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Historische Klatsche

Vor dem Spiel gegen die omni-präsenten Bayern habe ich mir nicht viel ausgerechnet. Nur in ganz wagemutigen Momenten habe ich davon geträumt, dass man das Spiel irgendwie offen gestalten kann und sei es nur, weil die Star-Truppe Chance um Chance vergibt. Ich habe das Spiel aufgenommen, war bei Freunden auf einer kleinen Feier und der eigentliche Plan war, mir das Spiel zu späterer Stunde anzugucken. Leider hatte ich hier die Rechnung ohne das tolle Google Now-Feature auf meinem Smartphone gemacht, welches mich irgendwann darüber in Kenntnis setzte, dass Werder im heimischen Stadion gerade mit 0:6 hinten liegt. So weit geht meine masochistische Ader dann auch nicht, dass ich mir den Gang zur Schlachtbank noch einmal anschaue. Die nicht existente Erwartungshaltung wurde unterboten und das 0:7 stellt die höchste Heimniederlage in der Bremer Bundesliga-Geschichte dar. Mangels eigener Spieleindrücke (es sei denn, man lässt einen 30-sekündigen Clip mit allen Toren der Bayern gelten) werde ich über das eigentliche Spiel eher keine Worte verlieren. Aber es gibt zwei Dinge, die mich anschließend ein wenig beschäftigt haben:

Zum einen war das die Art und Weise, wie versucht wurde, die Niederlage beiseite zu wischen (wie Lars auch feststellte). Man müsse das Spiel hinter sich lassen und nach vorne schauen. Das finde ich eine sehr bedenkliche Sichtweise, denn natürlich sind die Bayern aktuell nicht der Maßstab für den SV Werder, aber man kann doch nach einen solchen Pleite einfach so tun, als ob nichts geschehen sei. Zumal das 0:7 ja auch nur der Höhepunkt einer Entwicklung in den letzten Wochen ist, auf die ich später noch näher eingehen möchte. Man muss ja nicht über einzelne Spieler herfallen oder auf die Knie fallen und um Vergebung bitten, aber ich hätte mir schon gewünscht, dass die Verantwortlichen deutlich machen, dass man damit absolut nicht zufrieden ist und auch nicht zufrieden sein kann. Gerade auch als Fan komme ich mir irgendwie veralbert vor, wenn man dazu noch bedenkt, dass andere Mannschaften, die teils hinter uns stehen, sich gegen die bajuwarische Übermacht deutlich besser präsentiert haben. So sehr ich über weite Teile der Saison bisher mit dem öffentlichen Auftreten von Dutt und Eichin (bei aller Floskelhaftigkeit) zufrieden war, hat mir hier das Gespür für die Situation gefehlt.

Für den anderen Punkt muss ich noch kurz ausholen: eigentlich wollte ich – wie Burning Bush – bis zur Winterpause warten, um mich zu Dutt länger zu äußern, aber mittlerweile sehe ich da eine Entwicklung, die mir absolut nicht gefällt. Vor der Saison und auch beim Start in die Spielzeit war die Ausrichtung der Mannschaft klar und wurde auch gebetsmühlenartig wiederholt: hinten sicher stehen, die Mannschaft stabilisieren und davon ausgehend das Spiel nach vorne etablieren. Dabei möglichst wenig in den Abstiegskampf rein geraten. Das hat zu Beginn auch gut funktioniert, man stand sicherer als zuletzt und konnte (auch mit viel Glück) wichtige Punkte einfahren. Und langsam wurde auch geschaut, wie sich ein funktionierendes Offensiv-Spiel aufbauen lässt, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Und soweit habe ich den Kurs auch unterstützt, da ich bis auf wenige Ausnahmen ein gutes Gefühl hatte, was die Entwicklung und den von Dutt vorgegebenen Weg angeht. Nach dem 9. Spieltag stand man mit 12 Punkten auf dem 10. Platz und hatte 9:12 Tore auf dem Konto. Ich weiß, dass viele die Spiele unansehnlich fanden, aber ist das jetzt wirklich besser?

Irgendwann jedoch hat Dutt die anfängliche Zurückhaltung aufgegeben und mehr auf Offensive gesetzt. Die Ergebnisse seit dem genannten 9. Spieltag lauten: 0:3, 3:2, 1:3, 2:3, 4:4 und 0:7, das macht in 6 Spielen vier Punkte und 10:22 Tore. Wenn man sich die Ergebnisse anschaut, kassieren wir in dem Zeitraum mehr als drei Tore pro Spiel. Natürlich hatten wir in der Zeit viele Verletzte und Spieler leisten sich krasse individuelle Fehler, aber dennoch habe ich das Gefühl, dass man hier ohne Not vom eigentlichen Kurs abgewichen ist und zu schnell den Schalter auf „Offensive“ umgelegt hat. Dabei war das zu Beginn der Saison beileibe keine Betonabwehr, sondern immer noch ein fragiles Gebilde. Stimmt es, dass Dutt angeblich auf die Fans gehört hat? Sollte man mit einem gewürgten 1:0 nicht zufriedener sein, als mit einem 4:4 im Harakiri-Style? Was ich in den letzten Wochen gesehen habe, weckt zu viele Erinnerungen an die letzten Jahre und lässt jeglichen Fortschritt vermissen. Dabei haben wir die traditionell deutlich schlechtere Rückrunde noch vor uns und steuern zur Winterpause auf 40 Gegentore zu. Das sind Zahlen eines Absteigers, obwohl der Abstand zu den Relegationsplätzen aktuell fünf Punkte beträgt , aber trotzdem mache ich mir langsam Sorgen. Ich hoffe, dass Dutt in den verbleibenden Spielen in Berlin und gegen Leverkusen wieder zur anfänglichen Vorsicht zurückkehrt, denn mit solchen Auftritten wie zuletzt, könnten die Spiele wieder ein bitteres Ende nehmen. Und alleine auf die Winterpause und mögliche Transfers mag ich nicht hoffen.

Man merkt auch, dass bei den Fans die Nerven blank liegen. Es ist ja nix Neues, dass die Bewertung über Spiele zwischen einzelnen Fans mitunter weit auseinander geht, aber es ist schon bitter zu sehen, dass Leute sich darüber freuen, wenn ein Spieler verletzungsbedingt ausfällt. Oder man wünscht dem eigenen Verein Niederlagen, damit alle sehen, was man selbst sieht, dass es nämlich so nicht weitergeht. Auch Dutt bekommt nach 15 Spieltagen schon deutlichen Gegenwind. Auch da kommt aktuell vieles zusammen:

  • Zum einen erwarten viele, wenn das Denkmal Schaaf schon weichen muss, dass es dann bitte aber auch schnell vorangehen möge. Und sind daher enttäuscht, dass es ja der gleiche Mist wie die Jahre zuvor ist. Was man sicherlich differenzierter betrachten kann, siehe oben.
  • Dann gibt es die Gruppe, welche die Trennung von Thomas Schaaf nicht verwunden hat und den Frust darüber an Dutt auslässt und die Misere mit einer gewissen Genugtuung genießt („Tja, ich habe damals ja schon gesagt, dass TS niemals hätte gehen dürfen“).
  • Dann ist Dutt prinzipiell bei vielen nicht wohl gelitten. Kann nix und hat bei Leverkusen ja auch schon versagt. Oft wird die Zeit in Freiburg dabei unterschlagen, wo er ja durchaus gute Arbeit abgeliefert hat und deren damalige Situation durchaus mit der aktuellen in Bremen vergleichbar ist. Auch werden die Besonderheiten in Leverkusen gerne übersehen, die vor Dutts Ankunft unter Heynckes Zweiter wurden und wo sich Dutt schwer tat, seine Vision von Fußball (gerade auch gegen die Widerstände im Team) durchzusetzen. Dass Dutt ja auch selbst gesagt hat, aus seinen Fehlern dort gelernt zu haben? Egal! Und zu guter Letzt hat er dem armen, armen DFB übel mitgespielt, als er seinen Sportdirektor-Posten dort aufgab, um wieder nach Bremen zu gehen.
  • Da Eichin als Eishockey-Trainer auch häufiger den Trainer wechselte, gibt das den Spekulationen in den Medien auch noch einmal Nahrung. Das sich Fußball und Eishockey sich nur bedingt vergleichen lassen und man nicht von einem Sport auf den anderen schließen kann? Egal.

Schon nach 15 Spielen wirkt Dutt angeschlagener als Schaaf zu Ende seiner Amtszeit. Auf der PK heute sollen Eichin und Dutt angespannt und gereizt gewirkt haben (siehe auch Beitrag im Worum). Hoffen wir, dass die Mannschaft am Freitagabend sich besser als zuletzt präsentiert und vielleicht was Zählbares dabei rausspringt.

Lebenslang Grün-Weiß!

Drei plus drei macht sechs

Gestern war ein Teil der Grünweiß-Crew (Anna, Andreas, Tobias und ich) gemeinsam im Stadion, um sich das Spiel gegen Augsburg anzuschauen. Vor dem Spiel kam aber erst einmal der Kauf des ersten Werder-Trikots meiner Fan-Karriere. Aber das nur am Rande. Das erste große Highlight des Tages war die großartige Choreo für Thomas Schaaf. Wir saßen in der Westkurve und hatten einen guten Blick auf das tolle Bild in der Ostkurve. Schön war auch, dass zum Abschluss des Ganzen der „Danke, Thomas“-Banner noch durch ein „Auf geht’s, Robin“ ausgetauscht wurde. So wurde es nicht nur der Abschied von Schaaf, sondern auch ein Willkommen an Dutt.

Das Spiel selbst hatte dann deutlich weniger Highlights zu bieten. Im anschließenden Grünweiß-Stammtisch, den wir live aufgezeichnet und gestreamt hatten, haben wir die meisten Punkte angesprochen. Augsburg war über weite Phasen das optisch überlegene Team und Bremen kam nur selten gefährlich vor das Tor der Gäste. So war es ein Distanzschuss, inklusive Fehler von Augsburgs Amsif, der das entscheidende Tor durch Ekici brachte. Defensiv fand ich das über das gesamte Spiel hinweg betrachtet gar nicht so schlecht, wenn man die 15 Minuten nach der Halbzeitpause außen vor lässt, weil man da wirklich ins Schwimmen geriet. So hat man kaum gute Chancen zugelassen, weshalb die Statistik der 20:5 Torschüsse für Augsburg auch ein wenig trügerisch ist, denn davon kamen nur die wenigsten auf das Tor von Mielitz. Besonders gut hat mir Luca Caldirola gefallen, der auf der Linksverteidiger-Position aufgeboten wurde und sich dort hervorragend verkauft hat. Seit seinem suboptimalen Auftritt im Pokal hat er sich gut gefangen und zeigt, warum man ihn nach Bremen geholt hat.

Im Spiel nach vorne war das deutlich weniger positiv. Auch wenn man jetzt nicht alles verdammen sollte, fiel vor allem in der zweiten Halbzeit auf, dass Bremen große Probleme hatte, den Ball nach vorne zu bringen. Zu oft wurde nach einer erfolgreichen Balleroberung in der eigenen Defensive ein Fehlpass gespielt oder der Ball im Dribbling verloren. Hier hätte man für deutlich mehr Entlastung sorgen können und müssen, denn zu häufig kam der Ball postwendend wieder zurück in das Bremer Abwehrdrittel. Und man sollte in der Lage sein, gegen einen Gegner, der mit zunehmender Spieldauer immer mehr Druck aufbaute, mehr als einen gefährlichen Konter zu fahren (den Petersen in der 89. Minute vergab).

Nach zwei Spielen, in denen das Ergebnis auch ein anderes hätte sein können, findet sich Bremen mit sechs Punkten wieder. Wahlweise bezeichnet man die zwei Siege als glücklich oder dreckig, aber mir soll es recht sein. So viele haben Bremen (auch Fans des Vereins) als Abstiegskandidaten gesehen, da kann es doch eigentlich nur recht sein, dass man gegen zwei Clubs, die aller Voraussicht nach ebenfalls unten drin stehen werden, Dreier eingefahren hat. Zumal jetzt der Borussia-Doppelpack in Dortmund und Gladbach kommt und man nicht unbedingt ein ausgemachter Pessimist sein muss, um hier mit null Punkten zu rechnen. Da hilft das Polster vor allem auch Trainer und Mannschaft, denn wenn wir nach vier Spielen nur mit ein, zwei Punkten dagestanden hätten, wären wir mitten im Abstiegskampf inklusive der dazugehörigen Diskussionen. Nun heißt der gute Start natürlich nicht, dass wir in der Saison nichts mit den tiefsten Regionen der Tabelle zu tun haben werden, aber für den Anfang haben wir einen kleinen Puffer. Und es ändert auch nichts daran, dass es noch viel zu tun gibt in der Mannschaft.

Ich bin gespannt, wie wir in Dortmund auftreten werden und was sich Dutt einfallen lässt, um die Kreise des BVB so gut es geht einzuschränken, so dass wir nicht unter die Räder kommen.

Lebenslang Grün-Weiß!

Alles neu macht der Mai

Zwischen der Sicherung des Klassenerhalts im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt und dem letzten Spiel der Saison beim 1. FC Nürnberg stand noch der 15. Mai, der Tag an dem die Trennung von Thomas Schaaf offiziell gemacht wurde. Ich weiß noch, dass ich echte Gänsehaut hatte, als ich die Nachricht auf der Werder-Homepage las und ein kleines Tränchen verdrücken musste. Obwohl ich zuletzt von seinen Fähigkeiten als Trainer nicht mehr überzeugt war, ist es ein komisches Gefühl, wenn jemand den Verein nach mehr als 40 Jahren verlässt und dabei sowohl als Spieler wie auch als Trainer große Erfolge an der Weser feiern konnte. Schaaf war eine Identifikationsfigur, wie sie im Buche steht und eine Konstante in einer Zeit, wo einige Vereine durchschnittlich einen Trainer pro Saison verschlissen. Für die Arbeit, die Schaaf gerade auch als Trainer geleistet hat, bin ich ihm total dankbar und ich bin schon gespannt, wie das erste Spiel mit Robin Dutt an der Seitenlinie wird, wo Schaaf mich doch mehr als die Hälfte meines Fan-Daseins als Trainer begleitet hat.

Obwohl der Verlust von Schaaf menschlich schmerzt, bin ich davon überzeugt, dass es der richtige Schritt war. Die Umstände mögen weit weniger einvernehmlich gewesen sein, als die offiziellen Verlautbarungen uns weis machen wollen und vielleicht hätte man das ganze schlauer angehen können, aber ich glaube, dass man in der Sache an sich richtig liegt. Und es ist auch keine Heuchelei, wie teilweise in den Social Media-Kanälen zu lesen war, wenn man einerseits Schaaf für seine Verdienste um den Verein dankbar ist, aber andererseits auch die Frage gestellt hat, ob Schaaf noch der Richtige ist. Und bei mir ging es dabei nie darum, Schaaf nur deshalb auszutauschen, um etwas Neues zu machen, wie es Arnd Zeigler gerne formuliert, sondern um das, was wir in den letzten drei Jahren auf dem grünen Rasen gesehen haben. Und da kann man zu dem Schluss kommen, dass der Trainer auch seinen Teil dazu beigetragen hat und es nicht alleine an Verletzungen, einem schwachen Kader oder untrainierbaren Kickern gelegen hat.

Nach knapp anderthalb Wochen wurde der ehemalige DFB-Sportdirektor Robin Dutt als neuer Trainer präsentiert. Die Phase der wilden Gerüchte, angeblichen Absagen und unsäglichen Trainerkandidaten (Effe) war zum Glück von relativ kurzer Dauer. Ich hatte im Grünweiß-Stammtisch schon zum Ausdruck gebracht, dass ich der Verpflichtung von Dutt positiv gegenüber stehe. Er hat in Freiburg gute Arbeit geleistet und dort schon gelernt, was es heißt, einen langjährigen Trainer zu beerben, da er dort die Nachfolge von Volker Finke antrat. Dutt hatte in Leverkusen seine Schwierigkeiten und wahrscheinlich zu viel in zu kurzer Zeit erreichen wollen, was von Teilen des Kaders nicht goutiert wurde. Aber man darf nicht vergessen, dass man in Bremen kaum Spieler mit so einem Standing hat, wie ein Ballack, Rolfes oder Kießling es bei Leverkusen hatten. Ich denke, seine Verpflichtung ist ein Schritt in die richtige Richtung, vor allem auch mit Blick auf die Einbindung von Talenten.

Nach der Verlängerung der Verträge von Kroos und Yildirim sowie der festen Verpflichtung von Nils Petersen wurde gestern die Verpflichtung von Cedrick Makiadi vom SC Freiburg bekannt gegeben. Ich habe persönlich jetzt keinen bleibenden Eindruck von ihm, aber er war Stammspieler in einer Freiburger Mannschaft, die in der letzten Saison für Furore sorgen konnte. Daher würde ich mir ein bisschen mehr Aufgeschlossenheit ihm gegenüber wünschen. Überall liest man, was man denn mit dem wolle und wie viele Millionen Euro man jetzt wieder in den Sand gesetzt habe. Vielleicht sollten wir ihm und allen anderen Spielern, die noch kommen werden, eine Chance geben, sich zu beweisen. Was ebenso für Robin Dutt gilt. Ich für meinen Teil bin gespannt, wie der Kader in der neuen Saison aussieht und vorsichtig optimistisch, dass es in der neuen Saison wieder aufwärts gehen kann.

Lebenslang Grün-Weiß!

Klassenerhalt

Das 1:1 gegen Frankfurt bedeutete den Klassenerhalt am vorletzten Spieltag. In den ersten 40 Minuten konnte ich das Spiel noch per Sky Go und iPad verfolgen, bevor sich die App aus unerfindlichen Gründen verabschiedete. Ich hatte bis dahin eine engagiert beginnende Mannschaft aus Bremen gesehen, die ca. 30 Minuten lang das Spiel im Griff hatte, bevor sich Frankfurt befreien konnte und zunehmend die Kontrolle über das Spiel übernahm. Die restlichen 50 Minuten saß ich mit dem iPad auf dem Schoss und drückte minütlich den Refresh-Button der kicker-App. Den Blick dabei fast mehr auf die Spiele mit Beteiligung aus Augsburg, Düsseldorf und Hoffenheim gerichtet. Durch die Niederlagen der drei Rivalen im Abstiegskampf reicht das Unentschieden, um auch nächstes Jahr in der ersten Liga zu bleiben. Freude habe ich nicht gespürt, nur eine dumpfe Form der Erleichterung.

Das Spiel gegen Nürnberg ist geprägt von Bedeutungslosigkeit auf beiden Seiten: ein lockeres Auslaufen über 90 Minuten. Gewinnt Bremen nicht, hat man die schlechteste Rückrunde der Vereinsgeschichte gespielt (bei Unentschieden entscheidet die Tordifferenz zu Gunsten der letzten Rückrunde). Aber das wäre nur ein weiteres trauriges Zeugnis für die furchtbare Saison. Ich weiß noch, wie Tobias, Anna und ich zu Beginn der Saison im Grünweiß-Stammtisch über unsere Erwartungen sprachen. Damals hatten wir darauf gehofft, die neu zusammengestellte Truppe bei ihrer Entwicklung zu begleiten. Und der Beginn der Saison ließ sich noch sehr gut an, bevor es gegen Ende der Rückrunde kippte und schließlich im Abstiegskampf endete.

Ich beneide die Verantwortlichen im Verein nicht um die kommenden Wochen. Die Saison hat offenbart, dass viele Baustellen im Verein vorhanden sind und dass es vor allem keine einfachen Lösungen für die Probleme gibt. Unter anderem muss auch der Trainer hinterfragt werden, der für die spielerischen, taktischen und defensiven Fehler – nicht nur dieser Saison – verantwortlich zeichnet. Die Zusammenstellung des Kaders gehört ebenfalls auf den Prüfstand. Eichin deutete schon an, dass man auch verstärkt den Charakter der Spieler berücksichtigen möchte, womit ich den Mythos, man könne schwierige Spieler zähmen, für beerdigt halte. Und wo wir beim Kader sind: es deutet sich der nächste Umbruch an. De Bruyne geht auf jeden Fall, Sokratis ist auch auf dem Sprung, die Spezis Arnautovic und Elia wird man sicher loswerden wollen und noch einige andere Personalien sind ungeklärt (allen voran: Hunt, Yildirim und Petersen). Ein Thema, was wir im vorletzten Grünweiß-Podcast am Rande angeschnitten hatten, ist die Nachwuchsarbeit. Zweifel an der von Werder über alle Zuständigkeitsbereiche hinweg praktizierten Nachwuchsarbeit (Ausbildung, Durchlässigkeit und Förderung im Profi-Bereich) gibt es schon länger.

Es ist davon auszugehen, dass eine Sommerpause nicht reicht, um alle Probleme anzugehen und die Früchte der Arbeit zu ernten, doch jetzt ist die Chance, den Grundstein für die Zukunft zu legen. Und egal, wie die einzelnen Entscheidungen im Detail aussehen hoffe ich, dass ich zu Beginn der nächsten Saison mit einem besseren Gefühl dasitzen kann, als dies derzeit der Fall ist. Ich kann nämlich aus vollster Überzeugung sagen: So eine Saison möchte ich nicht wieder erleben. Danke!

ALLEz GRÜN und Lebenslang Grün-Weiß!

Abstiegsk(r)ampf

Nach dem 0:3 daheim gegen den VfL Wolfsburg war unter der Woche viel von „mehr Engagement“ die Rede, welches man beim Auswärtsspiel in Leverkusen zeigen wollte. Es gab ein Teambuilding, eine nächtliche Ausfahrt von Arnautovic und Elia, kurzum: sowohl auf als auch neben dem Platz passierte unter Woche einiges.

In Leverkusen verkaufte sich das Team besser als ich im Vorhinein befürchtet hatte. Man konnte Leverkusen das Leben einigermaßen schwer machen, auch wenn die spielerische Klasse der Werkself nicht über 90 Minuten in Schach gehalten werden konnte. So führte ein guter Spielzug der Leverkusener auch zum Elfmeter in der 35. Minute. Ich fand die Szene diskussionswürdig, aber anscheinend war es ein berechtigter Elfer. Was die Sache noch schmerzhafter machte: Sam war beim Abspiel knapp im Abseits. Auch wenn es schwer zu sehen war: es war somit nicht regelkonform. Bremen selbst hatte in Halbzeit zwei die größte Chance, doch Junuzovic scheiterte im eins gegen eins an Leverkusens Bernd Leno.

Die offizielle Version der „Spin Doctors“ aus dem Verein lautet: „Und es hat Klick gemacht„. Das ist natürlich das gute Recht des Vereins, das Positive am Spiel herauszustellen und sicherlich hat man sich in Leverkusen nicht die befürchtete Packung abgeholt, aber es bleibt die Frage, warum man nicht vorher mit mehr Engagement aufgetreten ist. Wo blieb das Engagement gegen Wolfsburg und in einigen Spielen vorher? Vor allem gefällt es mir nicht, dass jetzt so getan wird, als würde das Spiel eine Art Wende darstellen. Wir waren diese Saison schon häufiger an dem Punkt, wo alle dachten, dass sich etwas zum Besseren ändern würde. Nur um danach wieder bitter enttäuscht zu werden. Zudem haben gestern sowohl Augsburg als auch Hoffenheim gewonnen, so dass Bremen nun noch weiter unten reingerutscht ist. Der Abstand auf Platz 16 beträgt nur noch 2 Punkte.

Damit kommt es nächten Samstag gegen Hoffenheim zu einem echten Endspiel. Mit einem Sieg kann man sich vielleicht den entscheidenden Abstand zu Platz 16 sichern, bei einer Niederlage geht es weiter Richtung Abgrund. Und momentan habe ich verdammte Angst davor, endgültig abzurutschen. Man muss kein Untergangsprophet sein, um für die nächste Saison Montagsspiele auf Sport1 zu befürchten. Leider ist dieses Szenario nur allzu wahrscheinlich geworden. Warum dem so ist, dass wurde hier und an anderer Stelle in den letzten Wochen schon oft genug besprochen. Bis der Verbleib in Liga eins gesichert ist, bringt es auch nichts, jede Woche die gleichen Dinge durchzukauen. Eichin hat gestern noch einmal betont, dass man mit Schaaf die Saison zu Ende bringen und dann weiter sehen wird. Das nehme ich vorerst so hin. Nun gilt es, die nötigen Punkte zu holen, egal wie.

Kevin De Bruyne gibt sich schon einmal sehr kämpferisch vor dem Hoffenheim-Spiel:

KdB-Twitter

KdB-Twitter

Was mir ein bisschen Sorge macht: anders als die Bremer wissen die Sinsheimer wie sich ein Sieg anfühlt. Gestern gegen Nürnberg scheinen sie ein gutes Spiel gemacht zu haben und die Tore waren gut rausgespielt. Das heißt, die kommen mit einem ganz anderen Selbsbewusstsein an die Weser. Auch Augsburg hat gestern richtig gut gespielt. Ganz anders als die Grün-Weißen derzeit.

Abschließend noch ein dickes „Danke“ an die Auswärtsfahrer, die gestern im Stadion richtig gute Stimmung gemacht haben. Auch über den Abpfiff hinaus. Nächsten Samstag muss es so weitergehen und hoffentlich steht das Stadion während des Spiels hinter der Mannschaft.

Lebenslang Grün-Weiß!

 

Lauerstellung

Wahrscheinlich wird das hier kein wirklich kohärenter Beitrag, aber ich schreibe einfach mal drauf los. 🙂

Wolfsburg kam mit einem frischen 1:6 aus München ins Bremer Weserstadion und konnte trotz einer allenfalls mittelmäßigen Leistung locker und verdient gewinnen. Das 0:1 fiel immerhin erst nach 13 Minuten, so lange konnte die Mannschaft im Duell um den 13. Platz mithalten. Das erste Gegentor ist quasi schon Standard: ein tiefer Pass auf Arnold, De Bruyne guckt nur hinterher und schon hat Arnold den Platz, um zehn Meter zu gehen und in aller Ruhe den Schuss aufzuladen. Weder die Innenverteidigung noch das defensive Mittelfeld greifen ein. Anschließend mühte sich eine verunsicherte Mannschaft 77 Minuten lang ab, um zu einer wirklichen Torchance durch Arnautovic zu kommen.

Das Spiel habe ich über weite Strecken resigniert verfolgt. Kein Ärger über den Schmalspur-Auftritt, sondern über weite Strecken einfach nur inneres Achselzucken und allenfalls die Frage, was Allofs eigentlich unter einem bestellten Feld versteht, dass er uns angeblich hinterlassen hat. Vielleicht hat er einfach die Zeichen der Zeit erkannt und da war das Angebot aus Wolfsburg die Gelegenheit, sich abzusetzen. Aber auch das ist egal, allenfalls ein Nebenschauplatz. Die Probleme in der Mannschaft und meine Ansichten zu Schaaf wurden in den vergangenen Wochen sowohl hier als auch an anderer Stelle schon ausführlich besprochen.

Da die Konkurrenten im Abstiegskampf ebenfalls verloren haben, ändert sich an der Tabellen-Situation nicht: es sind weiter fünf Punkte Vorsprung auf Platz 16. Es liegt Veränderung in der Luft und so kursierte schon während des Spiels das Gerücht, dass Schaaf angeblich nach dem Abpfiff hinschmeißen würde. Heute wurde ein Artikel von Kai Niels Bogena, dem Schreiberling mit persönlicher Agenda, durch das mediale Dorf getrieben. Angeblich hätte Klaus-Dieter Fischer Schaaf zum Abschuss freigegeben. Werder reagierte auf diesen Bericht mit einem Dementi. Gestern nach dem Spiel kündigte Eichin pflichtbewusst eine härtere Gangart gegenüber den Spielern an. Ich weiß nicht, was das wiederholte Einprügeln auf die Spieler noch soll. Das Problem steht neben der Linie, auch wenn man sich darum wohl erst nach Ablauf der Saison kümmern wird. Bis es soweit ist, wird jedes Räuspern in den Katakomben des Weserstadions als mögliche Ankündigung des Schaaf-Rauswurfs interpretiert. Und auch wenn es bisher nur Spekulationen sind, ist für mich klar, dass an einer Ablösung Schaafs kein Weg mehr vorbei führt.

Übrigens noch eine interessante Statistik für diejenigen, die sich nach einem Schaaf-Abgang vor Post-Otto-Verhältnissen fürchten (via @666_eldiablo). Das Tal, welches wir jetzt durchschreiten ist um einiges tiefer, eine Tatsache, die ich auch anders in Erinnerung habe.

Jahr/Platzierung/Punkte:

1996/9/44
1997/8/48
1998/7/50
1999/13/38

2011/13/41
2012/9/42
2013/14/32 (Saison läuft noch)