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Klassenerhalt

Das 1:1 gegen Frankfurt bedeutete den Klassenerhalt am vorletzten Spieltag. In den ersten 40 Minuten konnte ich das Spiel noch per Sky Go und iPad verfolgen, bevor sich die App aus unerfindlichen Gründen verabschiedete. Ich hatte bis dahin eine engagiert beginnende Mannschaft aus Bremen gesehen, die ca. 30 Minuten lang das Spiel im Griff hatte, bevor sich Frankfurt befreien konnte und zunehmend die Kontrolle über das Spiel übernahm. Die restlichen 50 Minuten saß ich mit dem iPad auf dem Schoss und drückte minütlich den Refresh-Button der kicker-App. Den Blick dabei fast mehr auf die Spiele mit Beteiligung aus Augsburg, Düsseldorf und Hoffenheim gerichtet. Durch die Niederlagen der drei Rivalen im Abstiegskampf reicht das Unentschieden, um auch nächstes Jahr in der ersten Liga zu bleiben. Freude habe ich nicht gespürt, nur eine dumpfe Form der Erleichterung.

Das Spiel gegen Nürnberg ist geprägt von Bedeutungslosigkeit auf beiden Seiten: ein lockeres Auslaufen über 90 Minuten. Gewinnt Bremen nicht, hat man die schlechteste Rückrunde der Vereinsgeschichte gespielt (bei Unentschieden entscheidet die Tordifferenz zu Gunsten der letzten Rückrunde). Aber das wäre nur ein weiteres trauriges Zeugnis für die furchtbare Saison. Ich weiß noch, wie Tobias, Anna und ich zu Beginn der Saison im Grünweiß-Stammtisch über unsere Erwartungen sprachen. Damals hatten wir darauf gehofft, die neu zusammengestellte Truppe bei ihrer Entwicklung zu begleiten. Und der Beginn der Saison ließ sich noch sehr gut an, bevor es gegen Ende der Rückrunde kippte und schließlich im Abstiegskampf endete.

Ich beneide die Verantwortlichen im Verein nicht um die kommenden Wochen. Die Saison hat offenbart, dass viele Baustellen im Verein vorhanden sind und dass es vor allem keine einfachen Lösungen für die Probleme gibt. Unter anderem muss auch der Trainer hinterfragt werden, der für die spielerischen, taktischen und defensiven Fehler – nicht nur dieser Saison – verantwortlich zeichnet. Die Zusammenstellung des Kaders gehört ebenfalls auf den Prüfstand. Eichin deutete schon an, dass man auch verstärkt den Charakter der Spieler berücksichtigen möchte, womit ich den Mythos, man könne schwierige Spieler zähmen, für beerdigt halte. Und wo wir beim Kader sind: es deutet sich der nächste Umbruch an. De Bruyne geht auf jeden Fall, Sokratis ist auch auf dem Sprung, die Spezis Arnautovic und Elia wird man sicher loswerden wollen und noch einige andere Personalien sind ungeklärt (allen voran: Hunt, Yildirim und Petersen). Ein Thema, was wir im vorletzten Grünweiß-Podcast am Rande angeschnitten hatten, ist die Nachwuchsarbeit. Zweifel an der von Werder über alle Zuständigkeitsbereiche hinweg praktizierten Nachwuchsarbeit (Ausbildung, Durchlässigkeit und Förderung im Profi-Bereich) gibt es schon länger.

Es ist davon auszugehen, dass eine Sommerpause nicht reicht, um alle Probleme anzugehen und die Früchte der Arbeit zu ernten, doch jetzt ist die Chance, den Grundstein für die Zukunft zu legen. Und egal, wie die einzelnen Entscheidungen im Detail aussehen hoffe ich, dass ich zu Beginn der nächsten Saison mit einem besseren Gefühl dasitzen kann, als dies derzeit der Fall ist. Ich kann nämlich aus vollster Überzeugung sagen: So eine Saison möchte ich nicht wieder erleben. Danke!

ALLEz GRÜN und Lebenslang Grün-Weiß!

Derbysieger, Derbysieger, hey, hey!

Ein Glück hält die derzeitige Serie gegen den HSV. So kann ich erhobenen Hauptes zur Arbeit nach Hamburg fahren und mich im Glanz des Sieges sonnen. Beim Gegner war unter der Woche viel los: kurz vor Ende der Transferfrist schlugen die Stellinger noch mehrfach auf dem Transfermarkt zu. Badelj, Jiracek und der Messias höchstpersönlich – aka van der Vaart. Der war am Samstag noch nicht spielberechtigt, aber vor Ort im Stadion und so gab man der Bildregie einen guten Grund, bei jeder Spielunterbrechung zu schauen, ob der Erlöser die Leistung seiner neuen Mannschaftskameraden goutiert und was vor allem seine Göttergattin macht. Der Hamburger Boulevard wird seinen Spaß haben.

Doch zum eigentlichen Geschehen auf dem Rasen. Bremen leicht verändert gegenüber dem Dortmund-Spiel: Fritz rückte auf die Linksverteidigerposition, während diesmal Petersen als echte Sturmspitze vorne drin agierte. Warum jetzt die zweite Notlösung auf der defensiven linken Seite spielen musste, verstehe ich nicht ganz. Angeblich hat Schmitz nach starkem Beginn in der Vorbereitung stark nachgelassen. Mag sein, aber auch Fritz war anzumerken, dass er sich auf der Position nicht vollends wohlfühlte. Bremen begann gut und knüpfte an das Dortmund-Spiel an. Einige gute Kombinationen und Stafetten waren zu sehen, bevor es nach 20, 25 Minuten zu einem Bruch kam. Man ließ die Hamburger ins Spiel kommen und leistete sich vor allem viele Abspielfehler und diverse Schlampigkeiten.

Glücklicherweise waren die Hamburger gute Gäste und verteilten insgesamt zwei Elfer als Gastgeschenke. Kurz vor der Halbzeit reicht ein kurzer Übersteiger von Elia, um an Bruma vorbeizugehen, der das Bein stehen lässt. Doch noch ist Hunt nicht in der Stimmung, um das Geschenk anzunehmen und so kann Adler den schwach geschossenen Elfer parieren. Kurz nach der Halbzeit ist es Aogo, der Petersen im Strafraum legt. So habe ich das Folgende dann vor dem Fernseher wahrgenommen: erst schnappt sich Elia den Ball und marschiert Richtung Elfmeterpunkt. Im Hintergrund sieht man, wie Sokratis Hunt im Arm hat, auf diesen einredet und mit ihm Richtung Strafraum marschiert. Elia wird darauf aufmerksam, dreht ab und drückt Hunt den Ball in die Hand, während er ihn lautstark anfeuert. Hunt behält die Nerven und mit einem deutlich platzierteren Schuss als beim ersten Mal erzielt er das 1:0. Ich fand die Szene bemerkenswert, denn zum einen überlässt der als Egoist verschriene Elia Hunt den Strafstoß, zum anderen auch Sokratis, der Hunt quasi zu seinem Glück zwingt und dann natürlich Hunt selbst, der Cojones zeigt.

So sehr diese Szenen für den Teamgeist sprechen, so sehr wurden anschließend die Defensivmängel wieder offensichtlich. Zeitweise hatte man das Gefühl, dass Abwehr und Mittelfeld auf verschiedenen Ufern der Weser standen, so groß waren die Lücken. Hier zeigte sich, dass Juno kein gelernter Sechser ist. Er kann das Spiel antreiben und für Impulse sorgen, doch den Raum vor der Abwehr füllen ist seine Sache nicht.  Das 2:0 besiegelte dann den Sieg, nachdem Fritz weit in der Hamburger Hälfte Jiracek den Ball wegspitzelt, Hunt den Ball sofort zu Petersen passt, der frei vor Adler einschieben kann. Sowohl vor als auch nach dem 2:0 kamen die Hamburger noch gefährlich vors Tor. Wieder fehlte die Balance zwischen Offensive und Defensive, die ein Gegner mit mehr Selbstbewusstsein vielleicht ausgenutzt hätte. Hier liegt noch viel Arbeit vor Schaaf.

Nun also erstmal Länderspielpause und danach geht es gegen Hannover, die heute das Team aus Wolfsburg eindrucksvoll zerlegt hat. Es wird nicht einfach, aber bange machen gilt nicht.

Lebenslang Grün-weiß!

Doppelter Charaktertest

16 Punkte nach sieben Spieltagen, d.h. nur noch drei mickrige Punkte und wir haben die gleiche Anzahl an Punkten wie nach Abschluss der letzten Hinrunde. Vielleicht werden die „fehlenden“ drei Punkte ja schon am Sonntag gegen Hannover eingefahren, wer weiß. Die beiden letzten Spiele gegen Nürnberg und die Hertha aus Berlin zeigen, dass die Mannschaft zwei klassische Charaktertests bestanden hat.

Test Nummer 1 – die Unterzahl

Im Spiel gegen Nürnberg musste erst Sokratis früh ausgewechselt werden, bevor Tim Wiese nach nicht einmal 20 Minuten glatt Rot sah. 70 Minuten in Unterzahl also, dazu noch teils hanebüchene äußere Bedingungen. Obwohl man die 1:0-Führung durch Ekici nicht über die Zeit retten konnte, zeigte die Mannschaft taktische Disziplin. Nach dem Spiel meinten viele, die Mannschaft habe sich zu weit hinten reingestellt nach der Führung, doch was hätte sie tun sollen? Nach 20 Minuten waren schon zwei von drei möglichen Auswechslungen getätigt, d.h. Schaaf waren im Bezug auf das Personal die Hände schon frühzeitig gebunden. Zudem war es teilweise eine wahre Wasserschlacht und weniger ein geordnetes Fußballspiel, vor allem zum Ende der ersten Halbzeit. Zu guter Letzt war es ja auch nicht so, dass Nürnberg Bremen so wirklich unter Druck setzte. Das Tor fiel nach einer Ecke, als die Abwehr den Nürnberger Wollscheid blank stehen ließ.

Vor dem Spiel hätte man sich vielleicht eher über ein 1:1 geärgert, doch nach dem Spielverlauf und den Steinen, die man sich teils auch selbst in den Weg legte, war das ein annehmbares Ergebnis. Wenn man sich die teilweise äußerst blamablen Auftritte der letzten Saison anschaut, so zeigte das Spiel in Nürnberg, dass man eben in der Lage ist, die defensive Struktur zu halten und sich nicht so leicht aus der Bahn werfen lässt, wenn die Dinge mal nicht so ganz nach Plan laufen.

Test Nummer 2 – die Überzahl

Gegen die Hertha Berlin dann am letzten Sonntag gleich der zweite Charaktertest für das Team. Als deutlicher Favorit in das Spiel gestartet, gab es nach wenigen Minuten die kalte Dusche in Form des 0:1 aus Bremer Sicht. Der konnte noch in Halbzeit eins egalisiert werden, doch erst im zweiten Spielabschnitte sollte der Charaktertest folgen. Erst mäht Lell Wolf tief in der Bremer Hälfte um und wenige Minuten später schlägt Ramos nach einer Freistoßentscheidung gegen Berlin den Ball weg. Da beide schon die Gelbe Karte gesehen hatten, war an dieser Stelle Schluss für die beiden. Bremen hatte damit über 25 Minuten zwei Mann mehr auf dem Platz. Keine angenehme Situation, da der Gegner sich in der Folge tief in die eigene Hälfte stellt und das Ergebnis zu verteidigen sucht. Doch Hertha tat mehr als das und konnte einige gefährliche Konter setzen, die fast zum Erfolg führten.

Es sah zeitweise so aus als würden sich die Grün-Weißen richtig in die Nesseln setzen. Am Ende musste wieder unsere peruanische Lebensversicherung ran und in der 94. Minute das erlösende 2:1 machen. Ein sicherlich sehr glückliches Ergebnis und ich kann auch die Hertha verstehen, die mit diversen Entscheidungen von Schiri Brych nicht einverstanden waren. Aus Bremer Sicht wird man bald kaum noch darüber sprechen, wie der Sieg und die drei Punkte zustande gekommen sind. Wichtig war in diesem Spiel, zu zeigen, dass man auch bis zur letzten Sekunde gewillt ist, den Dreier zu holen.

Am Sonntag geht es nach Hannover. Letzt Saison setzte es hier ein 1:4 und das Spiel war einer der ersten Wachmacher der Saison. Zu offensichtlich waren damals die Defizite im Spiel und in der Mannschaft und es sollte nicht die letzte Klatsche in der Saison bleiben. Vielleicht endet das Spiel ja auch ganz langweilig mit 22 Spielern auf dem Feld.

Let the sun shine

13 Punkte nach nur 6 Spieltagen, ein Spitzenplatz in der Liga und so mancher reibt sich verwundert die Augen. Derzeit kann man sich als Bremen-Fan nun wirklich nicht beklagen, vor allem bei einem Blick auf die Position der Stellinger. Dabei bin ich gespannt, wie sich das Ganze weiter entwickeln wird, denn bisher meinte es der Spielplan wirklich gut mit uns. Was natürlich insofern postitiv ist, als die Mannschaft sich einspielen kann und auch die nötigen Erfolgserlebnisse sammelt, um sich das nötige Selbstvertrauen für die dicken Brocken zu holen. Doch woran liegt es, dass es diese Saison viel geschmeidiger läuft als noch in der letzten Spielzeit?

Transfers

In den letzten Jahren nahm in Bremen schon ordentlich Geld in die Hand, um es in Spieler wie Carlos Alberto, Marin, Arnautovic oder Wesley zu investieren. Diese Transferperiode saß das Geld nicht so locker. Das Team spielt nicht international und bis zum eigentlichen Beginn der Saison hatte man auch keine nennenswerten Summen durch Spielerverkäufe einnehmen können. Also, back to the roots für Allofs. Ekici vom FC Bayern war noch der teuerste Spieler. Dazu Spieler wie Schmitz, Wolf, Sokratis oder Ignjovski für einen relativ schmalen Taler. Nicht alle Transfers waren bei den Fans unumstritten und ich gestehe, dass ich bei Wolf immer noch mehr als skeptisch bin, aber alles in allem haben wir damit den Kader sowohl qualitativ als auch in der Breite verstärkt. Mit Schmitz und Ignjovski auf der LV-Position haben wir fast schon zwei solide Alternativen für die Dauerbaustelle der Defensive.

Spieler

Letzte Saison war der Abstiegskampf sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass viele weit unter ihrem Niveau spielten. Gerade im Mittelfeld, wo bspw. Bargfrede, Marin oder Hunt keine konstant guten Leistungen zeigten, machte sich dies bemerkbar, da zum einen das Offensivspiel meist gar nicht erst in Schwung kam und zum anderen die Abwehr meist auf sich alleine gestellt war. Ein weiteres Beispiel für die ansteigende Form ist Arnautovic, der endlich das bringt, was sich viele von ihm schon in der letzten Saison erwartet hatten. Selbst in der österreichischen Nationalmannschaft wurde er wieder begnadigt und war gegen die deutschen der einzig positiv auffällige Ösi. Das führt auch dazu, dass Schaaf bei den Kadernominierungen immer wieder die Qual der Wahl hat und es sich bisher auch mehrfach erlauben konnte, Wesley auf der Bank zu lassen.

Verletzungen

Diese Saison haben wir auch deutlich weniger Probleme mit Verletzungen bzw. der Kader ist in der Lage, diese aufzufangen. Letzte Saison war Pizarros Oberschenkel quasi die Problemzone des Vereins. Abhängig von seinen Toren, musste er oft schon gebracht werden, obwohl er noch nicht ganz auskuriert war, was eine neuerliche Verletzung nach sich zog. Er selbst hatte am vergangenen Wochenende im „Aktuellen Sportstudio“ selbst davon gesprochen, dass er selbst auch ein bisschen zu voreilig war im Bezug auf die Rückkehr.

Auch Naldo profitiert enorm von der besseren Personaldecke, so dass selbst nach dem Verkauf von Merte keine Eile bestand, den Publikumsliebling vorzeitig aufs Feld zu stellen. Stattdessen wird Naldo Schritt für Schritt wieder ans Team herangeführt und eventuell gibt er morgen gegen die Hertha aus Berlin dann sein Startelf-Debüt. In der Situation der letzten Saison wäre der Trainerstab eventuell versucht gewesen, Naldo wieder schneller auf den Platz zu bekommen.

System

Die letzte Saison war auch davon geprägt, dass Schaaf lange an der taktischen Grundausrichtung der Mannschaft rumdokterte. Eigentlich wollte man mit einem 4-2-3-1 in die Saison starten, doch als das partout nicht funktionieren wollte, war guter Rat teuer. Vielleicht doch die Raute? Oder was anderes? Leider konnte Schaaf der zunehmend verunsicherten Mannschaft keine stabilisierende Struktur verpassen. Diese Spielzeit greift Schaaf von Anfang an auf die Raute zurück und trotzt dem allgemeinen Trend zum Einheits 4-2-3-1. Dabei ist es aber keineswegs völlig starr, sondern die Spieler rochieren immer wieder miteinander und in den letzten Spielen waren mit Fritz und Bargfrede zwei eher defensive Spieler in der Raute, die bei gegnerischem Ballbesitz dann die Positionen vor der Abwehr einnehmen und von denen sich einer bei eigenem Ballbesitz auf eine der Halbpositionen schiebt. Marin spielt eine Art 10, wobei er sich dann häufig auf den Flügel fallen lässt und weniger den klassischen 10er gibt. Sowohl defensiv als auch offensiv ist wesentlich mehr Struktur im Spiel, was wiederum den Spielern mehr Sicherheit gibt.

Keiner der genannten Gründe steht für sich alleine, sondern sie greifen ineinander. Dennoch bilden sie die Grundlage für den bisherigen Höhenflug, den nach dem Pokalaus in Heidenheim wohl die wenigsten so erwartet haben.

Something to build on

Nach einem Spiel beginnt innerhalb der Fanbasis in der Regel ein Kampf darum, wie das jeweilige Ergebnis zu deuten ist (Meine Lieblingsphrase dazu: „Ich weiß ja nicht, welches Spiel Du gesehen hast…“). Eindeutige Siege oder Niederlagen bilden hier meist eine Ausnahme. Auch nach dem Spiel gegen Leverkusen habe ich zwei Lesarten des Spiels wahrgenommen. Die einen sehen das Spiel als völligen Rückschritt und konzentrieren sich vor allem auf die Dinge, die nicht funktioniert haben. Ich möchte mich aber dem anderen Lager anschließen, welches vor allem die positiven Dinge als Fundament für die weiteren Spiele betont.

Was wir gestern gesehen haben, war eine defensiv ansprechende Leistung. Wiese mit einer guten Leistung, die Viererkette davor weitgehend souverän und Herr der Lage. Natürlich soll hier Clemens Fritz nicht vergessen werden, der eine wirklich exzellente Partie gespielt hat. Es ist schon lange her, dass man sowas von unseren Jungs gesehen hat. Dabei fällt mir vor allem auf, wie gut Sokratis seine Aufgabe als rechter Verteidiger löst, gerade auch in der Offensive (man denke nur an seine Vorlage für Thy vor dessen Großchance). Sowohl Schürrle als auch Sam wurden weitgehend in Schach gehalten und auch ansonsten wurde die gut bestückte Offensive der Werkself kontrolliert. Anderswo habe ich kommentiert, dass gestern zumindest 6 der 11 Spieler auf dem Platz ihren Job gut gemacht hätten, letzte Saison war es oftmals nur 1 von 11.

Doch die Freude über die defensive Sicherheit darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach vorne weitgehend nicht viel zusammenlief. Thy und Rosenberg hingen wirkungslos in der Luft und außer der schon angesprochenen Großchance von Thy konnte man vor dem Gehäuse der Leverkusener kaum für Gefahr sorgen. Ekici machte seine Sache nach hinten zwar gut, aber Akzente im Spiel nach vorne waren leider Mangelware. Wesley zeigte gestern wieder, dass er zwar über Technik und Schnelligkeit verfügt, ihm aber das Spielverständnis fehlt. Zu oft trennt er sich spät vom Ball und verschleppt so das Spiel. Hunt war gestern immerhin noch Mittelmaß in der wirkungslosen Offensive. Er bemühte sich, auch mal schnell in die Spitze zu spielen und auch mal was Überraschendes zu zeigen. Leider ist eine halbwegs objektive Beurteilung von Hunt schon nicht mehr möglich und so wird auch nach dem gestrigen Spiel munter auf Aaron verbal eingedroschen. Pizarros Einwechselung brachte zumindest nochmal frischen Wind und nährt die Hoffnung, dass Claudio bald wieder komplett zur Verfügung steht.

Das gestrige Spiel zeigt, dass wir in der Defensive ein mehr als solides Fundament haben. Leverkusen hat uns gestern mit viel Glück geschlagen. Beim Gegentor flippert der Ball fröhlich hin und her, während die Bremer Defensive etwas lethargisch zuschaut. Dennoch sollte das Gesehene für die nächsten Spiele Mut machen. Eine sichere Abwehr bietet die Möglichkeit, auch mal abzuwarten und das Spiel ruhig von hinten aufzubauen ohne von Minute eins an panisch über den Platz zu stolpern. Es zeigt auch, dass Schaaf offensichtlich doch noch seine Schützlinge erreicht. Wenn jetzt Naldo noch zurückkommt, ist das alles andere als schäbig, was sich da defensiv als Alternativen anbietet. Naldo, Merte, Wolf, Prödl, Sokratis und ggf. Silvestre für die IV-Positionen. Sokratis, Fritz und ggf. Schindler für die RV-Position sowie Schmitz und Silvestre für die andere Abwehrseite. Ist jetzt nicht so schäbig in meinen Augen.

Nun also der nächste Schritt: aus einer sicheren Abwehr heraus wieder das Spiel nach vorne ankurbeln. Ein großer Schritt wird die Rückkehr von Pizarro sein. Ekici war in der Vorbereitung lange verletzt und wird sich schon noch reinbeißen. Ich hoffe, dass Wes und Marin wieder einen Schritt nach vorne machen. Ich blicke optimistisch nach vorne und versuche mal, das Positive aus dem gestrigen Spiel mitzunehmen.

Auftaktsieg

Zuletzt konnte Werder die Saison 06/07 mit einem Sieg beginnen. Und nach dem mehr als mauen Auftritt in Heidenheim war die Befürchtung bei Vielen groß, dass es auch gegen Lautern wieder einen Tiefschlag geben würde. Zum Glück gab es unter der Woche noch zwei gute Neuigkeiten: zum einen der Sieg gegen Everton im Testspiel am Dienstag, der zwar gegen einen schwachen Gegner zustande kam, aber immerhin zeigte, dass da doch noch Leben in der Mannschaft ist. Zum anderen konnte unter der Woche die Verpflichtung von Aleksander Ignjovski bekanntgegeben werden. Iggy, wir er ab jetzt heißen soll, ist sicherlich nicht der Messias, doch mit seinem Warten auf die Verpflichtung und die Tatsache, dass er sich u.a. im Worum angemeldet hatte, um sich für den Support der Fans zu bedanken, hat ihn zumindest zu einem Fanliebling werden lassen.

Gestern hatten Andreas und ich endlich mal die Möglichkeit, wieder live im Stadion zu sein und das neue Wohnzimmer in Augenschein zu nehmen. Mir gefällts. Vorher noch mit @KatarinaWerderf und Tobias sowie Piet von fishirt getroffen und gefachsimpelt. Schön, dass man jetzt die Leute auch mal persönlich gesehen hat. Beim Spiel stellte sich dann heraus, dass man wieder zwei hirntote Idioten genau hinter sich hatte. Jede Ecke und jeden Freistoß mit einem „Jetzt klingelt’s“ zu kommentieren ist das eine, aber dann Sukuta-Pasu von Lautern als Bimbo zu titulieren und ihn nach Lampedusa schicken zu wollen, ist einfach nur widerlich. Ja, auch in Bremen ist man vor solchen hirntoten Verlierern.

Die Aufstellung sorgte vor dem Spiel für einigermaßen Verwunderung, kein Arno, kein Wagner, kein Wesley und auch kein Ekici. Doch im Nachhinein hat Schaaf alles richtig gemacht, denn wer gewinnt, hat recht. Im Spiel selbst war Bremen vor allem in der Anfangsphase dominant und kam zu einigen Gelegenheiten, die aber nicht genutzt wurden. Im Laufe der Zeit aber blieb im Spiel nach vorne vor allem viel Sand im Getriebe. Nach der Pause hatten die Lauterer ihre stärkste Phase, Ilicevic konnte den Ball aber glücklicherweise nur an die Latte lenken. Am Ende bleib es Rosi vorbehalten, mit einem Abstauber und einem Kopfball den 2:0-Sieg herzustellen. Ja, es war nicht alles super gestern und da ist auch vor allem offensiv noch viel Luft nach oben. Doch gerade auch in der Defensive fand ich das schon sehr gut.

Auf drei Spieler möchte ich noch genauer eingehen. Sokratis scheint ein richtig guter Transfer zu sein. Wie Tobias vor dem Spiel schon anmerkte, sieht man seine gute taktische Ausbildung und obwohl er als rechter Verteidiger ranmusste, konnte er viel Druck nach vorne entwickeln (mehr als Fritz zuletzt). Dann fand ich Hunt gestern auch stark verbessert. Er hatte einige gute Aktionen, bereitete unter anderem Thys dicke Chance am Anfang und zudem Rosis 100%-ige kurz vor dem Spielende vor. Hat zwar auch nichts an der Tatsache geändert, dass er wie immer bepöbelt und kritisiert wurde, aber für eine nicht unerhebliche Zahl an Leuten ist er halt ein rotes Tuch. Zum Schluß noch ein paar Worte zu Marin. Wieder hat man gemerkt, dass er in vielen Situationen keine guten Entscheidungen trifft. Für mich ist er derzeit der erste Streichkandidat, um für Ekici in der Startelf Platz zu machen.

Der Start ist gelungen und Leverkusen hat heute auch nicht gerade Bäume ausgerissen beim Start gegen Mainz. Da sollte also am nächsten Samstag durchaus was gehen.