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Ein Dreier für die Moral

Es war ein dickes Brett, welches am Freitagabend gebohrt werden musste, doch am Ende stand der erste Sieg der Rückrunde mit einem 2:0 gegen Hannover 96. Der erste Sieg seit dem 15. Spieltag und das erste Spiel ohne Gegentor seit dem 8. Spieltag. Schaaf vertraute dabei auf das 4-1-4-1, welches über weite Strecken der Hinrunde zum Einsatz kam. Fritz und Arnautovic fehlten verletzt, Selassie bekam aus Leistungsgründen eine Pause. Für Theo durfte Ignjovski auf der rechten Abwehrseite ran, während Elia und Hunt im Mittelfeld eingesetzt wurden. So spielte Junuzovic wie gewohnt vor der Abwehr, während Elia auf die rechte Außenbahn rutschte und die Position auch konsequent hielt.

Von Beginn an machten die Bremer Druck auf die Roten aus Hannover und konnten die Hintermannschaft von 96 so das eine oder andere Mal in Bedrängnis bringen. Vor allem eroberte man sich so tief in der gegnerischen Hälfte immer wieder den Ball und hielt Hannover weit weg vom eigenen Tor. Erst ab der 30. Minute ließ der Druck der Bremer ein wenig nach und Hannover konnte sich aus der engen Umklammerung befreien. Neben dem gezielten und effektiven Pressing fiel mir vor allem die Rolle von Sokratis auf, der offensichtlich von Schaaf grünes Licht für offensive Vorstöße bekommen hatte. So tauchte er immer wieder tief in der gegnerischen Hälfte auf und konnte so für Verwirrung bei Hannover sorgen. Dabei wurde immer wieder konsequent die entstehende Lücke in der Viererkette abgesichert.

Nach der ersten Halbzeit blieb nur das mulmige Gefühl, zu wenig aus der Vielzahl von Chancen gemacht zu haben. In Halbzeit zwei machte Bremen weiter Druck, aber ab der 60. Minute merkte man, dass das Spiel Kraft gekostet hatte. Ich hatte schon befürchtet, dass Hannover irgendwie zu einem Treffer kommen würde und die Mannschaft mit leeren Händen dastehen würde. Und es sollte noch bis zur 85. Minute dauern, bis Elia nach einer feinen Einzelleistung Petersen bediente, der aus kurzer Distanz das 1:0 machte. Die Erleichterung der Mannschaft und der Fans im Stadion war förmlich greifbar. Drei Minuten später bediente der eingewechselte Yildirim abermals Petersen, der aus knapp 16 Metern und mit Hilfe des Pfostens traf. Beste Voraussetzungen für die Grün-Weiße Nacht am Samstag.

Am Ende stehen 32:6 Schüsse für Bremen zu Buche und sicherlich hätte sich Hannover über eine deutlich höhere Niederlage nicht beschweren dürfen. Ich bin froh, dass die Mannschaft Moral bewiesen hat und bis zum Schluss weiter aufs Tor der Gäste gedrückt hat. Ist jetzt alles im Lot? Natürlich nicht. So verdient und wichtig der Sieg war, so ist er nur eine kurze Momentaufnahme. Ich hoffe, dass auch die Mannschaft jetzt nicht anfängt, von Serien und letztlich dem internationalen Geschäft zu schwadronieren. Denn auch letzte Saison haben wir gegen Hannover zu Hause gut ausgesehen, aber davon abgesehen nur wenig zustande bekommen. Die auch hier geäußerte Kritik der letzten Zeit war ja auch nicht das Resultat eines einzelnen Spiels (auch wenn es ggf. als Katalysator gedient hat), sondern einer langwierigen Entwicklung. Ich hoffe natürlich, dass nun eine Entwicklung in die andere Richtung sichtbar wird.

Man kann jetzt lange darüber diskutieren, wie stark der Gegner nun aufgrund zahlreicher Ausfälle tatsächlich war, aber es war ersichtlich, wozu das Team in der Lage ist. In der Defensive ließ man kaum Chancen zu, presste den Gegner teils sehr gut und kam so in aussichtsreichen Positionen an den Ball. Auch offensiv sah man viel Positives mit viel Bewegung, gutem Kombinationsspiel und daraus resultierend zahlreichen Chancen. Einzig die mangelnde Chancenverwertung muss kritisiert werden. Am nächsten Samstag geht es dann gegen Stuttgart, die gerade erst mit 1:3 gegen Fortuna Düsseldorf verloren haben und derzeit nicht unbedingt vor Selbstbewusstsein strotzen dürften. Hoffentlich gelingt es der Mannschaft mit einer ähnlich engagierten Leistung, nachzulegen.

Lebenslang Grün-Weiß!

Schweigegelübde

Eigentlich war das gestrige Spiel schon nach dem Hinweis von Andreas gelaufen. Einige Spieler hatten von Europa geträumt, von neun Punkten bis zum Weihnachtsfest. Das Ganze wurde gestern Abend mit einer grandiosen Nichtleistung untermauert, vor allem defensiv. Ich wünsche mir, dass irgendjemand mal Geldstrafen verhängt, wenn die Spieler solche Ziele definieren. Man könnte sich mal Dortmund als Beispiel nehmen, die erst von der Meisterschaft sprachen, als sie diese schon gewonnen hatten. Vielleicht sollten Bremer Spieler auch erst von europäischen Wettbewerben reden, wenn wir uns qualifiziert haben. Oder vielleicht kleinere Ziele setzen: „Heute binde ich mir die Schuhe selbst zu.“

Leverkusen hat uns gestern eine Lehrstunde in Sachen Effektivität gegeben. Sechs Schüsse aufs Tor und vier davon drin. Das Spiel nach vorne war zwar keine Offenbarung, aber es sprangen einige gute Gelegenheiten dabei raus, die man bei einer besseren Feinjustierung der Zielvorrichtungen auch zu mehr Toren geführt hätten. Doch der Knackpunkt gestern lag ganz eindeutig in der Defensive. Ja, beim 0:1 verhilft Schiri Kinhöfer den Leverkusenern zu einem unberechtigten Freistoß, aber wenn 25-Millionen-Mann Schürrle fällt, kann das ja kaum daran liegen, dass er einfach zu blöde ist, einen Fuß vor den anderen zu setzen, oder? Aber auch eine Fehlentscheidung ist kein Freibrief danach dann wie ein Torero zu verteidigen und den Gegner durchzuwinken. Yes, I am looking at you, Kevin!

Das 0:2 fällt (wie auch das 1:4) in der Schnittstelle zwischen Prödl und Sokratis, während das 1:3 durch einen Bock von Prödl eingeleitet wird. Dabei ist es zu einfach, jetzt Prödl zum Sündenbock zu machen, denn bei den Gegentoren zwei und drei war das defensive Mittelfeld missing in action. Statt einem Platz in Europa sind wir nun auf Platz zwölf, was sich angesichts der doch engen Tabelle dramatischer anhört, als es ist. Am Wochenende geht es nach Sinsheim, zu den Hoffenheimern und ich hoffe, dass man trotz Vorweihnachtszeit ohne Geschenke anreist.

Der Tag danach

Heute also das erste Spiel nach dem Allofs-Abgang. Es wurde viel geredet und geschrieben in den letzten Tagen, da tat es gut, dass heute endlich wieder der Ball rollte. Natürlich war die Abwesenheit von KA das große Thema vor und während des Spiels. So erfuhr man von Sky Kommentator Michael Born, dass kein Platz auf der Bank der Bremer frei blieb und Schaaf ja jetzt niemanden mehr zu reden hat (die Bank war voll mit Spielern, Co-Trainern und anderen Helferlein). Man hatte das Gefühl, der arme Born war völlig überfordert mit dieser Situation und dem verzweifelten Versuch, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit auf das Fehlen von Allofs hinzuweisen.

Auf dem Platz dann zunächst der übliche Bremer Tiefschlaf zu Beginn des Spiels (OptaFranz schrieb vom 6. Gegentor in der Anfangs-Viertelstunde). Nach einem Ballverlust tief in der Hälfte des Gegners laufen die Düsseldorfer einen Konter in Überzahl, Kruse täuscht im Strafraum an und Sokratis wirft sich in die Schussfinte, berührt dabei Kruse und Sippel zeigt auf den Punkt. Den vertretbaren Elfer haut Langeneke rein. Alles also wie gehabt. Danach lassen sich die Grün-Weißen zunehmend aus dem Konzept bringen und anstatt Fußball zu spielen, reibt man sich an Gegner und Schiedsrichter auf. Düsseldorf provoziert natürlich auch das eine oder andere mal, doch es ist der Fehler der Bremer, sich darauf einzulassen. Gerade Arnautovic rannte mit Schaum vor dem Mund durch die Gegend und hatte Glück, dass Sippel ihn für seinen (wenn auch kleinen) Kopfstoß gegen Langeneke nicht vom Platz stellt.

Die Ansprache von Schaaf war nicht allzu lang, wahrscheinlich hat er nur gesagt, endlich Fußball zu spielen und sich nicht mehr auf die Scharmützel mit Gegner und Schiri zu konzentrieren. Das hatte schon kurz nach Wiederanpfiff Erfolg, als Lukas Schmitz einem Ball nachsetzt und einen fast verlorenen Ball noch retten kann, um ihn dann auf die Stirn von Nils Petersen zu servieren. Bremen dominiert das Spiel, jedoch kam in Minute 77 der nächste Rückschlag, als Lukimya mit gelb-rot vom Platz musste. Die Zweikampfführung war hier auch eher ungeschickt, angesichts seiner schon vorhandenen gelben Karte. Trotz Unterzahl blieben alle drei Zähler in Bremen, da Kevin De Bruyne eine Flanke von Aaron Hunt perfekt zum 2:1 verwandelte. Die Zahlen sprechen eine deutlichere Sprache als das Ergebnis mit einem Ballbesitzverhältnis von 65% zu 35% und 24:3 Torschüssen. Aber langsam fragt man sich schon, was man tun kann, damit die Mannschaft auch mal von der ersten Minute wach auf dem Platz steht. Koffein intravenös vielleicht?

Ein Thema des Spiels war Schiri Peter Sippel. Alles in allem hatte Sippel nicht den besten Tag erwischt und viele Entscheidungen sind nicht ganz nachvollziehbar gewesen, doch hat er den SVW nicht verpfiffen. Ganz im Gegenteil, denn Arnautovic hätte rot sehen können, vielleicht müssen. Und bei der gelb-roten Karte gegen Lukimya lag er in meinen Augen auch richtig. Ich finde es übrigens erstaunlich, dass sich Arnautovic in Halbzeit zwei so sehr im Griff hatte, denn eigentlich hatte ich fest damit gerechnet, dass er in der Halbzeit von Schaaf ausgetauscht wird. Zum Glück hatte sich der lange Ösi aber im zweiten Durchgang durchweg im Griff.

Nun stehen wir vorübergehend auf Platz 7 hinter dem punktgleichen Sechsten aus Hannover. Doch Euphorie löst der Tabellenplatz nicht aus, da zwischen Platz sechs und dreizehn gerade einmal drei Punkte liegen. Am nächsten Samstag spielen wir gegen das Team auf Platz dreizehn, nämlich den VfL Wolfsburg. Die Vorberichte der nächsten Tage möchte ich an dieser Stelle schon einmal abkürzen: „Allofs trifft auf Ex-Club“. Mehr ist es am Ende des Tages nicht, zumindest nicht für mich.

Ein wenig Pathos

Die guten Nachrichten an der Weser sind ja auch eher dünn gesät derzeit. Ich sage nur medial aufgeblasene Schlammschlacht und so. Dabei wird vor allem immer wieder deutlich, dass die meisten Berichte über die Finanzlage bei den Grün-Weißen allenfalls oberflächlich bleiben. Man könnte meinen, dass Peter Zwegat höchstselbst mit seinem Flipchart anrückt und dann erstmal Allofs und Filbry mal eine gepflegten Ausgaben/Einnahmen Aufstellung anfertigen lässt. Ganz gut fand ich eigentlich in diesem Zusammenhang diesen Artikel, der mal einen Fachmann zu Wort kommen lässt, um auch mal das Argument zu entkräften, Werder hätte unsolide gewirtschaftet. Und damit der Verein auch weiterhin handlungsfähig bleibt, steigt man halt auf die Kostenbremse. Wir wollen ja nicht so enden, wie der BVB vor ein paar Jahren.

Aber Zumindest ist unser neuer Innenverteidiger/Philosoph endlich ein Bremer. Herzlich Willkommen, Sokratis. Ein weiterer Name, der in den letzten Tagen immer wieder im Zusammenhang mit möglichen Neuverpflichtungen fällt, ist Aleksander Ignjovski (kurz: Iggy). Vor mehr als 3 Wochen hat er schon den Medcheck in Bremen hinter sich gebracht und wartet seitdem tapfer auf grünes Licht aus der Hansestadt. Und auch wenn nicht der defensive Heiland ist, hat er sich mit diesem Interview im Weser-Kurier schon einen Platz in den Herzen der Werder-Fans gesichert. Meine Lieblingsaussage:

Gibt es denn auch andere Angebote?

Ja, die gibt es. Aber ich habe mit meinem Berater beschlossen, dass Werder Priorität genießt. An andere Vereine verliere ich keinen einzigen Gedanken.“

Schon bemerkenswert, dass der Junge die Angebote anderer Vereine nicht als Drohgebärde gegenüber Werder verwendet, sondern weiter wartet. Hoffen wir, dass das Warten schon bald ein Ende hat.