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In a nutshell

Ein irgendwie glücklicher Punkt für beide, so lautet auch das Fazit der Clubfans United nach dem letzten Spiel der Hinrunde. Glücklich für Nürnberg, denn eigentlich hätte Bremen schon in Halbzeit eins alles klar machen müssen. Glücklich für Bremen, weil der Ausgleich aus einer Abseitsposition heraus erzielt wurde. Das Spiel ist ein abschließendes Spiegelbild der bisherigen Saison: man ist engagiert, bemüht und eigentlich hätte man in Halbzeit den Gegner schon aus dem Spiel schießen können. Doch leider werden auch hochkarätige Chancen nicht genutzt und in Halbzeit zwei kommt der Gegner deutlich besser ins Spiel. Kurz vor Schluss macht Gebhart sogar noch das 0:1, welches Petersen mit dem eigentlich irregulären Ausgleich kontern kann.

Es fällt schwer, ein abschließendes Fazit der Hinrunde zu ziehen. Nach der desaströsen Rückrunde der letzten Saison hatten wir beim Grünweiß-Podcast keine wirklichen Ziele genannt, sondern vor allem auf eine fußballerische Entwicklung gehofft, welche durchaus stattgefunden hat. Zunächst ging der Umbruch in personeller Hinsicht weiter und mit Pizarro, Naldo und Wiese verliessen weitere Ikonen früherer Tage den SVW. Schaaf stellt auf eine 4-1-4-1-Formation  um, die bei eigenem Ballbesitz eher zu einem 4-3-3 wird. Dabei behält Schaaf die unter ihm typischen Positionswechsel bei. Diese Systemumstellung hat das größtenteils zum Erliegen gekommene Offensivspiel wiederbelebt. Und an guten Tagen fühlt man sich an die guten alten Zeiten erinnert, wo Bremen noch der Inbegriff des Offensivfußballs war. Darüber hinaus installierte Schaaf auch Pressing-Elemente, die mal mehr, mal weniger gut umgesetzt wurden.

Nach dem Desaster im DFB-Pokal bei Preußen Münster schwante dem einen oder anderen nichts Gutes im Hinblick auf die Saison. Doch schon beim Saisonstart in Dortmund konnte man einen kleinen Achtungserfolg feiern, als man „nur“ mit 1:2 verlor und nicht einfach nur abgeschlachtet wurde. Gerade gegen die Großen konnte man sich meist achtbar aus der Affäre ziehen, wo letzte Saison nur herbe Niederlagen eingefahren wurden. Es war meist knapp und man war oft nur ein „hätte“, „müsste“ oder „könnte“ von etwas Zählbarem entfernt gewesen. Und so sieht es in den meisten Spielen aus, wo man meist gute Phasen hatte, aber selten wirklich 90 Minuten lang überzeugen konnte. Dafür war man auch selten völlig neben der Kappe wie in Augsburg. Doch auch 2012 wird Fußball nicht im Konjunktiv gespielt und so bleibt viel Schulterklopfen für die richtigen Ansätze und Ideen, aber unter dem Strich auch zu wenig Punkte.

Die Tabelle ist dabei momentan trügerisch, denn man steht auf Platz 12, ist aber nur vier Punkte von einem Europapokal-Platz entfernt. Das erinnert ein bisschen an die letzte Rückrunde, wo man trotz ausbleibender Erfolge über lange Zeit in greifbarer Nähe des europäischen Wettbewerbs blieb und sich so die Situation auch immer ein bisschen schönreden konnte. Dabei sind es vor allem zwei Problemen, die ein mehr an Punkten derzeit verhindern: zum einen die Chancenverwertung. Man stellt zwar mit 28 Toren eine der besseren Offensivabteilungen der Liga, doch oft genug bleiben gute bis sehr gute Chancen ungenutzt (siehe die Spiele gg. Nürnberg und Fürth). Hier muss aus der phasenweise vorhandenen Überlegenheit mehr Zählbares eingefahren werden.

Zum anderen ist da die manchmal noch fehlende Balance zwischen Offensive und Defensive. Schaaf hat für den Umbruch und den Systemwechsel einen Sonderweg gewählt. Andere fokussieren im Zweifel lieber die Defensive und bauen dann auf der defensiven Stabiltät die Offensive auf (Freiburg, anyone?). Schaaf versucht es eher andersrum, indem er vor allem das Offensivspiel mit seinem Systemwechsel unterstützt. Ich will gar nicht behaupten, dass Schaaf auf die Defensive pfeift, doch auch im neuen System zeigen sich die gleichen Schwächen, die schon seit Jahren zu Werder gehören. Insgesamt ist die Defensivarbeit im Mittelfeld oftmals nicht ausreichend und entblößt so die Abwehr, die oftmals auf sich allein gestellt ist. Und dies ist wie in vergangenen Jahren einfach ein zentrales Problem in der Defensive. Das die eine oder andere Slapstick-Einlage der Verteidiger da nicht besonders hilfreich ist, kommt noch hinzu.

Als Fan hoffe ich natürlich, dass diese Probleme in der Rückrunde angegangen werden und man dort mehr Punkte holt, als dies in der Hinserie der Fall war. Dabei hängt Verein und Fans die Möhre „Europa“ natürlich dicht vor der Nase. Ich hoffe nur, dass man in der Rückrunde nicht andauernd von Europa faselt und lieber Leistung auf dem Rasen zeigt und einfach schaut, was am Ende dabei rumkommt.

Lebenslang Grün-Weiß!

Mittendrin und nicht dabei

Noch ein Spieltag fehlt, um die Hinrunde zu komplettieren. Ich habe das Spiel gegen Frankfurt nicht sehen können, sondern nur die Kurzzusammenfassung. Wenn man den Spielberichten von Tobias und bei Spielverlagerung glaubt, dann war Bremen im Spiel gegen die Adler gar nicht so viel schlechter, wie es das Ergebnis mit 1:4 vielleicht vermuten lässt. Und dennoch verliert man schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit mit 1:4. Von den vor kurzem avisierten neun Punkten bis zur Winterpause stehen drei bisher zu Buche und den Winter wird man im Mittelfeld der Tabelle verbringen und dabei das internationale Geschäft immer noch in Reichweite behalten. Nur fünf Mannschaften haben mehr Tore geschossen als Bremen, aber auch nur zwei Mannschaften haben mehr kassiert.

Ich bin mir derzeit nicht sicher, wie ich die bisherige Saison bewerten soll. Ja, das neue System hat für neue Impulse im Spiel nach vorne gesorgt, vor allem im Vergleich zu dem Gewürge der letzten Rückrunde. An guten Tagen sieht das schon sehr schick aus und man kann die Idee von Schaaf sehen und nachvollziehen. Nur die Chancenverwertung wollte da zuletzt nicht ganz mithalten. Leider sehe ich in der Defensive kaum Fortschritte bzw. in den letzten Spielen auch wieder deutliche Rückschritte. Wenn diese Mannschaft wirklich weiter nach vorne rücken will, muss das Defensivverhalten der gesamten Mannschaft einen Schritt nach vorne machen. Und zwar einen großen. Gegen Frankfurt verteilte man munter Geschenke an Frankfurt. Beim 0:1 wird die Flanke von außen nicht verhindert und in der Mitte geht Prödl gegen Meier nicht zum Kopfball hoch. Und beim 1:2 hat Schwegler alle Zeit, um aus 30 Metern draufzuhalten. Klar, den macht er nicht jedesmal so, aber man kann ihn trotzdem am Torschuss hindern, oder nicht? Vor dem 1:3 begleitet Prödl seinen Mann nur halbherzig, während in der Mitte Schmitz unfreiwillig komisch aussieht und die Bodenhaftung verliert.

Bin ich zu kritisch, wenn ich das Gefühl habe, dass wesentliche Probleme der letzten Jahre uns auch diese Saison verfolgen? Zu oft ist die Abwehr entblößt durch ein nicht-existentes defensives Mittelfeld. Zu oft leistet man sich individuelle Fehler. Sollte Schaaf auch mal früher reagieren? Einen Prödl, der derzeit nicht in Top-Form zu sein scheint, auch mal draußen lassen? Statt Fritz lieber Ignjovski spielen lassen? Ich weiß es nicht. Es ist alles noch relativ dicht beeinander. Ein Dreier gegen Nürnberg und man könnte (die tatkräftige Hilfe der anderen Vereine angenommen) wieder auf Platz sieben vorrücken. Andererseits will ich gar nicht von Europa träumen, so wahrscheinlich es auch sein mag, denn dafür scheint mir die Mannschaft in der derzeitigen Form nicht reif zu sein.

Was in den letzten Tagen auch eher unter dem Radar flog, ist die Tatsache, dass Francois Affolter wieder zurück zu seinem Club Young Boys Bern gehen wird. In der letzten Rückrunde schon fast eine feste Größe im Team kam Affolter in der neuen Saison überhaupt nicht mehr zum Zug. Ich kann natürlich nicht beurteilen, wie er sich im Training gemacht hat, aber in meinen Augen hatte er durchaus gute Anlagen und bin daher etwas überrascht, dass er für den Trainerstab offensichtlich keinerlei Rolle in den weiteren Planungen spielt. Zumal die anderen Innenverteidiger (Sokratis mal ausgenommen) auch nicht so überragend spielen, dass es da kein Vorbeikommen gibt. Und wo wir schon bei Aussortierten sind: Ekicis Abgang scheint auch nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Selbst als Hunt und Junuzovic fehlten, kam der Türke nicht zum Zug. Auch wenn Schaaf zuletzt gesagt hat, dass er weiter mit Ekici plant, so wirklich glauben mag ich daran nicht. Beide Personalentscheidungen wirken etwas eigenartig auf mich, ohne dass ich benennen könnte, was es ist. Zumal ich auch wie gesagt, die Leistungen im Training nicht beurteilen kann.

Hoffen wir mal, dass uns der Weihnachtsmann am nächsten Sonntag ein paar Geschenke in Form von drei Punkten da lässt.

Lebenslang Grün-Weiß!

Führungspersonal

Nachdem die wichtigen Fragen vor dem Spiel zwischen Wolfsburg und Bremen schon geklärt wurden und wir wissen, dass Allofs a) sich mit seinem neuen Arbeitgeber über seinen alten Arbeitgeber austauschen wird und b) er sich über einen Sieg seines neuen Arbeitgebers über seinen alten Arbeitgeber offen freuen würde, kommen wir zu anderen Themen, die vielleicht nicht diese Brisanz erreichen. Die Frage an der Weser ist nun natürlich, wie die Lücke zu schließen ist, die Allofs beim SVW hinterlassen hat. Dabei scheinen viele Varianten möglich, von einem „Teammanager“ Schaaf (nach englischem Vorbild) über die Besetzung der Stelle des Sportdirektors/Geschäftsführers mit einer Person bis hin zu einer Teilung der beiden Positionen. Laut Aufsichtsratschef Willi Lemke scheint es eher darauf hinaus zu laufen, dass zwei Leute kommen und einer Sportdirektor wird, während der andere in die Geschäftsführung geht.

Dies halte ich für die beste Lösung, da es (im Nachhinein betrachtet) sicherlich nicht optimal war, eine Person auf beide Posten zu setzen. Man kann vielleicht auch sagen, dass Allofs Wirken seit 2009 nachgelassen hat, als er nach dem Abgang von Born in die Geschäftsführung berufen wurde. Vielleicht war es einfach zu viel Arbeit für eine Person, vielleicht versucht man auch, Zusammenhänge zu sehen, wo es keine gibt. Aber auch unter dem Gesichtspunkt der Machtkonzentration ist es vorteilhafter, nicht zwei Position an eine Person zu vergeben (Magath, anyone?). An den Ausführungen von Lemke im oben verlinkten Artikel irritiert mich ein bisschen, dass er Schaaf eine größere Rolle geben möchte. Es mag sein, dass dies eine strategische Entscheidung ist, Schaaf noch enger an den Verein zu binden, aber Schaaf schien bisher ja auch schon einige Wörtchen mitzureden hatte.

Den Vorschlag von bspw. Andreas, mindestens einen der beiden vakanten Posten mit einer externen Person zu besetzten, kann ich nur unterstützen. Ich denke, neue Impulse und andere Sichtweisen können sicherlich nicht schaden. Aber es muss halt auch jemand sein, der zum Verein passt und der nach Möglichkeit auch ein bisschen Erfahrung vorzuweisen hat. Beiersdorfer wird es wohl nicht und auch Lemke selbst steht nicht zur Verfügung. Ich bin gespannt, wie sich das weiterentwickelt.

Das Fan-Dasein

Eigentlich sind die nachfolgenden Ausführungen schon einen eigenen Post wert, aber ich habe auf der anderen Seite keine Lust, das Thema Allofs in einem weiteren Beitrag zu verwursten. Was mich beim Wechsel von Allofs ein bisschen genervt hatte, war der moralische Zeigefinger aus allen Richtungen, wenn man es wagte, den Wechsel zu kritisieren. Dabei gab es zwei Hauptargumente:

1.) Fußball ist ein Geschäft

Ist richtig, würde ich auch nie bestreiten. Aber darf man sich als Fan eines Vereins sich nicht darüber ärgern, dass der Manager nach albernen Versuchen des Rumeierns geht. Darf man es nicht zum kotzen finden, wenn er auf der Abschieds-PK sagt, dass er Bremen liebt und sich so wohl wie selten gefühlt hat? Ich sehe mich als Fan des Vereins und da kann ich nicht alle Vorgänge um den Club einfach mit einem geschäftsmäßigen Achselzucken hinnehmen. Ich leide während der 90 Minuten eines Spiels und natürlich sind die Jungs meines Vereins die Engel, die nie etwas Böses tun, während der Gegner eine Bande von Schauspielern und Tretern ist. Und natürlich pfeift der Schiri tendenziell gegen Bremen. Und auch das Gehen von Spielern/Funktionären begleite ich im ersten Moment mit einem Gefühl der Enttäuschung. Jemand, der Teil „meiner“ Gruppe war, verlässt diese und wird einer von „denen“. Das ist ja auch eine Faszination des Fußballs, die „wir“-gegen-„die“-Dialektik, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Und so lange das alles friedlich abläuft, sehe ich da kein Problem. Und da braucht man mir nicht oberlehrerhaft mit Vernunft kommen, wenn Allofs den Abgang macht. Nach der ersten Enttäuschung kann ich damit gut leben und sicherlich sind die Chancen, die sich ergeben auch nicht ohne.

2.) Der „normale“ Arbeitgeber macht das auch so!

In der Diskussion um den Wechsel von Allofs (und auch immer wieder bei Spielern) kommt man irgendwann zum schnöden Mammon. Wenn man daran leise Kritik übt, heißt es immer gleich, dass wir (wer auch immer „wir“ sein soll…) das ja im Berufsleben auch so machen würden. Der Vergleich hinkt für mich immer an so vielen Stellen und das geht auch ganz plump mit der Entlohnung los. Ein „normaler“ Arbeitnehmer verdient nicht in den Regionen, die Allofs bekommt. Und es soll auch viele Arbeitnehmer geben, die nicht für jede Gehaltssteigerung den Arbeitnehmer wechseln, vor allem wenn man sich angeblich so wohl fühlt. Und vor allem kann ich nicht heute kündigen und morgen einen neuen Job antreten, während im Hintergrund noch eine Ablöse an meinen alten Arbeitgeber fließt. Als normalem Arbeitnehmer schauen mir auch nicht Millionen bei der Ausübung meiner Arbeit zu und ich muss auch nicht dauernd Interviews und Pressekonferenzen abhalten. Darüber hinaus habe ich auch keinen Agenten, der mir das Verhandeln und Denken abnimmt. Können wir also einfach mal aufhören, das Biotop Profi-Fußball mit dem normalen Arbeitsmarkt zu vergleichen?

 

Should he stay or should he go?

Ende letzter Woche hieß es seitens der Medien, dass der VfL Wolfsburg Interesse an einer Verpflichtung von Klaus Allofs habe und die Unterschrift in Kürze erfolgen würde. Seitdem gibt es immer neue Spekulationen darüber, ob und wann Klausi nach Wolfsburg geht. Diese werden sicherlich auch durch die halbgaren Dementis unseres Geschäftsführers weiter befeuert. Die Aussagen reichen von „Ich habe einen Vertrag bis 2015. Das ist Stand der Dinge.“ bis hin zu „Im Fußball verändern sich die Dinge manchmal schnell“. Allofs führt seit 13 Jahren die sportlichen Geschicke des SV Werder und es ist davon auszugehen, dass er die Wirkung seiner Worte sehr genau abzuschätzen weiß. Er hält sich alle Optionen offen und das ist auch legitim. Andererseits geht es mir heute schon auf die Nerven.  Bei wie vielen Spielern hat man diese Form des Rumeierns schon erlebt, bevor sie nach wochenlangem Hickhack von dannen ziehen.

Ich kann dabei auch nicht behaupten, dass mich die Vorstellung sonderlich erschüttert, dass Allofs nach mehr als 13 Jahren die Koffer packt und woanders anheuert. Meine Sympathien hätte er bei einem Wechsel in die Autobauerstadt nicht mehr, aber andererseits sehe ich mit einem Abgang von KA nicht den Weltuntergang heraufziehen. Bitte nicht falsch verstehen: ich schätze Allofs und seine Arbeit sehr und er hat nicht unerheblichen Anteil am sportlichen Höhenflug der Bremer gehabt. Zusammen mit Thomas Schaaf hat er das Maximum aus den an der Weser herrschenden Rahmenbedingungen geholt. Man kann lange darüber streiten, ob der ausbleibende Erfolg der letzten Jahre auch seinem Versagen zuzuschreiben ist oder ob die Hochphase zwischen 2004 und 2009 nicht einfach ein einzigartiger Ausreißer nach oben war. Ja, der Verein hat gerade einen Rekordverlust bekannt gegeben, aber dieser lässt sich durch Rücklagen ausgleichen und zudem diente der Umbruch der letzten Jahre dazu, die hohen Fixkosten der neuen Situation anzupassen. Finanzielle Stunts wird es in Bremen nicht geben.

Der Spiegel bezeichnet Wolfsburg als Paradies für Allofs. Dabei beziehen sich die paradiesischen Zustände vor allem auf die finanzielle Ausstattung, die sich in Wolfsburg ohne Zweifel ganz anders darstellt als in Bremen. Andererseits soll Geld alleine ja auch nicht glücklich machen. Ich kann mir dennoch vorstellen, dass Allofs nach den Jahren in Bremen einer anderen Aufgabe gegenüber nicht abgeneigt ist, zumal Allofs sich in letzter Zeit auch immer wieder mit Gegenwind aus dem Aufsichtsrat konfrontiert sah und er vielleicht auch keinen Bock mehr hat, sich gegen Lemkes Selbstdarstellungsdrang zu wehren. In den nächsten Tagen wird hoffentlich Klarheit in die Sache kommen und für den Fall, dass Allofs dem Ruf aus dem „Paradies“ folgt, möchte mich für die vergangenen Jahre und die Erfolge bedanken. Aber wie auch bei jedem Spieler, der Bremen verlässt, kann ich ihm bei seiner neuen Aufgabe kein „Viel Erfolg“ mit auf den Weg geben. Es wird spannend zu sehen, wie das Vakuum gefüllt wird (Beiersdorfer, Bode oder vielleicht Guardiola*?) und was dann mit Schaaf passiert, der seinen Verbleib ja auch immer an Allofs geknüpft hat. Im Moment wird es nicht langweilig in Bremen, aber egal wie sich die Dinge entwickeln: der SV Werder Bremen ist größer als alle Namen, egal wie sehr sie den Verein geprägt haben. Es wird weitergehen.

Lebenslang Grün-Weiß!

P.S.: Wir haben wohl auf Schalke verloren. Blöd das! 😉

*= Ein kleiner Scherz

Ich kann nicht mehr

Ich bin mittlerweile einfach nur noch wütend und muss es einfach mal raus lassen. Vor diesem Spiel hatte Augsburg in sechs Spielen gerade einmal zwei mickrige Tore geschossen. Aber hey, Bremen kommt vorbei und schon nach zwei Minuten holen sich die Schwaben das dringend benötigte Selbstbewusstsein. Am Ende gewinnt der FCA mit 3:1 und kann seine Torausbeute um 150% steigern. Die Steigerung hätte deutlich höher ausfallen müssen und nur die Unfähigkeit der Augsburger Angreifer rettet den SVW vor einer richtigen Klatsche. Ich habe die letzten vier Spiele aufgrund meines Urlaubs nicht gesehen, aber dieses eine Spiel ist völlig ausreichend, damit ich langsam die Lust an Werder verliere. Nach den letzten beiden Saisons machte das Wort vom Umbruch die Runde. Es gibt viele neue Namen und trotz einiger guter Ansätze vor allem im Spiel nach vorne bleiben die Fehler gleich.

Es sind die ewig gleichen Fehler und Schlampigkeiten im Spiel nach vorne, die immer wieder zu Gegentoren führen. Das defensive Mittelfeld gleicht eher einer Wüste und zeichnet sich vor allem durch komplette Nichtexistenz aus. Schaaf muss das doch sehen, aber er allein weiß die Antwort, warum sich daran auch nach Jahren nichts ändert. Da kann die Defensive noch so gut eingestellt sein, sie wird immer in Bedrängnis kommen, wenn die gegnerischen Angriffe völlig ungehindert durch das Mittelfeld rollen können. Warum stümpert die Mannschaft defensiv in immer gleicher Weise rum und nach dem Spiel spricht man von mangelnder Aggressivität und davon, dass man den Anfang verpennt. Warum lässt sich sowas nicht abstellen? Ich bin echt sprachlos nach diesem Spiel, in welchem man einen am Boden Gegner liegenden wieder aufgepäppelt hat. Die Namen sind neu, doch das Spiel erinnert immer wieder frappierend an die letzten beiden Jahre und manchmal muss man sich schon fragen, ob aus den immer gleichen Fehlern nicht gelernt wird. Denn danach sieht es aus. Immer wieder klammern wir Fans uns an jeden guten Ansatz, nur um mit anzuschauen, wie man kurze Zeit später wieder in alte Muster zurückfällt.

Und hier stelle ich auch Schaaf zunehmend in Frage. Klar, braucht eine neue Mannschaft Zeit, aber wenn ich die Fehler der letzten Jahre immer wieder mit ansehen darf, dann kann man auch mal die Arbeit des Trainers in Frage stellen. Ein nett anzuschauendes Offensivspiel (welches jedoch noch lange nicht die erhoffte Durchschlagskraft gebracht hat) sollte nicht über den defensiven Serien-Dilettantismus hinwegtäuschen. Bremen stellt derzeit die mieseste Abwehr der Liga und wenn selbst die spielerisch limitierten Augsburger uns nach Schema F auseinander nehmen, dann müssen sich die Vereinsoberen auch mal selbst hinterfragen. Die letzten zwei Saisons habe ich mich weitgehend hinter Schaaf gestellt, aber langsam kann ich es nicht mehr.

Update: Wie Kata in den Kommentaren schon sagte, haben wir 2012 in 24 Pflichtspielen gerade einmal 20 Punkte geholt. Damit sind wir von den Mannschaften, die 2012 durchgehend in Liga 1 waren, die Schlechteste. Kann man auch hier nachgucken: http://www.transfermarkt.de/de/1-bundesliga/jahrestabelle/wettbewerb_L1_2012.html

UUUUSNNSNUNUUNNNN

UUUUSNNSNUNUUNNNN, die Chronik einer misslungenen Rückrunde, die mit 13 Punkten als schlechteste aller Zeiten in die Werder-Annalen Einzug hält. Die einzigen beiden Lichtblicke waren die Spiele gegen den großen und den kleinen HSV, die noch einmal Hoffnung aufkeimen ließen. Am Ende gab man in der Rückrunde Platz fünf aus der Hand. Hatte man am 18. Spieltag noch die Pole Position im Kampf um die Europa League inne, zog ein Kontrahent nach dem anderen vorbei. Dabei war es wahrscheinlich nie so einfach, sich über die Bundesliga für Europa zu qualifizieren wie diese Saison. Schon Platz sieben hätte gereicht und was das Ganze so unfassbar schmerzlich macht, ist die Tatsache, dass die Konkurrenz weit davon entfernt war, gut zu spiele. Stuttgart einmal ausgenommen, war es nicht unbedingt so, dass die anderen Europa-League-Aspiranten einen unaufhaltsamen Lauf hingelegt haben.

Am Ende haben wir in dieser Saison einen mickrigen Punkt mehr als letztes Jahr auf dem Konto. Nach der Hinrunde war auch meine Meinung gespalten, doch in der Rückschau hätte ich gerne noch einmal 29 Punkte aus einer schwankenden Halbserie gehabt.  Zum Glück hatten wir in der Hinserie schon genügend Punkte gesammelt, sonst hätte es auch wieder ganz eng werden können.

Die Probleme sind die gleichen geblieben wie vor ein paar Wochen. Auch Joey und Anna haben die Saison schon eindrucksvoll bei gruenweiss.org Revue passieren lassen. Die Verletztenmisere blieb als unwillkommener Gast bis zum Ende, doch trotzdem hätte man sich trotz der ganzen Ausfälle auch mal ein Aufbäumen gewünscht, ein mehr an Leidenschaft auf dem Platz. Augsburg oder Freiburg hatten auch viele No-Names auf dem Platz, aber die haben geackert, haben sich zerrissen auf dem Platz. Bei Bremen fiel auf, dass es gerade die etablierten Spieler waren, die in der Regel genau in der Kategorie ganz weit hinten. Vor allem die Lebensversicherung der Hinrunde, unser Andengott, schlurfte spätestens nach Bekanntwerden seiner Vertragskündigung über den Platz wie ein gelangweilter Schulbub. Konsequenzen hatte die wöchentliche Lehrstunde in angewandter Arbeitsverweigerung für ihn nicht.

Der Umbruch geht weiter mit Wiese, Rosenberg, Marin und Borowski als namhaftesten Abgängen. Man darf gespannt sein, wie das Gesicht der Mannschaft für die Saison 12/13 aussieht. Ich hoffe, dass es gelingt, eine Mannschaft auf den Platz zu stellen, die mit Herz und Leidenschaft das W auf dem Trikot trägt und dass es gelingt, die vielversprechenden Talente im Team weiterzuentwickeln. Das ist essentiell, um in den mittelfristig wieder von Europa sprechen zu können. Ich erwarte für nächste Saison kaum etwas, mir ist die Platzierung egal (was nicht heißt, dass ich absteigen möchte), sondern ich will Fortschritte sehen. Fortschritte auf dem Platz und Fortschritt abseits des Platzes. Wir müssen die Verletztenseuche in den Griff bekommen und das Trainerteam muss zeigen, dass es lernfähig und -willig ist. Wir brauchen gute Transfers. Letztlich gilt es, für nächstes Jahr auch ein Stück weit Aufbruchstimmung zu erzeugen und den Fans zu zeigen, wie man sich das „neue“ Werder vorstellt und dann muss die Mannschaft das auch transportieren können. Denn sonst könnte es ein langer Weg durchs dunkle Tal werden.