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Ein Spiel dauert 70 Minuten

2:3 lautet der Endstand gegen den FSV Mainz 05. Zwischenzeitlich lagen wir sogar 0:3 gegen die Mainzer zurück und Kommentator Fuss meinte gestern nach Abpfiff, das 0:3 durch Okazaki in der 70. Minute sei die entscheidende Situation des Spiels gewesen. Kann man so sehen, aber für mich waren die ersten 20 Minuten des Spiels entscheidend. Hier hat man sich zum x-ten Male selbst ein formidables Loch gegraben, welches sich in den verbleibenden 70 Minuten als zu tief herausstellen sollte. Nun kann man es sich einfach machen, auf die beiden Böcke von Sebastian Mielitz verweisen und hat damit auf die Schnelle zusammen gefasst, was zu Beginn des Spiels nicht lief. Das soll nicht heißen, dass Mielitz keine Schuld an den Gegentoren trifft, aber eben nicht nur. Beim 0:1 ist der Ball von Polter lange zu Müller unterwegs. Weder Lukimya noch Fritz behindern den Mainzer auch nur im Ansatz, der Mielitz mit einem feinen Lupfer überwindet. Beim 0:2 kann Pospech in Ruhe den Ball aufs Tor bringen, beim Abpraller reagiert einzig Okazaki angemessen, während Fritz und Luki verdattert dem Ball nachschauen. Klar, wenn Mielitz hier das Ding einfach über die Latte lenkt, müssen wir die Diskussion um seine Person nicht führen.

Insgesamt waren die 20 Minuten nach Anpfiff des Spiels wohl mit das Schlechteste, was die Mannschaft diese Saison abgeliefert hat. Man hatte das Gefühl, dass die Spieler vom Pressing der Mainzer überrascht wurden. Kaum ein Ball fand den Weg zum Mitspieler, auch einfachstee Pässe kamen nicht an.  Nach knapp 20 Minuten kam man besser ins Spiel, konnte sich sogar einige Torchancen erspielen, wie bspw. bei Lukimyas Kopfball an den Pfosten oder Selkes Kopfball, der knapp vorbei segelte. Auch in Halbzeit zwei hatte man gute Gelegenheiten, doch zunächst machen die Mainzer das 0:3. Wie man sich in einer 4:2-Überzahl-Situation so geschickt anstellen kann, ist mir ein Rätsel. Ebenso, warum Lukimya die Situation beobachtet und allenfalls zurück trabt. Vielleicht war er überrascht, dass keiner aus dem Schiedsrichter-Team auf das Heben der Hand (wie sonst üblich) mit einem Abseits-Pfiff reagierte? Vielleicht dachte er, dass die anderen drei das schon machen werden? Wir werden es wohl nie erfahren und es wird auf ewig sein Geheimnis bleiben. Die beiden Tore von Elia und di Santo bleiben leider nur Ergebniskorrektur.

Nun geht der Blick in der Tabelle zunehmend nach unten. Nein, das kommt nicht unerwartet, aber mit einem anderen Ergebnis wären es mehr als vier Punkte Abstand auf den Relegationsplatz. Und nach dem 0:2 hat die Mannschaft ja gezeigt, dass man durchaus in der Lage gewesen wäre, Mainz zu schlagen. Aber da kommen wir wieder auf den Punkt mit den anfänglichen 20 Minuten und stellen erneut fest, dass Fußball nicht im Konjunktiv gespielt wird. Wir könnten über erstaunlich gute 18 Punkte sprechen und darüber, dass wir im Angesicht des Abstiegskampfes sehr gut unterwegs sind, stattdessen bestimmt Mielitz die Berichterstattung über das Spiel, zusammen mit der Abwärts-Spirale, in der sich Bremen befindet. Es nervt.

Deutsch-Italienische Freundschaft

Kommen wir abschließend noch zu einem Thema, welches in der letzten Woche von sich reden machte: der sich abzeichnenden Kooperation zwischen Werder Bremen und dem italienischen Rekordmeister Juventus Turin. Prinzipiell und angesichts der finanziellen Lage, in der sich Werder befindet, ist dies sicherlich ein strategisch kluger Schritt. Man kann davon ausgehen, dass Bremen interessante Spieler aufnehmen wird, damit diese Spielpraxis bekommen. Es wird auch über Vorkaufsrechte im Jugendbereich gemunkelt und auch über eine Zusammenarbeit im Bereich Marketing und anderen Geschäftsbereichen. Prinzipiell finde ich diese Form der Zusammenarbeit begrüßenswert, teile aber vorerst noch nicht die Euphorie, die von einigen ausgeht. Dazu sind die tatsächlichen Rahmenbedingungen noch nicht geklärt (bspw. bekommen wir u.U. auch eine Kaufoption bei den Leihspielern? Sind wir nur ein reines Farmteam zum Parken der Spieler?). Eine wirkliche Bewertung der Zusammenarbeit wird erst in einiger Zeit möglich sein. Aber interessant ist es allemal.

Lebenslang Grün-Weiß!

Im Lot

Es ist Länderspielpause und heute Abend entscheidet sich für meine Three Lions, ob man sich direkt für die WM wird qualifizieren können oder ob man durch die Playoffs muss. Von daher kann ich mich über mangelnde Spannung nicht beschweren und muss mir keine Gedanken machen, ob der Trainer „meiner“ Nationalmannschaft eine Vertragsverlängerung verdient hat oder ob die Leistungen diese doch nicht hergeben. Aber dennoch kann man einen kurzen Rückblick auf das erste Viertel der Saison werfen.

Im Lot. Das gilt sicher für die bisherige Bilanz mi drei Siegen, zwei Unentschieden und drei Niederlagen. Im Lot sind wir auch bei den Punken mit elf. Rechnet man das auf 34 Spiele hoch, kommen wir locker über 40 Punkte und sollten einen sicheren Abstand zu den Abstiegsplätzen haben. Die reinen Zahlen sehen bis hierhin gar nicht mal so schlecht aus. Dabei wird Werder immer wieder vorgehalten, die Siege zum Teil nur mit Glück gegen kleine Teams eingefahren zu haben. Kommt übrigens oft von denen, die Bremen als sicheren Abstiegskandidaten gesehen haben und sich nun beschweren, dass Bremen die Punke vor allem in der eigenen Gewichtsklasse holt. Sicher, die Siege gegen Braunschweig und Augsburg waren alles andere als souverän, aber seit wann gibt es für glückliche Siege weniger Punkte?

Im Lot. Auch ein wichtiger Aspekt für das Treiben auf dem Platz. Stichwort: Balance zwischen Offensive und Defensive. Dutt und Eichin haben vor der Saison klar gemacht, dass es darum gehen muss, sich aus einer stabilen Defensive heraus zu entwickeln. Das gelingt mal besser (Braunschweig, Augsburg, Hamburg oder Stuttgart), mal nur so halb (Nürnberg und Teile des Gladbach-Spiels) und gegen Frankfurt war das ein erschreckend schwacher Auftritt. Aber insgesamt stimmt die Richtung, die Trainer und Mannschaft gehen. Und langsam sieht man auch eine Entwicklung des Offensivspiels. So war die erste Halbzeit gegen Nürnberg über weite Strecken gut anzuschauen und auch wenn es letztlich nur zu einem Unentschieden gereicht hat, so war doch offensichtlich, dass Hunt & Co. auch Offensive können.

Über den bisherigen Verlauf der Saison kann und will ich mich nicht beschweren. Die Mannschaft ist auf einem guten Weg und man darf auch nicht vergessen, dass es sich um ein langfristiges Projekt handelt. An einigen Stellen fehlen noch die nötigen Puzzleteile (Bsp.: Zuverlässiger Partner für Caldirola), die man angesichts der vorhandenen (oder eher: nicht vorhandenen) finanziellen Mitteln erst nach und nach wird einbauen können. Mit einem Sieg im Spiel am kommenden Samstag könnte die Mannschaft einen weiteren Schritt nach vorne machen. „Ausgerechnet“ gegen Dutts alten Verein.

Lebenslang Grün-Weiß!

Vergessenes Glück

Nach ziemlich genau sechs Monaten gewinnt Werder wieder ein Pflichtspiel (zuletzt am 09.02. beim 4:1 in Stuttgart) und sogar ein paar Tage länger ist das letzte Pflichtspiel ohne Gegentor her (am 01.02. beim 2:0 gegen Hannover 96). Die Bremer Fanwelt wird von ungeahnten Glücksgefühlen übermannt und stellt zumindest für diesen ersten Spieltag die beste Abwehr der Bundesliga. Damit ist zumindest vorerst einmal die Depression nach Saarbrücken ein wenig in den Hintergrund gedrängt und die Mannschaft kann das – im Grünweiß-Stammtisch angesprochene – Erfolgserlebnis feiern.

Dabei ist das Spiel an sich wahrlich kein Grund zur Euphorie gewesen. Zwar zeigte man deutlich mehr Willen als zuletzt in Saarbrücken und konnte die ersten 60 Minuten auch defensiv sicher stehen, aber das Spiel nach vorne war deutlich ausbaufähig. In der Offensive waren gerade Hunt und Ekici regelrechte Fremdkörper, die oft falsche Entscheidungen trafen und kaum Akzente setzen konnten. Darüber hinaus war man beim Umschalten nach Ballgewinn oft zu träge, um den Ball mit Geschwindigkeit in die gegnerische Hälfte zu bringen und den Gegner unter Druck zu setzen. Und nach besagten 60 Minuten und der Herausnahme von Ekici verlor man auch die Ordnung in der Defensive. Ob die Auswechslung von Memo (die zudem völlig verständlich war) nun damit kausal zusammenhängt, steht auf einem anderen Blatt, aber kurze Zeit später hatte Braunschweig die erst Großchance nach einem Distanzschuss von Reichel, den Mielitz gerade noch an die Latte lenken konnte. Weitere gute Möglichkeiten, die Braunschweig entweder vergab oder die Caldirola noch von der Linie kratzen konnte, sollten folgen.

Aus Sicht der Braunschweiger ist es bitter, dass das Tor der Bremer ausgerechnet in diese Phase fällt. Prödl schlägt einen langen Ball/Befreiungsschlag nach vorne zu Junuzovic, der cool bleibt und das 1:0 erzielt. Bremen kann nach sieben Jahren mal wieder ein Auftaktspiel auf fremdem Platz gewinnen. Der Bann ist gebrochen und die Aussagen der Mannschaft nach dem Spiel zeigen in meinen Augen, dass man das Spiel richtig einzuordnen weiß. Aber es kann dem Team Selbstvertrauen geben und man kann in der nächsten Woche ruhig auf das Augsburg-Spiel hinarbeiten, ohne gleich nach dem ersten Spieltag die vielen Skeptiker zu bestätigen, die Werder zu den Abstiegskandidaten zählen (Who the fuck is Franz B.?).

Natürlich ist nun nicht alles gut und Robin Dutt hat weiterhin viel Arbeit vor sich, aber gerade in den letzten Tagen haben Eichin und Dutt schon viel getan, um die Fans darauf vorzubereiten, dass es Zeit brauchen wird. Zum einen Zeit, um den Kader umzubauen und an die neuen Anforderungen  des Trainers anzupassen. Zum anderen bis die Mannschaft die Ideen von Robin Dutt vollständig verinnerlicht hat und dies sich auch auf dem Spielfeld im Ganzen zeigt. Ich persönlich finde es gut, dass sich die Vereinsführung so offensiv in der Öffentlichkeit präsentiert und dabei auch auf die Bekanntgabe eines konkreten Saisonziels verzichtet. Vor allem nach den oftmals sehr optimistischen Ansagen der letzten zwei Jahre, wo ich oft das Gefühl hatte, dass man die neuen Realitäten nicht erkennen konnte oder wollte.

Zum Abschluss möchte ich übrigens noch kurz auf meinen Man of the Match eingehen: Felix Kroos, der im defensiven Mittelfeld auflaufen durfte und in meinen Augen einen richtig guten Job machte. Er spielte unauffällig, hatte aber viele Ballkontakte und gewann einen Großteil seiner Zweikämpfe. Zudem dirigierte er seine Mitspieler und war sehr aktiv am kommunizieren. Ich kann mich an eine Szene in der zweiten Halbzeit erinnern, wo er Selassie auf der Außenbahn nach vorne schickt und die Position absicherte. In meinen Augen hat sich Felix damit einen weiteren Einsatz im nächsten Spiel mehr als verdient. Gegen Augsburg kann die Mannschaft hoffentlich einen weiteren Schritt in die richtige Richtung machen. Ich bin auf jeden Fall live vor Ort dabei.

Lebenslang Grün-Weiß!

Jetzt geht’s los – again

Noch zwei Tage, bevor das erste Pflichtspiel der Saison 13/14 steigt. Genau die richtige Zeit, wieder aus der Versenkung hervorzukommen. Nicht, dass ich in der letzten Zeit nicht auch irgendwie produktiv gewesen wäre, aber den Abstand zum Fußball habe ich gebraucht nach einer – leider aus den falschen Gründen – nervenzehrenden Saison, die im Klassenerhalt und der Trennung von Thomas Schaaf gipfelte. Aprospos Schaaf: es ist nun schon zweieinhalb Monate her, dass die Entscheidung fiel, sich vom scheinbar ewigen Thomas zu trennen. Und man mag mich einen schlechten Fan schimpfen, aber als Ende Juni/Anfang Juli der Robin Dutt den Trainingsauftakt leitete, da fühlte es sich gar nicht so falsch an, wie ich selbst zunächst befürchtete. Wahrscheinlich gewöhnt man sich in diesen Zeiten nur allzu schnell an den Wandel. Vielleicht ist es noch einmal was anderes, wenn der Thomas beim ersten Saisonspiel nicht mehr an der Seitenlinie steht…

Am Sonntag steigt beim 1. FC Saarbrücken das Erstrunden-Spiel im DFB-Pokal. Eine erste wirkliche Standortbestimmung nach einer durchwachsenen Saisonvorbereitung. Klar, man sollte Testspielen nie allzu viel Bedeutung beimessen und gerade mit einem neuen Trainer ist es nur allzu verständlich, dass dieser Zeit braucht, um sich einen Überblick über den Kader zu verschaffen. Wer kann welche Rolle übernehmen, wer kann eine tragende Figur in seinem System werden und wer hat vielleicht keine wirkliche Zukunft mehr in Bremen? Aber dennoch setzte nach dem 1:2 gegen Leipzig eine gewisse Unruhe ein, die durch die Siege gegen Erfurt und Fulham wieder abgefangen wurde. Gerade rechtzeitig, um nicht völlig fatalistisch ins Spiel gegen Saarbrücken zu gehen. Denn die Kombination 1. Pokalrunde, Werder und Drittligist war in den letzten beiden Jahren aus Bremer Sicht eher kein wirklicher Kracher. Aber ich sehe dem Spiel am Sonntag schon optimistisch entgegen. Klar, wir werden Saarbrücken nicht aus dem Stadion ballern, aber ich glaube, wir werden uns durchsetzen und mit einem ersten kleinen Erfolgserlebnis in die Saison starten.

Eichman und Robin

Auch über den Pokal hinaus blicke ich optimistisch auf die kommende Saison. Dies ist nicht unbedingt in den Änderungen beim kickenden Personal begründet, wo bisher nur Caldirola und Makiadi neu in die Mannschaft kamen. Vielmehr ruhen die Hoffnungen auf den Schultern von Robin Dutt. Nein, ich erwarte keine Wunderdinge von ihm und glaube auch nicht, dass er einfach mal das Ruder komplett rumreißen kann und uns in der ersten Saison nach Europa führt. Aber ich glaube, dass er diese Mannschaft entwickeln kann, dass er die Abwehr stabilisieren kann und wir nach drei Jahren der Stagnation und des Rückschritts endlich wieder eine langfristige und nachhaltige Entwicklung zu erkennen sein wird. Also, die Dinge, die wir in der Vergangenheit immer wieder kritisiert haben. Dabei will ich im Voraus gar nicht auf Formationen, Systeme und Taktiken spekulieren, denn auch das wird zu Beginn der Saison noch im Fluss sein, bis Dutt und die Mannschaft die Faktoren herausarbeiten, die zum Erfolg führen.

Auch Eichin kommt dabei natürlich eine wichtige Rolle zu, denn er kann nun erstmalig zeigen, wie er sich auf dem Transfermarkt schlägt. Caldirola und Makiadi sind dabei schon erste gute Transfers gewesen. Darüber hinaus rechne ich stark damit, dass sich in den nächsten vier Wochen noch einiges im Kader tun wird. So wurde heute nachmittag der Transfer von Denni Avdic zum AZ Alkmaar verkündet und auch um Arnautovic verdichten sich wieder die Gerüchte. Dabei ist ein möglicher Abgang von Arnautovic vor allem notwendig, um Geld in die klamme Kasse zu spülen, damit man selbst wieder zuschlagen kann. Ich hoffe, dass Eichin dabei wieder an die alte Bremer Tradition anknüpfen kann, Spieler für einen relativ schmalen Taler zu holen und diese dann später für ein vielfaches zu verkaufen.

Meine Erwartungshaltung ist auf dem gleichen Niveau wie vor der letzten Saison: ich erwarte eine Entwicklung, keinen konkreten Tabellenplatz (natürlich sollten wir uns dabei möglichst fern von den Abstiegsplätzen befinden). Ich will wieder Spaß an der Mannschaft haben und nicht in ein lethargisches Achselzucken abgleiten, wenn wir zehn Spiele in Folge nicht gewinnen. Gerade am Anfang wird es noch Zeit dauern, bis sich alles findet, aber ich bin bereit, der Mannschaft und den Verantwortlichen einen Vertrauensvorschuss zu geben. Und nach einigen Spieltagen wird dann klarer, was Dutt anders machen lässt und welchen Fußball die Mannschaft zeigt. Und ganz ehrlich: wird wieder Zeit, dass der Ball rollt und der SVW wieder kickt. In diesem Sinne:

Lebenslang Grün-Weiß!

Alles neu macht der Mai

Zwischen der Sicherung des Klassenerhalts im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt und dem letzten Spiel der Saison beim 1. FC Nürnberg stand noch der 15. Mai, der Tag an dem die Trennung von Thomas Schaaf offiziell gemacht wurde. Ich weiß noch, dass ich echte Gänsehaut hatte, als ich die Nachricht auf der Werder-Homepage las und ein kleines Tränchen verdrücken musste. Obwohl ich zuletzt von seinen Fähigkeiten als Trainer nicht mehr überzeugt war, ist es ein komisches Gefühl, wenn jemand den Verein nach mehr als 40 Jahren verlässt und dabei sowohl als Spieler wie auch als Trainer große Erfolge an der Weser feiern konnte. Schaaf war eine Identifikationsfigur, wie sie im Buche steht und eine Konstante in einer Zeit, wo einige Vereine durchschnittlich einen Trainer pro Saison verschlissen. Für die Arbeit, die Schaaf gerade auch als Trainer geleistet hat, bin ich ihm total dankbar und ich bin schon gespannt, wie das erste Spiel mit Robin Dutt an der Seitenlinie wird, wo Schaaf mich doch mehr als die Hälfte meines Fan-Daseins als Trainer begleitet hat.

Obwohl der Verlust von Schaaf menschlich schmerzt, bin ich davon überzeugt, dass es der richtige Schritt war. Die Umstände mögen weit weniger einvernehmlich gewesen sein, als die offiziellen Verlautbarungen uns weis machen wollen und vielleicht hätte man das ganze schlauer angehen können, aber ich glaube, dass man in der Sache an sich richtig liegt. Und es ist auch keine Heuchelei, wie teilweise in den Social Media-Kanälen zu lesen war, wenn man einerseits Schaaf für seine Verdienste um den Verein dankbar ist, aber andererseits auch die Frage gestellt hat, ob Schaaf noch der Richtige ist. Und bei mir ging es dabei nie darum, Schaaf nur deshalb auszutauschen, um etwas Neues zu machen, wie es Arnd Zeigler gerne formuliert, sondern um das, was wir in den letzten drei Jahren auf dem grünen Rasen gesehen haben. Und da kann man zu dem Schluss kommen, dass der Trainer auch seinen Teil dazu beigetragen hat und es nicht alleine an Verletzungen, einem schwachen Kader oder untrainierbaren Kickern gelegen hat.

Nach knapp anderthalb Wochen wurde der ehemalige DFB-Sportdirektor Robin Dutt als neuer Trainer präsentiert. Die Phase der wilden Gerüchte, angeblichen Absagen und unsäglichen Trainerkandidaten (Effe) war zum Glück von relativ kurzer Dauer. Ich hatte im Grünweiß-Stammtisch schon zum Ausdruck gebracht, dass ich der Verpflichtung von Dutt positiv gegenüber stehe. Er hat in Freiburg gute Arbeit geleistet und dort schon gelernt, was es heißt, einen langjährigen Trainer zu beerben, da er dort die Nachfolge von Volker Finke antrat. Dutt hatte in Leverkusen seine Schwierigkeiten und wahrscheinlich zu viel in zu kurzer Zeit erreichen wollen, was von Teilen des Kaders nicht goutiert wurde. Aber man darf nicht vergessen, dass man in Bremen kaum Spieler mit so einem Standing hat, wie ein Ballack, Rolfes oder Kießling es bei Leverkusen hatten. Ich denke, seine Verpflichtung ist ein Schritt in die richtige Richtung, vor allem auch mit Blick auf die Einbindung von Talenten.

Nach der Verlängerung der Verträge von Kroos und Yildirim sowie der festen Verpflichtung von Nils Petersen wurde gestern die Verpflichtung von Cedrick Makiadi vom SC Freiburg bekannt gegeben. Ich habe persönlich jetzt keinen bleibenden Eindruck von ihm, aber er war Stammspieler in einer Freiburger Mannschaft, die in der letzten Saison für Furore sorgen konnte. Daher würde ich mir ein bisschen mehr Aufgeschlossenheit ihm gegenüber wünschen. Überall liest man, was man denn mit dem wolle und wie viele Millionen Euro man jetzt wieder in den Sand gesetzt habe. Vielleicht sollten wir ihm und allen anderen Spielern, die noch kommen werden, eine Chance geben, sich zu beweisen. Was ebenso für Robin Dutt gilt. Ich für meinen Teil bin gespannt, wie der Kader in der neuen Saison aussieht und vorsichtig optimistisch, dass es in der neuen Saison wieder aufwärts gehen kann.

Lebenslang Grün-Weiß!

Klassenerhalt

Das 1:1 gegen Frankfurt bedeutete den Klassenerhalt am vorletzten Spieltag. In den ersten 40 Minuten konnte ich das Spiel noch per Sky Go und iPad verfolgen, bevor sich die App aus unerfindlichen Gründen verabschiedete. Ich hatte bis dahin eine engagiert beginnende Mannschaft aus Bremen gesehen, die ca. 30 Minuten lang das Spiel im Griff hatte, bevor sich Frankfurt befreien konnte und zunehmend die Kontrolle über das Spiel übernahm. Die restlichen 50 Minuten saß ich mit dem iPad auf dem Schoss und drückte minütlich den Refresh-Button der kicker-App. Den Blick dabei fast mehr auf die Spiele mit Beteiligung aus Augsburg, Düsseldorf und Hoffenheim gerichtet. Durch die Niederlagen der drei Rivalen im Abstiegskampf reicht das Unentschieden, um auch nächstes Jahr in der ersten Liga zu bleiben. Freude habe ich nicht gespürt, nur eine dumpfe Form der Erleichterung.

Das Spiel gegen Nürnberg ist geprägt von Bedeutungslosigkeit auf beiden Seiten: ein lockeres Auslaufen über 90 Minuten. Gewinnt Bremen nicht, hat man die schlechteste Rückrunde der Vereinsgeschichte gespielt (bei Unentschieden entscheidet die Tordifferenz zu Gunsten der letzten Rückrunde). Aber das wäre nur ein weiteres trauriges Zeugnis für die furchtbare Saison. Ich weiß noch, wie Tobias, Anna und ich zu Beginn der Saison im Grünweiß-Stammtisch über unsere Erwartungen sprachen. Damals hatten wir darauf gehofft, die neu zusammengestellte Truppe bei ihrer Entwicklung zu begleiten. Und der Beginn der Saison ließ sich noch sehr gut an, bevor es gegen Ende der Rückrunde kippte und schließlich im Abstiegskampf endete.

Ich beneide die Verantwortlichen im Verein nicht um die kommenden Wochen. Die Saison hat offenbart, dass viele Baustellen im Verein vorhanden sind und dass es vor allem keine einfachen Lösungen für die Probleme gibt. Unter anderem muss auch der Trainer hinterfragt werden, der für die spielerischen, taktischen und defensiven Fehler – nicht nur dieser Saison – verantwortlich zeichnet. Die Zusammenstellung des Kaders gehört ebenfalls auf den Prüfstand. Eichin deutete schon an, dass man auch verstärkt den Charakter der Spieler berücksichtigen möchte, womit ich den Mythos, man könne schwierige Spieler zähmen, für beerdigt halte. Und wo wir beim Kader sind: es deutet sich der nächste Umbruch an. De Bruyne geht auf jeden Fall, Sokratis ist auch auf dem Sprung, die Spezis Arnautovic und Elia wird man sicher loswerden wollen und noch einige andere Personalien sind ungeklärt (allen voran: Hunt, Yildirim und Petersen). Ein Thema, was wir im vorletzten Grünweiß-Podcast am Rande angeschnitten hatten, ist die Nachwuchsarbeit. Zweifel an der von Werder über alle Zuständigkeitsbereiche hinweg praktizierten Nachwuchsarbeit (Ausbildung, Durchlässigkeit und Förderung im Profi-Bereich) gibt es schon länger.

Es ist davon auszugehen, dass eine Sommerpause nicht reicht, um alle Probleme anzugehen und die Früchte der Arbeit zu ernten, doch jetzt ist die Chance, den Grundstein für die Zukunft zu legen. Und egal, wie die einzelnen Entscheidungen im Detail aussehen hoffe ich, dass ich zu Beginn der nächsten Saison mit einem besseren Gefühl dasitzen kann, als dies derzeit der Fall ist. Ich kann nämlich aus vollster Überzeugung sagen: So eine Saison möchte ich nicht wieder erleben. Danke!

ALLEz GRÜN und Lebenslang Grün-Weiß!