Tag Archives: Sebastian Mielitz

Ein Spiel dauert 70 Minuten

2:3 lautet der Endstand gegen den FSV Mainz 05. Zwischenzeitlich lagen wir sogar 0:3 gegen die Mainzer zurück und Kommentator Fuss meinte gestern nach Abpfiff, das 0:3 durch Okazaki in der 70. Minute sei die entscheidende Situation des Spiels gewesen. Kann man so sehen, aber für mich waren die ersten 20 Minuten des Spiels entscheidend. Hier hat man sich zum x-ten Male selbst ein formidables Loch gegraben, welches sich in den verbleibenden 70 Minuten als zu tief herausstellen sollte. Nun kann man es sich einfach machen, auf die beiden Böcke von Sebastian Mielitz verweisen und hat damit auf die Schnelle zusammen gefasst, was zu Beginn des Spiels nicht lief. Das soll nicht heißen, dass Mielitz keine Schuld an den Gegentoren trifft, aber eben nicht nur. Beim 0:1 ist der Ball von Polter lange zu Müller unterwegs. Weder Lukimya noch Fritz behindern den Mainzer auch nur im Ansatz, der Mielitz mit einem feinen Lupfer überwindet. Beim 0:2 kann Pospech in Ruhe den Ball aufs Tor bringen, beim Abpraller reagiert einzig Okazaki angemessen, während Fritz und Luki verdattert dem Ball nachschauen. Klar, wenn Mielitz hier das Ding einfach über die Latte lenkt, müssen wir die Diskussion um seine Person nicht führen.

Insgesamt waren die 20 Minuten nach Anpfiff des Spiels wohl mit das Schlechteste, was die Mannschaft diese Saison abgeliefert hat. Man hatte das Gefühl, dass die Spieler vom Pressing der Mainzer überrascht wurden. Kaum ein Ball fand den Weg zum Mitspieler, auch einfachstee Pässe kamen nicht an.  Nach knapp 20 Minuten kam man besser ins Spiel, konnte sich sogar einige Torchancen erspielen, wie bspw. bei Lukimyas Kopfball an den Pfosten oder Selkes Kopfball, der knapp vorbei segelte. Auch in Halbzeit zwei hatte man gute Gelegenheiten, doch zunächst machen die Mainzer das 0:3. Wie man sich in einer 4:2-Überzahl-Situation so geschickt anstellen kann, ist mir ein Rätsel. Ebenso, warum Lukimya die Situation beobachtet und allenfalls zurück trabt. Vielleicht war er überrascht, dass keiner aus dem Schiedsrichter-Team auf das Heben der Hand (wie sonst üblich) mit einem Abseits-Pfiff reagierte? Vielleicht dachte er, dass die anderen drei das schon machen werden? Wir werden es wohl nie erfahren und es wird auf ewig sein Geheimnis bleiben. Die beiden Tore von Elia und di Santo bleiben leider nur Ergebniskorrektur.

Nun geht der Blick in der Tabelle zunehmend nach unten. Nein, das kommt nicht unerwartet, aber mit einem anderen Ergebnis wären es mehr als vier Punkte Abstand auf den Relegationsplatz. Und nach dem 0:2 hat die Mannschaft ja gezeigt, dass man durchaus in der Lage gewesen wäre, Mainz zu schlagen. Aber da kommen wir wieder auf den Punkt mit den anfänglichen 20 Minuten und stellen erneut fest, dass Fußball nicht im Konjunktiv gespielt wird. Wir könnten über erstaunlich gute 18 Punkte sprechen und darüber, dass wir im Angesicht des Abstiegskampfes sehr gut unterwegs sind, stattdessen bestimmt Mielitz die Berichterstattung über das Spiel, zusammen mit der Abwärts-Spirale, in der sich Bremen befindet. Es nervt.

Deutsch-Italienische Freundschaft

Kommen wir abschließend noch zu einem Thema, welches in der letzten Woche von sich reden machte: der sich abzeichnenden Kooperation zwischen Werder Bremen und dem italienischen Rekordmeister Juventus Turin. Prinzipiell und angesichts der finanziellen Lage, in der sich Werder befindet, ist dies sicherlich ein strategisch kluger Schritt. Man kann davon ausgehen, dass Bremen interessante Spieler aufnehmen wird, damit diese Spielpraxis bekommen. Es wird auch über Vorkaufsrechte im Jugendbereich gemunkelt und auch über eine Zusammenarbeit im Bereich Marketing und anderen Geschäftsbereichen. Prinzipiell finde ich diese Form der Zusammenarbeit begrüßenswert, teile aber vorerst noch nicht die Euphorie, die von einigen ausgeht. Dazu sind die tatsächlichen Rahmenbedingungen noch nicht geklärt (bspw. bekommen wir u.U. auch eine Kaufoption bei den Leihspielern? Sind wir nur ein reines Farmteam zum Parken der Spieler?). Eine wirkliche Bewertung der Zusammenarbeit wird erst in einiger Zeit möglich sein. Aber interessant ist es allemal.

Lebenslang Grün-Weiß!

Dreimal ist Bremer Recht

Das Pokalspiel in Saarbrücken und der damit verbundene Start in die Saison 2013/14 kann als – vorsichtig formuliert – misslungen bezeichnet werden. Werder verliert zum dritten Mal in Folge in der ersten Pokalrunde gegen ein Team aus der dritten Liga und nimmt mir damit einen Großteil des Optimismus, den ich trotz durchwachsener Vorbereitung hatte. Dabei ist es nicht alleine die Tatsache, dass man sich in Runde eins aus dem Pokal verabschiedet, sondern vor allem die Art und Weise. Bis auf knapp 20 Minuten nach der Halbzeitpause war Saarbrücken das bessere Team, hatte mehr und hochkarätigere Torchancen und wirkte trotz des Fehlstarts in Liga 3 alles andere als verunsichert. Man konnte in Ansätzen einige Ideen von Dutt sehen (hochstehende AVs, 6er lässt sich zwischen IV fallen), aber man sah gerade im Defensivverhalten erschreckend viel Altbewährtes.

Immer wieder wurde der Ball auf dem Weg nach vorne verloren und die Saarbrücker nutzten die sich bietenden Räume. Erschreckend auch, dass man zwei-, dreimal nach eigenem Standard in Konter der Hausherrn lief. Darüber hinaus wirkte das Aufbauspiel völlig ideenlos und ohne erkennbare Linie. Die oben angesprochenen zwanzig Minuten, in denen auch das 1:1 fiel, waren nicht mehr als ein kurzes Strohfeuer, welches nur allzu schnell erlosch.

Nach dieser erneuten Pokalenttäuschung (Könnt Ihr Euch noch an damals erinnern? Als Bremen als Pokalmannschaft galt?) sitze ich hier mit einem Sack voll Fragen. Mir ist klar, dass es noch dauert, bis sich die fußballerischen Ideen von Robin Dutt vollends auf dem Platz nachvollziehen lassen und natürlich kann auch er nicht innerhalb der vierwöchigen Vorbereitung all die Dinge abstellen, die in den letzten Jahren nur allzu präsent waren, aber ich habe mir trotzdem mehr erhofft und nicht einen so plan- und streckenweise auch leblosen Auftritt. Ein Stemmen gegen die Niederlage, eine gewisse Grundaggressivität, all das fehlte völlig, wie so oft in den letzten Jahren.

Einen klaren Kantersieg habe ich nicht erwartet, nicht einmal eine wirklich dominante Vorstellung, aber ich hätte erwartet, dass man sich über die volle Distanz wehrt, sich reinhängt und dem Gegner nicht so das Feld überlässt. Zumal der Gegner sonst zwei Ligen weiter unten antritt. Beim „Treffen der Pokaldeppen“ am nächsten Samstag (Braunschweig verlor mit 0:1 in Bielefeld) muss sich die Mannschaft gewaltig steigern, soll nicht auch der Bundesliga-Start daneben gehen. Klar, man darf jetzt nicht in Fatalismus verfallen und das ganz große „Mimimimi“ anstimmen, aber das Spiel heute war ein herber Tiefschlag für meinen vorsaisonalen Optimismus, den ich vor dem Spiel noch im Podcast mit Tobi zum Besten gab. Auf das es Samstag besser werden möge…

Lebenslang Grün-Weiß!

Der dreifache Marko

Ein Spiel gegen einen Krisenclub löst bei mir nicht allzu viel Begeisterung aus. Nur allzu oft dient sich der SVW als gerne gesehener Aufbaugegner an. Gestern aber erlöst Bremen die Hoffenheimer nicht aus der Krise, sondern sorgt mit dem 4:1-Sieg dafür, dass Trainer Markus Babbel zu Weihnachten mehr Zeit hat. Hat man eigentlich schon Matthäus in Sinsheim gesehen?

Ich habe die erste Halbzeit verpasst und konnte der Halbzeitzusammenfassung sowie den Stimmen auf Twitter und Facebook entnehmen, dass man eine desolate Hoffenheimer Mannschaft dominierte und die 2:0-Führung eigentlich noch zu niedrig ausgefallen war. Ich hatte noch gescherzt, dass man mich gerne verantwortlich machen könne, wenn das in Halbzeit zwei noch in die Hose gehen würde. Man konnte ja erwarten, dass die Kraichgauer mit mehr Elan aus der Kabine kommen würden, regelrecht erschreckend war jedoch die Tatsache, wie Bremen sich vom Anpfiff weg davon derart beeindrucken ließ. Nach nur fünf Minuten im zweiten Durchgang erzielte Hoffenheim den Anschlusstreffer und nun taumelte Bremen über den Rasen wie ein angezählter Boxer.

Es wurde kein Druck auf den Gegner ausgeübt, schon im Mittelfeld bekam die TSG zu viel Raum und man konnte die Panik förmlich spüren, welche die Mannschaft im Griff zu haben schien. Die Hoffenheimer kamen noch zu einigen guten Gelegenheiten, die sie jedoch nicht nutzen konnten. Allein Mielitz stemmte sich hier gegen die Angriffe des Gegners, während die anderen lieber einen gebührenden Sicherheitsabstand einhielten. Nach vorne kam kaum Entlastung, die sich bietenden Konterchancen wurden nicht genutzt. Es schien nur noch eine Frage der Zeit, bis die Hausherren den Ausgleich erzielen würden und vielleicht wäre es dann noch schlimmer gekommen.

Ein Glück hat Arnautovic dann das erlösende 3:1 per Freistoß erzielt. In diesem Moment sicherlich unverdient, aber es nahm den Hoffenheimern komplett den Wind aus den Segeln und Marko konnte seine tolle Leistung sogar noch mit dem 4:1 krönen. Die beiden Gesichter der Bremer Mannschaft in so kurzer Zeit zu erleben, war schon ernüchternd. Und auch wenn das Spiel so deutlich gewonnen wurde und man den Gegner über weite Strecken dominieren konnte, sollte es nicht darüber hinweg täuschen, dass man nur knapp davor war, das Spiel wieder aus der Hand zu geben. Einerseits könnte man es auf die junge Mannschaft schieben, aber andererseits habe ich das Gefühl, dass wir in den letzten Jahren immer wieder dafür anfällig waren, angeschlagene Gegner im Laufe einer Partie wieder ins Spiel kommen zu lassen. Oder täusche ich mich da?

Der Mann des Spiels war mit weitem Abstand Marko Arnautovic. Mit fünf Toren und vier Assists spielt er bisher eine wirklich gute Saison und zeigt die Leistungen, die man sich seit seinem Wechsel an die Weser erhofft hat. Dabei zeigt er nicht nur in der Offensive starke Leistungen, sondern leistet auch wertvolle Dienste für die Defensive, indem er immer wieder mit nach hinten arbeitet. Abseits des Platzes ist es bisher relativ ruhig geblieben. Naja, man wird ja auch älter, bekommt Nachwuchs und wenn die Leistung stimmt, laufen die Medien auch nicht verzweifelt rum, um aus einem „Saftladen“-Ausspruch eine mittlere Staatsaffäre zu machen.

Wenn ich mir noch etwas wünschen dürfte: könnte jetzt bitte keiner mit hochfliegenden europäischen Träumen um die Ecke kommen? Danke! In den nächsten zwei Spielen einfach 180 Minuten Vollgas geben und dann schauen wir einfach mal, wie viele Punkte unter dem Weihnachtsbaum liegen. Hört sich gut an? Finde ich auch.

Lebenslang Grün-Weiß!