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Flauschig

Mit 0:6 kam der SVW am Samstag beimVfL Wolfsburg unter die Räder. Zwei Dinge sind mir von dem Spiel nachhaltig in Erinnerung geblieben: einerseits die Tatsache, dass Wolfsburg auf den Flügeln schalten und walten konnte, wie es ihnen gefiel. Es erinnerte ein bisschen an FIFA98, wo Flanken von außen auf halbwegs kopfballstarke Spieler mit einer extrem hohen Quote zum Erfolg führten. Natürlich ist es tragisch, dass Gàlvez per Eigentor das 0:1 erzielte, aber ob an dem Tag das Spiel ohne dieses frühe Gegentor groß anders verlaufen wäre, wage ich zu bezweifeln. Der zweite auffällige Punkt war, dass Wolfsburg sich nicht einmal besonders anstrengen musste. Ich fand es über weite Strecken eine durchschnittliche Partie der Gastgeber, umso erschreckender, dass dies für eine deutliche Klatsche reichte.

Und während der kicker den armen Luca Zander herauspickt, um sich an seiner Leistung abzuarbeiten, stellt sich mir die Frage, wo am Samstag eigentlich die ganzen vermeintlichen Leistungsträger waren. Junuzovic schleppt seine Formkrise immer noch mit sich rum, Fritz fiel nur durch seine gelbe Karte und die damit verbundene Sperre fürs Nordderby auf und Santiago Garcia hat auf seiner Seite auch so seine liebe Mühe. Und das bringt mich zur Frage nach den Führungsfiguren, die Bush schon diskutiert hat. Wo sind die Spieler, welche die anderen mitreißen, an denen sich das Team aufrichten kann, die durch Konstanz vorne wegmarschieren. Vielleicht sind sie gar nicht da, was sich als Problem erweisen könnte. Wo war der Impuls von der Bank? Zur Halbzeit stellte Skripnik von einem 4-1-4-1 auf ein 4-4-2 um und schaffte damit im Mittelfeld noch mehr Räume für Spieler wie Kruse oder Arnold. Natürlich ist es unwahrscheinlich, dass eine Umstellung zur Halbzeit die Partie noch rumgerissen hätte, aber vielleicht hätte man wenigstens das totale Desaster verhindert.

Ein Gedanke, der mir während des Spiels auch kam: ist man bei Werder mittlerweile zu schnell zufrieden. Damit meine ich alle: Spieler, Verantwortliche und auch Fans. Nach den Auswärtssiegen in Mainz und Augsburg hatte ich das Gefühl, dass man dachte, der Dampfer ist wieder auf Kurs. Klar, dass 1:3 gg. Dortmund im Weserstadion war unschön, aber hey, Dortmund ist eine andere Gewichtsklasse. Kannste nix machen. Immerhin hatte man bis zum Wolfsburg-Spiel auch noch keine Partie absolviert, bei der man so richtig vom Platz geballert wurde (wobei es vor allem der mangelnden Chancenverwertung von Leverkusen und Dortmund zu verdanken war).  Und Junu hatte Sokratis dreimal (einself!!!11!!) in einer Szene getunnelt und wir Werder-Fans sind so viel geiler als die aus Wolfsburg! Ich will nicht Bambule und Randale das Wort reden, ich habe auch keinen Bock auf Busblockaden und angespuckte Spieler, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Saison in einer Flausch-Wolke abläuft. Bei Siegen überkommt einen das wohlig warme Gefühl, dass das schon alles irgendwie wird und Niederlagen sind zwar unschön, aber auch eigentlich gar nicht so wild. Was dagegen zu tun ist, weiß ich auch nicht.

Und auch die Mitgliederversammlung vom letzten Montag passt da ins Bild. Wieder wird ein Minus präsentiert, das EK ist nur dank des „Tricks“ dieses Jahr einen Abschluß für den Gesamtkonzern zu präsentieren noch nicht komplett weg. Aber selbst die regionalen Medien interessiert das nicht wirklich. Weitesgehend wird die offizielle Version durchgereicht, wonach man auf dem richtigen Weg ist. Wird zwar seit Jahren so von den Verantwortlichen verkündet, ist halt so. Ich gebe zu, ich kenne mich in dem Bereich nicht aus, aber irgendwie habe ich ein schlechtes Gefühl bei Werders Finanzen und den Beteuerungen, dass im laufenden Geschäftsjahr ist die schwarze Null erreichbar, mag ich noch nicht recht trauen. Meine Vermutung: die Finanzierung des Stadions ist ein noch größerer Mühlstein um den Hals des Vereins, als nach außen hin kommuniziert.

Samstag war hoffentlich nur ein Ausrutscher und alleine schon aufgrund des Nordderbys wird sich die Mannschaft am Wochenende ganz anders präsentieren, da bin ich mir sicher. Aber wir haben das zweitschlechteste Tordifferenz, stellen mit Augsburg die zweitschlechteste Defensive und das obwohl man zuletzt über neu gewonnene defensive Solidität sprach. Und langsam mache ich mir Sorgen. Sorgen, dass viele der Außenstehenden, die Bremen als einen der offensichtlichen Abstiegskandidaten sehen, recht behalten. Ich will nicht, dass der Werder-Weg, der auf der MV beschworen wurde, in Liga 2 führt und sich dabei alle lieb haben und man sich den Abstieg mit einer Extraportion Flausch schön redet. Aber wahrscheinlich ist das nur meine eigene Wahrnehmungsblase.

Lebenslang Grün-Weiß!

Krisenstimmung

Am Samstag trafen der SV Werder Bremen und der VfL Wolfsburg in einem grün-weißen Krisengipfel aufeinander. Werder mit einem eher mauen Start in die Saison und nur drei Punkten aus den ersten fünf Spielen. Wolfsburg mit nur fünf Punkten ebenfalls mit einem schlechten Start in die Saison. Bisher konnten die Wölfe noch nicht wirklich zeigen, warum sie vor der Saison von einigen sogar schon als Bayern-Jäger auserkoren wurden. Somit standen beide Mannschaften vor dem Spiel unter einem gewissen Druck, wobei Werder den Vorteil hatte, als Außenseiter in die Partie zu gehen.

In den ersten fünf Spielen des SVW konnte sich folgende Storyline herausbilden: spielerisch ist das gut, leider scheitert man an individuellen Unzulänglichkeiten in der Defensive, am Pech oder auch am Schiedsrichter. Wobei man die Wertung „spielerisch gut“ vor allem auch in Bezug zu den Auftritten der letzten Saison betrachten muss, wo Werder spielerisch nur wenig und oft gar nichts anbot. Diese Storyline der ersten Spiele lässt sich für das Wolfsburg spielen nicht fortführen, da Werder spielerisch kaum etwas zustande brachte. Das ist vor allem deshalb so enttäuschend, weil Wolfsburg keineswegs ein übermächtiger Gegner war. Trotz der nominellen Qualität – vor allem im Mittelfeld – leistete sich der VfL viele Fehler, gerade auch im Spielaufbau, die vom Publikum teils mit Murren und Pfiffen quittiert wurden. Aus den Möglichkeiten, die sich aus gegnerischen Ballverlusten ergaben, konnte Bremen jedoch kein Kapital schlagen. Auch waren es diesmal nicht allein individuelle Fehler, die zu den Gegentoren führten, sondern kollektive Schlafmützigkeit. Das 0:1 war ein Musterbeispiel aus der Kategorie „Wie man es nicht macht“, diesmal mit der Folge 1: „Gegentore nach eigenen Eckbällen“.

Das zweite Gegentor nach Buschs zwischenzeitlichem Ausgleich war ebenfalls nicht alleine der Fehler des jungen Rechtsverteidigers, der es zwar verpasst, Olic zu stören, aber sich eigentlich auch nicht in der Situation wiederfinden sollte, gegen zwei Gegenspieler (Olic und Perisic) gleichzeitig verteidigen zu müssen. Leider konnte Bremen die verbleibenden knapp 35 Minuten nicht für ein neuerliches Comeback nutzen. Wirkliche Chancen für die Bremer blieben weitgehend Fehlanzeige. So reicht den Wolfsburgern einer durchschnittliche Leistung für einen verdienten Sieg. Bremen steht nach sechs Spieltagen mit 3 Unentschieden, 3 Niederlagen und 3 Punkten auf dem vorletzten Platz.

Langsam macht sich bei mir Nervosität breit und zwar nicht, weil die Tabelle nach dem sechsten Spieltag allzu aussagekräftig ist, sondern weil ich fürchte, dass der Aufenthalt auf den Abstiegsrängen auch einen nicht zu unterschätzenden psychologischen Effekt hat. Sowas kann sich auch schnell verselbständigen, das hat man in den letzten Jahren immer wieder bei Mannschaften beobachten können, die unten drin standen und sich im Laufe der Saison in einer Abwärtsspirale befanden. Darüber hinaus finde ich die erneut hohe Anzahl an Gegentoren (15 nach sechs Partien) erschreckend. Klar, letzte Saison hatte man 66 Buden gefangen, aber dafür auch 10 Spiele zu null bestritten. Aktuell hat man sich damit begnügt, die Defensivschwäche auf individuelle Fehler zu schieben. Das ist zum Teil auch nicht von der Hand zu weisen, aber es ist eben auch ein schlechtes Abwehrverhalten der gesamten Mannschaft. Man schaue sich das 0:1 nur an und vergleiche es mit einer ähnlichen Situation aus dem Leverkusen-Spiel der letzten Hinrunde, wo in einer ähnlichen Situation mehrere Spieler im Vollsprint zurückrennen und es letztlich Garcia ist, der den Leverkusener Konter unterbinden kann.

Thomas Eichin sprach heute davon, dass man mit Schalke, Wolfsburg und Leverkusen schon gegen drei CL-Anwärter gespielt habe und es in keinem Spiel so aussah, als würde dort der Vorletzte gegen einen CL-Aspiranten spielen. Das ist sicherlich richtig, aber sowohl Schalke als auch Wolfsburg waren jeweils außer Form und Leverkusen hat nach furiosem Start zuletzt auch nicht mehr so überragend gespielt. Natürlich war man in keinem Spiel bisher von vorne bis hinten komplett unterlegen, aber man sollte auch nicht die Form der jeweiligen Gegner dabei unberücksichtigt lassen. Zumal ich auch Angst habe, dass es uns wie dem FC Nürnberg in der letzten Saison erging, dem man auch immer wieder spielerisch gute Auftritte bescheinigte (vor allem unter Verbeek), der aber dennoch als 17. in Liga 2 ging.

Vor dem Spiel gegen den SC Freiburg am kommenden Samstag stehen Mannschaft und Trainer unter Druck. Die Breisgauer haben bisher auch gerade einmal vier Punkte auf dem Konto und sind mit uns auf Augenhöhe. Ich hoffe, dass Lars und ich am Samstag einen Dreier im eigenen Stadion bejubeln dürfen. Nicht nur zur Beruhigung meiner Nerven.

Lebenslang Grün-Weiß!

Lauerstellung

Wahrscheinlich wird das hier kein wirklich kohärenter Beitrag, aber ich schreibe einfach mal drauf los. 🙂

Wolfsburg kam mit einem frischen 1:6 aus München ins Bremer Weserstadion und konnte trotz einer allenfalls mittelmäßigen Leistung locker und verdient gewinnen. Das 0:1 fiel immerhin erst nach 13 Minuten, so lange konnte die Mannschaft im Duell um den 13. Platz mithalten. Das erste Gegentor ist quasi schon Standard: ein tiefer Pass auf Arnold, De Bruyne guckt nur hinterher und schon hat Arnold den Platz, um zehn Meter zu gehen und in aller Ruhe den Schuss aufzuladen. Weder die Innenverteidigung noch das defensive Mittelfeld greifen ein. Anschließend mühte sich eine verunsicherte Mannschaft 77 Minuten lang ab, um zu einer wirklichen Torchance durch Arnautovic zu kommen.

Das Spiel habe ich über weite Strecken resigniert verfolgt. Kein Ärger über den Schmalspur-Auftritt, sondern über weite Strecken einfach nur inneres Achselzucken und allenfalls die Frage, was Allofs eigentlich unter einem bestellten Feld versteht, dass er uns angeblich hinterlassen hat. Vielleicht hat er einfach die Zeichen der Zeit erkannt und da war das Angebot aus Wolfsburg die Gelegenheit, sich abzusetzen. Aber auch das ist egal, allenfalls ein Nebenschauplatz. Die Probleme in der Mannschaft und meine Ansichten zu Schaaf wurden in den vergangenen Wochen sowohl hier als auch an anderer Stelle schon ausführlich besprochen.

Da die Konkurrenten im Abstiegskampf ebenfalls verloren haben, ändert sich an der Tabellen-Situation nicht: es sind weiter fünf Punkte Vorsprung auf Platz 16. Es liegt Veränderung in der Luft und so kursierte schon während des Spiels das Gerücht, dass Schaaf angeblich nach dem Abpfiff hinschmeißen würde. Heute wurde ein Artikel von Kai Niels Bogena, dem Schreiberling mit persönlicher Agenda, durch das mediale Dorf getrieben. Angeblich hätte Klaus-Dieter Fischer Schaaf zum Abschuss freigegeben. Werder reagierte auf diesen Bericht mit einem Dementi. Gestern nach dem Spiel kündigte Eichin pflichtbewusst eine härtere Gangart gegenüber den Spielern an. Ich weiß nicht, was das wiederholte Einprügeln auf die Spieler noch soll. Das Problem steht neben der Linie, auch wenn man sich darum wohl erst nach Ablauf der Saison kümmern wird. Bis es soweit ist, wird jedes Räuspern in den Katakomben des Weserstadions als mögliche Ankündigung des Schaaf-Rauswurfs interpretiert. Und auch wenn es bisher nur Spekulationen sind, ist für mich klar, dass an einer Ablösung Schaafs kein Weg mehr vorbei führt.

Übrigens noch eine interessante Statistik für diejenigen, die sich nach einem Schaaf-Abgang vor Post-Otto-Verhältnissen fürchten (via @666_eldiablo). Das Tal, welches wir jetzt durchschreiten ist um einiges tiefer, eine Tatsache, die ich auch anders in Erinnerung habe.

Jahr/Platzierung/Punkte:

1996/9/44
1997/8/48
1998/7/50
1999/13/38

2011/13/41
2012/9/42
2013/14/32 (Saison läuft noch)

Should he stay or should he go?

Ende letzter Woche hieß es seitens der Medien, dass der VfL Wolfsburg Interesse an einer Verpflichtung von Klaus Allofs habe und die Unterschrift in Kürze erfolgen würde. Seitdem gibt es immer neue Spekulationen darüber, ob und wann Klausi nach Wolfsburg geht. Diese werden sicherlich auch durch die halbgaren Dementis unseres Geschäftsführers weiter befeuert. Die Aussagen reichen von „Ich habe einen Vertrag bis 2015. Das ist Stand der Dinge.“ bis hin zu „Im Fußball verändern sich die Dinge manchmal schnell“. Allofs führt seit 13 Jahren die sportlichen Geschicke des SV Werder und es ist davon auszugehen, dass er die Wirkung seiner Worte sehr genau abzuschätzen weiß. Er hält sich alle Optionen offen und das ist auch legitim. Andererseits geht es mir heute schon auf die Nerven.  Bei wie vielen Spielern hat man diese Form des Rumeierns schon erlebt, bevor sie nach wochenlangem Hickhack von dannen ziehen.

Ich kann dabei auch nicht behaupten, dass mich die Vorstellung sonderlich erschüttert, dass Allofs nach mehr als 13 Jahren die Koffer packt und woanders anheuert. Meine Sympathien hätte er bei einem Wechsel in die Autobauerstadt nicht mehr, aber andererseits sehe ich mit einem Abgang von KA nicht den Weltuntergang heraufziehen. Bitte nicht falsch verstehen: ich schätze Allofs und seine Arbeit sehr und er hat nicht unerheblichen Anteil am sportlichen Höhenflug der Bremer gehabt. Zusammen mit Thomas Schaaf hat er das Maximum aus den an der Weser herrschenden Rahmenbedingungen geholt. Man kann lange darüber streiten, ob der ausbleibende Erfolg der letzten Jahre auch seinem Versagen zuzuschreiben ist oder ob die Hochphase zwischen 2004 und 2009 nicht einfach ein einzigartiger Ausreißer nach oben war. Ja, der Verein hat gerade einen Rekordverlust bekannt gegeben, aber dieser lässt sich durch Rücklagen ausgleichen und zudem diente der Umbruch der letzten Jahre dazu, die hohen Fixkosten der neuen Situation anzupassen. Finanzielle Stunts wird es in Bremen nicht geben.

Der Spiegel bezeichnet Wolfsburg als Paradies für Allofs. Dabei beziehen sich die paradiesischen Zustände vor allem auf die finanzielle Ausstattung, die sich in Wolfsburg ohne Zweifel ganz anders darstellt als in Bremen. Andererseits soll Geld alleine ja auch nicht glücklich machen. Ich kann mir dennoch vorstellen, dass Allofs nach den Jahren in Bremen einer anderen Aufgabe gegenüber nicht abgeneigt ist, zumal Allofs sich in letzter Zeit auch immer wieder mit Gegenwind aus dem Aufsichtsrat konfrontiert sah und er vielleicht auch keinen Bock mehr hat, sich gegen Lemkes Selbstdarstellungsdrang zu wehren. In den nächsten Tagen wird hoffentlich Klarheit in die Sache kommen und für den Fall, dass Allofs dem Ruf aus dem „Paradies“ folgt, möchte mich für die vergangenen Jahre und die Erfolge bedanken. Aber wie auch bei jedem Spieler, der Bremen verlässt, kann ich ihm bei seiner neuen Aufgabe kein „Viel Erfolg“ mit auf den Weg geben. Es wird spannend zu sehen, wie das Vakuum gefüllt wird (Beiersdorfer, Bode oder vielleicht Guardiola*?) und was dann mit Schaaf passiert, der seinen Verbleib ja auch immer an Allofs geknüpft hat. Im Moment wird es nicht langweilig in Bremen, aber egal wie sich die Dinge entwickeln: der SV Werder Bremen ist größer als alle Namen, egal wie sehr sie den Verein geprägt haben. Es wird weitergehen.

Lebenslang Grün-Weiß!

P.S.: Wir haben wohl auf Schalke verloren. Blöd das! 😉

*= Ein kleiner Scherz

Danke und Ciao

Ende letzter Woche wurde Naldos Wechsel zum VfL Wolfsburg verkündet. Es wurde noch einmal spannend, da der initiale Med-Check nicht nach Plan verlief und zusätzliche Untersuchungen nötig waren. Obwohl mit ihm ein wichtiger Spieler und Sympathieträger geht, hält sich die Enttäuschung stark in Grenzen. Vor zwei Jahren fiel Naldo sehr lange durch ein Knochenödem aus. Nachdem man ihn zu Beginn der letzten Saison langsam wieder an das Team herangeführt hatte, bedankte sich Naldo damit, dass er auf einmal dringend nach Brasilien wollte, um a) dichter an seiner Familie zu sein und b) sich für die WM 2014 zu empfehlen. Nachdem sich der Wechsel zerschlug, konnte er sich auf einmal gut vorstellen, doch noch ein paar Jahre in Bremen zu bleiben.

Am Ende kam Wolfsburg mit mehr Geld und einem Vierjahresvertrag um die Ecke. Bremen wollte wohl erstmal noch abwarten, wie sich die sportliche Situation an der Weser entwickelt und sicherlich auch schauen, wie sich Naldos Gesundheit entwickelt. Naldo hat sich für die größere Sicherheit entschieden. Man darf sich heutzutage über sowas auch gar nicht mehr aufregen, will man sich nicht als tumber Idiot preisgeben. So ist halt das Business und als normaler Arbeitnehmer macht man das ja auch so. Die Tatsache, dass Bremen ja auch Spieler von anderen Vereinen wegkauft, verdoppelt die Heuchelei. Wobei der Vergleich mit den normalen Arbeitnehmern ja an Schieflage nicht zu überbieten ist. Ich kenne viele Leute, denen die Perspektive und das Klima an ihrem Arbeitsplatz deutlich wichtiger ist als den monatlichen Gehaltseingang um ein paar Prozent zu steigern. Ja, ich weiß, die Profis haben ja nur eine kurze Karriere, aber Naldo dürfte in Bremen zwischen zwei und drei Millionen per Anno verdient haben. Der verdient also im einem Jahr mehr als der durchschnittliche Arbeitnehmer in seinem gesamten Leben.

Nein, es geht nicht um die „Scheiß-Millionäre“, aber können wir bitte aufhören so zu tun, als hätte Naldo hier wie ein asketischer Bettelmönch leben müssen? Die angebliche Logik des Arbeitnehmermarktes (jeder nimmt so viel er kriegen kann) habe ich in der Vergangenheit oft genug verwendet, um Wechsel von Spielern innerlich und äußerlich zu rechtfertigen. Doch irgendwie nagt diesmal der Zweifel an mir, ob das immer alles so richtig ist. Ob man nicht doch auch mal Kritik an einem Spieler äußern kann, der erst sagt, dass es ihm das Herz bricht, aus Bremen fortzugehen, aber dann fortfährt, dass das Angebot einfach unschlagbar war und genug, um den Herzschmerz zu lindern. Aber was soll man ihn kritisieren, wenn alle nur dem Geld nachjagen?

Ich danke Naldo für seine Zeit in Bremen. Mehr aber auch nicht. Wenn ein Spieler den Verein verlässt, ist er für mich nicht mehr relevant. Ich bin Fan von Werder Bremen, nicht von Spieler XY. So lange jemand das Trikot von Werder trägt, stehe ich hinter ihm, doch wenn er geht (aus welchen Gründen auch immer), dann nicht mehr. Nicht falsch verstehen, ich wünsche niemandem etwas Schlechtes, aber was soll ich Naldo jetzt alles Gute wünschen? Es hat auch ganz praktische Vorteile, denn ich kann mir Spiele von Real Madrid anschauen, ohne bei jedem Ballkontakt von Özil den alten Zeiten nachzutrauern. Ich kann mich herrlich an Diegos Spielchen mit Quälix erfreuen, ohne ihn ständig wieder in Bremen sehen zu wollen. Halt ganz geschäftsmäßig.

Faraway, so close

Ein Punkt ist sicherlich besser als kein Punkt, doch nach dem gestrigen Spiel in Wolfsburg bleibt doch ein fader Beigeschmack. In einem Spiel, das auf sehr schwachem Niveau stattfand, hatten Frings (vom 11er-Punkt), Arnautovic (frei vor Benaglio) und Hunt (kurz vor Ende) die großen Chancen, das Spiel zugunsten der Bremer zu entscheiden.

Diego, Diego, Diego…

Das Spiel war nicht das Aufeinandertreffen der „Enttäuschten“, sondern auch das erste Spiel von Diego gegen seinen Ex-Club. Das merkte man Sky-Kommentator Michael Born auch an: jedesmal, wenn der kleine Brasilianer am Ball war, konnte man förmlich hören, wie Born ins Mikro sabberte. Dabei spielte Diego die ersten knapp 30 Minuten sehr auffällig und war offensichtlich darauf aus, es gegen seine Ex-Kollegen allen zu beweisen. Und Born wartete nur auf den alles entscheidenden Satz: „Ausgerechnet Diego!“. Doch nach ca. 30 Minuten passte sich Diego dem allgemeinen Niveau des Spiels an und verschwand zunehmend in der Versenkung.

Während Bremen offensichtlich in der ersten Halbzeit darauf aus war, nicht allzu viel zuzulassen und tief gestaffelt auf Konter zu warten, lief bei Wolfsburg fast alles über Diego. Als er abtauchte, ging auch beim VW Betriebssportverein nicht mehr viel nach vorne. Wunderstürmer Dzeko sah im gesamten Spiel keinen Stich und wurde von Mertesacker über weite Strecken abgemeldet. Nach vorne zeigten sich im Bremer Spiel die alten Probleme. Zwar gab es einige viel versprechende Kontersituationen, doch dann fehlte es am letzten Pass oder an der passenden Anspielstation. Dabei muss ich sagen, dass mir vor allem Hunt gestern gefallen hat. Er hatte gute Aktionen und harmonierte gut mit Arnautovic, der vorne alleine seine Kreise zog.

Elfer-Drama

In der zweiten Halbzeit versuchten die Bremer das Heft etwas mehr in die Hand zu nehmen, doch wirkliche Chancen sprangen dabei nicht heraus. Ein Problem war die Tatsache, dass Arnautovic sich immer wieder auf die Flügel fallen ließ, dann aber die Abnehmer für seine Hereingaben fehlten. In der 74. war Wolfsburgs Josué so freundlich, Bargfrede im Strafraum der Golfsburger zu legen und der (für meine Begriffe schwache) Schiri Aytekin gab Strafstoß. Frings nimmt sich den Ball, läuft an und vergibt. Nach dem Spiel meinte Frings, er wollte ihn die Mitte schießen, habe aber den Ball nicht richtig getroffen, so dass Benaglio ihn mit Glück halten konnte. Nur drei Minuten später segelt ein hoher Ball in den Bremer Strafraum, Prödl nimmt den Arm im Zweikampf gegen Mandzukic ein bißchen zu hoch und Mandzukic bricht zusammen, als hätte ihn einer der Klitschkos getroffen. Aytekin zeigt wieder auf den Punkt und Dzeko tritt an, um den Ball über das Tor zu befördern. Wahrscheinlich auch ein Novum, dass zwei so kurz hintereinander gegebene Elfer verschossen wurden.

In der Schlussphase hatten Arnautovic und Hunt die oben angesprochenen Chancen, den Dreier doch noch einzufahren. Letztlich blieb es bei der Punkteteilung. Bremen ist nun zwei Spiele in Folge ungeschlagen und das ist doch schonmal etwas. Nun noch die Partie gegen Dortmund überstehen und sich in die Winterpause zu retten, wo dann hoffentlich die Verletzten wieder ins Team zurückkehren und man die Möglichkeit hat, weiter an den vielen Schwachstellen zu arbeiten. Vor allem das Spiel nach vorne hat sehr viel Sand im Getriebe. Hunt muss konstanter werden, Arnautovic die dicken Gelegenheiten auch mal nutzen und Marin sich wieder häufiger im 1:1 durchsetzen. Hoffen wir mal, dass Pizarros Knochen in der Rückrunde länger halten und dann ist da javielleicht auch noch Hugo „Ich schwimm nach Madrid“ Almeida, unser bisher bester Torjäger.