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Same procedure…

England und Elfmeterschießen, eine wirkliche Freundschaft wird aus den beiden nicht mehr (ist jetzt das fünfte gewesen, welches ich gesehen habe: WM 90, EM 96, EM 04, WM 06). Am Ende hauen die beiden Ashleys die Dinger nicht ins Gehäuse und da bei den Italienern nur Montolivo das Runde nicht ins Eckige bekommt, steht Italien im Halbfinale. Das ist ebenso bitte wie vorhersehbar, ich wollte mir das Ende eigentlich auch gar nicht mehr anschauen, aber dann war es wie bei einem schlimmen Unfall: es ist schrecklich, aber man kann die Augen doch nicht vom Geschehen nehmen.

Das Spiel begann sehr munter von beiden Seiten und in den ersten 20-30 Minuten konnten die Engländer immer wieder gute Aktionen nach vorne setzen. Doch im Verlauf des Spiels wurden diese Aktionen immer weniger und in der Verlängerung war von den Three Lions eigentlich nichts mehr zu sehen. Auffällig vor allem die körperlichen Defizite: Rooney wirkte schon nach der ersten Halbzeit stehend KO, während Gerrard sich nach knapp 70 Minuten einen Krampf aus der Wade dehnen ließ. Fit sieht anders aus. Schon vor Ende der regulären Spielzeit war abzusehen, dass England auf einen Lucky Punch hoffte bzw. sich irgendwie ins Elfmeterschießen retten wollte (starke Züge von masochistischem Verhalten offenkundig vorhanden).

Die Italiener machten eine gute Partie, angeführt vom alles überragenden Pirlo. Dennoch waren sie nicht in der Lage, die Überlegenheit auch in Tore umzumünzen. Selbst dann nicht, als die Engländer eigentlich nur noch stehend auf den Gnadenschuss zu warten schienen. Hier verstehe ich nicht, warum Prandelli sowohl Balotelli als auch Cassano so lange auf dem Platz lässt, während ein Di Natale gar nicht erst gebracht wurde. Vor dem hätte ich noch am meisten Angst gehabt. So konnte England mit einer Mischung aus Glück, Einsatz und dem Geschick eines Joe Hart einen Gegentreffer irgendwie vermeiden.

Gestern wurde viel von einem überaus verdienten Sieg der Italiener gesprochen und sicherlich entspricht das auch der Realität, wobei ich diese Kategorisierung immer sinnlos finde. Fußball ist ein Ergebnissport, es gibt keine Punkte für die Einschätzung verdient/unverdient, keine Haltungsnoten wie im Turnsport. Für einen unverdienten Sieg gibt es genauso drei Punkte wie für einen vermeintlich verdienten und umgekehrt gibt es für eine unverdiente Niederlage auch genau null Punkte. Angenommen Wayne Rooney haut den Fallrückzieher in Nachspielzeit der regulären Spielzeit rein: es wäre ein unverdientes Weiterkommen gewesen, sicherlich, aber nichtsdestotrotz ein Sieg. Dieses “unverdient/verdient” finde ich auch in der BuLi immer ein bisschen befremdlich, denn was kann man sich für eine unverdiente Niederlage kaufen?

Wie soll man das Abschneiden der Engländer nun bewerten? Ich denke, das Turnier zeigt genau auf, wie es um England bestellt ist. Man schlägt die vermeintlich Kleinen und kann sich gegen die Großen ein Unentschieden ermauern. Nicht mehr und nicht weniger. Ich bin erstaunt über die Kommentare, dass der Abstand Englands zur Weltspitze sehr groß ist, weil dieser Umstand doch schon seit Jahren zu sehen ist. In den vergangenen Jahren hat man (im Gegensatz zu diesem Turnier) im Vorfeld immer wie ein Spitzenteam rumgetönt, aber das sollte nicht von der Realität auf dem Platz ablenken. England ist zu einem klassischen Viertelfinalisten geworden, der (auch abhängig der Auslosung) zu den besten acht Mannschaften eines Turniers gehört, aber mehr auch nicht. Ich denke, schon im Vorfeld des Turniers hat man sich in England damit abgefunden, kein wirkliches Top-Team zu sein und diesen Gedanken zu akzeptieren schafft die Voraussetzung dafür, sich um die Defizite zu kümmern. Zwar war es seit langem mal wieder ein wirkliches Team, welches mit Einsatz und Herz verteidigte, aber auf Dauer kann das nicht die Blaupause für einen erfolgreichen Fußball sein.

Man darf gespannt sein, wie die Quali zur WM 2014 in Brasilien angegangen wird. Hodgson wird hoffentlich versuchen, verstärkt auf jüngere Spieler zu setzen und diese an den Kern der Three Lions heranzuführen. Hierzu zählen u.a. Jack Wilshere, Phil Jones, Chris Smalling, Jack Rodwell, Oxlade-Chamberlain oder auch ein Kyle Walker. Hart hat das erste große Turnier mit sehr guten Leistungen absolviert und wird (Verletzungen ausgenommen) auch in den nächsten Jahren die Nummer eins im Kasten sein. Ich hoffe, dass es gelingt, langsam aber stetig diesen Generationenwechsel voran zu treiben und ein Team aufzubauen, dass mittelfristig auch mal weiterkommen kann als das Viertelfinale.

Gruppentherapie

In meiner Vorschau auf das Turnier meinte ich, dass es nicht völlig abwegig wäre, sich ein Ausscheiden der Engländer schon in der Vorrunde vorzustellen. Ein Glück kam es dann doch nicht so, stattdessen konnte man sich in der Gruppe D sogar als Gruppenerster durchsetzt. Hier noch ein kurzer Rückblick auf die Gruppenphase:

Frankreich: Marchons, March on

Es war nicht schön, aber immerhin konnte man ein 1:1 holen. England mit zwei tief stehenden Viererketten und die Franzosen mit wenig Elan und Ideen, um sich dort einmal durchzuspielen. Das 1:0 durch Lescott glich Nasri und anschließend war es ein eher maues Spiel. Man merkte beiden Mannschaften an, das es vor allem darum ging, nicht mit einer Niederlage ins Turnier zu starten. So wurde es zum Ende des Spiels hin mehr zu einem harmlosen Hin- und Hergeschiebe des Balls. England spielte genauso, wie man es im Testspiel gegen Belgien gesehen hatte.

Schweden: Smørebrød

Nach dem mauen Auftakt gegen die Franzosen nun also ein Spiel, welches man nach Möglichkeit gewinnen sollte, wenn man die Gruppe überleben will. Carroll nimmt in Halbzeit den Fahrstuhl in den dritten Stock, um von da oben den Ball per Kopf ins Tor zu ballern. In Halbzeit zwei drehen die Schweden dann das Spiel, erst eine Flipperautomaten-Einlage nach einem Ibrahimovic-Freistoß, bei der Johnson das Recht vorbehalten bleibt, den Ball selbst über die Linie zu drücken. Nur kurze Zeit später dann Olof Mellberg, der per Kopf einnickt. An dem Punkt hatte ich das Spiel eigentlich abgeschrieben, denn an ein Comeback der Three Lions habe ich nicht glauben können.

Doch Hodgson hatte ein glückliches Händchen und brachte One-Trick-Pony Walcott ins Spiel. Erst haut er einen leicht abgefälschten Ball aus 18 Metern ins schwedische Tor bevor er wenig später den Turbo zündet, den schwedischen Verteidiger gefühlt stehen lässt und  das Ding zu Welbeck passt, der ihn per Hacke rein streichelt. Wow, ein Spiel, welches sicherlich nicht durch seine Finesse überzeugte, dafür aber allemal spannend und packend. War in der ersten Halbzeit nicht zu erwarten, als sich beide Mannschaften im klassischen 4-4-2 neutralisierten, aber als die Schweden aufmachten, um zu einem Tor zu kommen, ergaben sich auf beiden Seiten dann endlich die Lücken. Was ich imponierend fand, ist die Art und Weise, wie Ibrahimovic in dem Spiel über den Platz stolzierte. Jeder Pass war Ausdruck des Ekels, mit solchen Dilettanten auf dem Platz zu stehen.

Ukraine: Die Haare Gottes

Das letzte Gruppenspiel findet gegen den Co-Gastgeber statt. England reich ein Unentschieden, während die Ukraine gewinnen muss, um sicher weiterzukommen. Dementsprechend engagiert beginnen die Ukrainer und stellen die Engländer am Anfang des Spiels vor richtige Probleme. Vor allem Iarmolenko macht viel Betrieb vor dem englischen Tor. Doch allzu viele Chancen kommen dabei nicht rum. Spannend wird es dann in der zweiten Halbzeit. Erst erzielen die Engländer das 1:0 durch die Haare Gottes, der eine doppelt abgefälschte Flanke von Gerrard am langen Pfosten einfach nur über die Linie drücken muss. Goalgetter halt. Anschließend dann erst eine dicke Kopfballchance von Milevskiy und  wenig später der Aufreger des Spiels, ach, des Turniers. Devic legt den Ball an Hart vorbei und Terry klärt das Ding spektakulär von der Linie. Naja, so fast, denn in der Zeitlupe sieht man, dass der Ball hinter der Linie war.

Was in der anschließenden Diskussion gerne übersehen wird, ist die Tatsache, dass Milevskiy in der Entstehung des Angriffs deutlich im Abseits stand. Eine gerne genommene Argumentation: beim Abseits wird ständig falsch entschieden und das wäre weit weniger schlimm als das nicht gegebene Tor. Und außerdem hätten die Engländer ja gar kein Abseits reklamiert. An der Szene entzündet sich auch die Diskussion um technische Hilfsmittel im Fußball. Doch die Szene zeigt auch exemplarisch, wie schwer das ist, die Grenze zu ziehen, denn hier begünstigt eine Fehlentscheidung die Entstehung einer weiteren Fehlentscheidung. Doch dieser Aufreger blieb so ziemlich das letzte Highlight der Partie.

Durch die zeitgleiche Niederlage Frankreichs gegen Schweden war damit der Gruppensieg gesichert. Es war nicht schön, aber das war auch vor dem Turnier klar, dass die Engländer hier nicht mit bezauberndem Kombinationsfußball glänzen würden. Von daher hat man die Erwartungen erfüllt und ist darüber hinaus auch noch (bis hierher) erfolgreich damit gewesen und hat die französischen Mitfavoriten hinter sich gelassen.

Bella Italia

Sonntagabend kommt es dann zum Viertelfinalspiel gegen die Italiener. Im Spiel gegen die Spanier und in der ersten Halbzeit gegen Kroatien konnten die Italiener überzeugen. Das Spiel gegen die Iren habe ich nicht gesehen, so kann ich darüber auch keine Aussage treffen. Bisher haben sich die Italiener sehr variabel gezeigt, so dass es interessant sein dürfte, wie sie das Spiel gegen England angehen. Wichtig ist, Pirlo in den Griff zu bekommen, das Hirn des italienischen Spiels. Er ist zwar angeschlagen, aber ich denke schon, dass er gegen England auflaufen wird. Vorne hoffe ich, dass Balotelli spielt. Er wird gg. England bis in die Haarspitzen motiviert sein, denn seitdem er auf der Insel spielt, macht sich die britische Presse einen Spaß daraus, jede seiner Eskapaden auszuschlachten. Und wenn Balotelli motiviert ist, ist er auch gerne mal übermotiviert. Da sollte dann eine rote Karte drin sein bei unserem Kind im Körper eines Sport-Profis.

England wird sich im Vergleich zum Ukraine-Spiel deutlich steigern müssen. Vor allem im Mittelfeld muss sowohl die Arbeit nach hinten besser verrichtet werden, aber auch das Spiel nach vorne muss einfach flüssiger werden, wenn man auch mal Nadelstiche setzen will. Spannend dürfte auch die Frage sein, wen Hodgson vorne neben Rooney bringt. Welbeck wirkte gegen die Ukraine arg schlapp und vielleicht darf Carroll die italienische Innenverteidigung bespaßen.

Grüezi!

Nach einer langen Saison gibt es nichts Schöneres als noch ein paar EM-Quali-Spiele. Am gestrigen Abend kam es in Gruppe G zum Aufeinandertreffen zwischen England und der Schweiz. Für die Schweizer war das hier schon die letzte Chance, lagen sie vor dem Spiel 6 Punkte hinter dem Gruppenzweiten aus Montenegro.

Fabio Capello musste vor allem in der Offensive auf einige Stürmer verzichten, u.a. auf Wayne Rooney und Peter Crouch. So kam Darren Bent zu einem Platz in der Startelf. Bent gab die einzige Spitze, dahinter Milner, Wilshere und Walcott mit Scott Parker und Frank Lampard auf den 6er-Positionen. Die Schweizer ebenfalls mit einem 4-2-3-1 mit Derdiyok als Sturmspitze. Aus Werdersicht hat mich vor allem der Schweizer Reto Ziegler interessiert, der als Linksverteidiger schon einige Male mit den Bremern in Verbindung gebracht wurde, aber nun vom Serie-A-Absteiger Sampdoria zu Juventus Turin wechselt.

Das Spiel begann recht munter und die Engländer kamen zweimal gefährlich vors Tor, aber leider sollte damit nicht die Richtung für das restliche Spiel vorgegeben werden. Das Offensivspiel der Engländer blieb weitesgehend statisch. Die Außenpositionen mit Milner und Walcott konnten nur selten für Gefahr sorgen. Vor allem Walcott blieb in meinen Augen wieder einmal den Beweis schuldig, mehr zu sein als ein “One-Trick-Pony”. Er war einfach nicht in der Lage, seinen Gegner (in der Regel Ziegler) entscheidend auszuspielen. So lange man nicht auf Konter spielt oder er von den riesigen Lücken profitieren kann, die ihm seine Kollegen bei Arsenal reißen, kommt da einfach zu wenig rum. Er braucht einfach viel Platz, um seine Schnelligkeit ausspielen zu können und diesen Platz gewährten ihm die Schweizer, zumal auswärts spielend, nicht. Milner blieb ebenfalls weitgehend blass. Von den 6er-Positionen kam ebenfalls wenig bis gar nichts und zudem hatten Lampard und Parker oftmals Probleme, die Vorstöße der Schweizer zu unterbinden. Der große Lichtblick im Mittelfeld blieb Wilshere, der auch mal Ideen hatte und den schnellen Pass in die Spitze versuchte. In Zusammenarbeit mit bspw. Rooney könnte da wesentlich mehr Spielwitz nach vorne kommen.

In der 32. Minute der erste Schock: Barnetta mit einem Freistoß aus dem linken Halbfeld, der Ball segelt an Freund und Feind vorbei und landet im Tor. Hart sieht hier sicherlich dumm aus, aber bei dem Gewusel vor seinem Kasten musste er einfach damit rechnen, dass jemand vorher an den Ball kommt. Nur drei Minuten später führt Barnetta wieder einen Freistoß von links aus, diesmal direkt an der Strafraumgrenze und auf Höhe der 11m-Linie. Der Ball schlägt im kurzen Eck ein, weil a) die Mauer ihren Job nicht macht und b) Hart die kurze Ecke nicht hat. Diesmal klarer Torwartfehler. Wieder zwei Minuten später holt Djourou Wilshere im 16er von den Beinen und verursacht einen Elfer, nachdem Djourou vorher den Ball gegen Wilshere nicht klären konnte. Lampard macht das Ding souverän. In Halbzeit zwei dann kann der eingewechselte Ashley Young kurz nach der Halbzeit das 2:2 machen, nach einer schönen Brust-Ablage von Leighton Baines (in Halbzeit eins für den angeschlagenen Ashley Cole gekommen). Danach geht es munter auf und ab im Wembley-Stadion. Die Three Lions machen Druck und die Schweizer versuchen zu kontern. Die beiden besten Chancen werden von Bent und Downing vergeben.

Das 2:2 hilft den Engländern mehr als den Schweizern, zumal Montenegro auch nicht über ein Unentschieden hinaus kam. Somit bleibt England dank des besseren Torverhältnis Gruppenerster. Doch vom spielerischen Standpunkt muss einem schon ein bißchen unwohl zumute sein. Natürlich kann man alles auf die fehlende Kraft schieben, doch auch die Schweizer waren am Ende einer langen Saison angelangt. Die fehlende Kreativität und Gefahr im Mittelfeld sowie die Tatsache, dass man im defensiven Mittelfeld oft nicht Herr im Hause war, müssen einem als Fan der “Three Lions” Sorge bereiten. Die rechte Seite mit Walcott und Johnson war meist abgemeldet und auf links war es einzig Leighton Baines, der nach seiner Einwechslung für Betrieb sorgte. Wilshere zeigte gute Ansätze und auf seine Entwicklung bin ich wirklich gespannt.

Die Schweizer stehen nach dem Spiel immer noch mit 6 Punkten Rückstand auf Platz zwei da. Es dürfte schwierig werden, da noch mal oben ranzukommen. Hätten die Eidgenossen die Konter in Halbzeit zwei ein bißchen konsequenter und klarer ausgespielt, wäre vielleicht noch mehr drin gewesen. Gefallen hat mir vor allem Senderos, der ein richtig gutes Spiel machte und oftmals souverän und abgeklärt agierte. Ganz im Gegensatz zu seinem Innenverteidiger-Kollegen Djourou, der den Elfer verursachte, in Halbzwei zwei mit gelb-rot runter gemusst hätte und noch ein, zwei schwere Aussetzer hatte, die den Schweizern hätten teuer zu stehen kommen können. Reto Ziegler hatte auch ein gutes Spiel, wurde von Walcott und Johnson auf seiner Seite aber nur selten wirklich in Bedrängnis gebracht. Ab und an konnte er sich auch gut mit nach vorne einbringen.

Zwei kurze Sachen noch: zum einen war der slowenischen Schiri echt eine Frechheit. Lichtsteiner mäht zweimal Leighton Baines um und bekommt nicht mal gelb, wobei das erste Foul schon sehr dunkelgelb war. Auch Djourou hätte nach einem taktischen Foul an Walcott in Halbzeit zwei vom Platz gemusst. Zum anderen habe ich das Spiel live auf sportdigital.tv verfolgt. Diese Seite ist so unglaublich schlecht in der Benutzerführung, dass ich fast wahnsinnig geworden wäre. Ich habe zweimal ein neues Passwort angefordert, da ich das zu meinem bestehenden Account zugehörige nicht mehr zusammen bekam. Beide Ersatzpasswörter funktionierten nicht, so dass ich dann einen komplett neuen Account anlegen musste. Und der Kommentator ging auch mal gar nicht. Ich glaube, es war Jirka Schink. So! :)

Update: Laut zonalmarking war die taktische Grundaufstellung ein 4-3-3, wovon man aber dann im Spiel wenig bis gar nichts gesehen hat. Hmm, das macht das ganze nicht wirklich besser. Zumal bspw. ein Milner auch echt kein Außenstürmer ist.

 

Coming back

Der Artikel fängt mit einem Geständnis an: Ja, ich bin Fan der englischen Nationalmannschaft. Das hat unter anderem damit zu tun, dass ich Halb-Engländer bin, nur falls man mir mangelnden Patriotismus vorwerfen möchte. Es ist eine schwierige Beziehung zwischen den Three Lions und mir. Bisher hat die Mannschaft noch bei jedem Großturnier (sofern sie qualifiziert war) jedesmal für eine herbe Enttäuschung gesorgt.

Die vergangene WM bildet da keine Ausnahme. Das 1:4 gegen Deutschland im Achtelfinale war nur das Tüpfelchen auf dem i eines völlig verhunzten Auftritts der englischen Nationalmannschaft. Schon in der Vorrunde waren die Auftritte gegen die USA, Algerien und Slowenien alles andere als mitreißend. Dabei hatte man eine gute WM-Quali gespielt und berechtigte Hoffnungen, dass Capello dem Team für die WM einen Schub geben könnte. Doch während des Turniers zeigte sich die altbekannte Ideen- und Leidenschaftslosigkeit, die in den letzten Jahren kennzeichnend für die Three Lions geworden ist.

Dabei gelingt es vor allem den Top-Stars nicht, die Leistungen, die sie wöchentlich für ihre Vereine auf den Platz bringen, abzurufen. Ein Frank Lampard, der für Chelsea in der abgelaufenen Saison 22 Tore erzielen konnte, war nicht mehr als ein Mitläufer und konnte keine Akzente setzen. Auch ein Gerrard und ein Rooney blieben über weite Strecken blass. Vor allem Lampard und Gerrard scheinen zusammen auf dem Platz einfach nicht miteinander zu funktionieren, dies ist nicht erst seit dieser WM offensichtlich. Leider konnte Capello hier den gordischen Knoten nicht durchschlagen.

Nun kommt die Qualifikation zur EM 2012 in Polen und der Ukraine. England trifft hier in Gruppe G auf Bulgarien, Montenegro, die Schweiz und den Nachbarn Wales. Sicherlich keine Todesgruppe, aber auch kein Spaziergang für die Three Lions. Das Team tritt im Vergleich zur WM kaum verändert an. Eigentlich hatte ich erwartet, dass Capello nach dem erfolglosen einen Schnitt macht und versucht, das Team zu verjüngen. Dies wäre vor allem auch für die Fans ein Zeichen des Aufbruchs gewesen. Nun bleibt dieser Schnitt aus und ein Großteil der WM-Fahrer wird sich die Zuneigung der Fans wieder hart erarbeiten müssen. Ganz haarig wird es auf der Torhüter-Position. Während Joe Hart von ManCity sich als neue Nummer eins herauskristallisiert, hat Capello Schwierigkeiten, darüber hinaus noch fähiges Personal aufzustellen. Da Ben Foster und Scott Carson in der Vorbereitung auf das erste Quali-Spiel angeschlagen waren, musste der fünfte(!) Keeper von Arsenal, James Shea, ins Team berufen werden. Ich glaube, das Problem mit den Torhütern wird sich nicht mehr lösen lassen, eher friert die Hölle zu.

Am Samstag geht es in Wembley gegen Bulgarien los. Zu Bulgarien kann ich relativ wenig sagen. In Abwesenheit von Dimitar Berbatov ist Martin Petrov noch einer der bekannteren Namen, der einst für den VfL Wolfsburg spielte. Doch genau das macht das Spiel auch gefährlich für die Engländer, da man Gefahr läuft, einen solchen Gegner nur allzu schnell auf die leichte Schulter zu nehmen. Hier gilt es, gleich ein Ausrufezeichen zu setzen und vor allem engagiert und leidenschaftlich zu Werke zu gehen.

Nächsten Dienstag ist England dann in der Schweiz zu Gast. Die Schweiz konnte als einziges Team bei der WM die Spanier bezwingen. Mit 1:0 konnten die Schweizer das erste Gruppenspiel gegen die Iberer für sich entscheiden. Im entscheidenden Gruppenspiel gegen Honduras wurde das größte Manko der Schweizer deutlich: die fehlende Kreativität. Die Eidgenossen mussten das Spiel gegen tiefstehende Mittelamerikaner selbst machen und kamen über ein 0:0 nicht hinaus. Der Star der Schweiz sitzt auf der Bank und heißt Ottmar Hitzfeld. Hier in Deutschland braucht man sicherlich nicht mehr viele Worte über Hitzfeld verlieren. Die Schweizer sind nominell sicherlich der stärkste Gegner der Engländer. Also, ich bin gespannt, was bei den beiden Spielen für England rausspringt.

Come on England!