.

Ignjovski erwischte – wie schon gegen Freiburg – einen äußerst schwachen Tag. Er war bemüht, lief viel, verlor aber häufig den Ball und war häufiger nicht dort, wo er gebraucht wurde. Bargfrede war schon bemühter, aber insgesamt war das Mittelfeld bis auf Junuzovic weitestgehend offensiv impotent. Dadurch hingen dann auch Arnautovic und Rosenberg häufig in der Luft. In Halbzeit zwei dann kam Marin für den gelb-rot-gefährdeten Ekici und brachte für 10-15 Minuten frischen Wind ins Spiel nach vorne. Doch obwohl Bremen in Halbzeit zwei engagierter war und auch deutlich mehr Ballbesitz hatte, wurde es selten gefährlich vor dem Tor der Hoffenheimer. Zu selten wurde wirklich schnell und direkt gespielt, um die tiefstehenden SAP-Kicker auszuhebeln. Am Ende war es ein langer Ball von Affolter, den Rosenberg für Arnautovic verlängert, der das Ding zum Ausgleich einnetzt.

Natürlich stehen da im Moment viele junge Spieler auf dem Platz, die sicherlich nicht von vorneherein sofort alle Laufwege und Zuordnungen aus dem Effeff kennen. Und das ist ein Punkt, dem man dem Team zugute halten sollte. Auf der anderen Seite sind es gerade die erfahreneren Spieler, die nicht in der Lage sind, den jungen Spielern einen Rahmen zu geben. Rosenberg, Ekici, Bargfrede, Fritz, Wiese sind eben nicht in der Lage, den Neuen eine Stütze zu sein. Einzig Sokratis zeigte gestern eine gute und solide Leistung. Und langsam muss man auch mal vermehr kritische Fragen in Richtung Schaaf stellen. Mir ist klar, dass ein solcher Umbruch nicht einfach ist und gerade die Raute braucht Zeit, um verinnerlicht zu werden, doch hier kommen wir wieder zurück zur Frage, ob die Raute unter diesen Bedingungen überhaupt das Mittel der Wahl ist. Wäre ein anderes System vielleicht geeigneter, der Mannschaft zu mehr Stabilität zu verhelfen? Haben wir überhaupt die Spieler für eine Raute? Haben die hohen Auswärtsklatschen zum Ende der Hinrunde die sichtbaren Verbesserungen in der Hinrunde wieder zunichte gemacht und das zarte Pflänzchen Selbstvertrauen wieder zertreten?

Vor allem mit Hinblick auf das zunehmend schwerere Programm in der Rückrunde müssen langsam Antworten auf die Fragen gefunden werden. Alleine auf das Trio Pizarro, Naldo und Hunt zu vertrauen, reicht nicht. Vor allem, um sich nicht nur von einzelnen Spielern abhängig zu machen. Gegen das Hoffenheimer Team von gestern hätte es auch ohne das Trio zu einem Dreier reichen müssen.

 

In der Puppenkiste

Ich will nach dem gestrigen 1:1 erst mal mit dem – aus meiner Sicht – Positiven anfangen. Das mache ich an zwei Personen fest. Zum einen ist da Aleksandar Ignjovski, der gestern den zuletzt etwas formschwachen Bargfrede von Anfang an vertrat und seine Sache sehr gut machte. Es war jetzt keine Offenbarung, aber ein mehr als solides Spiel, in dem Ignjovski andeuten konnte, dass er durchaus eine Option für die 6er-Position ist. Auch im Spielaufbau gefiel mir der Junge sehr. Die zweite Person kann niemand anderes als Naldo sein. Was der da gestern – in seinem zweiten Spiel von Beginn an – abräumte, war schon phänomenal. Von gefühlt 100 gewonnen Kopfballduellen über die Grätsche im letzten Moment bis hin zum akrobatischen Klärungsversuch war alles dabei. Und bis auf ein paar wenige Wackler alles sehr souverän. Auch nach vorne bringt Naldo mehr frischen Wind aus der Innenverteidigung heraus. Wie ist eigentlich der Stand der Klontechnik…?

Doch leider gab es auch viele Dinge, die gestern nicht so recht klappten und dafür sorgen, dass das 1:1 gegen weitgehend harmlose und schwache Augsburger sich eher wie zwei verlorene Punkte anfühlt. Der entscheidende Punkt ist die mangelnde Chancenverwertung: Pizarro hätte noch eins machen müssen, Rosenberg hatte auch noch zwei Dinger auf dem Kopf bzw. Fuß und der gute Sandro drischt das Ding lieber in den Augsburger Himmel statt Hunt zu bedienen. Einen davon hätte man versenken müssen, dann hätte man in einem weniger brillianten Spiel immerhin einen Sieg eingefahren. Vor allem nach dem 1:1 durch Pizarro waren die Augsburger deutlich angezählt und sehnten nur noch den Abpfiff herbei.

Im Mittelfeld zeigte vor allem Marin eine erschreckend schwache Leistung. Ich kann mich an nicht eine einzige gute Aktion von ihm erinnern, man hätte auch glauben können, er steht gar nicht auf dem Feld, so unsichtbar war der kleine Marko zuweilen. Gestern legte er sich ein paar Mal den Ball am Gegner vorbei und brach das anschließende Laufduell dann beim ersten kleinen Körperkontakt wild gestikulierend ab. Dumm nur, dass Schiri Kircher nix pfiff und das in meinen Augen völlig zu Recht. Gerade mit solchen Aktionen versaut man sich den Ruf und die Bereitschaft des Schiris, bei wirklichen Fouls zu pfeifen,  sinkt in zunehmendem Maße. Natürlich fällt einem das umso mehr auf, wenn die Leistung dann auch noch so schlecht ist. Vielleicht braucht der Marko mal eine kleine Denkpause auf der Bank, denn Ekici war gestern nach seiner Einwechslung deutlich effektiver und schaufelte zudem die Ecken nicht einfach nur in die Arme von Augsburgs Keeper Jentzsch.

Hätte man eine der dicken Gelegenheiten noch genutzt, müssten wir auch nicht über Wolfs Fauxpas vor dem Augsburger Treffer sprechen, als er über den Ball säbelt und dem Drama den Weg bereitet. Ja, das Anspiel von Naldo war nicht optimal, aber irgendwas etwas Besseres hätte Wolf schon draus machen können. Ich bin sowieso nicht der größte Fan unseres Blondschopfs in der IV, da er zu oft zu solchen kapitalen Böcken neigt. Seine kompromisslose Art ist an sich mal was anderes und nicht völlig verkehrt, aber auch gestern verursachte er mindestens zwei unnötige Freistöße in Strafraumnähe. Ich plädiere generell dafür, Naldo und Sokratis in die IV zu stecken. Ich glaube, dass die beiden sich hervorragend ergänzen und Sokratis vor allem taktisch intelligenter ist als Prödl und Wolf. Und ich habe auch das Gefühl, dass Sokratis auf RV nach vorne seinen anfänglichen Schwung verloren hat. Und ein Ignjovski oder Wesley kann man auch mal auf rechts stellen. Es wäre einen Versuch wert in meinen Augen.

P.S.: Szene des Spiels war vor dem Anpfiff bei der Seitenwahl als Augsburgs Kapitän Möhrle dem Clemens eine Jim Knopf-Puppe in die Hand drückte. Wenn schon Puppenkiste, dann richtig.