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Long time, no hear

Nach einer kleinen Schaffenspause melden wir uns wieder zurück. Es ist ja nicht so, dass in den letzten Wochen nichts passiert ist. Trainerrochaden links und rechts, darunter auch die Rückkehr von Rangnick und Magath zu ihren Ex-Geliebten. Christoph Daum ist auch wieder in der BuLi aktiv. Bei den Bayern machen Teile der Fans Stunk gegen Hoeneß, während auf St. Pauli ein paar Idioten das vorzeitige Ende der Partie gegen Schalke herbeigeführt haben. Das sind aber Themen, zu denen ich mich lieber nicht äußern möchte.

Das Publikum goutiert die Show nicht

Ich bin kein Fan der deutschen Nationalelf, aber ich finde es schon heftig, dass man mittlerweile gegen das eigene Publikum pfeift, während dieses sich souverän mit 4:0 gegen Kasachstan durchsetzt. Natürlich hat die sportliche Leitung des DFB sich keinen Gefallen getan, vor dem Spiel nicht nur einen Sieg, sondern auch ein spielerisches Feuerwerk anzukündigen. Schade, dass es allgemein nicht durchgedrungen zu sein scheint, dass man für ein 4:0 genauso drei Punkte bekommt wie für ein 10:0. Kann man der Mannschaft wirklich vorwerfen, nach einer komfortablen Führung einen Gang runterzuschalten? Hat man als Fan einen berechtigten Anspruch auf möglichst viel Spektakel? Man darf nicht vergessen: die Liga befindet sich in der entscheidenden Phase und kein Spieler will sich unnötig verletzen, weil er in der 89. Minute in einem längst entschiedenen Match mit aller Macht dem Ball nachgeht. Pizarro geht mit seinem Nationalteam aus Peru kicken und kommt verletzt wieder. Als die Nachricht die Runde machte, konnte man das kollektive Aufstöhnen der Werder-Gemeinde hören.

Werder im Aufwind

4 Spiele sind seit dem letzten Post hier im Blog absolviert worden. 8 Punkte hat Werder geholt und sich langsam aber sicher auf Platz 12 gerobbt. 5 Punkte Abstand sind es mittlerweile zu Platz 16 und der damit verbundenen Relegation. Dabei holte man bei den Spielen in Freiburg und Nürnberg sechs Punkte, die nicht zwingend eingeplant waren. Natürlich hat es die Mannschaft leider versäumt, in den Heimspielen gegen Gladbach und Stuttgart mehr als nur zwei Remis einzufahren. In den genannten vier Spielen trat die Mannschaft wesentlich positiver auf und war bspw. gegen Stuttgart am vergangenen Samstag eindeutig Chef im Ring. Leider wog der Ausfall von Pizarro zu schwer, da man auch beste Chancen nicht nutzen konnte und so die Möglichkeit verpasste, sich noch weiter von der Abstiegszone abzusetzen.

Es fällt auf, dass vor allem der Griff in die taktische Mottenkiste für mehr Stabilität gesorgt hat. Die eigentlich schon ausgemusterte Raute gab dem Team zuletzt die nötige Stabilität und Sicherheit, die über weite Strecken der Saison vollkommen gefehlt hat. Exemplarischer Spieler für den Aufschwung ist Tim Borowski. Nicht wenige hätten ihn am liebsten vom Hof gejagt, doch auf den Halbpositionen der Raute zeigt er wieder richtig starke Leistungen. Auch wenn der Abstiegsdrops noch lange nicht gelutscht ist, blicke ich doch optimistischer auf die restlichen sechs Spieltage. Zum einen haben wir es selbst in der Hand und mit Spielen in Frankfurt, Pauli, Lautern und zuhause gegen Wolfsburg haben wir auch noch vier direkte Konkurrenten vor der Brust. Zum anderen muntern einen die Leistungen der letzten Wochen wirklich auf. Klar, da ist noch lange nicht alles perfekt, aber die Mannschaft zeigt ein völlig anderes Gesicht als bspw. bei der Klatsche im Derby oder dem 0:6 in Stuttgart.

Freitag gegen Frankfurt macht die Mannschaft dann hoffentlich einen weiteren großen Schritt in Richtung Klassenerhalt. Forza SVW!

Ein Punkt für die Moral

Das 0:4 in Hamburg hatte bei allen, die es mit Werder Bremen halten, Spuren hinterlassen. Unter der Woche erhöhten zudem auch die Medien den Ausstoß an Artikeln mit dem Ziel, endlich die Entlassung von Thomas Schaaf herbei zu schreiben. Ganz vorne dabei vor allem die Zeitung mit den vier Buchstaben, die sich dann auch nicht zu blöde war, einen Sketch von Harald Schmidt zur Unterstreichung der eigenen Forderungen heranzuziehen. In diesem Sketch hatte Schmidt den lybischen (Noch-) Staatschef Gaddafi mit Thomas Schaaf verglichen. Auch die sonst eher moderaten Lokalmedien „Syker Kreiszeitung“ und der „Weser-Kurier“ werden in ihrer Tonalität immer schriller. Ich finde es in solchen Situationen immer schade, dass alle Medien immer dem gleichen Skript folgen und ab einem bestimmten Punkt nur noch wie die Marktschreier die eine Parole rausbrüllen. Andere Standpunkte und Sichtweisen sucht man in der Regel vergeblich.

The Game

Doch es soll hier nicht um wohlfeile Medienschelte gehen, sondern um das gestrige Match zwischen Werder und Bayer 04 Leverkusen. Abstiegskandidat vs. Top-Team oder auch 16. (zum Zeitpunkt des Anpfiffs) gegen den Tabellenzweiten. Das 2:2 ist ein deutlicher Sieg für die Moral der Mannschaft, die über weite Strecken nicht zu überzeugen wusste, aber sich zumindest nicht völlig hängen ließ und einfach in ihr Schicksal ergab. Ja, natürlich hat Leverkusen nach dem 0:2 auch gepflegt aufgehört, weiter zu spielen und ja, wenn Kießling nicht erst das 1:2 per Eigentor erzielt und wenig später noch die Riesenchance zum 1:3 vergibt, dann wäre alles anders gekommen. Aber „hätte, hätte, Fahrradkette…“ zählt nun einmal nicht und so war es am Ende Prödl, der per Kopf das 2:2 erzielte und das Weserstadion zum Wackeln brachte.

The Good

Nun gilt es, auch mal das Positive aus dem Spiel mitzunehmen und beim nächsten Spiel die guten Ansätze aufzugreifen und darauf aufzubauen. Sonst bleibt das Spiel wieder ein Muster ohne Wert. Vor allem vor den bald kommenden Spielen gegen die anderen Kellerkinder müssen erste Erfolgserlebnisse her und damit meine ich drei Punkte. Ich hoffe auch, dass dieses Spiel nicht wieder als „Wende“ ausgerufen wird, wie es unser peruanische Andengott nach dem ebenfalls glücklichen 1:1 in Mainz tat. Eine wirklich positive Geschichte aus dem gestrigen Spiel war der Auftritt vom Newcomer Florian Trinks, der eine richtig gute Leistung bot. Es war nicht alles perfekt, aber er hat sich was getraut, auch mal den Risikopass probiert und die Flanke vor dem 1:2 geschlagen. Man sollte jetzt nicht alle Hoffnung in den 18-jährigen setzen, aber er bietet sich an und überzeugt durch sein frisches Auftreten. Auch Borowski fand ich bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung gut, auch wenn er die eine Großchance gerne mal versenken darf.

The Bad

Zwei, drei Dinge fand ich gestern am Rande des Spielgeschehens weniger prall. Zum einen die wiederholten Pfiffe gegen Aaron Hunt. Ja, er spielt eine miese Saison, aber da ist er wahrlich nicht der Einzige. Ich fand ihn gestern gar nicht so schlecht, schließlich hat er das 2:2 aufgelegt und auch die eine Großchance von Wagner, als dieser per Kopf an Adler scheiterte. Der Theorie, dass die Pfiffe gegen ihn schon dafür sorgen, dass die sportliche Führung endlich einsieht, dass er eine Null ist, kann ich mal so gar nichts abgewinnen. Dann dieses Gejammer über Wagners Einsatz gestern. Natürlich hat er bisher nicht überzeugt. Aber wen will man denn sonst aufstellen? Die anderen bringen doch keinen Deut mehr Leistung und saßen ja auch auf der Bank (Marin, Arno). Und auch wenn aus ihm kein Top-Stürmer mehr wird, hat er gestern eine ordentliche Leistung in meinen Augen gebracht. Er hat sich reingehängt, eine dicke Chance und war kein Totalausfall, den einige gesehen haben wollen. Aber gut, vielleicht bin ich da auch auf dem Holzweg. Die letzte Sache war der Umstand, dass während des Spiels immer wieder auf Twitter/Facebook zu lesen war, dass die Mannschaft spielerisch nix auf die Kette bekommt. Natürlich stimmte das über weite Strecken, aber letztlich ist dieses Team im Abstiegskampf, es geht hier ums nackte Überleben in der ersten Liga. Da finde ich es erstmal wichtiger, diesen Kampf auch anzunehmen und die eigene Verunsicherung in den Griff zu bekommen. Ich will auch lieber Kombinationen, Offensivwirbel und tolle Spielzüge sehen, aber die kommen nach den Leistungen der letzten Wochen nicht einfach so zurück. Hier wird man Schritt für Schritt machen müssen und darauf hoffen, dass der nächste Auftritt ein weiterer Schritt nach vorne ist und nicht wieder mehrere Schritte zurück. Noch 15 Punkte, um sicher drinzubleiben!