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Zu wenig

Ein Unentschieden in Düsseldorf. In der Vorschau auf das Spiel habe ich noch davon gesprochen, dass dies ein gutes Ergebnis sein würde. Nach dem Spiel und vor allem nach dem Sieg der Augsburger gegen Frankfurt muss man festhalten, dass es zu wenig war. Ja, die Mannschaft trat aufgrund der vielen Ausfälle geschwächt an und das Team hat sich von den Rückständen diesmal nicht völlig entmutigen lassen. Aber wie man den Start in die Halbzeiten so verschlafen und bei beiden Gegentoren ein absolut unwürdiges Abwehrverhalten an den Tag legen kann, das ist mir (trotz der Ausfälle) einfach ein Rätsel.

Nachdem Eichin noch letzte Woche nicht über das Thema Abstiegskampf reden wollte, rückt der Relegationsplatz immer näher. Fünf Spieltage sind noch zu spielen, fünf Punkte Vorsprung auf Platz 16 stehen aktuell zu Buche, aber auch nur vier Punkte aus den letzten acht Spielen. Und mittlerweile schaut man mit mehr als nur einem Auge darauf, was Augsburg macht. Vor einiger Zeit hatte irgendjemand im Grünweiß-Stammtisch gesagt, es würden sich noch genug Mannschaften finden, die schlechter als Bremen sind. Mittlerweile bin mir da nicht mehr so sicher. Warum kann man die Fehler nicht abstellen? Warum ist die Mannschaft nicht in der Lage, über 90 Minuten konzentriert zu sein? Warum muss ich jetzt immer ängstlich auf andere Mannschaften schauen, weil ich nicht damit rechne, dass Werder es schon richten wird?

Und warum hören sich die Äußerungen der Vereinsverantwortlichen so positiv an? Ist ja schön, dass die Mannschaft sich aus dem selbst gegrabenen Loch wieder rausgezogen hat, aber wie wäre es denn, wenn man sich gar nicht erst selbst immer wieder ein Bein stellt? Wenn man den Beginn einer Halbzeit nicht immer wieder verpennen würde, sich nicht mit den immer gleichen Fehlern im Wege steht? Ja, die Moral stimmt, aber das ist ja das Mindeste in der Situation, oder? Manchmal habe ich das Gefühl, man kuschelt sich gemütlich in Richtung zweite Liga. Doch nur weil man das Wort „Abstiegskampf“ nicht in den Mund nehmen will, heißt es nicht, dass er nicht existiert und die Mannschaft nicht betrifft.

Wenn man sich das Spiel der Augsburger vom gestrigen Nachmittag anschaut, dann hat man eine Mannschaft gesehen, die einerseits den Abstiegskampf angenommen hat. Nun ist das nach der schlechten Hinrunde sicherlich nicht verwunderlich, aber die stellen sich nicht einfach nur hinten rein, sondern haben auch spielerisch überzeugen können. Diese Mannschaft hat sich die Chance auf den Klassenerhalt erarbeitet und erspielt sich mittlerweile auch die Punkte. Und vor allem hat sich die Mannschaft gestern nicht durch eklatante Fehler selbst ein Bein gestellt. Sie hätte sogar noch höher gewinnen können/müssen. Langsam will ich das alles nicht mehr sehen, sehne mir nur noch das Ende der Saison herbei und hoffe, dass am Ende drei Mannschaften weiterhin hinter uns stehen.

Lebenslang Grün-Weiß!

Vorschau auf Düsseldorf

Morgen nachmittag steigt das epische Duell um Platz vierzehn zwischen Fortuna Düsseldorf und Werder Bremen. Der neutrale Beobachter denkt vielleicht eher an Not gg. Elend oder eben Platz 14 gg. Platz 15. Auf Bremer Seite fällt im Vorfeld des Spiels vor allem das langsam voll werdende Lazarett auf. Ignjovski, Fritz, Schmitz, Akpala, Füllkrug, Ekici, Hunt und heute dann noch Sokratis und Trybull. Das Team stellt sich mittlerweile von alleine auf. Dafür rücken Spieler aus der U23 in den Kader nach, wie bspw. Wurtz oder Wegener.

Wie gestern im Grünweiß-Stammtisch angesprochen, rechnet wohl keiner mit einem schönen Spiel, nicht zuletzt auch durch die lange Liste an Ausfällen. Dadurch, dass Düsseldorf noch ein Stück dichter am Relegationsplatz ist (29 Punkte, d.h. 5 Punkte Vorsprung auf Platz 16) und im eigenen Stadion antritt, rechne ich damit, dass sie etwas aktiver sein werden. Das könnte Bremen die Möglichkeit eröffnen, sich – analog zum Gladbach-Spiel – eher defensiv auszurichten.

Ich habe letzten Freitag das Auswärtsspiel der Düsseldorfer gesehen und habe da nichts gesehen, was mich jetzt in Angst und Schrecken versetzen würde. Über weite Strecken waren die Düsseldorfer das aktivere Team, konnten aber kaum wirkliche Torgefahr entwickeln. Sie waren aber auch keine drei Tore schlechter als Hoffenheim. Beim 0:1 kassiert die Fortuna einen Gegentreffer nach eigenem Standard, das 0:2 ist ein Eigentor und das 0:3 ein klassischer Konter in der Schlussphase. Neben der defensiven Ausrichtung hoffe ich aber auch darauf, dass Schaaf vorne auf Schnelligkeit setzt, um mögliche Ballverluste des Gegners in schnelle Angriffe umzumünzen.

Abseits von der sportlichen Komponente und den möglichen Auswirkungen auf den Abstiegskampf ist es auch ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Trainer Norbert Meier spielte jahrelang an der Weser und Rechtsverteidiger Leon Balogun wechselte vor der Saison von Bremen an den Rhein, wo er sich mittlerweile einen Stammplatz erarbeitet hat. Ich tippe auf ein sehr zähes Spiel, welches sicherlich keinen Schönheitspreis gewinnt und auf ein Unentschieden. Und damit wäre ich angesichts der aktuellen Umstände nicht unzufrieden.

Lebenslang Grün-Weiß!

Selbstzerstörung

Es war vor dem Spiel klar, dass es gegen Schalke schwer werden würde. Vor allem aufgrund der offensiven Feuerkraft der Gelsenkirchener in Verbindung mit der Bremer Abwehr. Zudem musste Schaaf defensiv auf einigen Positionen umstellen, da einige Spieler verletzt fehlten. Am Ende spielte hinten rechts Sokratis, während links Ignjovski ran durfte. Im defensiven Mittelfeld spielte Hunt neben Trybull. In der Offensive setzte Schaaf von Beginn an auf Elia und Arnautovic auf den Außenbahnen. Im Vergleich zum Heimspiel gegen Fürth steht eine deutlich offensiver besetzte Mannschaft auf dem Feld. Schaaf tastet sich langsam in Richtung Balance zwischen Angriff und Abwehr vor.

Und in Halbzeit eins schien das auch perfekt aufzugehen: Schalke fand offensiv kaum stand und man konnte selbst einige gute Angriffe einleiten. Es war keine Serie an hundertprozentigen Chancen, aber man darf auch nicht vergessen, dass man einen Champions League-Anwärter zu Gast hatte. Und die ansonsten starken Außenspieler von Schalke traten in Halbzeit eins kaum in Erscheinung. Sokratis und Iggy hatten Bastos und Farfan über weite Strecken im Griff. Mit einem 0:0 ging es in die Halbzeit und ich war nicht unzufrieden mit dem Spiel. Klar, ein Tor für Bremen wäre schön gewesen, andererseits konnte man den Gegner in Schach halten.

In Halbzeit zwei kamen die Schalker etwas aktiver aus der Kabine. Sie hatten Bastos durch Raffael ersetzt und zogen Draxler aus der Mittelfeldzentrale auf die linke Außenbahn. Doch entscheidend für die Tore waren die Fehler der eigenen Spieler und weniger die Stärken des Gegners. Vor dem 0:1 wird die Werder-Abwehr mit einem Lupfer ausgehebelt, Raffael zieht über rechts in den Strafraum und versucht auf Marica abzulegen. Eigentlich scheint die Situation geklärt, denn Marica wird von drei Spielern gestellt, doch der Befreiungsschlag von Lukimya misslingt völlig. Warum er hier erst den Ball auf rechts legt, statt das Ding einfach mit links wegzuhauen, bleibt sein Geheimnis. Draxler nutzt die Situation zum 0:1 aus.

Nach dem 0:1 kommt Werder nur zu einer gefährlichen Offensivaktion: einem Freistoß durch Aaron Hunt. Leider schaufelte man sich eine noch tiefere Grube, als Lukimya einen völlig verunglückten Rückpass zu Mielitz spielt, den Raffael abfängt und zu Marica spielt. Danach war das Spiel gelaufen, denn von Bremen kam nun nichts mehr und Schalke konnte das 2:0 verwalten.

Es ist schon bitter, dass solche individuellen Aussetzer die Arbeit der ersten Halbzeit völlig torpediert haben. Während Bremen in den drei Spielen vorher einen Rückstand noch wegstecken konnte, schien schon das 0:1 diesmal der Genickbruch zu sein. Sicherlich ist es kein Wunder, dass eine Mannschaft durch so ein Gegentor noch weiter verunsichert wird. Dennoch war es bitter, wie wenig gerade offensiv noch zu sehen war. De Bruyne tauchte in Halbzeit zwei komplett ab, ebenso wie die restlichen Angreifer. Und es tut mir auch für Lukimya leid, der nun drei Gegentore in zwei Spielen aufgelegt hat.

Aus Bremer Sicht war das Positivste noch die Nachricht, dass Augsburg von der Dortmunder B-Elf geschlagen wurde und der Abstand auf den Relegations-Platz weiterhin sieben Punkte beträgt. Nächste Woche geht es dann gegen Düsseldorf, der epische „Kampf um Platz 14“. Wichtig wird es in den nächsten Tagen sein, der Mannschaft wieder neues Selbstvertrauen einzuimpfen. Ein Sieg in Düsseldorf würde Bremen zudem neuen Fan-Nachwuchs bescheren. In diesem Sinne:

Lebenslang Grün-Weiß!

Die Tabelle lügt nicht

Ich möchte das Positive gerne voran stellen: am Samstag habe ich mich im Weserstadion mit Andreas, Stefan und Lars getroffen. Trotz des eher bescheidenen Spiels war es ein echt witziger und netter Nachmittag und es war super, weitere Leute aus dem Internet auch in echt kennen zu lernen. An dieser Stelle hört dann auch das Gute am gestrigen Spiel auf.

Nach dem Spiel in Gladbach hatte man sich kurzzeitig der Illusion hingegeben, es könnte ein Schritt in die richtige Richtung gewesen sein. Das Spiel gegen Fürth war ein unangenehmer Weckruf mit der unangenehmen Erkenntnis, dass selbst gegen die Kellerkinder der Liga keine Siege zu erwarten sind. Aus fünf Spielen gegen die drei Teams auf den Abstiegsrängen holte man ganze fünf Punkte, einzig Hoffenheim konnte bisher geschlagen werden.

Schaaf vertraute auf die gleiche Aufstellung wie in Gladbach und nahm nur eine personelle Veränderung vor: Sokratis ersetzte den verletzten Fritz auf der Doppelsechs. Die Mannschaft, die den Gladbachern einen Punkt abringen konnte, durfte sich somit gegen Fürth versuchen. Ich hatte vor dem Spiel deswegen leichte Zweifel, denn auswärts gegen Gladbach war die defensive Ausrichtung in der Aufstellung und im Personal genau richtig, um das Spiel der Hausherren zu unterbinden und defensive Stabilität zu erreichen. Zuhause gegen Fürth war die Aufgabe jedoch gänzlich anders, denn die Aufgabe das Spiel zu machen, lag sicherlich nicht beim Tabellenletzten aus Franken. Und so tat sich die Bremer Mannschaft in Halbzeit eins unglaublich schwer, nach vorne zu spielen und zu nennenswerten Torchancen zu kommen. Dabei spielte man vor allem über die rechte Seite, wo Junuzovic, De Bruyne und Sokratis wenigstens zu einige Ansätze zeigten. Über links und somit über Ignjovski lief so gut wie gar nichts und wenn er mal den Ball bekam, wurde auch schnell klar, warum: ihm fehlt es an der Technik und Schnelligkeit, um sich gegen Verteidiger durchzusetzen und selbst wenn er mal Richtung Grundlinie marschierte, musste er abbrechen und sich den Ball auf den rechten Fuß legen, um Flanken zu schlagen. Die Durchschlagskraft war gleich null.

Sokratis gab den deutlich offensiveren Spieler auf der Sechs, während Trybull meist absicherte. Man kann Sokratis keinen mangelnden Einsatz und Offensivdrang vorwerfen, doch man sieht auch immer wieder, dass er im Spielaufbau oftmals limitiert ist und außer dem Trick „Ball vorlegen und mit dem Kopf durch die Wand“ kaum effektive Mittel im Eins gegen Eins vorweisen kann. So hatte es Fürth relativ leicht, die Bremer Angriffe abzuwehren. Doch nicht nur das Angriffsspiel war in Halbzeit eins nur Stückwerk, sondern es ging der Mannschaft auch jegliche defensive Stabilität ab. In Minute acht gab es erst ein Missverständnis zwischen Mielitz und Selassie, eine Minute später einen Ballverlust im Mittelfeld und schon stand wieder ein Fürther blank vor dem Bremer Kasten. Glücklicherweise hatten die Fürther da die Zielvorrichtung noch nicht justiert.

In der Halbzeit nahm Schaaf Trybull und Selassie vom Feld und brachte Hunt und Arnautovic. Ignjovski übernahm den Posten des rechten Außenverteidigers und Junuzovic rückte auf die Sechser-Position. Es ging auch gleich gut los: Hunts erste Aktion am Ball und er wird im Strafraum der Fürther gelegt. Den Elfmeter donnert er mit 48 Stundenkilometer (sagte der Karacho-Tacho im Stadion) in die Maschen. Doch das gab der Mannschaft leider nicht das erhoffte Selbstvertrauen und nur acht Minuten später ist die Bremer Abwehr nicht in der Lage, die Fürther zu stellen und Fürstner kann die Hereingabe von der linken Seite verwerten. Und nach 62 Minuten liegen die Bremer nach einem Petzos-Freistoß hinten. Und während man in Halbzeit eins viel zu defensiv unterwegs war, fällt in Halbzeit zwei auf, dass die Mannschaft viel zu offensiv ist und zum einen den Raum vor der Abwehr entblößt und zum anderen fehlt der Abwehr jegliche Anspielstation im Mittelfeld, da Junuzovic und Sokratis tief in der Hälfte der Fürther zu finden sind. Einige Male schlagen die Verteidiger lange Bälle nach vorne oder spielen hinten immer wieder quer, einfach weil sich keiner im Mittelfeld anbietet. Gerade Sokratis hätte in Halbzeit zwei tiefer stehen und somit die Verbindung zwischen Defensive und Offensive herstellen sollen. Und so geht auch in Halbzeit zwei relativ wenig nach vorne, echte Torchancen sind Mangelware. Ein Glück verteilen die Fürther noch ein Gastgeschenk in Form eines Elfers, den wieder Hunt verwandelt.

Ein Punkt gegen Fürth ist definitv zu wenig. Und langsam gewöhnt man sich daran, dass man sich in der zweiten Tabellenhälfte zunehmend einrichtet. Schaaf sagte nach dem Spiel sinngemäß, dass das gespielte System egal sein, die Spieler müssten einfach Leistung bringen (selbst wenn diese nicht auf angestammten Positionen spielen). Selbst wenn man dieser Argumentation zustimmt – was ich nicht tue – fragt man sich, warum die Spieler immer wieder die Leistung derart verweigern. Denn das Statement, die Mannschaft/Spieler würden „Dinge“ nicht umsetzen und nicht Vollgas geben, haben wir in den vergangenen Jahren auch schon häufiger gehört. Und dann frage ich mich, was man sich da für einen Kader an Leistungsverweigerern zusammengestellt hat.

51 Gegentore, davon 22 in der Rückrunde sind traurige Ligaspitze; dazu gesellen sich gerade einmal acht Punkte in den neun Spielen der Rückrunde und gerade noch sechs Punkte bis zum Relegationsplatz. Und in der Form dürfte es schwierig sein, die triste Rückrunde der letzten Saison mit mickrigen 13 Punkten noch zu übertreffen. Immer wieder ist von einem Umbruch die Rede, aber wie ich schon mehrfach schrieb, ist keine Entwicklung über den Verlauf der Saison zu erkennen. Es gab zu Beginn einige Ansätze, die in die richtige Richtung wiesen, aber davon ist kaum noch etwas zu sehen. Jeder Lichtblick wird mit einer herben Enttäuschung wieder revidiert und Schaaf scheint nur noch zu reagieren, aber nicht mehr selbst erfolgreich zu agieren. Selbst wenn man sich hinter dem Argument des Umbruchs verschanzt: sieht irgendjemand eine übergreifende Spielidee, ein Konstrukt, welches in die Zukunft weisen könnte? Wofür steht Bremen im Frühjahr 2013? Was können wir nächste Saison erwarten, vor allem wenn im Sommer wahrscheinlich nochmal wichtige Spieler gehen? Was will man eventuellen Neuverpflichtungen anbieten? Die Möglichkeit, sich international zu präsentieren fällt aus und es ist schon ein bisschen her, dass man einen jungen Spieler in Bremen auf die nächste Stufe hat heben können, um ihn dann mit Gewinn an einen großen Club zu verkaufen.

Wenn man die bisherige Punktausbeute bis zum Saisonende hochrechnet, kommt man nicht mal mehr auf 40 Punkte. Ist es das, was wir wollen? Freuen wir uns darüber, dass wir zwei Spiele ungeschlagen sind? Und was muss sich ändern, wenn man wieder erfolgreicher arbeiten will? Oder warten wir darauf, dass es die Verantwortlichen schon richten werden?

Lebenslang Grün-Weiß!

Ein Punkt in Gladbach

Nach dem 0:1 gegen Augsburg nahm der Gegenwind für Schaaf sowohl bei den eigenen Fans als auch in den Medien stark zu. Gleichzeitig stärkten ihm die Vereinsverantwortlichen in der Öffentlichkeit den Rücken. Wobei dies natürlich ein völlig normaler Vorgang ist, denn bei der ersten zweideutigen Antwort zum Trainer ist dieser zum Abschuss freigegeben. Schaaf strich den Profis den freien Montag und laut allen Beteiligten war es eine sehr intensive Trainingswoche. Gestern vormittag vermeldete die Kreiszeitung, dass Schaaf mit Doppelsechs und ohne Elia, Hunt, Arnautovic und Ekici spielen würde. Im ersten Moment habe ich das ein wenig als Aktionismus abgetan und war zudem skeptisch, ob Schaaf wirklich so stark durchrotieren würde. Vor dem Spiel dann die Bestätigung: im Gegensatz zum Augsburg-Spiel gab es einige Änderungen. Pavlovic spielte in der Innenverteidigung für die gesperrten Sokratis und Prödl. Die Doppelsechs bildeten Fritz und Trybull, die Dreierreihe davor bestand aus Iggy, Junuzovic und De Bruyne. Vorne im Sturm stand Petersen.

Um 18:30 war all das nur noch Vorgeplänkel, denn wichtiger als Namen und Systeme war das, was uns die Mannschaft auf dem Platz anbieten würde. Dabei wurde schnell klar, dass die oberste Prämisse die Defensive war. Die Mannschaft verschob sehr kompakt über den Platz: bei gegnerischem Ballbesitz ließen sich bspw. De Bruyne und Petersen sehr weit nach hinten fallen, während die Abwehr bei eigenem Ballbesitz sehr weit aufrückte. Dadurch präsentierte sich Bremen als kompakte Einheit und die teils eklatanten Lücken zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen konnten so nicht auftreten. Zumal die Mannschaft auch sehr konzentriert und diszipliniert auftrat. Zudem sorgte die Besetzung des defensiven Mittelfelds mit gelernten Defensivspielern für eine deutlich bessere Balance als die in dieser Saison zum Standard gewordene 4-1-4-1-Formation mit sechs gelernten Offensivspielern.

Und die Pläne von Schaaf gingen im Spiel voll auf. Gladbach kam nur sehr schwer ins Spiel und tat sich schwer damit, Lücken in der Bremer Mannschaft zu finden. Natürlich tat sich Bremen selbst auch schwer damit, das eigene Offensivspiel aufzubauen, aber nach den enttäuschenden Auftritten der letzten Wochen war es vor allem wichtig, hinten sicher zu stehen und in diesem Punkt machte die Mannschaft alles richtig. Nur Pavlovic tat sich zu Beginn des Spiels noch ein bisschen schwer, als er sich von Patrick Herrmann zweimal viel zu leicht abkochen, aber im Laufe des Spiels steigerte er sich und rettete kurz vor Ende des Spiels noch das Unentschieden, als er einen Schuss von Mlapa aufs leere Tor klären konnte.

In der zweiten.Halbzeit kam Hunt für den angeschlagenen Fritz und Junuzovic nahm die Position in der Doppelsechs ein. Die zweite Halbzeit wurde etwas ansehnlicher, da beide Mannschaften zu ein paar guten Gelegenheiten kamen. Leider waren es die Gladbacher, die zum ersten Tor kamen: nach einer Ecke der Fohlen räumen sich Pavlovic und Trybull im Strafraum gegenseitig ab und Mlapa braucht nicht mal hochzuspringen, um das 1:0 zu erzielen. Man kann sich auch fragen, warum bei gegnerischen Standards keiner der Pfosten besetzt wird. Haben wir sowas nicht nötig? Sieht das evtl. doof aus? Ich weiß es nicht, vor allem aber verstehe ich es nicht. Ein Mann am ersten Pfosten hätte das 0:1 locker verhindern können. Die Mannschaft zeigt jedoch eine prompte Reaktion auf den Gegentreffer und nur fünf Minuten später war es Ignjovski, der eine scharfe Hereingabe von De Bruyne ins Tor brachte. Danach hatte Bremen noch ein, zwei Gelegenheiten, die aber nicht konsequent zu Ende gespielt wurden.

Das Spiel war ein Beispiel dafür, dass auch Schaaf durchaus in der Lage ist, sich etwas einfallen zu lassen, um das Spiel des Gegners lahmzulegen. Über 90 Minuten kam Gladbach nur zu einigen wenigen gefährlichen Angriffen. Und ich führe das in erster Linie auf den disziplinierten Auftritt der Bremer zurück. Das Spiel gestern lässt natürlich auch die Frage zu, warum man nicht schon früher zu solchen Mitteln gegriffen hat, vor allem bei Auswärtsspielen gegen stärkere Gegner. Und was bedeutet das Spiel für die kommenden Begegnungen? Wird auch in Zukunft vor allem das defensive Mittelfeld mit Spielern bestückt, die dort hingehören? Eine Doppelsechs mit Junu und Trybull? Davor eine Dreiherreihe mit De Bruyne, Hunt und Arno? So wie gestern zu Ende des Spiels? Vor allem De Bruyne machte gestern in der Mittelfeldzentrale ein bärenstarkes Spiel und fast alle Angriffe liefen über ihn.

Spiele wie das gestrige zeigen, das Schaaf durchaus bereit ist, etwas zu ändern und er offensichtlich die Probleme im Spiel erkennt und auch Ideen hat, wie diese zu beheben sind. Aber warum wird das so selten umgesetzt? Warum muss die Mannschaft erst an den Punkt der völligen Verunsicherung nach dem Augsburg-Spiel kommen, bevor Schaaf sich dazu entscheidet, der Mannschaft durch eine defensive Spielweise zu mehr Stabilität zu verhelfen? Natürlich ist das Konzept von gestern nicht für jedes Spiel geeignet und am nächsten Samstag möchte ich eigentlich nicht, dass die Mannschaft gegen den Tabellenletzten zu Hause so einigelt, aber ich würde mir mehr Reaktion auf die Gegner und deren Spielweise wünschen. Die Zeiten, wo wir unser Spiel fast jedem Gegner aufzwingen konnten, sind lange passé. Man darf gespannt sein, wie Schaaf in den nächsten Spielen reagiert oder ob dies nur eine Ausnahme war und man nach dem kleinen Zwischenerfolg wieder zur gewohnten Tagesordnung zurückkehrt.

Zum Abschluss möchte ich an der Stelle noch das Schirigespann rund um Wolfgang Stark loben. Zum einen, weil sie das Spiel gut geleitet haben und zum anderen, weil sie einen Treffer von Patrick Herrmann nicht anerkannt haben. Das Schwierige an der Situation: der Linienrichter konnte nicht sehen, ob Younes den Ball per Hacke weitergeleitet hatte, ließ daher erstmal die Fahne unten. Nach dem Tor kommunizierte er zunächst mit Stark, um ihn zu fragen, ob er die Situation mit dem Hackenpass gesehen habe. Stark bestätigte die Ballberührung von Younes, so dass der Linienrichter ihn auf die Abseitsstellung von Herrmann aufmerksam machte. Stark erkannte daraufhin das Tor nicht an. Man muss es ja auch mal anerkennen, wenn die Schiedsrichter eine gute Leistung zeigen und nicht immer nur bei schwachen Leistungen auf ihnen rumhacken.

Lebenslang Grün-Weiß!

Niederlage gegen Augsburg

Eigentlich hatte ich gehofft, nach dem Spiel gegen Augsburg endlich mal wieder was positiveres bloggen zu können, doch nach dem 0:1 am gestrigen Nachmittag ist die Stimmung bei mir und vielen anderen Werder-Fans endgültig am Boden. Ich hatte eigentlich mit sieben Punkten aus den nächsten drei Spielen gerechnet, und vor allem gegen Augsburg und Fürth jeweils einen Heimsieg fest eingeplant. Nicht, weil die Mannschaften nur Laufkundschaft sind, denn das ist keine Mannschaft mehr für Bremen, sondern weil sich die Frage stellt, wen man noch schlagen will, wenn nicht die Kellerkinder der Liga. Unter der Woche zog das Trainer-Team alle Register: Spielerschelte und Ausreden, doch wirklich aufschlussreich war vor allem die PK am Donnerstag, wo Schaaf zugab, dass es ihm und der Mannschaft nicht gelungen ist, die Fehler abzustellen, die im Winter-Trainingslager besprochen wurden. Und mir persönlich macht es schon ein bisschen Angst, wenn ein Trainer mehr oder minder zugibt, dass die tägliche Trainingsarbeit und das Besprechen von immergleichen Fehlern offensichtlich keine Veränderung nach sich zieht.

Augsburg kam mit einer breiten Brust nach Bremen und die Frage war, wie die Grün-Weißen sich nach der Niederlage in München präsentieren würden. Schaaf setzte auf ein 4-1-4-1 und statt Elia startete Ekici auf der Linksaußen-Position. Relativ schnell wurde deutlich, dass Augsburg sich perfekt auf diese Spielweise eingestellt hatte. Sie doppelten auf den Außenbahnen und konnten somit den normalen Spielaufbau von Werder unterbinden. Ekici tauchte völlig ab und man merkte einfach, dass er sich da nicht wirklich wohl fühlt. Beim 0:1 verliert man erst im Mittelfeld den Ball und kann dann einen hohen Ball in den Strafraum nicht verteidigen, da Schmitz nicht eng genug am Gegner steht. Am Schluss kommt Ignjovski gegen Werner zu spät, der den Kopfball verwandelt.

Was mich mit zunehmender Spieldauer erst irritierte und gegen Ende verärgerte war das Ausbleiben jeglicher Anpassungen an die Defensivstrategie der Augsburger. Obwohl Bremen nur eine richtig hochkarätige Chance in Halbzeit eins hatte (nach einer Einzelaktion von Arnautovic), wurde in der Halbzeit Elia für Ekici gebracht, die Spielweise blieb jedoch gleich. Dabei konnte Elia das Spiel auf seiner Seite zwar beleben und sich auch einige Male durchsetzen, doch leider blieben die Aktionen weitgehend harmlos, da er seine Aktionen nicht mit einem gefährlichen Pass zu Ende brachte. Auch der Wechsel von Akpala für Hunt sorgte nicht für mehr Gefahr, stattdessen lief Akpala weitgehend orientierungslos über den Platz und nahm am Spiel de facto nicht teil. Ich verstehe einfach nicht, warum man es so selten sieht, dass im laufenden Spiel auf die Gegebenheiten reagiert wird, sondern man 90 Minuten einen Stiefel runterspielt und hofft, dass es irgendwann schon noch klappen wird. Obwohl man schon nach wenigen Minuten sieht, dass der Gegner gut eingestellt ist. Zwar hatte man noch einige gute Chancen in Halbzeit zwei, doch wirklich herausgespielt waren die wenigsten. Und ja, Winkmann hatte Recht, als er nicht auf Elfmeter für Bremen entschied, auch wenn es eine enge Geschichte war.

In der Halbzeit und nach dem Spiel gab es mehr als nur zarte Pfiffe im Weserstadion zu hören. Eichin stellte sich demonstrativ vor den Trainer und nahm die Mannschaft in die Pflicht, während Schaaf selbst direkt nach dem Abpfiff im Sky-Interview völlig konsterniert wirkte. Von den Spielern hatte immerhin Sokratis die Situation erkannt und nahm das Wort „Abstiegskampf“ in den Mund, den auch wenn es noch sieben Punkte bis Relegationsplatz sind, spielt Werder in der aktuellen Form eher wie ein Absteiger und nicht wie ein Europapokal-Aspirant. Ich bin auf die nächsten Tage gespannt, welche Aussagen von den Offiziellen getroffen werden. Der Angriff auf die Spieler von Rolff hat ja schonmal keine Reaktion hervorgebracht. Auch bei den Fans nehmen die Diskussionen und vor allem die Schärfe der Diskussionen zu. Auf der einen Seite diejenigen, die einen Trainerwechsel befürworten oder zumindest nicht mehr ausschließen, auf der anderen Seite diejenigen, die Schaaf die Treue halten und sich jegliche Trainerdiskussion verbitten. Fakt ist, dass ich mir einfach nur wünschen würde, dass die Saison vorbei ist. Es ist einfach keine Vorfreude auf den nächsten Spieltag mehr vorhanden, denn bisher wurde man noch jedes Mal eines besseren belehrt, wenn man dachte, dass es nicht mehr schlimmer kommen könne. Langsam schlägt die Ernüchterung der letzten Wochen bei mir  in Ironie und Sarkasmus um.

Lebenslang Grün-Weiß!