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Es ist was faul im Staate Bremen

11 Punkte aus 11 Spielen lautet die bisher sehr ernüchternde Rückrunden-Bilanz der Grün-Weißen. Beim 0:3 gegen Mainz konnte man wieder einmal nicht gegen einen Gegner aus der unteren Tabellenhälfte gewinnen. Im Moment steht Bremen auf dem achten Tabellenplatz und wäre somit nicht für den internationalen Wettbewerb qualifiziert. Die letzten sechs Partien der Saison haben es in sich: auswärts in Köln, Stuttgart und Wolfsburg sowie daheim gegen Gladbach, Bayern und Schalke. Das sind drei Mannschaften aus den Top 4 sowie zwei direkte Konkurrenten um die EL-Plätze. Köln kämpft gegen den Abstieg und trotz zuletzt desolater Leistungen der Domstädter würde ich nicht darauf hoffen, dass ausgerechnet die Bremer da die Punkte holen.

Dabei kommen momentan gleich mehrere Dinge zusammen, welche zu den schlechten Ergebnissen führen. Es gibt nicht DAS Problem und auch nicht DIE Lösung. Vor allem maße ich mir nicht an, diese Lösung zu haben.

Verletzungsmisere

Es fällt schwer, angesichts des sich munter weiter füllenden Lazaretts noch von Verletzungspech zu sprechen. Natürlich sind da auch einige Sachen dabei, die niemand beeinflussen kann, wie bspw. Kouemahas Tritt ins Prödls Gesicht. Doch es gibt auch einige gravierende Auffälligkeiten, wie bspw. die nicht endenden wollenden Muskelverletzungen oder auch die häufigen Schambeinprobleme einiger Spieler. Hier gilt es zur neuen Saison dringend zu überprüfen, wo hier die Probleme liegen könnten. Meine medizinischen Kenntnisse habe ich allesamt aus der „Schwarzwaldklinik“ bzw. „Emergency Room“, aber auch mir kommt das Ganze spanisch vor. Das Thema wurde in diesem Artikel schon an anderer Stelle aufgegriffen. Welche Rolle spielt die medizinische Abteilung, die Intensität des Trainings und was können die Spieler beitragen? Sind wir in allen Punkten optimal aufgestellt. Bei dem recht dünnen Kader können wir es uns auf Dauer nicht erlauben, dass Leistungsträger immer wieder ausfallen.

Wachtumsschmerzen

In den letzten Wochen haben die „Jungen Wilden“ für viel Freude unter den Werder-Fans gesorgt. Doch die bisher starken Leistungen und das vorhandene Potential sind nur die eine Seite der Medaille. Bei jungen Spielern sind Fehler und Formtiefs ganz normaler Bestandteil der Entwicklung, denn sie werden daraus lernen. Beim Spiel gegen Mainz führten individuelle Fehler unserer Youngster zu den ersten beiden Gegentoren. Beim 0:1 können Hartherz und Trybull den Ösi Ivanschitz nicht stellen und Affolter ließ sich von Szalai austanzen. Beim 0:2 reicht ein kleiner Schubser von Chupo-Moting aus, um sich Hartherz vom Hals zu schaffen. Man kann dies den Spielern nicht vorwerfen, doch natürlich tun die individuellen Fehler in dieser Situation weh.

Alterserscheinungen

Während die ersten beiden Gegentore noch dem jugendlichen Leichtsinn und der Unerfahrenheit zuzuschreiben sind, lieferten ausgerechnet die beiden alten Hasen Fritz und Wiese beim 0:3 Slapstick vom Feinsten. Dumme Fehler sind also nicht nur der Jugend vorbehalten. Darüber hinaus fällt auf, dass von den erfahreneren Spielern oftmals wenig kommt und sie nicht oder kaum in der Lage sind, dem Spiel Struktur zu geben und auch den Jungen ein Vorbild zu sein.

Vertragssituation

13 Verträge laufen nach der Saison aus. Ein dickes Brett, welches Klaus Allofs da bohren muss. Allein, er fängt noch nicht damit an. Angeblich ist der SVW bei den Planungen für die nächste Saison nicht auf das Geld aus der EL angewiesen. Doch worauf wartet Allofs? Gibt es einen Königsvertrag, von dem alle anderen Planungen wie bei einem Domino-Spiel abhängen? Warum wird keine Klarheit geschaffen, für Spieler, Mannschaft und Fans?

Palaver neben dem Feld

Die teils ungelösten Vertragssituationen münden auch in den nächsten Punkt: zusätzliche Unruhe durch die öffentlich gemachten Abwanderungsgedanken der Spieler. Auf der einen Seite kann ich natürlich verstehen, dass die Spieler sich Gedanken über die Zeit nach der Saison machen. Ob es allerdings so hilfreich ist, das ausgerechnet öffentlich zu machen? Pizarro lässt verlautbaren, dass noch nichts entschieden ist und er für jegliche Angebote offen ist. Warum ein Mann wie Pizarro das nötig hat, erschließt sich mir nicht. Dann kommt erschwerend hinzu, dass er ja auch immer wieder vollmundig Ziele verkündet und indirekt auch immer wieder dem Verein die Pistole auf die Brust zu setzen. Seine letzte Kampfansage („Ich schieße gegen Mainz zwei Tore!“) endete dann in einer erschreckenden Nicht-Leistung seitens des Peruaners.

Kaum aus dem Lazarett kokettierte Naldo wieder mit einem Wechsel in die brasilianische Heimat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es sich hierbei um einen kompletten Alleingang von Porto Allegre handelt. Und langsam nervt dieser ständige Flirt mit dem Abgang. Entweder oder, aber bitte nicht so ein Geeier.

Das System

Auch über den Trainer muss an dieser Stelle geredet werden. Ich habe Schaaf auch zuletzt immer wieder verteidigt, doch die Leistungen der Mannschaft werfen zunehmend Fragen auf. Ich glaube schon, dass Schaaf die Mannschaft noch erreicht und sich keineswegs abgenutzt hat. Doch wie sinnvoll ist das starre Festhalten an der Raute? Mit ist es egal, ob es sich dabei um ein veraltetes System handelt, wie bei der Spielverlagerung angemerkt. Entscheidend ist einfach, ob das System erfolgreich ist und die eigenen Stärken herausarbeitet. Griechenland 2004 auch mit Libero gespielt, wurde ausgelacht und holte den Pott. Gerade mit der ellenlangen Verletztenliste sind einige Positionen der Raute nicht optimal besetzt. Kann man hier nicht auch mal ein gewisses Maß an Flexibilität erwarten? In Hamburg haben wir eher mit einem 4-5-1 agiert, den Druck absorbiert und die entscheidenden Konter setzen können. Danach immer wieder die Raute.

Vor allem wird immer wieder deutlich, dass wir nicht in der Lage sind, dem Gegner über wirklich lange Zeit unser Spiel aufzuzwingen. Ja, es gibt immer wieder mal gute Phasen, die auch mal eine Halbzeit lang dauern, aber es bleibt immer nur bei Phasen. Andere Mannschaften holen aus ihrem nominell schwächeren Kader mehr raus. Auch andere Teams haben viele junge Spieler oder viele Verletzte, dennoch ist da eine Flexibilität vorhanden, das Spiel an die Gegebenheiten anzupassen und die jeweiligen Schwächen des Gegners anzugreifen. Und bei uns? Ob Heidenheim oder Bayern: die Raute wird’s schon richten!

Ich persönlich habe die EL für Bremen schon abgeschrieben. Natürlich hoffe ich als Fan auch weiterhin, dass wir jedes Spiel gewinnen, aber man muss die Situation auch realistisch betrachten. Dann hätte man die gute Ausgangssituation aus der Hinrunde aus der Hand gegeben und wird sich den kritischen Fragen auch mal stellen müssen.

Jugendwahn

Es war sicherlich nicht alleine Schaafs eigener Antrieb, der dazu führte, dass gleich sechs Spieler am Samstag 22 Jahre und jünger waren. Verletzungen, Sperren und anhaltende Formschwächen waren hier sicherlich die zunächst ausschlaggebenden Gründe. Das Spiel hat zwei Dinge gezeigt: die Jungen haben Potential und selbst die beiden Frischlinge Hartherz und Affolter machten ihre Sache sehr gut. Zudem machte das Unentschieden gegen Leverkusen und die Ergebnisse der vier erstplatzierten Teams deutlich, dass es für Bremen in den verbleibenden 15 Spielen „nur“ darum gehen wird, Platz 5/6 und den damit verbundenen Einzug in die Europa League zu sichern. Das ist sicherlich auch keine Selbstläufer, aber nimmt auch den Druck durch überzogene Erwartungen von der Mannschaft.

Dadurch kann man den Umbruch im Team auch weiter vorantreiben. Die Wintertransfers von Affolter und Junuzovic sind da neben dem Einbau von Hartherz und Trybull wichtige Bestandteile. Mit Wesley wird nicht mehr geplant und ich wäre erstaunt, wenn Marin auch spätestens nach dem Sommer noch für Bremen aufläuft. Dazu laufen Verträge wie bspw. von Wiese oder Fritz aus und von Naldo werden wir sicherlich auch noch was Neues im Hinblick auf Brasilien hören. In diesem Zusammenhang ist das Spiel vom Samstag ein Fingerzeig in eine mögliche Zukunft, doch sollte man auch vielleicht nicht gleich Wunderdinge erwarten. Die Medien machen aus Hartherz, Trybull und Co. schon wieder neue Stars der Liga. Nun ist es natürlich einfach, die Marktschreiereien des Presserummels zu verurteilen, doch ist es mir dennoch zuwider, wie man aus einigen vielversprechenden Ansätzen gleich wieder den Weg zum Superstar pflastern möchte. Es waren Ansätze, nicht mehr und nicht weniger. Die Zeit wird zeigen, ob aus den Ansätzen dauerhaft gute Leistungen werden.

Nach einem verhaltenen Start in das Spiel, konnte Bremen sich zunehmend leichte Vorteile erarbeiten. Das Tor von Pizarro wurde von Trybull schön vorbereitet. Mit dem 1:0 ging es auch in die Pause. Leverkusen stellte um und brachte Derdiyok für Da Costa, während Castro nach hinten links beordert wurde. Mit dem Anpfiff der zweiten Halbzeit machte Leverkusen deutlich mehr Druck und begann Bremen immer mehr hinten reinzudrängen. Es war offensichtlich, dass man Leverkusen erstmal kommen lassen wollte, doch leider ergaben sich im Gegenzug kaum Gelegenheiten, mal gefährlich vor das Tor der Werkself zu kommen. Da fehlte dann die Schnelligkeit und auch die Paßsicherheit, um sich entscheidend befreien zu können. Am Ende gab es auf Bremer Seite zwei tragische Figuren: Tim Wiese, der in der 57. Minute eine Flanke nicht klären konnte, die Reinartz per Kopf verwerten konnte sowie Rosenberg, der zwei Großchancen vergab, als er einmal am Pfosten und einmal an Schwaabs Latte scheiterte (Flachwitz!).

Am Ende überwiegt für mich ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft und ich bin gespannt, wie sich die Mannschaft weiter präsentiert. Ich hoffe, dass die jungen Wilden sich weiter entwickeln, sich etablieren und immer besser werden. Der Umbruch wird noch weiter Zeit in Anspruch nehmen, und auch auf der Trainerbank wird deutlich, dass Schaaf nicht mehr versucht, ein dauerndes Offensivfeuerwerk abzubrennen, sondern Spiele auch verhaltener zu führen und aus einer guten Defensive heraus zu schauen, das man Sicherheit gewinnt. Schauen wir mal, wie sich das dann im weiteren Verlauf der Saison darstellt.