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Holpriger Start

Die erste Runde im DFB-Pokal wurde gespielt (und ausnahmsweise überstanden) und die ersten beiden Spieltage der Bundesliga sind absolviert. Insgesamt ist es ein holpriger Start in die neue Saison und das gilt nicht ausschließlich für die Leistungen auf dem Platz.

Nebengeräusche

Zwischen dem Pokalauftritt in Illertissen, den Werder nach Verlängerung für sich entscheiden konnte, und dem Bundesliga-Auftakt in Berlin kam es noch zum Showdown zwischen Aufsichtsrat und Geschäftsführung. Dabei ist es an sich sicherlich kein besonderer Vorgang, wenn sich AR und GF hinsetzen, um über den zukünftigen Weg des Vereins zu beraten. Was aber diesmal besonders auffiel: im Vorfeld wurden sowohl Zeitpunkt als auch erste Details des Termins bekannt. So konnte man in der SKZ lesen, dass einige Transfers von Eichin (Makiadi, Petersen und Obraniak) kritisch hinterfragt wurden und darüber hinaus zu wenig Wert auf Nachwuchsförderung gelegt werde. Der AR wollte daher den Konsolidierungskurs fortführen. Eichin und die GF wollten dem Vernehmen nach um weitere Mittel für Transfers bitten (zu dem Zeitpunkt war ein mögl. Ruiz-Deal angedacht).

Diese unterschiedlichen Standpunkte an sich sind in meinen Augen gar nicht das Problem, denn in meinen Augen sind beide Sichtweisen nachvollziehbar. Eichin möchte mehr investieren, um den Kader zu verstärken und eine erfolgreichere Saison zu spielen. Der AR hingegen nimmt seine Kontroll-Funktion wahr,  verweist auf die Verluste der letzten Geschäftsjahre und kann sich letztlich mit dem Beharren auf  dem Konsolidierungskurs durchsetzen. Für den einen oder anderen Fan ist damit der AR, vor allem in Person von Lemke, der Sündenbock. Es formieren sich Anti-Lemke-Gruppen auf Facebook und anderswo im Netz, wo man seinem Hass freien Lauf lassen kann. Eichin war sichtlich angefressen, was weniger an den Inhalten gelegen haben dürfte als vielmehr der Tatsache, dass hier über die Öffentlichkeit Politik betrieben wurde. Warum lässt man bspw. Eichin gefühlt wochenlang an Ruiz baggern, nur um ihn dann öffentlich auszubremsen? Warum wurde ausgerechnet zur AR-Sitzung das Gerücht veröffentlicht, dass Werder Bremen das laufende Geschäftsjahr angeblich mit einem Verlust von 8 Mio. Euro beendet? Ein Schelm, wer Böses dabei vermutet. Dabei gibt es für die Beibehaltung des Sparkurses gewichtige Gründe, wie die Verluste der letzten Jahre zeigen oder auch die Tatsache, dass man mit dem Weserstadion und der Beteiligung daran Verlust macht oder auch die Frage, wer für die Mehrbelastungen durch neue Hochwasserschutz-Maßnahmen aufkommt. Es ist nicht einfach nur schwarz oder weiß in der Frage nach höheren Investitionen.

Für den Moment gibt sich Eichin entspannt und spricht davon, dass man mit der Transferphase zufrieden sei und er Spaß an seinem Job hat. Ich hoffe, dass die Posse um den AR-Termin tatsächlich keine langfristigen Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen AR und GF hat und sowas in Bremen nicht zur Gewohnheit wird.

Der Ball rollt

Ich gestehe an dieser Stelle, dass ich von den drei bisherigen Spielen nur Zusammenfassungen gesehen habe. So schön es ist, im DFB-Pokal als Underdog in Runde zwei eingezogen zu sein, so bedenklich fand ich das Zustandekommen. Schieben wir es mal auf die Nervosität und Versagensängste. Zum Glück haben wir in Runde zwei mit dem Chemnitzer FC ein Los, bei dem ein Weiterkommen nicht völlig ausgeschlossen ist.

Bei den beiden bisherigen Bundesliga-Partien kam Werder zweimal nur schwer ins Spiel und war jeweils ca. 55 – 60 Minuten die unterlegene Mannschaft. Gegen Berlin kann man das Spiel noch glücklich ausgleichen und gegen Hoffenheim bleibt nach furiosen 30 Minuten zum Ende des Spiels ein wenig Enttäuschung zurück. Hier spielte man die Hoffenheimer regelrecht an die Wand und konnte sich zu mehreren richtig guten Gelegenheiten kombinieren. Zurecht steht die Frage im Raum, was erst passiert, wenn Werder sich so eine Leistung nicht nur für das letzte Drittel des Spiels aufhebt. Diese Schlußphase gegen Hoffenheim macht für die Saison richtig Mut, auch wenn man es nicht überbewerten sollte. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie auch richtig ansehnlichen Fußball spielen kann und eben nicht alleine über den so genannten Lucky Punch zu ihren Toren kommt. Sie knüpfte an die Leistungen zum Ende der letzten Saison an, als die Mannschaft zunehmend besser in Fahrt kam und auch fußballerisch nicht nur Magerkost auftischte.

Nun befinden wir uns mitten in der Länderspielpause und der nächste Gegner am 12.09. ist Bayer Leverkusen. Hier wäre es dann dringend angeraten, gegen die Schnellstarter nicht erst in der zweiten Halbzeit mit dem Kicken anzufangen. 😉

Lebenslang Grün-Weiß!

In den Startlöchern

Am kommenden Sonntag geht die neue Saison los und für den SV Werder steht das erste Pflichtspiel im DFB-Pokal an. Bevor Bremen versucht, die sagenumwobene zweite Pokalrunde zu erreichen, hier eine kleine Vorschau auf die neue Saison.

Der Kader

Es gab im Sommer einige Abgänge: Füllkrug, Wurtz, Röcker, Schmitz, die Steffis, Miele, Iggy, Hunt und ganz aktuell: Akpala. Sportlich ist in meinen Augen nur der Abgang von Hunt einer, der leichte Bauchschmerzen verursacht, ansonsten sind es Abgänge, die allenfalls menschlich ein bisschen schade sind (Miele, Iggy), aber die auf den Verlauf der nächsten Saison keinen Einfluss nehmen werden. Mit Akpala verschwindet eines der letzten Mahnmale vom Propheten des bestellten Feldes. Bei Lücke und Wurtz hat man wohl nicht damit gerechnet, dass sie in naher Zukunft der Mannschaft weiterhelfen können. Insgesamt hinterlassen die Abgänge nicht unbedingt riesige Baustellen im Kader.

Natürlich haben auch einige neue Spieler den Weg nach Bremen gefunden: Raif Husic, der erst einmal in der U23 zum Einsatz kommt, Izet Hajrovic, Alejandro Gàlvez sowie Fin Bartels. Izet Hajrovic kam ablösefrei von Galatasaray Istanbul, die eher sporadisch bis gar nicht die Gehälter überwiesen. Bei der WM konnte er schon in Ansätzen zeigen, was von Ihm zu erwarten ist: Schnelligkeit, Technik und einen guten Torabschluss. Schöner Überraschungsdeal von Eichin. Gàlvez kam ablösfrei aus Spanien und kann sowohl in der Innenverteidigung als auch auf der 6 spielen, wo er in der Vorbereitung überwiegend zum Einsatz kam. Abschließend noch Fin Bartels, der vom FC St. Pauli an die Weser gewechselt ist. Auf den ersten Blick ein Mann für die Breite, der in der Vorbereitung häufiger zum Einsatz kam und vielleicht auch gegen den FV Illertissen ran darf.

Insgesamt sehe ich den Kader ganz gut aufgestellt. Klar, im Sturm ist es noch ein bisschen dünne, aber vielleicht tut sich da noch etwas, bevor das Transferfenster Ende des Monats wieder schließt. Im Mittelfeld sind wir mit einer Fülle an Optionen ausgestattet und ich rechne damit, dass wir hier häufiger mal personelle Wechsel sehen, in Abhängigkeit vom Gegner und der jeweiligen Form. Eine detaillierte Betrachtung aller Spieler lieferte kürzlich Tobias von MeineSaison.

Vorbereitung

Ein Testspiel ist ein Testspiel ist ein Testspiel. Es war eine durchwachsene Vorbereitung mit klaren Siegen gegen unterklassige Teams, zähen Partien wie bspw. gegen Bilbao, dem Höhepunkt gegen Chelsea und zwei Niederlagen im Endspurt. So wie nach dem 3:0 gegen Chelsea bei mir keine Euphorie ausbrach, sehe ich auch die beiden Niederlagen gegen Hannover und Leicester relativ entspannt. Wichtig ist das Pokalspiel am Sonntag sowie der Auftakt der Bundesliga und wenn wir da erfolgreich sind, interessieren die Niederlagen niemanden mehr (ebenso wie man sich bei einem Fehlstart nix für das 3:0 hätte kaufen können).

Wichtiger ist ja eh die Etablierung von Abläufen und das Festigen der Sicherheit, welche die Mannschaft zum Ende der letzten Saison zeigte. Und man hat ja auch ein wenig mit dem WM-Trend 3-5-2 rumexperimentiert und vielleicht sehen wir das ja in der kommenden Saison auch mal live auf dem Platz.

Was ist zu erwarten?

Robin Dutt und Thomas Eichin machen einen entspannten Eindruck. Während Eichin am Kader der kommenden Saison schraubt, arbeitet Dutt an der Weiterentwicklung der Mannschaft. Dabei sprechen beide nach außen mit einer Stimme und formulieren gleichlautende Ziele: die Mannschaft den nächsten Schritt machen lassen und irgendwo zwischen Platz acht und zwölf landen. Die Grundlage dafür wurde in der letzten Saison gelegt, auch wenn die Früchte erst später in der Saison geerntet werden konnten. Doch diese Saison kann man auf den gemachten Erfahrungen aufbauen und muss nur wenige neue Puzzleteile integrieren. Es sollte gelingen, spielerisch einen weiteren Schritt nach vorne zu machen und von einem vornehmlich reaktiven Stil hin zu mehr eigener Aktivität zu kommen. Aber man sollte keine Wunderdinge erwarten und ich finde es richtig, dass die sportliche Führung den einstelligen Tabellenplatz nicht zum allein glückselig machenden Saisonziel auserkoren hat.

Dabei ist der Schritt auf Platz neun im Zweifel gar nicht so groß, denn wenn man sich die letzten fünf Saisons anschaut, hatten die Teams auf Platz neun zwischen 42 und 47 Punkten. Bremen hatte in der abgelaufenen Saison 39, ein so großer Sprung ist dies also gar nicht. Sollte man sich spielerisch weiterentwickeln, vielleicht ein paar richtig gute Spiele abliefern und am Ende „nur“ Zehnter werden, sollte das jedoch kein Anlass zu Beschwerden sein.

Ich gehe positiv in die kommende Saison und erwarte den nächsten Schritt von der Mannschaft. Man hat die Mannschaft punktuell verstärkt und kann auf der Grundlagenarbeit der letzten Saison aufbauen. In meinen Augen ist damit zu rechnen, dass wir dieses Jahr eine Hand voll Spiele dabei haben werden, wo der SVW auch spielerisch überzeugen kann und man rundum zufrieden aus dem Stadion kommt. Einen weiteren Vorbericht findet man bei Andreas im Werder Exil.

Lebenlang Grün-Weiß!

Suboptimal

Bevor ich mich zum heutigen Spiel äußere, will ich an dieser Stelle noch ein wenig ausholen. Ist ja auch schon ein Weilchen her, dass ich hier was geschrieben habe. Der 1:0-Sieg über Bayer Leverkusen war ein guter Schlusspunkt für eine durchwachsene Hinrunde. Die Rückkehr zu einer defensiven Grundeinstellung und Taktik bescherte Werder ein überraschendes Weihnachtsgeschenk. Mit diesem Rückenwind ging es in die Winterpause und das damit verbundene Trainingslager Anfang Januar. Die Aufgabenstellung dabei war klar: Stärkung der Defensive und Grundlagen. Das mit den Grundlagen stammt aus einem Artikel des Weser-Kuriers, in dem sich Sebastian Prödl und Nils Petersen zur Lage äußerten. Nun war es ja in vielen Spielen offensichtlich, dass der Mannschaft gewisse Grundlagen abgehen, aber ich fand und finde es immer noch bemerkenswert, dass sich die Spieler dahingehend geäußert haben. Zumal sich daraus auch die Frage ergibt, was in den letzten Jahren passiert ist, wenn nun so ein Nachholbedarf in grundlegenden Bereichen besteht. Immerhin wurde mal nix von Europa gefaselt, was ja auch ganz wohltuend ist. Die beiden Freundschaftsspiele in Jerez habe ich nicht verfolgt, die Ergebnisse habe ich beiläufig zur Kenntnis genommen. Seit Jahren gilt für mich bei Testspielen das Motto: „Bloß nix hochsterilisieren!“.

Neue Impulse

Das Thema Verstärkungen ließ lange auf sich warten und zum Ende der Transferperiode standen zwei neue Spieler fest: zum einen Fin Bartels vom FC St. Pauli, der im kommenden Sommer an die Weser wechselt. Sicherlich ein guter Transfer für die Breite des Kaders. Ich habe ein paar Spiele des FCSP diese Saison gesehen und obwohl er mir dabei gut gefiel, fand ich ihn keineswegs überragend. Aber wahrscheinlich habe ich einfach nur die falschen Spiele gesehen, denn viele sind von seinen Leistungen diese Saison sehr angetan und seine Zahlen sind durchaus gut. Der zweite Neuzugang wechselte sogar noch in dieser Transferperiode zum SVW. Ludovic Obraniak kommt vom FC Girondins de Bordeaux nach Bremen. Bordeaux, da war doch was? Richtig, der Club, bei dem Johan Micoud damals groß raus kam und nach seiner Zeit bei Werder seine Karriere beendete. Und offensichtlich konnte Le Chef dem Ludovic das Leben in Grün-Weiß einigermaßen schmackhaft machen. Obraniak ist polnischer Nationalspieler und im offensiven Mittelfeld zu Hause. Im Gegensatz zu Bartels sehe ich Obraniak eine Verstärkung in der Spitze und nicht in der Breite. Er könnte für Hunt der dringend benötigte Spielgefährte sein, der ihm hilft, dem Spiel nach vorne eine Struktur zu geben. Darüber hinaus ist es natürlich auch ein Signal an Hunt, dass man durchaus gewillt ist, namhafte Spieler zu holen und das Team zu verstärken.

Zurück in die Zukunft

Das Spiel gegen Braunschweig habe ich nicht gesehen, ich weilte auf Rügen im Urlaub. Nach dem Trainingslager war klar, dass dort kein Feuerwerk abgebrannt werden würde, aber es bleibt die Frage, ob ein 0:0 gegen den Tabellenletzten nicht viel zu wenig ist. Ja, Braunschweig ist keine Laufkundschaft, aber auf der anderen Seite muss man die Punkte mitnehmen, gerade im Abstiegskampf und gerade in einem Heimspiel.

Gestern dann das Auswärtsspiel in Augsburg. Auch mit einigen Stunden Abstand habe ich das Gesehene noch nicht wirklich verdaut. Es war auf allen Ebenen grausam anzuschauen. Es war klar, dass es ein schwieriges Spiel werden würde, denn schon im Hinspiel war Augsburg die bessere Mannschaft und Bremen konnte sich glücklich schätzen, die drei Punkte eingefahren zu haben. Und eigentlich erwischte man einen Traumstart in das Spiel als Callsen-Bracker in der dritten Spielminute eine Bremer Ecke in das eigene Tor lenkte. Das hätte der Mannschaft Selbstvertrauen geben können, doch das Gegenteil war der Fall: Abspielfehler, technische Unzulänglichkeiten und viele Fouls tief in der eigenen Hälfte bauten den Gegner ganz schnell wieder auf. Schon in Minute 11 konnte der FCA nach einem abgefäschten Freistoß den Ausgleich feiern (Fun Fact: nur wenige Minuten vorher hat Augsburg die gleiche Freistoß-Variante an den Pfosten geschossen. Lerneffekt bei Versuch Nummer zwei: null). Danach waren die Augsburger endgültig Herr im eigenen Stadion und mehr als erstauntes Zuschauen hatte Bremen nicht zu bieten. Das defensive Mittelfeld bekam keinen Zugriff auf den Augsburger Aufbau und wenn man in Ballbesitz war, wurde der Ball schnell wieder hergegeben. Garcia hatte vor allem mit André Hahn seine Probleme, wurde aber von den Außen im Mittelfeld auch kaum defensiv unterstützt, obwohl Dutt vor dem Spiel die Gefährlichkeit des Augsburger Flügelspiels hervorhob.

Darüber hinaus fiel Garcia in diesem Spiel wieder einmal durch sein stürmisches Vorgehen auf. Nachdem er nach ca. 15 Minuten die erste gelbe Karte kassiert hatte, ging er in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit im gegnerischen Strafraum mit gestrecktem Bein in den Zweikampf. Zwar zieht er zurück und trifft Ostrzolek nicht, aber er nimmt durch sein Einsteigen eine Verletzung in Kauf und sieht zurecht die zweite gelbe Karte. Auch wenn die Schauspieleinlage des Augsburgers unwürdig ist, darf Garcia da nicht so hingehen. Sein Verhalten nach Gelb-Rot lässt zudem befürchten, dass Schiri Dingert noch ein paar Sachen im Spielberichtsbogen notiert haben könnte. Ich bleibe bei meiner Einschätzung aus dem Schalke-Spiel: Garcia tanzt auf der Rasierklinge und mit solchen Aktionen schadet er der Mannschaft. Dingert hätte auch schon nach 23 Minuten die zweite gelbe Karte zeigen können. So sympathisch der Argentinier ist und die Herzen der Fans erobern konnte, aber sein Temperament schadet zu oft der eigenen Mannschaft. Natürlich muss sich Dutt hier die Frage gefallen lassen, warum er Garcia nicht auswechselt. Gerade nach der Aktion in Minute 23, einem harten Einsteigen gegen Hahn mit Armeinsatz, hätte dem Trainer klar sein müssen, dass Garcia ein Risiko darstellt. In Halbzeit zwei sorgt erst ein Aussetzer von Selassie für das 1:2 und am Ende sehen sowohl Wolf als auch Schmitz beim 1:3 mehr als unglücklich aus. Und beim 1:3 konnte man dann vielleicht ein kleines bisschen verstehen, warum Dutt Garcia so lange wie möglich hat spielen lassen.

58% Passquote (FCA: 84%), 29% Ballbesitz und 138 angekommene Pässe in 90 Minuten. Zum Vergleich: der FCA brachte 530 Pässe an den Mann.  So deutlich die Zahlen aussehen, so deutlich fühlte sich das Spiel auch an. Augsburg war in allen Belangen überlegen und Bremen nicht in der Lage, den Gegner wirklich in Bedrängnis zu bringen. In der Hinrunde konnte man glückliche sechs Punkte in den ersten beiden Partien einfahren und nun ist es nur noch einer. Dabei ist es nicht die Niederlage an sich, die so schmerzt, sondern die Art und Weise. Die Ratlosigkeit, mit der über weite Strecken agiert wurde. Auf der einen Seite eine Mannschaft mit einem Konzept, dass beherzigt und befolgt wird, auf der anderen Seite ein kopfloser und verunsicherter Haufen, der sich selbst durch Fehler, Fouls und Undiszipliniertheiten in Bedrängnis bringt. Und anders als bei Facebook direkt nach Spielschluss von Werder dargestellt, lag es nicht nur an der Unterzahl in der zweiten Halbzeit, dass man sich Augsburg geschlagen geben musste.

Fragestunde

Der Auftritt gestern hat mich einigermaßen ratlos zurück gelassen. Ich frage mich, woran in der Winterpause gearbeitet wurde. Der Fokus soll auf die Defensive gelegt werden, aber wenn man sich so präsentiert, wie es gestern der Fall ist und trotz einer defensiven Einstellung drei Gegentore kassiert, wird mir für die kommenden 15 Spiele Angst und Bange. Vor allem ist im Vergleich zu den ersten Spielen der Hinrunde keinerlei Entwicklung erkennbar. Eine Idee für das eigene Spiel nach vorne ist nicht erkennbar. Einfach nur Tore verhindern und darauf hoffen, irgendwie ein Tor selbst zu erzielen, wird auf Dauer nicht reichen. Das ist vielleicht eine geeignete Herangehensweise gegen eine Top-Mannschaft wie Bayer Leverkusen, aber nicht gegen Mannschaften wie Braunschweig und Augsburg. Gerade Augsburg zeigt, wie man mit einer klaren Spielidee zum Erfolg kommt. Ich frage mich ernsthaft, gegen wen man in der Rückrunde jetzt die nötigen Punkte holen will, die uns vor dem Abstieg bewahren sollen. Einzig an einen Sieg im 100. Nordderby mag ich glauben, in diesem Fest des Anti-Fußballs.

Eigentlich wollte ich Dutt die komplette Saison Zeit geben, aber langsam werde ich nervös. Ja, ich weiß: es war von vorne herein klar, dass es ein langer Prozess sein würde, der auch Rückschläge beinhaltet. Ich erwarte auch keinen Zauberfußball und bin auch für kleine Schritte dankbar, aber auch die zu erkennen, fällt mir aktuell schwer. Ist Dutt derjenige, der diese Mannschaft wieder in die Spur bringen kann? Oder ist die Mannschaft einfach zu schlecht für die Bundesliga? Warum sehen wir seit Jahren und nun unter einem anderen Trainer die ewig gleichen Fehler? Ich weiß es nicht, aber ich habe zunehmend das dumpfe Gefühl, dass Dutt vielleicht nicht der Richtige ist. Die Frage, die sich daraus naturgemäß ergibt, lautet: Wer soll es dann machen? Auch hier kann ich allenfalls mit Achselzucken dienen.

Das Spiel gestern hat noch einige eher kleine Fragen bei mir aufgeworfen: Warum kommt ein Yildirim nicht zum Zug? Im Sommer hat man seinen Vertrag noch mit großen Worten verlängert, aber in letzter Zeit spielt er keine Rolle. Stattdessen spielt Di Santo auf einer fremden Position und auch Elia kann sich schwache Auftritte erlauben, ohne dass er mal ausgewechselt wird. Ist Yildirim zu schlecht? Trainiert er nicht gut? Hat er aufgemuckt?

Bargfrede spielt gegen Braunschweig im defensiven Mittelfeld und macht ein gutes Spiel, gegen Augsburg kommt Makiadi von einer Verletzung zurück und ist sofort in der Startelf, obwohl seine Leistungen auch nicht so überragend waren, dass er automatisch gesetzt sein sollte. Auf vielen Positionen stellt sich die Mannschaft mangels Alternativen von alleine auf, aber im Mittelfeld sind für alle Positionen Alternativen verfügbar, die irgendwie nicht ausgenutzt werden. Ich fordere ja nicht, einen Spieler sofort nach einer schlechten Partie auf die Bank zu verbannen, aber macht es nicht Sinn, einem Spieler auch mal eine Pause zu geben? Ihn so auch zu motivieren, sich voll reinzuhängen? Konkurrenz kann auch dazu dienen, dass jeder an sein Limit geht und das Beste aus sich herausholt. Und was ist in dem Zusammenhang mit dem Thema „Junge Wilde“? Wo bleiben genannter Yildirim, Kobylanski und Co.? Es sind Fragen eines Außenstehenden, da ich nicht jedes Training verfolge und natürlich auch nicht Dutts Gedankengänge kenne, aber von der reinen Außenperspektive aus betrachtet wirken die Entscheidungen teilweise schwer nachvollziehbar.

Vor allem aber mache ich mir Sorgen um meinen Verein. Die Mannschaft entwickelt sich nicht und die von Dutt angekündigten harten Worte wirken schon wie die Rhetorik einer Ratlosen. Wie oft haben wir in den vergangenen Jahren nach peinlichen Auftritten gehört, jetzt werde mal Tacheles geredet und mit Konsequenzen gedroht. Ich hoffe, dass es nicht wieder die üblichen Worthülsen sind. Ich will nicht, dass unser Anspruch diese Saison darin besteht, dass drei Vereine am 34. Spieltag schlechter sind als Werder.  Das ist mir zu passiv und zu sehr Prinzip „Hoffnung“, aber viel mehr bleibt nach dem Spiel in Augsburg vorerst nicht.

Lebenslang Grün-Weiß!

Drei Punkte zum Fest

Irgendwie in die Winterpause retten: das war die Marschroute vor dem Leverkusen-Spiel. Hauptsache keine Klatsche kassieren, dann die Wunden lecken und darauf hoffen, dass in der Rückrunde der Erfolg wieder an die Weser zurückkehrt. Auch ich habe sehr pessimistisch auf das Spiel gegen Leverkusen geschaut, denn die Werkself verfügt ausgerechnet dort über Stärken, wo wir uns in Bremen defensiv sehr schwer tun: zum einen ein effektives und schnelles Umschaltspiel und darüber hinaus auch über ein starkes Spiel über die Außen. So habe ich mich im Grünweiß-Stammtisch auch völlig fatalistisch auf einen 0:4-Tipp festgelegt.

Vor dem Spiel gab es eineinhalb Überraschungen: Sebastian Prödl kehrte nach langer Verletzungspause wieder in die Startelf zurück. Ich hatte eher erwartet, dass der Prödler vielleicht noch einmal geschont wird, um dann in der Rückrunde anzugreifen. Die halbe Überraschung war die Aufstellung von Aaron Hunt, der in der Woche vor dem Spiel mit muskulären Problemen zu kämpfen hatte. Schon nach wenigen Minuten wurde auch klar, dass man wieder zum defensiven Konzept der ersten Saisonspiele gefunden hatte. Makiadi und Bargfrede als Absicherung vor der Abwehr, zudem mit Elia und Di Santo sehr defensiv eingestellte Außenspieler und auch Hunt und Petersen standen tiefer als dies zuletzt der Fall gewesen ist. Die Mannschaft begegnete dem haushohen Favoriten als sehr kompakte Einheit, die zudem intensiv verteidigte.

Den Gästen schien das überhaupt nicht zu schmecken, so hatten die Leverkusener zwar in den meisten statistischen Kategorien die Nase deutlich vorne, aber erspielten sich kaum zwingende Torchancen. Angeführt von einem Sebastian Prödl, der gefühlt jeden hohen Ball aus dem Strafraum köpfte, machte die Mannschaft den Gästen das Leben schwer. Einziger Kritikpunkt war in meinen Augen die hohe Anzahl an begangenen Fouls tief in der eigenen Hälfte, die Leverkusen viele Standards bescherte. Und mit zunehmender Spieldauer kehrte langsam der Glaube daran zurück, dass die Mannschaft das Spiel einigermaßen unbeschadet überstehen würde. Fast so wie zu Beginn der Saison, als man in vielen Spielen dem Gegner die Initiative überließ, um ihm mit tiefer Verteidigung und kompaktem Auftreten die Lust zu nehmen.

Chancen für Bremen waren eher selten, aber in der 74. Minute führte ein Konter über Aaron Hunt zur ersten spielentscheidenden Szene, als Garcia nach einem Gewühle im Leverkusener Strafraum der Ball vor die Füße rollt und er zum 1:0 einschieben kann. Danach pure Freude bei Spielern, Fans und vor allem bei Robin Dutt. Die zweite spielentscheidende Szene kam (in meiner Erinnerung) nach dem Führungstreffer, als eine Bremer Ecke direkt in einen Konter der Gäste mündete. Als der Ball auf Höhe der Mittellinie angelangt war, hatte ich innerlich den Treffer für Leverkusen schon fest verbucht, aber als der Ball auf Höhe des Bremer 16ers angelangt, waren vier Spieler in Grün-Weiß nach hinten gesprintet und konnten die Situation letztlich entschärfen. Die letzten Minuten waren pures Nägelkauen und Dutt feierte selbst einen Einwurf wie den entscheidenden Treffer. Man merkte dem Coach an, wie sehr er unter Druck stand; Druck angesichts der Ergebnisse der letzten Wochen, Druck angesichts der Tatsache, dass es gegen seinen letzten Verein ging, wo er der öffentlichen Meinung nach kläglich versagt hatte. Wie sehr die Hinrunde an seinen Nerven gezehrt haben muss, wurde nach dem Spiel auf der PK offenkundig, wo er den Tränen sehr nahe war.

Der Sieg war auf mehreren Ebenen wichtig: er war wichtig für die Moral von Mannschaft und Fans, er war wichtig angesichts der Tatsache, dass Frankfurt und Freiburg gepunktet haben und uns immer dichter auf die Pelle rückten. Und natürlich tut es gut, einen „Großen“ geschlagen zu haben, denn Leverkusen spielt eine überragende Saison. Sie haben nur das Pech, in einer Liga mit den Bayern gefangen zu sein. Abschließend war es vielleicht auch wieder eine Rückbesinnung auf die Dinge, die uns zu Saisonbeginn so viel Optimismus gegeben haben: defensive Stabilität, der Fokus auf Defensivarbeit und 90 Minuten Kampf. Wehmutstropfen: warum ist man in den Spielen zuvor nicht so aufgetreten? Das war eine Frage, die ich mir während des Spiels immer wieder gestellt habe.

Mit 19 Punkten sind wir nur einen Punkt hinter dem von der Vereinsführung ausgegebenen Ziel von 20 Punkten. So findet die Hinrunde nach einigem Auf und Ab ein versöhnliches Ende und mit einem solchen Auftreten blicke ich auch weniger sorgenvoll in die Rückrunde als dies zuletzt der Fall war.

An dieser Stell wünsche ich den Lesern des PapierkugelBlogs schöne Rest-Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Lebenslang Grün-Weiß!

Abwärts

Jaja, ich weiß: vor der Saison war klar, dass wir keine Bäume ausreißen würden und nicht wenige haben Werder zum Kreis der Abstiegskandidaten gezählt. Deshalb dürfte es eigentlich keine Überraschung sein, dass wir uns zunehmend in der Tabelle nach unten bewegen. Das wäre per se noch kein Grund zur Panik, aber wenn man sich (wie auch hier angesprochen) die Entwicklung der letzten Wochen anguckt, zeigt die Formkurve steil nach unten. Am letzten Spieltag kommt es zum entscheidenden Duell mit Hoffenheim, wer mit der schlechtesten Abwehr der Liga in die Winterpause darf. Da möchte ich an dieser Stelle anmerken, dass ich mir das vor der Saison doch ein klein wenig anders gedacht hatte.

In Berlin gab es ein 2:3 gegen einen allenfalls durchschnittlichen Gegner. Man ging durch Petersen sogar (und das eher aus dem Nichts) mit 1:0 in Führung, nur um innerhalb von Sekunden einen völlig unnötigen Elfmeter zu verursachen. Wenig später sogar das 1:2 , bei dem die Defensive eher staunend zuguckt, was die Berliner da so anstellen. Es ist schon bedrückend, dass jeder Ball am und im Strafraum sofort für Gefahr sorgt (wie auch Dutt und Eichin nach dem Spiel zu Protokoll gaben) und der Defensive seit einiger Zeit jegliche Stabilität fehlt. Einzig die Moral ist noch intakt und es ist erstaunlich, dass die Mannschaft immer wieder aufsteht und versucht, weiterzumachen. Und so kann man auch in Berlin wieder einmal einen Rückstand egalisieren, bevor Ronny kurz nach Wiederanpfiff das 2:3 erzielt.

Es gab einiges, was ich nicht verstanden habe, wie die Tatsache, dass nur einmal gewechselt wurde (Yildirim für Elia hätte sich bspw. angeboten), dass Di Santo als Außenspieler aufgeboten wurde oder der Umstand, dass Lukimya offensichtlich die Anweisung hat, immer wieder weit rauszurücken, obwohl es immer wieder Räume für den Gegner öffnet. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich auch kaum noch Lust, mich damit groß zu beschäftigen. Ich hoffe, dass man sich irgendwie in die Winterpause rettet und von Leverkusen nicht vorgeführt wird. Dann geht es darum, die lecke Defensive wieder zu flicken. Ob das nun die Rückkehr von Sebastian Prödl ist oder eventuell ein oder zwei neue Spieler in der Winterpause: mir ist es gleich. Vielleicht rührt die zunehmende Angst vor dem Abstieg auch daher, dass in Bremen die Rückrunde in den letzten Jahren für immer neue Negativrekorde gesorgt hat. Zumal der Punkt der „Entwicklung“ in den Plänen von Dutt und Eichin ja immer ein zentraler Aspekt war. Und gerade diese Entwicklung ist zuletzt nicht mehr dagewesen.

So langsam befällt mich eine Mischung aus Angst und gleichzeitig auch Fatalismus. Und wenn ich ehrlich bin, gefällt mir das ganz und gar nicht. Früher habe ich immer mit einem milden Lächeln auf die Fans von Mannschaften geguckt, die im Abstiegskampf stecken, auf die fehlende Geduld und den – im Laufe der Saison – zunehmend schrilleren Ton. Jetzt sitze ich hier und im Bremer Umfeld überwiegt die gleiche Mischung aus Panik, Resignation und Ratlosigkeit. Da wird Dutts Kopf gefordert, Eichin als Blender hingestellt und Lemke möge doch endlich die Schatulle mit dem Geld öffnen, damit wir uns Spieler kaufen können, die uns sofort weiterhelfen. Ist noch ein Investor frei? Hauptsache irgendein Prinz kommt auf seinem Schimmel angeritten und hilft uns. Die Maximierung des Prinzips Hoffnung: das jemand unsere größten Wünsche erfüllt. Passend zur Vorweihnachtszeit.

Lebenslang Grün-Weiß!

 

Historische Klatsche

Vor dem Spiel gegen die omni-präsenten Bayern habe ich mir nicht viel ausgerechnet. Nur in ganz wagemutigen Momenten habe ich davon geträumt, dass man das Spiel irgendwie offen gestalten kann und sei es nur, weil die Star-Truppe Chance um Chance vergibt. Ich habe das Spiel aufgenommen, war bei Freunden auf einer kleinen Feier und der eigentliche Plan war, mir das Spiel zu späterer Stunde anzugucken. Leider hatte ich hier die Rechnung ohne das tolle Google Now-Feature auf meinem Smartphone gemacht, welches mich irgendwann darüber in Kenntnis setzte, dass Werder im heimischen Stadion gerade mit 0:6 hinten liegt. So weit geht meine masochistische Ader dann auch nicht, dass ich mir den Gang zur Schlachtbank noch einmal anschaue. Die nicht existente Erwartungshaltung wurde unterboten und das 0:7 stellt die höchste Heimniederlage in der Bremer Bundesliga-Geschichte dar. Mangels eigener Spieleindrücke (es sei denn, man lässt einen 30-sekündigen Clip mit allen Toren der Bayern gelten) werde ich über das eigentliche Spiel eher keine Worte verlieren. Aber es gibt zwei Dinge, die mich anschließend ein wenig beschäftigt haben:

Zum einen war das die Art und Weise, wie versucht wurde, die Niederlage beiseite zu wischen (wie Lars auch feststellte). Man müsse das Spiel hinter sich lassen und nach vorne schauen. Das finde ich eine sehr bedenkliche Sichtweise, denn natürlich sind die Bayern aktuell nicht der Maßstab für den SV Werder, aber man kann doch nach einen solchen Pleite einfach so tun, als ob nichts geschehen sei. Zumal das 0:7 ja auch nur der Höhepunkt einer Entwicklung in den letzten Wochen ist, auf die ich später noch näher eingehen möchte. Man muss ja nicht über einzelne Spieler herfallen oder auf die Knie fallen und um Vergebung bitten, aber ich hätte mir schon gewünscht, dass die Verantwortlichen deutlich machen, dass man damit absolut nicht zufrieden ist und auch nicht zufrieden sein kann. Gerade auch als Fan komme ich mir irgendwie veralbert vor, wenn man dazu noch bedenkt, dass andere Mannschaften, die teils hinter uns stehen, sich gegen die bajuwarische Übermacht deutlich besser präsentiert haben. So sehr ich über weite Teile der Saison bisher mit dem öffentlichen Auftreten von Dutt und Eichin (bei aller Floskelhaftigkeit) zufrieden war, hat mir hier das Gespür für die Situation gefehlt.

Für den anderen Punkt muss ich noch kurz ausholen: eigentlich wollte ich – wie Burning Bush – bis zur Winterpause warten, um mich zu Dutt länger zu äußern, aber mittlerweile sehe ich da eine Entwicklung, die mir absolut nicht gefällt. Vor der Saison und auch beim Start in die Spielzeit war die Ausrichtung der Mannschaft klar und wurde auch gebetsmühlenartig wiederholt: hinten sicher stehen, die Mannschaft stabilisieren und davon ausgehend das Spiel nach vorne etablieren. Dabei möglichst wenig in den Abstiegskampf rein geraten. Das hat zu Beginn auch gut funktioniert, man stand sicherer als zuletzt und konnte (auch mit viel Glück) wichtige Punkte einfahren. Und langsam wurde auch geschaut, wie sich ein funktionierendes Offensiv-Spiel aufbauen lässt, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Und soweit habe ich den Kurs auch unterstützt, da ich bis auf wenige Ausnahmen ein gutes Gefühl hatte, was die Entwicklung und den von Dutt vorgegebenen Weg angeht. Nach dem 9. Spieltag stand man mit 12 Punkten auf dem 10. Platz und hatte 9:12 Tore auf dem Konto. Ich weiß, dass viele die Spiele unansehnlich fanden, aber ist das jetzt wirklich besser?

Irgendwann jedoch hat Dutt die anfängliche Zurückhaltung aufgegeben und mehr auf Offensive gesetzt. Die Ergebnisse seit dem genannten 9. Spieltag lauten: 0:3, 3:2, 1:3, 2:3, 4:4 und 0:7, das macht in 6 Spielen vier Punkte und 10:22 Tore. Wenn man sich die Ergebnisse anschaut, kassieren wir in dem Zeitraum mehr als drei Tore pro Spiel. Natürlich hatten wir in der Zeit viele Verletzte und Spieler leisten sich krasse individuelle Fehler, aber dennoch habe ich das Gefühl, dass man hier ohne Not vom eigentlichen Kurs abgewichen ist und zu schnell den Schalter auf „Offensive“ umgelegt hat. Dabei war das zu Beginn der Saison beileibe keine Betonabwehr, sondern immer noch ein fragiles Gebilde. Stimmt es, dass Dutt angeblich auf die Fans gehört hat? Sollte man mit einem gewürgten 1:0 nicht zufriedener sein, als mit einem 4:4 im Harakiri-Style? Was ich in den letzten Wochen gesehen habe, weckt zu viele Erinnerungen an die letzten Jahre und lässt jeglichen Fortschritt vermissen. Dabei haben wir die traditionell deutlich schlechtere Rückrunde noch vor uns und steuern zur Winterpause auf 40 Gegentore zu. Das sind Zahlen eines Absteigers, obwohl der Abstand zu den Relegationsplätzen aktuell fünf Punkte beträgt , aber trotzdem mache ich mir langsam Sorgen. Ich hoffe, dass Dutt in den verbleibenden Spielen in Berlin und gegen Leverkusen wieder zur anfänglichen Vorsicht zurückkehrt, denn mit solchen Auftritten wie zuletzt, könnten die Spiele wieder ein bitteres Ende nehmen. Und alleine auf die Winterpause und mögliche Transfers mag ich nicht hoffen.

Man merkt auch, dass bei den Fans die Nerven blank liegen. Es ist ja nix Neues, dass die Bewertung über Spiele zwischen einzelnen Fans mitunter weit auseinander geht, aber es ist schon bitter zu sehen, dass Leute sich darüber freuen, wenn ein Spieler verletzungsbedingt ausfällt. Oder man wünscht dem eigenen Verein Niederlagen, damit alle sehen, was man selbst sieht, dass es nämlich so nicht weitergeht. Auch Dutt bekommt nach 15 Spieltagen schon deutlichen Gegenwind. Auch da kommt aktuell vieles zusammen:

  • Zum einen erwarten viele, wenn das Denkmal Schaaf schon weichen muss, dass es dann bitte aber auch schnell vorangehen möge. Und sind daher enttäuscht, dass es ja der gleiche Mist wie die Jahre zuvor ist. Was man sicherlich differenzierter betrachten kann, siehe oben.
  • Dann gibt es die Gruppe, welche die Trennung von Thomas Schaaf nicht verwunden hat und den Frust darüber an Dutt auslässt und die Misere mit einer gewissen Genugtuung genießt („Tja, ich habe damals ja schon gesagt, dass TS niemals hätte gehen dürfen“).
  • Dann ist Dutt prinzipiell bei vielen nicht wohl gelitten. Kann nix und hat bei Leverkusen ja auch schon versagt. Oft wird die Zeit in Freiburg dabei unterschlagen, wo er ja durchaus gute Arbeit abgeliefert hat und deren damalige Situation durchaus mit der aktuellen in Bremen vergleichbar ist. Auch werden die Besonderheiten in Leverkusen gerne übersehen, die vor Dutts Ankunft unter Heynckes Zweiter wurden und wo sich Dutt schwer tat, seine Vision von Fußball (gerade auch gegen die Widerstände im Team) durchzusetzen. Dass Dutt ja auch selbst gesagt hat, aus seinen Fehlern dort gelernt zu haben? Egal! Und zu guter Letzt hat er dem armen, armen DFB übel mitgespielt, als er seinen Sportdirektor-Posten dort aufgab, um wieder nach Bremen zu gehen.
  • Da Eichin als Eishockey-Trainer auch häufiger den Trainer wechselte, gibt das den Spekulationen in den Medien auch noch einmal Nahrung. Das sich Fußball und Eishockey sich nur bedingt vergleichen lassen und man nicht von einem Sport auf den anderen schließen kann? Egal.

Schon nach 15 Spielen wirkt Dutt angeschlagener als Schaaf zu Ende seiner Amtszeit. Auf der PK heute sollen Eichin und Dutt angespannt und gereizt gewirkt haben (siehe auch Beitrag im Worum). Hoffen wir, dass die Mannschaft am Freitagabend sich besser als zuletzt präsentiert und vielleicht was Zählbares dabei rausspringt.

Lebenslang Grün-Weiß!