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Spieglein, Spieglein in der Hand

In der aktuellen Ausgabe des Spiegel-Magazins findet sich unter der Überschrift „Der grüne Virus“ ein längerer Artikel über den SV Werder, der sich mit dem „mysteriösen Zerfall einer großen Mannschaft“ beschäftigt. Mittlerweile ist der Artikel auch online zu finden. Der Verfasser Cordt Schnibben outet sich gleich zu Beginn als langjähriger Werder-Fan, der sich darüber wundert, dass Werder zehn Jahre nach dem sensationellen Meistertitel der Saison 2003/04 nur noch in den Niederungen der Liga rumkrebst. Nun ist mir klar, dass ein solcher Artikel nicht für den harten Kern der Werder-Fans geschrieben ist, sondern sich auch an Leser richtet, die eben nicht jedes Spiel des SVW verfolgen. Und ich möchte auch klarstellen, dass Schnibben grundsätzlich mit den Gründen für den Niedergang in den letzten Jahren ja nicht Unrecht hat. Dennoch sind mir einige Dinge aufgefallen, die ich mal zur Diskussion in den Raum stelle.

Da wäre einmal der Veröffentlichungszeitpunkt: Es ist ja nun wahrlich nicht die erste Saison, die Bremen eher in den hinteren Regionen der Liga verbringt. In den letzten vier Saisons hat der SVW dreimal gegen den Abstieg gekämpft und allmählich verblassen die Erinnerungen an die glorreichen Tage. Klar, das zehnjährige „Doubiläum“ ist gerade gewesen, aber wäre ein solcher Artikel nicht vor zwei, drei Jahren viel aufschlussreicher gewesen und auch aktueller gewesen? Also, zu einem Zeitpunkt, als viele noch dachten, Bremen wird sich schon erholen und durchschreitet nur eine kurze Talsohle. Ich habe das Gefühl, dass mittlerweile schon so ziemlich alles zu dem Thema gesagt wurde und da fügt der Artikel auch keinen neuen Blickwinkel hinzu oder kann mit neuen Erkenntnissen aufwarten.

Der Artikel zeigt auf, wie sehr Bremen von den Einnahmen der Champions League abhängig war, um den entsprechend teuren Kader finanzieren zu können. Für mich war das immer eine Sache, die von Allofs auch so immer wieder klar kommuniziert wurde, gerade in den Momenten, wo Bremen um die CL-Qualifikation kämpfen musste. Das ist eine Sache, die Schnibben irgendwie nicht erwähnt, was ich aber für einen wichtigen Punkt halte, denn nur so konnte Bremen vorhandene Standortnachteile (auf die Schnibben gar nicht eingeht) auch ausgleichen.  Das man dennoch irgendwann angefangen hat Fehler zu machen und vor allem auch die Transfers irgendwann nicht mehr ausreichend Qualität in den Kader brachten steht außer Frage. Aber wenn man den Niedergang betrachtet, muss man doch auch auf die Rahmenbedingungen eingehen. Und die waren und sind in Bremen nun einmal schwieriger als dies anderswo teils der Fall ist.

An zwei Stellen wird Schnibben arg spekulativ. Zum einen geht es darum, ob Werder Gelder an den Finanzmärkten „verzockt“ hat. Dies ist ein Gerücht, welches es schon länger gibt und es ist durchaus möglich, dass da etwas dran ist, aber ich würde mir schon wünschen, dass man da ein bisschen was Handfestes präsentieren kann. Zumal das im Zweifel ja auch kein geringer Vorwurf ist. Auch bei den angeblichen Reibereien zwischen Allofs und dem Aufsichtsrat, wo es um „seltsame Spielerberater“, häufige Zusatzzahlungen und Gefälligkeitstransfers gehen soll, wird kaum etwas Konkretes vorgebracht, außer dem Deal mit Marko Marins Vater, der nach dem Transfer seines Sohnes als Scout bei Werder beschäftigt wurde.

Schnibben schreibt, ihn habe die Begeisterung für Werder verlassen. Früher habe er auf die Spiele hingefiebert, heute schaltet er teilweise nach einer Viertelstunde weg. Für mich weht der Geist der Enttäuschung durch den gesamten Artikel, was ich schade finde. Zum einen sind das sicherlich nicht die ersten „Jahre voller Frust“, die Schnibben in 50 Jahren als Fan des SVW erlebt haben dürfte. Zum anderen habe ich persönlich gerade in dieser Saison das Gefühl gehabt, dass viele Fans sich mittlerweile mit den neuen Gegebenheiten arrangiert haben. Klar, jeder würde ohne mit der Wimper zu zucken lieber wieder oben dabei sein und begeisternden Fußball erleben, aber vorerst ist die Realität eine andere. Schnibben spricht  davon, Werder wirke wie „…ein Organismus, der sich selbst auffrisst, befallen von einem grünen Virus.“Ich hatte gerade zum Ende der Rückrunde hin das Gefühl, dass dort durchaus etwas im Entstehen ist, dass der Grundstein für weitere Entwicklungen gelegt wurde. Auch wenn das Positive dieser Saison noch keinen Anlass zur Euphorie bietet, finde ich es schade, dass der Artikel dies gar nicht zur Kenntnis nimmt.

Lebenslang Grün-Weiß!

P,S.: Lieber Herr Schnibben: wir haben den Abstieg übrigens nicht vermieden, weil drei Teams schlechter waren als Werder, sondern am Ende sogar sechs und weil wir 12 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hatten. 😉

Das Werder Jahr von A – Z

Frisch gemästet durch diverse Weihnachts-Leckereien noch ein kurzer Blick zurück aufs vergangene Jahr. Mal sehen, ob zu allen Buchstaben was einfallen will.

Alte Zöpfe: Im Laufe des Jahres haben wir uns von einigen alten Zöpfen getrennt. Im Sommer gingen mit Naldo, Wiese und Pizarro einige bekannte Werder-Gesichter. Im Herbst folgte dann auch der Manager dem Ruf des Geldes und verlagerte seine Zelte nach Golfsburg.

Balance: Auch dieses Jahr waren wir auf der Suche nach der Balance zwischen Offensive und Defensive. Es soll sie ja angeblich irgendwo da draußen geben.

Chancenverwertung: Könnte definitiv besser sein, denn wir spielen uns genügend Möglichkeiten heraus.

De Bruyne: Leihgabe vom FC Chelsea und schon jetzt wissen wir alle, wie sehr er uns nach der Saison fehlen wird, wenn er wieder zurück zum Stammverein geht.

Effekthascherei: Spezialdisziplin der Presse. Zwei Beispiele: zum einen der Platzsturm im Relegationsspiel zwischen Düsseldorf und Berlin, als einige Fans dachten, das Spiel ist aus. Der Presse diente das als Steilvorlage über die ausufernde Gewalt in deutschen Stadien zu sprechen und die Berliner Offiziellen machten daraus vielleicht die Schmierenkomödie des Jahres (Bombenbunker, anyone?). Zum anderen das aufgebauschte Interview mit Kevin De Bruyne, der einfach nur noch einmal bekräftigte, dass er nach der Saison (als Leihspieler) wieder weg sein wird. Danach Musterbeispiel für Söldnertum.

Fans: Ein großes Thema im gesamten Jahr 2012. Von Pyros über Gewaltorgien wie den Düsseldorfer Platzsturm und das neue Sicherheitskonzept der DFL wurde vor allem über aber weniger mit den Fans gesprochen.

Gegentore: Leider immer noch zu viele.

Hoffnung: Zieht sich durch das Jahr 2012, da wir sehr lange in greifbarer Nähe der europäischen Plätze waren bzw. sind.

International: Da sind wir schon seit längerem nicht dabei, wollen aber gerne wieder mitspielen.

Jugend: Das große Thema der letzten Rückrunde, als Trybull, Füllkrug oder Hartherz ins Team drängten.

Kalenderjahr: Das Jahr 2012 war mit gerade einmal 35 Punkten das schlechteste in der Ära Schaaf.

Leidensfähigkeit: Ist als Bremen-Fan derzeit sehr wichtig.

Mies: Da bringt man endlich das begehrte Weihnachts-Trikot für die Fans raus, verlangt für die edle Umverpackung noch mal einige Taler mehr und am Ende ist der Tannenbaum nicht mal aufgestickt, wie bei den sonstigen Trikots, sondern nur aufgedruckt. Aber hey, das ist Business, das ist Fußball.

Niederlagen: Fürs neue Jahr hätte ich gerne weniger davon und mehr von diesen komischen Siegen.

Oha: Eine Frau soll laut Willi Lemke auch unter den Kandidaten für die Nachfolge von Allofs gewesen sein. Ist da was dran, oder ist das der verzweifelte Versuch, zumindest im Bezug auf die Kandidaten die Frauenquote zu thematisieren?

Phrasendrescherei: Jaja, Naldo liebt alles an Bremen, trotzdem ging er weg. Dem Klausi hat es zuletzt so viel Spaß wie kaum zuvor gemacht. Trotzdem ging er weg. Können wir die alberne Phrasendrescherei nicht einfach sein lassen?

Quintessenz: Die fetten Jahre sind vorbei.

Raute: Als Spielsystem eingemottet, als Logo natürlich auch weiterhin aktuell.

Spezialität: Der Pokal war mal unsere Spezialität. Derzeit haben wir uns eher auf ein Aus in der ersten Runde spezialisiert.

Trainer: Stand dieses Jahr häufig in der Kritik und auch hier gibt es Skepsis, ob Schaafs Weg noch in die gewünschte Richtung führt.

Umbruch: Eines der Worte im Zusammenhang mit der neuen Saison. Mit dem Abgang von Allofs setzte sich der Umbruch auch in der Führung fort.

VW: Netter Premium-Partner von Werder. Kaufen uns den Manager in der laufenden Saison weg. So geht Partnerschaft heute.

Weser: Die macht immer noch ihren großen Bogen am entsprechenden Stadion. Etwas, das geblieben ist.

X-Beine: Grundausstattung vieler Fußballer. Haben wir auch ein paar von. 😉

Y-Chromosom: Offensichtlich haben alle Kandidaten für den Allofs-Posten eines davon.

Zuversicht: Die Zuversicht, dass es im nächsten Spiel, in der nächsten Saisonhälfte besser wird, gehört zur Grundausstattung eines jeden Fußballfans. Hier ebenfalls.

UUUUSNNSNUNUUNNNN

UUUUSNNSNUNUUNNNN, die Chronik einer misslungenen Rückrunde, die mit 13 Punkten als schlechteste aller Zeiten in die Werder-Annalen Einzug hält. Die einzigen beiden Lichtblicke waren die Spiele gegen den großen und den kleinen HSV, die noch einmal Hoffnung aufkeimen ließen. Am Ende gab man in der Rückrunde Platz fünf aus der Hand. Hatte man am 18. Spieltag noch die Pole Position im Kampf um die Europa League inne, zog ein Kontrahent nach dem anderen vorbei. Dabei war es wahrscheinlich nie so einfach, sich über die Bundesliga für Europa zu qualifizieren wie diese Saison. Schon Platz sieben hätte gereicht und was das Ganze so unfassbar schmerzlich macht, ist die Tatsache, dass die Konkurrenz weit davon entfernt war, gut zu spiele. Stuttgart einmal ausgenommen, war es nicht unbedingt so, dass die anderen Europa-League-Aspiranten einen unaufhaltsamen Lauf hingelegt haben.

Am Ende haben wir in dieser Saison einen mickrigen Punkt mehr als letztes Jahr auf dem Konto. Nach der Hinrunde war auch meine Meinung gespalten, doch in der Rückschau hätte ich gerne noch einmal 29 Punkte aus einer schwankenden Halbserie gehabt.  Zum Glück hatten wir in der Hinserie schon genügend Punkte gesammelt, sonst hätte es auch wieder ganz eng werden können.

Die Probleme sind die gleichen geblieben wie vor ein paar Wochen. Auch Joey und Anna haben die Saison schon eindrucksvoll bei gruenweiss.org Revue passieren lassen. Die Verletztenmisere blieb als unwillkommener Gast bis zum Ende, doch trotzdem hätte man sich trotz der ganzen Ausfälle auch mal ein Aufbäumen gewünscht, ein mehr an Leidenschaft auf dem Platz. Augsburg oder Freiburg hatten auch viele No-Names auf dem Platz, aber die haben geackert, haben sich zerrissen auf dem Platz. Bei Bremen fiel auf, dass es gerade die etablierten Spieler waren, die in der Regel genau in der Kategorie ganz weit hinten. Vor allem die Lebensversicherung der Hinrunde, unser Andengott, schlurfte spätestens nach Bekanntwerden seiner Vertragskündigung über den Platz wie ein gelangweilter Schulbub. Konsequenzen hatte die wöchentliche Lehrstunde in angewandter Arbeitsverweigerung für ihn nicht.

Der Umbruch geht weiter mit Wiese, Rosenberg, Marin und Borowski als namhaftesten Abgängen. Man darf gespannt sein, wie das Gesicht der Mannschaft für die Saison 12/13 aussieht. Ich hoffe, dass es gelingt, eine Mannschaft auf den Platz zu stellen, die mit Herz und Leidenschaft das W auf dem Trikot trägt und dass es gelingt, die vielversprechenden Talente im Team weiterzuentwickeln. Das ist essentiell, um in den mittelfristig wieder von Europa sprechen zu können. Ich erwarte für nächste Saison kaum etwas, mir ist die Platzierung egal (was nicht heißt, dass ich absteigen möchte), sondern ich will Fortschritte sehen. Fortschritte auf dem Platz und Fortschritt abseits des Platzes. Wir müssen die Verletztenseuche in den Griff bekommen und das Trainerteam muss zeigen, dass es lernfähig und -willig ist. Wir brauchen gute Transfers. Letztlich gilt es, für nächstes Jahr auch ein Stück weit Aufbruchstimmung zu erzeugen und den Fans zu zeigen, wie man sich das „neue“ Werder vorstellt und dann muss die Mannschaft das auch transportieren können. Denn sonst könnte es ein langer Weg durchs dunkle Tal werden.

 

Ein versuchtes Fazit

Ich hoffe, die werten Leser haben die Weihnachtsfeiertage gut überstanden und freuen sich schon auf das neue Jahr. Hier der Versuch eines Rückblicks auf die Hinrunde.

Engelchen links

29 Punkte, Platz 5 und der sehr inoffizielle Titel des Heimherbstmeisters steht nach der Hinrunde für die Grün-Weißen zu Buche. Gemessen an den Erwartungen und Befürchtungen nach der letzten, äußerst katastrophalen, Saison ein gewaltiger Schritt nach vorne. Ich gebe zu, dass ich damit nicht unbedingt gerechnet hatte. Naldo feierte ein viel umjubeltes Comeback und war sofort wieder ein Fels in der Brandung. Pizarro ist in überragender Form und mit 12 Toren und 7 Assists ein nicht unerheblicher Grund für den Bremer Höhenflug. Darüber hinaus wurde gestern verkündet, dass die Verträge mit Klaus Allofs und Thomas Schaaf verlängert wurden. Es könnte also richtig gute Stimmung und Optimismus unterm Bremer Weihnachtsbaum herrschen, doch dies ist nur die eine Seite der Hinrundenmedaille.

Teufelchen rechts

Dem gegenüber steht ein negatives Torverhältnis (30:31 Tore), kein einiziger Sieg, nicht einmal ein einziger Punkt gegen die Mannschaften von Platz eins bis sieben. Dazu die Tatsache, dass man sich von Gladbach, Schalke, den Bayern und Hannover insgesamt 17 Buden einschenken ließ und man sich in diesen Spielen defensiv zum Teil wie ein desolater Absteiger präsentierte, trotz Naldos Rückkehr und der Verpflichtung von Schmitz, Sokratis und Wolf. Zudem ist man in der Offensive zu sehr von den Heldentaten Pizarros abhängig. Zu Hause hatte man bis auf Dortmund vor allem Gegner aus der zweiten Tabellenhälfte vor der Brust, was die tolle Heimbilanz ein wenig relativiert. Trotz der offensichtlichen Probleme in der Kaderzusammenstellung und der ständig wiederkehrenden Defensivschwächen der Mannschaft wurden die Verträge mit Schaaf und Allofs verlängert.

Ein Fazit der Hinrunde ist wahrlich kein einfaches Unterfangen, da sich ein und derselbe Sachverhalt immer in zwei Richtungen deuten lässt. Die Hinrunde weist deutliche Parallelen zu einem Januskopf auf. Das hat sicherlich zu einem nicht unerheblichen Teil damit zu tun, dass der Eindruck der letzten drei Auswärtsspiele (Gladbach 0:5, Bayern 1:4 sowie Schalke 0:5) vorhält und damit die positiven Eindrücke nachhaltig trübt.

Mannschaft

Was in der Hinrunde vor allem positiv auffällt, ist der Einsatzwille der Mannschaft, die sich oftmals trotz Rückstands nicht aufgibt und so immer wieder in der Lage ist, einen verpennten Start in das Spiel wieder wettzumachen. Zudem ist die Laufbereitschaft (anders als in der vergangenen Saison) viel höher. Doch man fragt sich auch immer wieder, warum die Mannschaft so oft nicht von Beginn an voll da ist und immer erst einen Rückstand als Weckruf benötigt. Gerade in den oben beschriebenen Auswärtsspielen ist von diesen positiven Eigenschaften jedoch nicht viel bis gar nichts auszumachen. Oftmals konnte man die jeweiligen Anfangsminuten einer Halbzeit noch ausgeglichen gestalten, um sich danach dann ohne großen Widerstand auf die Schlachtbank führen zu lassen. Dieser mangelnde Wille, sich mit Kampf und Einsatz gegen die Klatsche zu stemmen, lässt mich immer wieder sprachlos zurück.

Dazu kommt, dass gerade die großen Namen den Anforderungen und Erwartungen hinterher hinken. Marin hat stark begonnen, viel aber nach seiner Verletzung stark ab, Wesley werden wir (meiner Meinung nach) in der Rückrunde nicht wiedersehen. Arni zeigt immer wieder gute Ansätze und hat sich definitiv gesteigert, doch manchmal steht er sich noch selbst im Weg, bspw. im Torabschluss oder bei seiner roten Karte in Hannover. Ekici war immer wieder verletzt und konnte sich noch nicht in dem Maße einbringen, wie es von ihm erwartet wurde.

Trainer

Thomas Schaaf ist mittlerweile seit zwölfeinhalb Jahren Trainer in Bremen und damit in dieser Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung in der Bundesliga. Doch auch Schaaf muss sich Fragen gefallen lassen nach der Hinrunde. Trotz einiger positiver Trends im Spielaufbau sowie einer einigermaßen soliden Abwehr zu Beginn der Saison, bleiben nach den Spielen gegen die Top-Mannschaften einige Fragezeichen stehen. Gerade bei den Auswärtspartien habe ich die taktische Flexibilität vermisst, die Bereitschaft, sich auf das Spiel des Gegners einzustellen. Bei den Bayern klappte das bis zur Implosion nach dem 1:2 einigermaßen, doch in Gladbach und Gelsenkirchen war die Aufstellung der Mannschaft doch mindestens naiv.

Hier gilt es, weiter dran zu arbeiten. Und ich traue Schaaf durchaus zu, das hinzubekommen und der Mannschaft die nötigen Impulse zu geben. Doch sein unbedingtes Festhalten an der Raute hat manchmal etwas irrational Störrisches. Nicht alle Positionen sind in der Raute optimal besetzt. Hier ergibt sich dann die Henne-Ei-Frage: Sollte Schaaf das System am vorhandenen Spielermaterial ausrichten oder auf der Raute beharren, wofür noch einige Veränderungen im Kader nötig wären? Im Moment scheint es auf letzteres hinauszulaufen, wobei wir uns dann in einem Umbruch befinden, wo noch die nötigen Puzzleteile hinzugefügt werden müssen.

Management

In den letzten Jahren scheint die Allofsche Spürnase ein wenig verstopft zu sein. Von den großen Verpflichtungen der letzten Jahre (Carlos Alberto, Marin, Arnautovic, Wesley, Ekici und Pizarro) konnte nur Pizarro restlos überzeugen. Die anderen kamen mit großen Erwartungen und konnten diese – aus welchen Gründen auch immer – nicht einlösen. In diesem Sommer dann ging es wieder ein bißchen back to the roots, als das Transferbudget ein bißchen kleiner ausfiel und man mit Wolf, Sokratis, Ignjovski und Schmitz gute Leute für einen schmalen Taler holen konnte (und Ekici ist ja auch gerade einmal ein halbes Jahr hier, daher würde ich ihn noch nicht als Flop kategorisieren wollen).

Dabei hat Bremen unter Allofs eigentlich darauf gebaut, anderswo verkannte oder gescheiterte Spieler für eine geringe Ablöse zu verpflichten, diese dann zu Stars zu machen und gewinnbringend abzugeben. So hatte Bremen zum einen natürlich einen finanziellen Gewinn, aber auch sportlich von diesen Spielern extrem profitiert. Nun ist dieses Modell in den letzten Jahren ein bisschen ins Stocken gekommen. Hier muss Allofs wieder zu seinen alten Tugenden zurückkehren: gute Spieler, die dem Team weiterhelfen für relativ wenig Geld nach Bremen lotsen.

Hoffen wir, dass die positiven Punkte ausgebaut werden und das Team es schafft, die negativen in den Griff zu bekommen.

Lebenslang grün-weiß!

BuLi-Stöckchen

Im Feindesland bei der Frau Pleitegeiger das folgende Stöckchen gefunden:

Dein Verein heißt:
SV Werder Bremen

Wie lautet das offizielle Saisonziel, sofern es bekannt ist?
Offiziell drückt sich die Vereinsführung ja davor, sich in dieser Richtung in irgendeiner Form zu äußern. Klar ist jedoch, dass das internationale Geschäft schon wichtig ist, um a) den Kader in dieser Form weiter zu finanzieren und b) auch weiterhin gute Argumente auf dem Transfermarkt zu haben. Von daher gehe ich davon aus, dass die Vereinsoberen schon auf Platz 5 schielen.

Wie lautet DEIN Saisonziel für Deinen Verein?

Tja, momentan stehe ich noch unter dem Eindruck des Spiels im Pokal. Natürlich sagt das Ausscheiden gegen einen unterklassigen Club nicht per se viel aus. Ich denke, im Optimalfall sollte Platz 5 drin sein, dann müssen aber auch bspw. die Verletzten schnell wieder zur Verfügung stehen und auch im Laufe der Saison sollte das Lazarett eher leer sein.

Welchen Spieler hätte Deine Mannschaft in der Pause lieber nicht abgegeben?
Tja, kann jetzt bei keinem behaupten, dass ich den Weggang nicht hätte nachvollziehen können. Bei Frings hätte ich mir vielleicht einen etwas würdigeren Abschied gewünscht, aber letztlich macht auch sein Abgang vor dem Hintergrund des sich vollziehenden Umbruchs Sinn.

Welchen Spieler hätte Deine Mannschaft besser verkaufen sollen?
Hier sage ich einfach mal Wiese. Ich denke, dass Mielitz alle Voraussetzungen hat, ein richtig guter Keeper zu werden, daher könnte ich einen Abgang vom Wahnsinnigen noch ehesten verkraften. Zumal die Ablöse auch wieder etwas mehr Handlungsspielraum eröffnen würde.

Wen hätte Deine Mannschaft diese Saison lieber NICHT gekauft?
Hmm, schwierig. Alle Transfers machen bisher Sinn. Wobei Wolf mal so vom Prinzip her gar nicht zu den sonstigen Anforderungen an Bremer IVs passt. Aber hinter dem Transfer steckte auch sicherlich die blanke Not, nicht nur mit U23-Spielern die ersten Pflichtspiele bestreiten zu müssen.

Wer von den neuen Spielern wird Deiner Mannschaft am besten helfen?
Ekici. Ich denke, er kann der Mannschaft im Spiel nach vorne neue Impulse geben. Doch letztlich wird er die Probleme der letzten Saison auch nicht alleine beheben können.

Wie wirst Du in dieser Saison Deine Mannschaft unterstützen?
Mit meinen Anfällen im Stadion und vor dem Fernseher, mit meinen Beiträgen hier und dem einen oder anderen Einkauf im Fanshop. 🙂

Wie findest Du das neue Trikot Deiner Mannschaft?
Jaha, ein entschiedenes „Geht so“. Dieser orange-dunkelgrüne-Event-Putzlappen musste ja nicht unbedingt sein. Zudem muss ich immernoch lachen, dass die Trikots angeblich aufgrund gestiegener Materialkosten teurer geworden sind. Pfft.

Welcher Stürmer wird die Torjägerkanone holen?
Arnautovic. Klare Sache. Und anschließend dübelt er sich noch zwei Silikontitten an das Ding.

Welcher Trainer wird als erstes gefeuert?
Solbakken. Am Ende wird auch er am Kölschen Klüngel scheitern und von den Medien sturmreif geschossen. Finke nimmt er gleich mit und am Ende macht Overath Prinz Poldi zu Spielertrainer und Sportdirektor in Personalunion.

Welche Mannschaft wird das erste Tor der Saison schießen?
Werder

Welche Mannschaften SOLLTEN absteigen?
Köln, Hertha und der H?V

Welche Mannschaft wird Meister?
Äh, vom Kader her die Bayern.

Wenn Du nicht im Stadion bist, wo wirst Du die Spiele sehen?
Inner Kneipe, im Ticker, im Stream. Kommt drauf an.

Wie sehr vermisst Du die Bundesliga auf einer Skala von 1 bis 10 – wobei bei 1 so ziemlich keine Träne nach der Bundesliga verdrückt wird und 10 quasi bedeutet, daß Du ernste Entzugserscheinungen hast?
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Wird es eine spannende Saison für Deine Mannschaft?
Was ist denn das für eine Frage? Natürlich wird es spannend. Wir reden hier von Bremen. Da ist es immer spannend. Wieviele Gegentore kassieren wir im Schnitt. Wieviele Langzeitverletzte werden wir haben. Und ganz neu: wieviele Busblockaden kommen da diese Saison auf uns zu.