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London calling

Das Spiel gegen Tottenham endete mit 0:3 und damit ebenso enttäuschend wie die letzten Pflichtspiele. Zudem hat man sich nun endgültig aus allen europäischen Wettbewerben verabschiedet, da man auch nicht mehr auf Platz 3 und damit in die Europa League kommen kann. Natürlich konnte man bei der Latte an Verletzten (Pizarro, Arno, Hugo, Wesley, Silvestre, Naldo) und der Sperre vom Lutscher jetzt nicht sooo viel erwarten. Es ging nur darum, kleine Schritte in die richtige Richtung zu machen und dies ist zum Teil auch gelungen. So zeigten einige wieder mehr Einsatz als zuletzt, wie z.B. Marin oder Hunt. Und das ist auch schon die Crux an der Sache, dass man schon so sehr nach Anzeichen der Besserung sucht, dass man es schon als Erfolg wertet, wenn ein Marko Marin mal einen Sprint nach hinten hinlegt, um seinen Gegenspieler ein bißchen unter Druck zu setzen.

Die Gegentore wurden alle über außen vorbereitet und immer wieder hatten dann Tottenhams Spieler viel zu viel Platz im Bremer Strafraum. Vor allem Merte konnte sich nicht einmal entscheidend gegen Crouch durchsetzen, was ich schon auch bezeichnend finde, da Crouchie ja nicht viel größer ist. Dominik Schmidt wurde als Lichtblick gefeiert, aber so toll fand ich seinen Auftritt jetzt nicht. Er war solide, aber für den Tunnel, den er vor dem 0:3 von „One-Trick-Pony“ Aron Lennon kassiert, hätten wir Boenisch oder Co. hochkant gelyncht. Und da er nach dem Bauerntrick auch erstmal staunend zuguckt, ist das jetzt keine Sache, die ich nur auf mangelnde Erfahrung zurückführen möchte. Aber ich will hier auch gar nicht den Stab über die jungen Spieler aus der zweiten Mannschaft brechen.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel und da sich aus den 90 Minuten gegen Tottenham nicht viel mitnehmen lässt, richten sich die Blicke schonmal auf den nächsten Bundesliga-Auftritt gegen St. Pauli. Hier müssen wieder Punkte her und vor allem auch mal wieder Tore. Hoffen wir, dass sich das Lazarett bis dahin wieder ein bißchen lichtet.

Auftakt in die Champions League

Heute stieg im Weserstadion das Auftaktspiel zur Champions League gegen Tottenham Hotspur. Dabei zeigte Bremen wie schon so häufig in letzter Zeit seine zwei Gesichter. Zu Beginn setzte Schaaf auf die Raute, wobei vorne Arnautovic und Almeida spielten und Marin die Position dahinter bekleidete. Dies sollte sich jedoch als Fehler herausstellen. Arnautovic ließ sich meist nach rechts fallen, während Marin immer wieder auf die linke Seite auswich, so dass Almeida im Sturm auf sich allein gestellt war und keine Möglichkeit hatte, die Bälle auf den Sturmpartner, bzw. den aufrückenden 10er aufzulegen. So kam auch über weite Strecken der ersten Halbzeit kein vernünftiges Angriffsspiel zustande.

Auch hinten war das alles andere als erbaulich. Tottenham konnte schalten und walten, wie es wollte, vor allem Gareth Bale im rechten Mittelfeld war nicht zu halten. Beim 1:0 der Londoner kann der lange Ball auf Bale im Mittelfeld nicht verhindert werden, Fritz lässt sich überrennen und Crouch entwischt Pasanen in der Mitte. Pasanen ist es dann, der den Ball über die Linie schiebt, als er versucht, vor dem einschussbereiten Crouch zu klären. Das Gegentor in der zwölften Minute bringt die Mannschaft noch mehr aus dem Takt. In der 18. Minute sieht Fritz wieder nicht gut aus, als van der Vaart vom linken Flügel aus flanken darf und Crouch in der Mitte sich mit Leichtigkeit im Kopfballduell gegen Pasanen durchsetzen kann.

In der 37. Minute reagiert Schaaf dann und nimmt Bargfrede runter und bringt dafür Aaron Hunt. Dafür rutschte Marin auf den linken Flügel und von Raute wurde auf ein 4-2-3-1 umgestellt. In der 43. konnte Almeida eine Halbfeld-Flanke von Wesley zum leicht überraschenden 1:2 einköpfen. Nach der Halbzeit erzielte Marin in der 47. Minute das 2:2. Danach hatte Bremen noch einige Chancen und war die bessere Mannschaft. Man konnte sehen, dass die Umstellung von Schaaf Wirkung zeigte, dass sich Marin auf dem Flügel wesentlich wohler fühlt als auf der Position hinter den Spitzen, wo er mit der Spielorganisation betraut ist. Ich hoffe, dass Schaaf seine Lehren daraus gezogen hat und die „Marin als 10er“-Experimente hiermit Geschichte sind.

Am Ende bleibt ein fader Nachgeschmack im Anschluss an das Spiel. Zum einen beweist die Mannschaft wieder die viel gerühmte Moral. Auf der anderen Seite verpennt sie die ersten knapp 40 Minuten und bringt sich damit um ein besseres Ergebnis und letztlich auch um eine bessere Ausgangslage in Gruppe A. Diese Janusköpfigkeit des Teams treibt einen an den Rand des Wahnsinns und manchmal kann ich auf die Aufholjagden verzichten und würde mir auch mal ein langweiliges 1:0 angucken. Aber das bleibt wohl Wunschdenken.

Im anderen Spiel der Gruppe trennten sich Twente Enschede und Inter Mailand ebenfalls 2:2.

Lackmus-Test

Vor dem Spiel gegen die Bayern am kommenden Samstag werden die Personalsorgen nicht kleiner. Vorne fehlt uns Claudio Pizarro immer noch aufgrund seiner im Spiel gegen Köln erlittenen Muskelverletzung. Doch sein Ausfall lässt mich noch einigermaßen unbeeindruckt, da ich unsere Offensive für stark genug halte, auch ohne Pizarro für Tore zu sorgen.

Hinten hingegen fällt neben Naldo nun auch Per Mertesacker aus. Im gestrigen Spiel der EM-Qualifikation rammte ihm sein Gegenspieler Dzavadov bei einem Kopfballduell den Ellenbogen ins Gesicht und Per muss ausgewechselt werden. Die Diagnose lautet: Bruch des Augenhöhlenbodens. Merte fällt mindestens für die nächsten beiden Pflichtspiele gegen die Bayern und in der CL gegen Tottenham aus.

Damit wird es hinten sehr eng. Entweder Schaaf lässt hinten Prödl und Pasanen in der IV ran und stellt Silvestre auf links. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass Schaaf evtl. Silvestre als IV aufbietet und dann daneben entweder Pasanen oder Prödl auflaufen lässt. Auf jeden Fall ist es nun die Chance für die zweite Garde in der IV sich zu beweisen und dies auf allerhöchstem Niveau. Geht es schief, höre ich schon das Gejaule, dass die Mannschaft nicht in allen Bereichen doppelt besetzt ist. Schließlich brauchen wir einen Kader von 22 völlig gleichwertigen Spielern und wenn einer ausfällt, darf das keine Auswirkungen haben.

Mal sehen, was die Mannschaft und vor allem die „Notabwehr“ am Samstag und am nächsten Mittwoch daraus machen. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Spiele positiv gestalten können, zumal weder die Bayern noch Tottenham jetzt in einer Form sind, die einem Angst einjagt. Unseren bayerischen Freunde haben selbst Probleme in der IV und vorne ist man noch weit von der Form der letzten Rückrunde entfernt. Tottenham ist in der Liga mittelprächtig gestartet und hat am letzten Spieltag ein 0:1 gegen Wigan an der heimischen White Hart Lane hinnehmen müssen.