Tag Archives: Sebastian Prödl

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Nach dem enttäuschenden 1:1 gegen den SC Freiburg angelt sich der SV Werder die rote Laterne der Bundesliga. Nach gerade einmal drei Punkten aus sechs Spielen war der Druck auf Mannschaft und sportliche Führung ohne Zweifel vorhanden. Und so wurde auf der Pressekonferenz vor dem Spiel das Motto „Ein Sieg ist Pflicht ausgegeben“. Sowohl Robin Dutt als auch Thomas Eichin machten klar, dass es alleine darum geht, das Spiel zu gewinnen, egal wie. Ich war heute mit Lars im Weserstadion zugegen und auch die beiden Stadionsprecher Stolli und Zeigler ritten ziemlich auf dem Pathos-Gaul herum und beschworen die Wichtigkeit des Spiels für Fans, Verein und Stadt und dies gleich mehrfach. Die Marschrichtung war also klar vorgegeben.

Personell gab es zwei Veränderungen zum Wolfsburg-Spiel: Elia und Galvèz ersetzten Hajrovic und Selke. Das Spiel begann aus Bremer Sicht relativ unsicher und nach 8 Minuten steht es 0:1 aus Sicht der Hausherren. Prödl verliert einen Zweikampf gegen Philipp und als er ihm nacheilt, bringt er ihn im Strafraum zu Fall. Von unserer Position aus sah es berechtigt aus, aber egal ob Knut Kircher hier richtig lag oder nicht: Prödl darf dieser Fehler einfach nicht passieren. Gewinnt er den initialen Zweikampf gegen den Freiburger, werden alle nachfolgenden Diskussionen gar nicht geführt. Wieder ist es ein individueller Fehler, der Bremen zurückwirft. Danach gab es eine Phase von vielleicht 15 Minuten, in denen der SVW schwer angeschlagen wirkte. Einfachste Bälle kamen nicht beim Mitspieler an, immer wieder musste Keeper Wolf als Anspielstation herhalten. Die Unruhe auf dem Rasen und auch auf den Rängen wurde zunehmend greifbar.

Zum Glück fing sich Bremen mit zunehmender Spielzeit und die Kombination von Junuzovic und Di Santo führte zum Ausgleich. Bremen blieb in der Folgezeit das engagiertere Team, konnte jedoch nur selten wirklich gute Torchancen herausspielen. Dabei war Freiburg nicht mal wirklich gut und in der zweiten Halbzeit wirkten die Breisgauer frühzeitig mit dem Punkt zufrieden. Auch die Gäste hatten nach einer guten Anfangsphase kaum etwas anzubieten und daher bleibt vom Spiel vor allem ein fader Nachgeschmack, dass man es selbst gegen so ein biederes Team wie den SCF im eigenen Stadion nicht schafft, einen Sieg zu erringen. Klar, man hatte ein paar Möglichkeiten, aber so richtig gefährlich wurde es nur selten. Es war auffällig, wie schnell sich Bremen wieder dem langen Ball als prägendes Element im Spielaufbau widmete. Hoch und lang, am besten noch auf die beiden Kopfballmonster Elia und Bartels.

Dabei waren es nicht nur die langen Bälle, die selten einen Abnehmer fanden. Auch sonst blieb das Passspiel oft unpräzise und zerfahren. 60% Passquote sprechen da wohl für sich. Zwei Dinge fielen mir dabei auf: es spricht nicht gerade für die Kreativität im Mittelfeld, wenn die meisten Ideen von Junuzovic ausgeht (der zudem auch nur eine Passquote von 60% vorweisen kann). Ja, Obraniak hat sich mit seinen Wechsel-Aussagen keinen Gefallen getan, aber ihn jetzt gar nicht mehr zu berücksichtigen, steigert weder seinen Marktwert, noch bekommt er so die Möglichkeit, der Mannschaft weiterzuhelfen. Und was ist mit Aycicek? Angeblich ein Riesen-Talent, das offensichtlich lieber für die U23 geschont wird. Klar, man muss ihn ja nicht verheizen, aber Kroos für Galvèz als Wechsel kurz vor Schluss ist ja jetzt auch nicht wirklich der Kreativ-Overload im Mittelfeld. Und solange Bartels auf dem Platz ist, kann man Aycicek seine fehlende Defensive auch nicht vorhalten. Der zweite Punkt, der mir aufgefallen ist: Di Santo ist ein spielender Stürmer, der nicht alleine vorne in der Mittelstürmer-Position verharrt, sondern sich auch fallen lässt oder weicht auf die Flügel aus. Doch gerade beim Ausweichen auf die Flügel ergab sich heute dann das Problem, dass die Mitte dann meist unbesetzt blieb oder hohe Bälle von Elia oder dem nachrückenden Bartels nicht erreicht wurden. Es mag spielerisch nicht mehr der Offenbarungseid aus der letzten Saison sein, aber wirklich gut war dieses Spiel in der Hinsicht auch nicht, wie schon das Wolfsburg-Spiel.

Bremen verpasst den selbst angekündigten Befreiungsschlag. Am nächsten Spieltag steht der Betriebsausflug nach München an, bei dem es nur um Schadensbegrenzung geht, bevor es dann zuhause gegen Köln geht. Wieder ein wichtiges Spiel, wieder ein direkter Konkurrent und wahrscheinlich ist dann wieder ein Sieg Pflicht. Bleibt dann nur die Frage, was passiert, wenn man hier den Pflicht-Sieg verpasst. Jetzt auf dem letzten Tabellenplatz zu stehen, ist noch kein Beinbruch, aber so was kann eine Mannschaft schnell verunsichern und die psychologische Komponente darf man nicht unterschätzen. Hoffen wir, dass man sich rechtzeitig gegen eine solche Entwicklung wehren kann, sonst wird es bald noch ungemütlicher am Weserdeich.

Lebenslang Grün-Weiß!

 

Spektakel

Am Freitagabend kann Bremen mit einem 3:3 einen Punkt aus Leverkusen entführen und dabei Erinnerungen an damals™ wecken. An die Zeiten, wo Spiele mit Bremen immer für viele Tore gut waren und es nicht nur im Kasten der Grün-Weißen klingelte. Vor dem Spiel war ich äußerst skeptisch, da Leverkusen sehr gut in die Saison gestartet war und durch hohen Pressing-Druck auch oft zu schnellen Toren kamen, welche den Gegner aus dem Konzept brachten. SKY-Kommentator Lindemann gab sich vor und während des Spiels auch alle Mühe Leverkusen zum absoluten Top-Team hochzusterilisieren.

Bremen kam dabei gut aus den Startlöchern und konnte ein, zwei gezielte Nadelstiche setzen. Über die gesamte Partie ließen sich die beiden Spitzen nach außen fallen und zu Beginn ergaben sich da ein paar schöne Kombinationen mit den aufrückenden Außenverteidigern. Leverkusen roch den Braten aber schnell und konnte zunehmend die Kontrolle über das Spiel übernehmen. Nach etwas mehr als einer Viertelstunde sorgt ein Bremer Ballverlust tief in der eigenen Hälfte für das 0:1 und im Anschluss daran musste man Angst um Werder haben. Leverkusens Trainer Roger Schmidt nannte es einen Witz, dass man mit einem Unentschieden in die Pause ging und was Bayer in der Zeit an Chancen hatte, hätte locker für einen Kantersieg gereicht. Doch mit Glück, Wolf und der Unfähigkeit Leverkusens konnte man das 0:1 halten und kurz vor der Pause einen Konter über Fin Bartels zum 1:1 vollenden. Völlig überraschend und unverdient, aber das ist ja oft das Tolle am Fußball.

In Halbzeit zwei war das Spiel in meinen Augen ein bisschen ausgeglichener, auch wenn Leverkusen immer noch ein Übergewicht hatte. Di Santo konnt in der 60. Minute die Grün-Weißen in Führung bringen, wieder nach einem schönen Konter, doch Leverkusen konnte postwendend ausgleichen und in der 73. Minute sogar das 3:2 machen. Doch Bremen lässt sich diese Saison einfach nicht unterkriegen und stellte auch in der BayArena die eigenen Comeback-Fähigkeiten unter Beweis als Prödl in der 85. das 3:3 markierte. Jubel vor dem Fernseher, Jubel auf dem Rasen und Jubel auf den Rängen. Nach dem Abpfiff bleibt ein zufriedenes Gefühl zurück, sich gegen ein Top-Team der Liga behauptet zu haben, wieder einmal auf Rückstände geantwortet und im Anschluss an das Leverkusener 3:2 nicht aufgegeben zu haben.

Bremen ist aktuell nach drei Spielen noch ungeschlagen und konnte an der einen oder anderen Stelle schon vielversprechende Ansätze zeigen, wie bspw. die letzte halbe Stunde gegen Hoffenheim oder die Konter im Spiel am Freitag. Aber da ist auch noch viel Luft nach oben und man darf sich zukünftig nicht alleine auf die Comeback-Qualitäten verlassen. Auch wenn ich es auf den Adrenalin-Rausch nach dem Spiel schieben würde, las ich häufiger von einem tollen spielerischen Auftritt und gelungenem Kombinationsfußball gegen Bayer. Für die Tore und vor allem die Konter trifft das auf jeden Fall zu, jedoch sollte man nicht außer acht lassen, dass Bremen gerade einmal 51% der Pässe an den Mann brachte (Leverkusen übrigens auch gerade einmal 65%). Im Hinblick auf eine eher reaktive Taktik ist das sicherlich nicht schlimm, aber gelungener Kombinationsfußball sieht irgendwie anders aus. 😉

Im nächsten Spiel spielt Werder auswärts gegen Augsburg, wo man letzte Saison noch ziemlich klar mit 1:3 verloren hatte. Ich hoffe, dass man dort einen weiteren Schritt nach vorne machen kann und vielleicht einmal nicht in Rückstand gerät. Es wird mal langsam Zeit für den ersten Dreier in dieser Saison!

Lebenslang Grün-Weiß!

Drei Punkte zum Fest

Irgendwie in die Winterpause retten: das war die Marschroute vor dem Leverkusen-Spiel. Hauptsache keine Klatsche kassieren, dann die Wunden lecken und darauf hoffen, dass in der Rückrunde der Erfolg wieder an die Weser zurückkehrt. Auch ich habe sehr pessimistisch auf das Spiel gegen Leverkusen geschaut, denn die Werkself verfügt ausgerechnet dort über Stärken, wo wir uns in Bremen defensiv sehr schwer tun: zum einen ein effektives und schnelles Umschaltspiel und darüber hinaus auch über ein starkes Spiel über die Außen. So habe ich mich im Grünweiß-Stammtisch auch völlig fatalistisch auf einen 0:4-Tipp festgelegt.

Vor dem Spiel gab es eineinhalb Überraschungen: Sebastian Prödl kehrte nach langer Verletzungspause wieder in die Startelf zurück. Ich hatte eher erwartet, dass der Prödler vielleicht noch einmal geschont wird, um dann in der Rückrunde anzugreifen. Die halbe Überraschung war die Aufstellung von Aaron Hunt, der in der Woche vor dem Spiel mit muskulären Problemen zu kämpfen hatte. Schon nach wenigen Minuten wurde auch klar, dass man wieder zum defensiven Konzept der ersten Saisonspiele gefunden hatte. Makiadi und Bargfrede als Absicherung vor der Abwehr, zudem mit Elia und Di Santo sehr defensiv eingestellte Außenspieler und auch Hunt und Petersen standen tiefer als dies zuletzt der Fall gewesen ist. Die Mannschaft begegnete dem haushohen Favoriten als sehr kompakte Einheit, die zudem intensiv verteidigte.

Den Gästen schien das überhaupt nicht zu schmecken, so hatten die Leverkusener zwar in den meisten statistischen Kategorien die Nase deutlich vorne, aber erspielten sich kaum zwingende Torchancen. Angeführt von einem Sebastian Prödl, der gefühlt jeden hohen Ball aus dem Strafraum köpfte, machte die Mannschaft den Gästen das Leben schwer. Einziger Kritikpunkt war in meinen Augen die hohe Anzahl an begangenen Fouls tief in der eigenen Hälfte, die Leverkusen viele Standards bescherte. Und mit zunehmender Spieldauer kehrte langsam der Glaube daran zurück, dass die Mannschaft das Spiel einigermaßen unbeschadet überstehen würde. Fast so wie zu Beginn der Saison, als man in vielen Spielen dem Gegner die Initiative überließ, um ihm mit tiefer Verteidigung und kompaktem Auftreten die Lust zu nehmen.

Chancen für Bremen waren eher selten, aber in der 74. Minute führte ein Konter über Aaron Hunt zur ersten spielentscheidenden Szene, als Garcia nach einem Gewühle im Leverkusener Strafraum der Ball vor die Füße rollt und er zum 1:0 einschieben kann. Danach pure Freude bei Spielern, Fans und vor allem bei Robin Dutt. Die zweite spielentscheidende Szene kam (in meiner Erinnerung) nach dem Führungstreffer, als eine Bremer Ecke direkt in einen Konter der Gäste mündete. Als der Ball auf Höhe der Mittellinie angelangt war, hatte ich innerlich den Treffer für Leverkusen schon fest verbucht, aber als der Ball auf Höhe des Bremer 16ers angelangt, waren vier Spieler in Grün-Weiß nach hinten gesprintet und konnten die Situation letztlich entschärfen. Die letzten Minuten waren pures Nägelkauen und Dutt feierte selbst einen Einwurf wie den entscheidenden Treffer. Man merkte dem Coach an, wie sehr er unter Druck stand; Druck angesichts der Ergebnisse der letzten Wochen, Druck angesichts der Tatsache, dass es gegen seinen letzten Verein ging, wo er der öffentlichen Meinung nach kläglich versagt hatte. Wie sehr die Hinrunde an seinen Nerven gezehrt haben muss, wurde nach dem Spiel auf der PK offenkundig, wo er den Tränen sehr nahe war.

Der Sieg war auf mehreren Ebenen wichtig: er war wichtig für die Moral von Mannschaft und Fans, er war wichtig angesichts der Tatsache, dass Frankfurt und Freiburg gepunktet haben und uns immer dichter auf die Pelle rückten. Und natürlich tut es gut, einen „Großen“ geschlagen zu haben, denn Leverkusen spielt eine überragende Saison. Sie haben nur das Pech, in einer Liga mit den Bayern gefangen zu sein. Abschließend war es vielleicht auch wieder eine Rückbesinnung auf die Dinge, die uns zu Saisonbeginn so viel Optimismus gegeben haben: defensive Stabilität, der Fokus auf Defensivarbeit und 90 Minuten Kampf. Wehmutstropfen: warum ist man in den Spielen zuvor nicht so aufgetreten? Das war eine Frage, die ich mir während des Spiels immer wieder gestellt habe.

Mit 19 Punkten sind wir nur einen Punkt hinter dem von der Vereinsführung ausgegebenen Ziel von 20 Punkten. So findet die Hinrunde nach einigem Auf und Ab ein versöhnliches Ende und mit einem solchen Auftreten blicke ich auch weniger sorgenvoll in die Rückrunde als dies zuletzt der Fall war.

An dieser Stell wünsche ich den Lesern des PapierkugelBlogs schöne Rest-Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Lebenslang Grün-Weiß!

Freiburger Lehrstunde

Da ist die Serie auch schon wieder vorbei, noch bevor man es wirklich eine Serie nennen konnte. Freiburg gewinnt mit 3:2 in Bremen und legt dabei schonungslos die Defizite der Bremer offen. Klar, drei Alu-Treffer stehen am Ende für die Grün-Weißen, geht einer der Bälle ein Stückchen weiter links, rechts oder nach unten, dann holen wir ein Unentschieden in diesem Spiel. Aber sollte das über die Tatsache hinwegtäuschen, dass man über weite Strecken der ersten Halbzeit nicht am Spiel teilnahm? Dass man beim ersten und dritten Gegentor den üblichen Abwehr-Slapstick abliefert. Das Spiel legt auch nahe, dass es in den vergangenen beiden Spielen nicht alleine Bremens Stärke war, die zu insgesamt sechs Punkten führte, sondern auch die Schwäche der jeweiligen Gegner.

Im Sportclub am gestrigen Abend meinte Sebastian Prödl, man habe dem Gegner zu viel Platz gelassen und sei nicht in die Zweikämpfe gegangen bzw. gekommen. Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung, aber wie oft haben wir so etwas in letzter Zeit nach Niederlagen gehört und viel wichtiger: wenn die Spieler das erkennen, warum ändern sie dann nichts daran. Warum führt ein Einwurf in der Bremer Hälfte schnurstracks zum 0:1 und warum kann ein Freiburger beim 2:3 völlig blank im Fünfmeter-Raum stehen? Und warum sehen wir solche Fehler immer und immer wieder? Man kann diese Niederlage auf den Schultern der Spieler abladen und sich jeglicher Diskussion über den Trainer entziehen. Aber wenn man auf die Spieler des Gegners schaut, will mir doch keiner erzählen, dass diese Mannschaft eine höhere Qualität mitbringt als Bremen, oder? Aber warum schafft es der SC Freiburg mit einer Truppe von überwiegend No-Names und jungen Spielern (übrigens auch immer gerne eine Entschuldigung schlechter Leistungen an der Weser) die zweitbeste(!) Defensive der Liga zu stellen?

In der Winterpause der letzten Saison lag der SCF auf Platz 18, mit fünf Punkten Rückstand auf das rettende Ufer. 39 Gegentore hatte man sich zu diesem Zeitpunkt gefangen, der schlechteste Wert der Liga. Zudem ging Cissé nach Newcastle und nicht wenige erklärten die Freiburger zum ersten feststehenden Absteiger. Bis man einen Wechsel auf der Trainerbank vollzog und Christian Streich die Zügel in die Hand gab. In der Rückrunde schaffte Streich den Turnaround, das Team kassierte nur noch 22 Tore und belegte in der Rückrundentabelle den 7. Platz. Und am Samstag konnt man auch sehen, wo das Erfolgsgeheimnis der Breisgauer liegt: In der Defensive arbeitet das ganze Team mit und der Gegner wird tief in der eigenen Hälfte unter Druck gesetzt und am Spielaufbau gehindert. Bei Balleroberung wird schnell umgeschaltet und aufgrund des guten Pressing kommt man in guten Positionen an den Ball.

In etwas mehr als einem Jahr hat Streich aus einem sicheren Absteiger einen Anwärter auf den internationalen Wettbewerb geformt. Neben dem Feld finde ich Streich mitunter anstrengend, was nicht alleine mit seiner „kauzigen“ Art zu tun hat, sondern auch damit, dass er immer wieder Verschwörungstheorien ins Feld führt, wenn er sein Team von den Schiedsrichtern benachteiligt sieht. Aber für das, was er auf dem Platz mit seiner Mannschaft abliefert, gebührt ihm Anerkennung.

Im oben angesprochenen Sportclub verwies Studiogast Schaaf abermals auf die junge und erfahrene Mannschaft, die eben zu solchen Schwankungen in den Leistungen führt. Leider verpasste es Star-Journalist Delling, hier mal nachzufragen, wo genau denn die Unterschiede zu den ebenfalls jungen Freiburgern liegen und auch mal zu eruieren, dass ja bspw. in der Mannschaft die meisten Spieler über ein gerüttelt Maß an Bundesliga-Erfahrung verfügen. Aber es ist alles gut, wir haben alles im Griff. Und überhaupt ist ja in Freiburg alles anders als in Bremen. Kein Grund also, neidisch auf die Entwicklungen im Breisgau zu schauen und vor allem auch kein Zeichen dafür, was ein Trainer im Hinblick auf individuelle Fehler auszurichten vermag. Oder war das Spiel nicht nur eine Lehrstunde auf dem Platz, sondern auch daneben?

Am nächsten Spieltag geht es dann nach München und immerhin hatte Schaaf gestern recht, als er meinte, dass es das einfachste Spiel der Rückrunde sein würde. Keiner erwartet etwas anderes als eine deutliche Niederlage und scherzhaft habe ich schon überlegt, ob man nicht einfach das Spiel am grünen Tisch verloren gibt. Das schont sowohl Umwelt als auch Nerven und man kann sich auf das darauf folgende Spiel gegen Augsburg konzentrieren. Aber schauen wir mal, als Fan hofft man ja selbst bei solch aussichtslosen Partien auf einen erfolgreichen Ausgang.

Lebenslang Grün-Weiß!

Schweigegelübde

Eigentlich war das gestrige Spiel schon nach dem Hinweis von Andreas gelaufen. Einige Spieler hatten von Europa geträumt, von neun Punkten bis zum Weihnachtsfest. Das Ganze wurde gestern Abend mit einer grandiosen Nichtleistung untermauert, vor allem defensiv. Ich wünsche mir, dass irgendjemand mal Geldstrafen verhängt, wenn die Spieler solche Ziele definieren. Man könnte sich mal Dortmund als Beispiel nehmen, die erst von der Meisterschaft sprachen, als sie diese schon gewonnen hatten. Vielleicht sollten Bremer Spieler auch erst von europäischen Wettbewerben reden, wenn wir uns qualifiziert haben. Oder vielleicht kleinere Ziele setzen: „Heute binde ich mir die Schuhe selbst zu.“

Leverkusen hat uns gestern eine Lehrstunde in Sachen Effektivität gegeben. Sechs Schüsse aufs Tor und vier davon drin. Das Spiel nach vorne war zwar keine Offenbarung, aber es sprangen einige gute Gelegenheiten dabei raus, die man bei einer besseren Feinjustierung der Zielvorrichtungen auch zu mehr Toren geführt hätten. Doch der Knackpunkt gestern lag ganz eindeutig in der Defensive. Ja, beim 0:1 verhilft Schiri Kinhöfer den Leverkusenern zu einem unberechtigten Freistoß, aber wenn 25-Millionen-Mann Schürrle fällt, kann das ja kaum daran liegen, dass er einfach zu blöde ist, einen Fuß vor den anderen zu setzen, oder? Aber auch eine Fehlentscheidung ist kein Freibrief danach dann wie ein Torero zu verteidigen und den Gegner durchzuwinken. Yes, I am looking at you, Kevin!

Das 0:2 fällt (wie auch das 1:4) in der Schnittstelle zwischen Prödl und Sokratis, während das 1:3 durch einen Bock von Prödl eingeleitet wird. Dabei ist es zu einfach, jetzt Prödl zum Sündenbock zu machen, denn bei den Gegentoren zwei und drei war das defensive Mittelfeld missing in action. Statt einem Platz in Europa sind wir nun auf Platz zwölf, was sich angesichts der doch engen Tabelle dramatischer anhört, als es ist. Am Wochenende geht es nach Sinsheim, zu den Hoffenheimern und ich hoffe, dass man trotz Vorweihnachtszeit ohne Geschenke anreist.