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Das Prinzip Hoffnung

Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen.

So steht es in Blochs „Prinzip Hoffnung“, einem Werk über Utopien und der Macht ebendieser. Viel mehr ist den Fans in Grün-Weiß nach dem gestrigen Spiel nicht geblieben. Hoffnung auf Besserung, Hoffnung auf die baldige Genesung der Verletzten , Hoffnung auf ein baldiges Erwachen aus diesem schlimmen Alptraum. Was die Leistung gegen den HSV so unerträglich und doppelt schmerzhaft macht, ist der Umstand, dass der HSV nicht mal gut war. Bis zum 0:1 haben die Stellinger nicht viel brauchbares zuwege gebracht, aber das war auch gar nicht nötig. Denn wenn der Gegner nicht weiter weiß, bleiben da ja noch die Bremer Samariter, die noch jedem strauchelnden Gegner in dieser Saison wieder auf die Beine helfen.  0:6 in Stuttgart, 0:4 in Schalke und nun 0:4 in Hamburg: alle Spiele gegen zum jeweiligen Zeitpunkt angeknockte Gegner. Doch mit reichlich Gastgeschenken im Gepäck richtet man sie alle wieder auf. Am Samstag hatte Mertesacker seinen „Mutter Theresa“-Auftritt und war an den ersten drei Toren direkt beteiligt. Ironie des Spiels ist sicherlich die Tatsache, dass das 0:1 genau zu dem Zeitpunkt fällt, als Bremen das Spiel in den Griff bekam. Und das war beileibe nicht der erste schwere Aussetzer unseres Abwehrchefs.

Das Prinzip Hoffnung schien auch das Motto der sportlichen Führung im Winter gewesen zu sein. Drei bis vier Baustellen wurden in der Hinrunde offenkundig: die altbewährte Problematik auf der linken Abwehrseite, die fehlende Kreativität im offensiven Mittelfeld sowie spätestens nach dem Abgang von Hugo Almeida auch die dünne Personaldecke im Sturm. Und als vierte Baustelle kann man die Dauerverletzung von Naldo hinzuzählen und die Tatsache, dass hier nicht nachgebessert wurde. Man holte drei Spieler, die allesamt perspektivisch eine Verstärkung sein werden. Stattdessen hoffte man darauf, dass vorne Pizarros Knochen halten, Arno endlich die Ladehemmung ablegt und Sandro Wagner auf einmal zum unaufhaltbaren Sturmtank wird. Die nötige Kreativität würden Hunt und Marin schon noch beisteuern und irgendwann wird Wesley ja auch wieder aus dem Lazarett zurückkehren. Und hinten links würde Silvestre sich schon noch einleben und seine fehlende Schnelligkeit durch sein unglaubliches Stellungsspiel ausgleichen und vielleicht bringt die medizinische Abteilung ja auch Lahme wieder zum Gehen und Boenisch und Naldo kommen vorzeitig zurück.

Sehenden Auges hat man die bekannten Probleme in Kauf genommen und darauf gehofft, dass sich alles zum Guten wendet. Nach sechs Spielen in der Rückrunde hat man gerade einmal 5 Punkte geholt und sich dabei von Köln und Hamburg vorführen lassen. Die Probleme sind dieselben wie in der Hinrunde. Und nun fallen auch die Führungsspieler in sich zusammen wie ein falsch zubereitetes Soufflé. Hoffnung mag man kaum noch haben angesichts der Darbietung vom Samstag. Es bleibt nicht mehr als Ratlosigkeit. Nun hat man im Hinblick auf das kickende Personal keine Handlungsmöglichkeiten mehr und es wird zunehmend schwerer daran zu glauben, dass noch irgendwer diesem Team Leben einhauchen kann. Wenn selbst das Nordderby nicht mehr dazu führt, dass die Spieler 90 Minuten lang leidenschaftlich spielen und zumindest über diesen Zeitraum die Konzentration halten, dann weiß ich es auch nicht mehr. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Klatsche gegen HSV – es könnte echt passieren – 2. Liga

Was war das? Ich habe das Spiel zwischen Werder und dem HSV nicht live, sondern in der Sportschau gesehen. Aber das was ich gesehen habe, hat mich erschüttert. Werder spielte wir ein Absteiger. Insbesondere das Defensiv-Verhalten war unterirdisch. Und damit meine ich besonders Per Mertesacker. Der war an drei Gegentoren beteiligt. Im Interview sagte er: „Ich freue mich auf bessere Zeiten. Wir können Abstiegskampf“. Bessere Zeiten? Darauf können wir wohl lange warten, wenn die Mannschaft weiter so spielt. Und nach Abstiegskampf können, sieht es nun wirklich nicht aus. Schließlich ist nicht nur Mertesacker außer Form. Frings oder Marin gehen doch in jedem Spiel baden. Und der tolle Arnautovic stolziert lustlos über den Platz. Der Rest läuft brav mit. So könnte es echt passieren – 2. Liga!

Und dann ist da noch das Thema Allofs und Schaaf. Allofs sagte nach dem Spiel: „ Der Trainer steht nicht zur Disposition. Wir arbeiten auch in Zukunft mit ihm zusammen. Es gibt keinen Trainer, der aus dieser Mannschaft mehr rausholen kann.“ Naja, offensichtlich kann Thomas Schaaf aktuell nicht viel aus der Mannschaft rausholen. Ich bin nun wirklich kein Freund von schnellen Trainerentlassungen, nur weil es mal nicht so gut läuft. Aber bei Werder läuft nichts. Und da muss auch mal über einen neuen Trainer nachgedacht werden!

Sieg im Nordderby

Gestern abend kam es zum Nordderby zwischen Werder Bremen und dem HSV. Beide Mannschaften waren vor dem Spiel nicht unbedingt mit breiter Brust ausgestattet. Bremen hatte die beiden vorherigen Spiele gegen Mainz und Hannover verloren und der HSV 3 sieglose Spiele hinter sich. Das Spiel war vom Verlauf her eher kurios. Der HSV hatte zu Beginn mehr vom Spiel, war aber nicht wirklich gefährlich, bis van Nistelrooy in der 21. den Ball am Gehäuse vorbeispitzelte. In der 25. Minute dann fälscht Demel eine Hereingabe von Marin unhaltbar zum 1:0 ab. Dem Tor vorausgegangen war ein schöner Konter über Prödl, Hunt und Pizarro, der den entscheidenden Ball auf Marin spielte. Nur dreieinhalb Minuten später schlägt Hunt einen Freistoß aus dem Halbfeld in den Hamburger Strafraum und Almeida ist zur Stelle und markiert das 2:0. Die Tore kamen aus dem Nichts. Bremen stand zwar hinten sicherer als zuletzt, doch wirlich stark waren sie bis dato nicht gewesen.

Schaaf ließ das Team mit einer Art Raute spielen. Frings vor der Abwehr und nominell Wesley und Marin auf den Halbpositionen sowie Hunt hinter den Spitzen. Im Spiel selbst rochierten alle bis auf Frings munter durcheinander, ohne jedoch wirklich Zug nach vorne entwickeln zu können. Nachdem die Mannschaft das 2:0 mit in die Kabine nahm, spielte sie in der zweiten Halbzeit viel zu verhalten. Hamburg kam besser ins Spiel, ohne jedoch allzu viele Torchancen zu bekommen. In der 59. macht van Nistelrooy das 2:1 mit der Hacke, nachdem ihm Pitroipa das Ding serviert. Nochmals dreieinhalb Minuten später macht Pitroipa das 2:2 mit einem satten Distanzschuß. Auch die Tore hatten sich nicht wirklich angedeutet. Daraufhin entwickelte sich noch ein munterer Schlagabtausch und in der 85. machte Almeida nach feinem Zuspiel von Wesley das 3:2. Am Ende ging der Puls wieder bedrohlich hoch, als Prödl sich ein-, zweimal übelst verschätzte und Merte eine Großchance von van Nistelrooy verhindern konnte.

Am Ende hat die Mannschaft wichtige drei Punkte einfahren können, ohne dabei wirklich geglänzt zu haben. Während es spielerisch immer noch an vielen Ecken haperte, zeigte das Team durchaus eine ansprechende Einstellung. Vor allem Frings, der sich unter der Woche mehrfach lauthals beschwert hatte, ließ seinen Worten auch Taten folgen und machte in meinen Augen eine sehr gute Partie. Lob gebührt auch Wesley, der im Mittelfeld viel unterwegs war und zeigte, dass er sich mehr und mehr zurecht findet. In der 42. Minute musste Fritz vom Platz und für ihn kam Bargfrede, die vakante Position des Rechtsverteidigers übernahm Wesley, der auch dort einen guten Job machte. Im Laufe des Spiels traute er sich dann auch mehr nach vorne und bereitete das 3:2 vor. Als letztes möchte ich Mertesacker hervorheben, der sich voll reinhängte und obwohl er manchmal noch etwas zörgerlich im Luftduell war, machte er eine starke Partie. Vor allem seine Rettungstat kurz vor Ende der Partie, als er sich in einen Schuß von van Nistelrooy warf, war sehr sehr wichtig.

Das Spiel gester war ein richtiger Schritt in die richtige Richtung, mehr aber nicht. Die Einstellung stimmte und das Team hat sich sichtlich bemüht. Knackpunkt war weiterhin das spielerische Element, so ging es nur selten schnell und konsequent nach vorne. Doch mit mehr Sicherheit wird auch das bald wieder kommen. Am Mittwoch muss das Team in Mailand gegen den CL-Titelverteidiger ran. Ein Spiel, in dem man sich auch viel Selbstvertrauen holen kann, wenn man es schafft, halbwegs erfolgreich abzuschneiden.