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Hilflosigkeit

In der aktuellen Ausgabe des Grünweiß-Podcasts haben Tobi und ich über die Aussagen aus dem Trainer-Team diskutiert und wie diese zu interpretieren sind. Wolfgang Rolff äußert sich nur sehr selten öffentlich, schon alleine die Tatsache, dass er sich zu Wort meldet, lässt einen aufhorchen. Den Inhalt seiner Aussagen hat Lars im Werderblog schon auseinandergenommen. Ich würde noch ergänzen, dass die Taktik, die Spieler so frontal anzugreifen und teilweise auch namentlich zu nennen schon außergewöhnlich ist. Vielleicht soll damit eine Reaktion provoziert werden, aber letztlich kommt man auch schnell zu den Schlüssen die Lars zieht: warum werden die geforderten Dinge nicht vermittelt bzw. woran hapert es?

Eine weitere interessante Aussage stammt von Thomas Schaaf, der nach der Klatsche in München auf die jungen Spieler und deren Unerfahrenheit verwiesen hatte. Ich denke, es gibt genug Beispiele dafür, dass die Erfahrung an sich nicht das allein ausschlaggebende Kriterium für die defensive Stabilität ist. In dem entsprechenden Artikel von Lars wird ja deutlich, dass bspw. Freiburg über weniger Erfahrung verfügt, aber wenn man sich die Defensive anschaut, deutlich besser dasteht. Außerdem sind das ja keine A-Jugendlichen, die man in die Profimannschaft befördert hat. Sokratis, Prödl und Selassie sind Nationalspieler ihrer jeweiligen Länder und auch wenn Griechenland, Österreich und Tschechien vielleicht nicht zu den Top-Mannschaften gehören, so spricht das ja schon für eine gewisse Qualität. Schmitz hat schon ausreichend Erfahrung und Lukimya hat letzte Saison in der Abwehr des späteren Aufsteigers Düsseldorf gespielt.

Was darüber hinaus irritiert ist der Umstand, dass man vor der Saison Selassie, Lukimya und Sokratis verpflichtete bzw. die Kaufoption zog. Es war die Rede vom Umbruch, von neuen, frischen Spielern, die mit Herz und Leidenschaft spielen. Ich kann mich auch daran erinnern, wie zu Saisonbeginn die tolle Stimmung und der Teamgeist gelobt wurde. Und nun soll die Unerfahrenheit schuld an den anhaltenden Problemen sein? Man hätte im Umbruch ja auch erfahrenere Spieler holen können. Und sollte es nicht Ziel sein, die jungen Spieler zu entwickeln, zumal diese ja auch kontinuierlich an Erfahrung gewinnen? Lässt sich die mangelnde Erfahrung nicht durch ein stimmiges taktisches und spielerisches Konzept ausgleichen und zum eigenen Vorteil nutzen? Ich werfe Schaaf nicht vor, dass man im kommenden Sommer den Kader durch erfahrene Spieler ergänzen will, doch sollte man es sich nicht zu einfach machen und die teils erschreckenden Leistungen in der Defensive alleine auf junge und unerfahrene Spieler zu schieben. Zumal man damit ja indirekt auch wieder Spielerschelte betreibt und zudem das eigene Handeln vor der Saison und zu Beginn der Saison ein wenig konterkariert.

Für mich drückt sich in den Aussagen von Schaaf und Rolff eine gewisse Hilflosigkeit aus. Eigentlich sollten beide Lösungen der selbst angesprochenen Probleme erarbeiten und sich nicht hinter Ausreden verstecken bzw. die Spieler angehen. Ich weiß, gerade Rolffs Aussagen sind sehr populär, denn endlich sagt einer den überbezahlten Millionären mal, wo der Hammer hängt. Und auch Schaaf liefert eine – vordergründig – plausible Antwort auf die Probleme dieser Saison. Alleine, mir reicht das nicht mehr. Seit Jahren werden wir vertröstet, ohne dass sich etwas zum besseren ändert. Und ich bin es leid, bspw. bei Spielberichten auf Spielverlagerung die immer gleichen Probleme unter die Nase gerieben zu bekommen.

Freiburger Lehrstunde

Da ist die Serie auch schon wieder vorbei, noch bevor man es wirklich eine Serie nennen konnte. Freiburg gewinnt mit 3:2 in Bremen und legt dabei schonungslos die Defizite der Bremer offen. Klar, drei Alu-Treffer stehen am Ende für die Grün-Weißen, geht einer der Bälle ein Stückchen weiter links, rechts oder nach unten, dann holen wir ein Unentschieden in diesem Spiel. Aber sollte das über die Tatsache hinwegtäuschen, dass man über weite Strecken der ersten Halbzeit nicht am Spiel teilnahm? Dass man beim ersten und dritten Gegentor den üblichen Abwehr-Slapstick abliefert. Das Spiel legt auch nahe, dass es in den vergangenen beiden Spielen nicht alleine Bremens Stärke war, die zu insgesamt sechs Punkten führte, sondern auch die Schwäche der jeweiligen Gegner.

Im Sportclub am gestrigen Abend meinte Sebastian Prödl, man habe dem Gegner zu viel Platz gelassen und sei nicht in die Zweikämpfe gegangen bzw. gekommen. Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung, aber wie oft haben wir so etwas in letzter Zeit nach Niederlagen gehört und viel wichtiger: wenn die Spieler das erkennen, warum ändern sie dann nichts daran. Warum führt ein Einwurf in der Bremer Hälfte schnurstracks zum 0:1 und warum kann ein Freiburger beim 2:3 völlig blank im Fünfmeter-Raum stehen? Und warum sehen wir solche Fehler immer und immer wieder? Man kann diese Niederlage auf den Schultern der Spieler abladen und sich jeglicher Diskussion über den Trainer entziehen. Aber wenn man auf die Spieler des Gegners schaut, will mir doch keiner erzählen, dass diese Mannschaft eine höhere Qualität mitbringt als Bremen, oder? Aber warum schafft es der SC Freiburg mit einer Truppe von überwiegend No-Names und jungen Spielern (übrigens auch immer gerne eine Entschuldigung schlechter Leistungen an der Weser) die zweitbeste(!) Defensive der Liga zu stellen?

In der Winterpause der letzten Saison lag der SCF auf Platz 18, mit fünf Punkten Rückstand auf das rettende Ufer. 39 Gegentore hatte man sich zu diesem Zeitpunkt gefangen, der schlechteste Wert der Liga. Zudem ging Cissé nach Newcastle und nicht wenige erklärten die Freiburger zum ersten feststehenden Absteiger. Bis man einen Wechsel auf der Trainerbank vollzog und Christian Streich die Zügel in die Hand gab. In der Rückrunde schaffte Streich den Turnaround, das Team kassierte nur noch 22 Tore und belegte in der Rückrundentabelle den 7. Platz. Und am Samstag konnt man auch sehen, wo das Erfolgsgeheimnis der Breisgauer liegt: In der Defensive arbeitet das ganze Team mit und der Gegner wird tief in der eigenen Hälfte unter Druck gesetzt und am Spielaufbau gehindert. Bei Balleroberung wird schnell umgeschaltet und aufgrund des guten Pressing kommt man in guten Positionen an den Ball.

In etwas mehr als einem Jahr hat Streich aus einem sicheren Absteiger einen Anwärter auf den internationalen Wettbewerb geformt. Neben dem Feld finde ich Streich mitunter anstrengend, was nicht alleine mit seiner „kauzigen“ Art zu tun hat, sondern auch damit, dass er immer wieder Verschwörungstheorien ins Feld führt, wenn er sein Team von den Schiedsrichtern benachteiligt sieht. Aber für das, was er auf dem Platz mit seiner Mannschaft abliefert, gebührt ihm Anerkennung.

Im oben angesprochenen Sportclub verwies Studiogast Schaaf abermals auf die junge und erfahrene Mannschaft, die eben zu solchen Schwankungen in den Leistungen führt. Leider verpasste es Star-Journalist Delling, hier mal nachzufragen, wo genau denn die Unterschiede zu den ebenfalls jungen Freiburgern liegen und auch mal zu eruieren, dass ja bspw. in der Mannschaft die meisten Spieler über ein gerüttelt Maß an Bundesliga-Erfahrung verfügen. Aber es ist alles gut, wir haben alles im Griff. Und überhaupt ist ja in Freiburg alles anders als in Bremen. Kein Grund also, neidisch auf die Entwicklungen im Breisgau zu schauen und vor allem auch kein Zeichen dafür, was ein Trainer im Hinblick auf individuelle Fehler auszurichten vermag. Oder war das Spiel nicht nur eine Lehrstunde auf dem Platz, sondern auch daneben?

Am nächsten Spieltag geht es dann nach München und immerhin hatte Schaaf gestern recht, als er meinte, dass es das einfachste Spiel der Rückrunde sein würde. Keiner erwartet etwas anderes als eine deutliche Niederlage und scherzhaft habe ich schon überlegt, ob man nicht einfach das Spiel am grünen Tisch verloren gibt. Das schont sowohl Umwelt als auch Nerven und man kann sich auf das darauf folgende Spiel gegen Augsburg konzentrieren. Aber schauen wir mal, als Fan hofft man ja selbst bei solch aussichtslosen Partien auf einen erfolgreichen Ausgang.

Lebenslang Grün-Weiß!

Eine Frage des Selbstvertrauens

Fußball ist einerseits ein relativ simples Spiel. Um dem Spiel folgen zu können, genügt es, die wichtigsten Regeln zu kennen und deren Zahl ist überschaubar. Dennoch ist es gleichzeitig ein unglaublich komplexes Spiel, in dem viele Faktoren eine Rolle spielen können. Von der Klasse der einzelnen Spieler, über die Stimmung im Team bis hin zur Taktik oder auch so banalen Dingen wie dem Einfluss des Zufalls. Im gestrigen Spiel ist mir (neben auch anderen Dingen) der Einfluss des Selbstvertrauens aufgefallen, also „die Bewertung, die man von sich selbst hat„.

Beweisstück A: Der Gegner

Der VfB Stuttgart kam mit einer Negativserie von vier Niederlagen am Stück in dieses Spiel. Die Mannschaft begann das Spiel äußerst aggressiv und schien bereit, sich gegen diese Serie zu stemmen. Man drückte Bremen tief in die eigene Hälfte und konnte den Bremer Spielaufbau weitgehend unterbinden. Schon nach zwei Minuten hatte Sakai eine richtig gute Chance auf dem Fuß, die er zum Glück vergab.  Doch nach knapp 20 Minuten konnte sich Bremen aus der Umklammerung befreien und das eigene Spiel aufziehen. Die erste richtig gute Gelegenheit hatte Kevin de Bruyne, der erst am Pfosten und mit dem Nachschuss an Ullreich scheiterte. In der 34. konnte Ekici eine Hereingabe/Schuss von De Bruyne zum 1:0 verwandeln, dem gleichzeitigen Halbzeitstand. Im zweiten Durchgang kam Stuttgart zum Ausgleich durch Traoré und wer dachte, dass die Stuttgarter dadurch sicherer werden, der sah sich schnell eines besseren belehrt. Kvist pennt und lässt sich von Petersen (der wieder zeigte, wie exzellent seine Arbeit gegen den Ball ist) den Ball an der Mittellinie abnehmen. Einen Pass später ist Hunt frei durch und macht das 1:2. Eine knappe Viertelstunde später ist es Niedermeier mit einem Katastrophenpass, den Hunt abfängt und der zum Freistoß führt, den Ekici direkt verwandelt. Aus dem Ausgleich konnte Stuttgart kein Kapital schlagen und lud die Bremer mit den Fehlern geradezu ein.

Beweisstück B: Ekici

Mehmet Ekici war in der Winterpause eigentlich schon abgeschrieben. In der ersten Saison durch Verletzungen immer wieder zurückgeworfen, spielte Memo in der Hinrunde offensichtlich auch keine wirkliche Rolle in den Überlegungen von Thomas Schaaf. Es wäre nicht überraschend gewesen, wenn man in der Winterpause versucht hätte, Ekici zu verkaufen oder auszuleihen, obwohl Schaaf Anfang Dezember davon sprach, Ekici zu brauchen. Im Spiel gegen den HSV stand Memo dann auf einmal in der Startelf und absolvierte seit gefühlten Ewigkeiten wieder ein ganzes Spiel, auch wenn er nicht wirklich zu überzeugen wusste. Etwas überraschend stellte ihn Schaaf gegen Hannover auf und er spielte deutlich überzeugender. Eigentlich hatte ich vor dem Spiel in Stuttgart damit gerechnet, dass Ekici für Arnautovic Platz machen würde, aber eine Verletzung von Arno sorgte dafür, dass Schaaf sich gar nicht zwischen den beiden entscheiden musste. So kam Ekici zum Zuge und avancierte durch die beiden Tore zum Man of the Match. Vom Abgeschriebenen zum Matchwinner in nur 270 Minuten. Und auf einmal ist Ekici wieder mittendrin, ein Teil des Teams und eine wertvolle Option. Was so ein bisschen Spielpraxis und zwei Tore ausmachen können. Ich bin gespannt, wie die Aufstellung für das nächste Spiel aussieht, wenn Arno wieder dabei ist (und sofern sich niemand verletzt).

Nach 15 Monaten konnte Bremen endlich wieder zwei Spiele in Folge gewinnen. Wir haben eine Mini-Serie am Laufen. Und auch wenn es sicherlich kein überragendes Spiel war, so hat man doch deutlich gewonnen und aus den Fehlern des Gegners Kapital geschlagen. Ich hoffe, dass sich das angesprochene Selbstvertrauen auch ins nächste Heimspiel gegen den SC Freiburg überträgt. Und noch mehr hoffe ich, dass auch nach dem zweiten Sieg in Folge keiner abhebt, keiner von Europa erzählt, sondern man einfach versucht, die nächste Partie für sich zu betrachten und erfolgreich zu gestalten. Oder wie Sokratis neulich meinte: erstmal 40 Punkte voll machen und dann gucken, was noch passiert.

Lebenslang Grün-Weiß!

Schleichendes Gift

Zum Spiel selbst möchte ich gar nicht viele Worte verlieren, sondern auf etwas anderes eingehen: nach der gestrigen Derby-Niederlage fanden auch die Diskussionen um Thomas Schaaf neue Nahrung. Was Kritikern des Bremer Trainers gerne entgegen gehalten wird: man könne Schaaf nicht in Anbetracht der beiden Spiele gg. Dortmund und vor allem den HSV zum Sündenbock machen. Muss man nicht Milde walten lassen, denn schließlich fehlten mit Arnautovic und Hunt zwei wichtige Spieler in der Startaufstellung? Hat der Schiri uns nicht total verpfiffen? Und war nicht eine Leistungssteigerung erkennbar gegenüber dem Spiel eine Woche vorher sichtbar? Bis vor Kurzem habe ich genauso auf Kritik an Schaaf reagiert. Die Verletzten/Gesperrten schmälern die Qualität der Mannschaft, der Schiri hat uns die Punkte geklaut und hey, wir haben nur mit einem Tor verloren und immerhin wieder selbst getroffen. Es geht also aufwärts!

Mittlerweile geht es nicht mehr um das letzte Spiel oder die letzten beiden Spiele. Es geht um die letzten Jahre. Es geht um Fehler, die systemimmanent zu sein scheinen und an denen weder die Namen der aufgestellten Spieler, noch die Aufstellung oder die taktische Grundausrichtung etwas zu ändern scheinen. Ob Raute, 4-2-3-1 oder 4-1-4-1: die defensiven Probleme bleiben gleich. Eigentlich bin ich zuversichtlich in diese Saison gegangen, neue Spieler, ein neues System und die ersten Liga-Spiele zeigten zumindest in die richtige Richtung. Doch wie schon letzte Woche im Grünweiß-Podcast erwähnt, stockte die Entwicklung der Mannschaft relativ schnell wieder. Von den einstigen guten Ansätzen ist kaum noch etwas zu sehen, stattdessen wirkt die Mannschaft zunehmend verunsichert.

Schaaf selbst flüchtet sich in Floskeln, spricht davon, dass er die Mannschaft mit seinem Fokus auf Defensivarbeit nervt. Man fragt sich schon, warum die Predigten nicht fruchten. Kann er es seinen Spielern nicht erklären? Sind seine Anforderungen zu komplex? Begreifen es die Spieler nicht? Oder reicht die Qualität der Spieler einfach nicht? Sollte einer der Gründe hier zutreffen, so macht mir dieser Umstand Angst. Oder Schaaf verweist (zugegebenermaßen in einem BLÖD-Interview) darauf, dass die Zuschauer halt offensiven Fußball sehen wollen. Ich für meinen Teil will momentan erst einmal erfolgreichen Fußball sehen. Die Ästhetik muss da hinten anstehen. Ist das jetzt Schaaf-Bashing, wie einige dann entgegnen? Ich glaube nicht, denn die Kritik an einer langfristigen Stagnation der Mannschaft muss doch erlaubt sein. Und wenn gravierende Defizite in elementaren Bereichen über Jahre nicht behoben werden, so muss man auch fragen, ob Schaaf noch der richtige Trainer für den SVW ist.

Andere Mannschaften stehen mit nominell deutlich schwächer besetzten Kadern vor uns. Trainer wie bspw. Tuchel oder Streich haben ihren jeweiligen Teams zuerst eine defensive Stabilität gegeben und darauf aufbauend einen Weg gesucht, wie man offensiv daraus Kapital schlägt. Sie schaffen es, aus ihren Mannschaften mehr rauszuholen als die Summe der einzelnen Teile (siehe auch Dortmund in den letzten beiden Jahren!). Eine Sache, die Schaaf seit Jahren nicht mehr schafft.  Denn nominell ist die Mannschaft in meinen Augen deutlich stärker als es die Tabelle widerspiegelt. Es geht nicht mehr darum, ob man Schaaf Unrecht tut, denn allmählich muss man sich um den SVW im Allgemeinen Sorgen machen. Es geht auch nicht darum, Schaafs Leistungen der Vergangenheit zu schmälern. Er wird seinen Platz im Werder-Olymp bekommen und das ist auch gut so. Aber es geht eben nicht um gestern oder vorgestern, sondern um heute und morgen. Ohne internationales Geschäft werden Spieler wie Arnautovic oder Sokratis nicht lange an der Weser kicken. Und auch wenn der Beitrag des Worum-Blogs über die Nachwuchsarbeit des SVW vielleicht ein bisschen einseitig ist, lässt er vermuten, dass der Nachwuchs in nächster Zeit keine verlässliche Quelle an bundesligatauglichen Spielern sein wird.

Man kommt sich vor, wie in einer langjährigen Beziehung. Damals im Frühjahr 1999 brachte Schaaf frischen Wind. Die Flirts mit De Mos, Dörner, Sidka und Magath waren kurz, aber enttäuschend. So ein wirklich wohliges Gefühl wollte sich mit keinem einstellen. Schaaf war irgendwie bekannt, ein guter Freund, den man noch einmal genauer kennenlernen durfte. Erst rettete er uns vor dem Abstieg und holte uns den DFB-Pokal. Er brachte noch Allofs mit, ein klassischer Dreier. Danach lernte man sich immer besser kennen, ein wohliges Gefühl stellte sich ein: Schmetterlinge im Bauch. Der Höhepunkt dann 2003/04 mit dem Double. Wir waren die Traumkombi, die anderen Vereine pfiffen uns anerkennend hinterher. Wir waren sexy, wir waren der heiße Scheiß da draußen. Danach reiteten wir noch eine ganze Zeitlang auf der Welle des Erfolgs und wir gewöhnten uns dran. Doch allmählich zeigten sich auch die Macken des anderen. Und was man anfangs noch als kleine Wunderlichkeit abtat, wird zunehmend zum Ärgernis. Dunkle Wolken legen sich über die einst große Liebe. Nein, nicht von heute auf morgen, sondern ganz langsam und schleichend. Langsam ist man nicht mehr der Blickfang, man ist nichts Besonderes mehr. Sexy sind längst andere. Man will es nicht wahrhaben und redet sich ein, dass es schon wird. Jetzt nicht aufgeben, wir reißen das Ruder schon noch rum, dann geht es wieder aufwärts mit der Beziehung. Und nun sitze ich hier und mein Herz ist gebrochen. Ich weiß, dass sich die Risse zwischen uns nicht mehr kitten lassen und auch wenn ich Schaaf keine Beleidigungen hinterherrufen mag, so ist mir klar, dass er gehen muss.

Ich weiß nicht, ob es danach besser wird, aber das kann uns nicht daran hindern, Veränderungen herbeizuführen. Ich will nicht mehr warten, dass schon irgendwie alles besser wird. Das habe ich, das haben auch viele andere in den vergangenen zweieinhalb Jahren getan. Natürlich sind die Vorzeichen schlecht, denn vorletzten Sonntag gab sich Lemke im Doppelpass alle Mühe, Schaaf mit einem Blankoscheck auszustatten. Ich verstehe ja, dass man in so einer Runde den Trainer nicht zum Abschuss freigibt, aber Lemke ließ so gar keine Kritik an Schaaf zu. Hip Hip Hurra, alles ist super, alles ist wunderbar! Sind ja neun Punkte bis zu einem Abstiegsplatz und offenbar sind Augsburg, Fürth und Hoffenheim schon als Absteiger festgelegt. Kann ja nix passieren, oder? Hoffen wir, dass es nicht doch noch ein böses Erwachen gibt, denn eine weitere Niederlage am Freitag gegen Hannover und die Negativ-Serie nimmt ihren Lauf. Oder liege ich falsch? Ist alles halb so wild und wir sind nur kurz davor, einen Lauf hinzulegen?

Lebenslang Grün-Weiß!

 

Von grauen Mäusen

Es ist schwer, etwas zum Spiel am Samstag abend zu sagen, vor allem, wenn man es nicht in voller Länge gesehen hat. Das es gegen Dortmund schwer werden würde, war mir schon vorher klar, nicht zuletzt wegen der angekündigten taktischen Umstellung. Das „spanische Modell“ sollte u.a. den Ausfall von Arnautovic kompensieren und gleichzeitig die Dortmunder in Schach halten. Die Taktik-Füchse von Spielverlagerung nennen es „eine beeindruckende Taktik der Bremer aus theoretischer Sicht„. Das Problem ist halt nur die Umsetzung und da sieht man, dass Taktik auch nur ein Faktor von mehreren ist, der ein Spiel beeinflusst. Reus‘ Freistoß in Minute 9 stellte sämtliche Theorie auf den Kopf. Vielleicht hat Dortmund uns nicht völlig an die Wand gespielt, sondern vor allem von einer immensen Effektivität profitiert, aber letztlich hat Bremen im Spiel nach vorne kaum etwas Gefährliches zustande gebracht.

Schaaf selbst will von einer falschen Taktik nichts wissen. Aber was ist es dann? Die Abstimmungsschwierigkeiten sowohl in der Defensive als auch im Aufbau waren nicht zu übersehen. Immer wieder stimmten Laufwege nicht und vor allem Petersen schien mit seiner Rolle auf der rechten Außenbahn nicht wirklich klar zu kommen. Schon im Trainingslager konnte mich Petersen auf rechts nicht überzeugen, auch wenn die Ergebnisse darüber hinwegtäuschen. Was sagt es über den Kader aus, wenn der Ausfall von einem Spieler (Arno) schon eine Abkehr vom bisherigen System nach sich zieht? Hätte man nicht Yildirim eine Chance auf rechts geben können und so im „üblichen“ 4-1-4-1 spielen sollen? Sind es nur die Umstände und das Glück der Dortmunder, welches uns auf die Verliererstraße gebracht haben? Soll man Schaaf dafür loben, dass er wenigstens versucht hat, sich etwas einfallen zu lassen gegen den BVB?

Ich weiß, es ist nur ein Spiel, noch sind 16 Spieltage zu absolvieren, aber das Spiel am Samstag hat mir sämtliche Vorfreude auf die Rückrunde verhagelt. Wieder einmal hat man sich eine ganze Menge vorgenommen und wieder einmal endete es mit einer gründlichen Enttäuschung. Vielleicht sind wir noch keine „graue Maus“, wie es der kicker schreibt, aber ganz sicher sind wir nur noch Mittelmaß. Vorletzte Saison fast abgestiegen, letzte Saison im Mittelfeld und wenn man es nüchtern betrachtet, sieht es diese Saison nicht besser aus. Der Glanz vergangener Tage und die Tatsache, dass bei Spielen des SVW immer was los sein kann retten uns vor dem Status der grauen Maus, aber viel ist es nicht mehr. Das Ziel ist Europa, aber derzeit sind wir auf direktem Kurz zu 60 Gegentoren. Und Tobias hatte es auf Facebook schonmal angesprochen: Welche Mannschaft kommt mit einer solchen Defensive ins internationale Geschäft? Und schafft die Mannschaft hier wirklich den Turnaround hin zu einer stabilen Defensive? Die Hinrunde hat sicherlich Anlass zu Optimismus in einigen Bereichen geboten, aber schon dort gab es mehr als leise Zweifel an der Defensive.

Eigentlich halte ich Jörg Wontorra für eine Karikatur eines Sportjournalisten, der im „Doppelpass“ meist nur Dünnpfiff von sich gibt. Aber gestern hat er Willi Lemke eine sehr interessante Frage gestellt, auf die Willi in bester Politikermanier nicht einging. Sinngemäß fragte Wontorra, warum andere Trainer in einem Umbruch zunächst auf eine starke Defensive setzen (bspw. Tuchel oder Streich) und Schaaf versucht, die Offensive zum Laufen zu bekommen und somit einen anderen Weg geht. Wie gesagt, eine Antwort darauf kam nicht, aber Lemke sprach in der Sendung mehrfach Schaaf das Vertrauen aus. Mein Vertrauen wird er sich wieder erarbeiten müssen und mich davon überzeugen, dass der eingeschlagene Weg zum Erfolg führt. Am Sonntag ist in Hamburg Wiedergutmachung angesagt. Hoffen wir, dass es mehr als nur warme Worte sind.

Lebenslang Grün-Weiß!

Das Werder Jahr von A – Z

Frisch gemästet durch diverse Weihnachts-Leckereien noch ein kurzer Blick zurück aufs vergangene Jahr. Mal sehen, ob zu allen Buchstaben was einfallen will.

Alte Zöpfe: Im Laufe des Jahres haben wir uns von einigen alten Zöpfen getrennt. Im Sommer gingen mit Naldo, Wiese und Pizarro einige bekannte Werder-Gesichter. Im Herbst folgte dann auch der Manager dem Ruf des Geldes und verlagerte seine Zelte nach Golfsburg.

Balance: Auch dieses Jahr waren wir auf der Suche nach der Balance zwischen Offensive und Defensive. Es soll sie ja angeblich irgendwo da draußen geben.

Chancenverwertung: Könnte definitiv besser sein, denn wir spielen uns genügend Möglichkeiten heraus.

De Bruyne: Leihgabe vom FC Chelsea und schon jetzt wissen wir alle, wie sehr er uns nach der Saison fehlen wird, wenn er wieder zurück zum Stammverein geht.

Effekthascherei: Spezialdisziplin der Presse. Zwei Beispiele: zum einen der Platzsturm im Relegationsspiel zwischen Düsseldorf und Berlin, als einige Fans dachten, das Spiel ist aus. Der Presse diente das als Steilvorlage über die ausufernde Gewalt in deutschen Stadien zu sprechen und die Berliner Offiziellen machten daraus vielleicht die Schmierenkomödie des Jahres (Bombenbunker, anyone?). Zum anderen das aufgebauschte Interview mit Kevin De Bruyne, der einfach nur noch einmal bekräftigte, dass er nach der Saison (als Leihspieler) wieder weg sein wird. Danach Musterbeispiel für Söldnertum.

Fans: Ein großes Thema im gesamten Jahr 2012. Von Pyros über Gewaltorgien wie den Düsseldorfer Platzsturm und das neue Sicherheitskonzept der DFL wurde vor allem über aber weniger mit den Fans gesprochen.

Gegentore: Leider immer noch zu viele.

Hoffnung: Zieht sich durch das Jahr 2012, da wir sehr lange in greifbarer Nähe der europäischen Plätze waren bzw. sind.

International: Da sind wir schon seit längerem nicht dabei, wollen aber gerne wieder mitspielen.

Jugend: Das große Thema der letzten Rückrunde, als Trybull, Füllkrug oder Hartherz ins Team drängten.

Kalenderjahr: Das Jahr 2012 war mit gerade einmal 35 Punkten das schlechteste in der Ära Schaaf.

Leidensfähigkeit: Ist als Bremen-Fan derzeit sehr wichtig.

Mies: Da bringt man endlich das begehrte Weihnachts-Trikot für die Fans raus, verlangt für die edle Umverpackung noch mal einige Taler mehr und am Ende ist der Tannenbaum nicht mal aufgestickt, wie bei den sonstigen Trikots, sondern nur aufgedruckt. Aber hey, das ist Business, das ist Fußball.

Niederlagen: Fürs neue Jahr hätte ich gerne weniger davon und mehr von diesen komischen Siegen.

Oha: Eine Frau soll laut Willi Lemke auch unter den Kandidaten für die Nachfolge von Allofs gewesen sein. Ist da was dran, oder ist das der verzweifelte Versuch, zumindest im Bezug auf die Kandidaten die Frauenquote zu thematisieren?

Phrasendrescherei: Jaja, Naldo liebt alles an Bremen, trotzdem ging er weg. Dem Klausi hat es zuletzt so viel Spaß wie kaum zuvor gemacht. Trotzdem ging er weg. Können wir die alberne Phrasendrescherei nicht einfach sein lassen?

Quintessenz: Die fetten Jahre sind vorbei.

Raute: Als Spielsystem eingemottet, als Logo natürlich auch weiterhin aktuell.

Spezialität: Der Pokal war mal unsere Spezialität. Derzeit haben wir uns eher auf ein Aus in der ersten Runde spezialisiert.

Trainer: Stand dieses Jahr häufig in der Kritik und auch hier gibt es Skepsis, ob Schaafs Weg noch in die gewünschte Richtung führt.

Umbruch: Eines der Worte im Zusammenhang mit der neuen Saison. Mit dem Abgang von Allofs setzte sich der Umbruch auch in der Führung fort.

VW: Netter Premium-Partner von Werder. Kaufen uns den Manager in der laufenden Saison weg. So geht Partnerschaft heute.

Weser: Die macht immer noch ihren großen Bogen am entsprechenden Stadion. Etwas, das geblieben ist.

X-Beine: Grundausstattung vieler Fußballer. Haben wir auch ein paar von. 😉

Y-Chromosom: Offensichtlich haben alle Kandidaten für den Allofs-Posten eines davon.

Zuversicht: Die Zuversicht, dass es im nächsten Spiel, in der nächsten Saisonhälfte besser wird, gehört zur Grundausstattung eines jeden Fußballfans. Hier ebenfalls.