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Vorschau auf Fürth

Nach dem Punkt in Gladbach und der aus der Spielweise geschöpften Hoffnung, geht es am kommenden Samstag gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth. Die Zahlen der Fürther sehen eher mau aus: 2 Siege in 25 Spielen, gerade einmal 14 geschossene Tore, der beste Torschütze (Zoltan Stieber) kommt auf ganze drei Buden und dazu noch 14 Punkte Rückstand auf den rettenden 15. Platz. Zum Relegationsplatz sind es „nur“ sieben. Hinzu kommt die 0:3-Niederlage gegen den direkten Konkurrenten Hoffenheim. Die Stimmung bei den Franken ist dementsprechend im Keller und der Abstieg scheint – trotz aller theoretischen Möglichkeiten – eine beschlossene Sache.

Es scheint also alles klar am Samstag, ein Dreier für Bremen nur eine Formalität. Doch ich bin da schon ein bisschen skeptisch. Zum einen hat Fürth mit Frank Kramer einen neuen Trainer und zum anderen kann der vermeintlich besiegelte Abstieg auch positive Kräfte freisetzen. Daher erwarte ich einen schweren Gang gegen die Fürther, man denke nur an das Hinspiel, als Bremen bei den Kleeblättern auch nicht über ein 1:1 hinaus kam. Vor allem hoffe ich, dass die Spieler den Gegner nicht auf die leichte Schulter nehmen und einen Sieg als gottgegebene Sache betrachten. Den so brilliant war das von Werder in den letzten Wochen auch nicht, als das man jetzt mit Hochmut ins Spiel gehen könnte.

Ich bin vor allem darauf gespannt, wie Schaaf am Samstag spielen lässt. Wie auch im Grünweiß-Stammtisch angesprochen hoffe ich, dass Schaaf auf die gleche Formation wie gegen Gladbach setzt und diese zugunsten der Offensive leicht anpasst, ohne dabei die defensive Stabilität allzu sehr aufzugeben. Denn auch wenn Fürth die mit Abstand ungefährlichste Mannschaft vor dem gegnerischen Tor ist, darf man ja auch nicht vergessen, dass wir zusammen mit Hoffenheim die schlechteste Defensive stellen und den Gegnern auch gerne mal Hilfe leisten, wenn es mit dem Torabschluss nicht klappen will.

Petersen im Sturm dürfte gesetzt sein, dahinter würde ich Junu, De Bruyne und Hunt aufstellen. De Bruyne hat im zentralen Mittelfeld ein Bombenspiel gemacht und ich hoffe, dass Schaaf das genauso gesehen hat. Die Doppelsechs würde ich mit Trybull und Iggy besetzen. Iggy hat zwar gegen Gladbach sein erstes Tor für Bremen geschossen, aber man merkt deutlich, dass er seine Stärken eher in der Defensive hat. Hinten würde ich gar nicht so viel ändern, vor allem würde ich Pavlovic gerne noch einmal spielen sehen. Er hatte eine wacklige erste Halbzeit gegen Gladbach, aber danach ein gutes Spiel gemacht. Die Frage ist dann, ob Sokratis für Luki kommt, eine Pause bekommt, um für die anstehenden Aufgaben in Mainz und gegen Schalke fit zu sein, oder vielleicht neben Trybull auf der Doppelsechs spielt (wie heute im Training). Oder habt Ihr andere Vorschläge?

Zum Spiel gegen Fürth bin ich auch mal wieder zusammen im Stadion und schaue mir den Kick mit Lars und Andreas an. Ich hoffe, dass wir nach dem Spiel auf drei Punkte anstossen können und uns nicht gegenseitig Trost spenden müssen. 😉

Lebenslang Grün-Weiß!

Danke Knut

Sehr geehrter Herr Knut. Sie verantworten, unter Anderem, dass mein Lieblingsverein Werder Bremen gestern gegen Schalke nicht gewonnen hat. Sie haben nach einem Freistoß von Torsten Frings auf Torwartbehinderung von Per Mertesacker gegen Neuer entschieden und den Kopfballtreffen von Pasanen darum nicht anerkannt. Da ich leider kein Sky habe, die Spiele also nicht Live sehen kann und gestern auch die Sportschau nicht gucken konnte, spare ich mir an dieser Stelle ein Urteil über ihre Gesamtleistung, Herr Knut. Nur so viel. Es ist immer schade, wenn ein Spiel durch eine Fehlentscheidung entschieden wird!

Fire!

Beim Auswärtsspiel in Mainz sorgte nicht nur die Mannschaft auf dem Platz für einen weitgehend desolaten Auftritt in Grün-Weiß, sondern auch einige Fans machten eher auf die falsche Art auf sich aufmerksam. Es geht hier um den Einsatz von Pyrotechnik in Stadien. Dabei soll es nicht darum gehen, ob man mit entsprechenden Bengalos und Co. für mehr Atmosphäre im Stadion sorgen kann oder nicht. Darüber kann man sich durchaus streiten, denn für mich braucht man solche Effekte nicht für zusätzliche Stimmung. Aber da kann man durchaus unterschiedlicher Meinung sein.

Derzeit ist es jedoch ein Fakt, dass der Einsatz solcher Feuerwerkstechnik in deutschen Stadien verboten ist. Daran kann man derzeit nicht rütteln. Es gibt eine Initiative zur Legalisierung der Pyrotechnik, die sich für einen kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik in den Stadien einsetzt. Ich glaube, dass die Teile der Fans, die nun in Mainz oder anderswo trotz Verbotes auf Pyrotechnik solchen Vorstößen einen Bärendienst erweisen. Für die Ordnungskräfte und die Verbandsoberen bestätigt sich doch damit nur das Bild des unkontrollierbaren Fan-Mobs, der sich offensichtlich nicht an die Regeln halten kann/will. Dabei versuchen viele Faninitiativen dem negativen Bild der Fans entgegenzuwirken und sich gegen die Schikane von Polizei und Stadionordnern zu wehren und zudem mehr Freiräume für aktive Fans zu erwirken. Aber mit solchen Aktionen einzelner ist das vergebliche Liebesmüh.

Darüber hinaus nehmen die Fans auch willentlich eine Strafe für den eigenen Verein in Kauf. Das geht bei Geldstrafen los und kann im Zweifel dazu führen, dass die Werder-Fans evtl. bei Auswärtsspielen nicht ins Stadion dürfen. Vielleicht bin ich da auch zu doof zu verstehen, wie man durch solche Aktionen seinen eigenen Verein unterstützt und nicht nur sich selbst als unglaublich toller Haufen feiert. Der Verein sah sich nach den Ereignissen am letzten Samstag genötigt, einen offenen Brief zu veröffentlichen. Es bleibt der Zweifel, ob dieser etwas bewirkt.

Übrigens ist es immer wieder peinlich, wie sich gerade Fernsehkommentatoren in dieser Sache verhalten. Während bei Spielen in der Türkei oder Griechenland beim Anblick eines „brennenden“ Stadions von der tollen südländischen Atmosphäre und dem dazugehörigen Temperament geschwärmt wird, sind sich die gleichen Kommentatoren auch kein Deut zu blöde, bei gleichem Verhalten deutscher Fans von den „Idioten“ zu sprechen. Heuchelei in seiner reinsten Form.

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass Pyrotechnik keineswegs harmlos ist, wie man vor ziemlich genau einem Jahr in Bochum sehen konnte. Dabei wurden acht Gästefans aus Nürnberg verletzt und der Vorfall führte zu einem Teilausschluss der Fans bei zwei folgenden Auswärtsspielen. In den falschen Händen kann das also durchaus gefährlich sein und ist kein Spielzeug. So ganz wohl ist mir bei dem Ruf nach Eigenverantwortung der Fans im Umgang mit Pyrotechnik – wie bei „Pyrotechnik legalisieren“ gefordert – nicht. Wer garantiert denn, dass nicht doch Knallkörper mit ins Stadion nimmt, oder Bengalos in Menschenmengen geworfen werden. Aber dank solcher Vorfälle bleibt das wohl auch auf längere Sicht eine allenfalls hypothetische Diskussion.

Dinge, die ich nicht mehr hören kann

Die Zeiten sind trübe in Bremen und momentan ist guter Rat teuer und so wird munter diskutiert. Klar ist, dass keiner DIE Lösung hat und in der Regel finde ich die Diskussionen auch äußerst anregend und konstruktiv. Dennoch eine unvollständige Liste von Dingen, die ich in dieser Diskussion nicht mehr lesen kann (nicht nach Prioritäten geordnet):

1. „Wenn Spieler XY in Bremen geblieben wäre, wäre alles besser“

Zuletzt konnte man am Wochenende diesen Spruch bei einigen lesen, als Christian Schulz für Hannover traf. Oder wenn Diego ein Tor macht oder Özil für Real zaubert. Dabei teilt sich das immer in zwei Kategorien: auf der einen Seite die Spieler, die wirklich einen herben Verlust für die Mannschaft dargestellt haben. Auf der anderen Seite sind die Spieler, die im nachhinein komplett verklärt werden und dem Team null weiterhelfen würden. In der Regel gab es ja immer gute Gründe, warum die Spieler gegangen sind. Schulz war ein solider Linksverteidiger, doch wenn ich mich recht entsinne, sah er sich lieber im defensiven Mittelfeld und da war dann schon alles voll. Daher ist er nach Hannover gegangen. Özil oder Diego mussten gehen, weil sie einfach nicht gehalten werden konnten. Und ein Womé ist so ein Depp, dass er auch in Köln kein Bein auf den Boden bekommen hat. Daher sollten wir nicht ehemaligen Spielern hinterhertrauern. Obwohl, Ailton und Micoud hätte ich gerne wieder. Und Bratseth. Und Völler. Und überhaupt.

2. „Wenn wir Spieler XY geholt hätten, stünden wir besser da“

Neben den Spielern, die nicht mehr in Bremen sind, gibt es dann die Spieler, die nie nach Bremen gekommen sind. Hier gilt immer das Motto: „Die Wiese vom Nachbarn ist immer grüner.“ Gott, wo hat Klaus Allofs nicht alles gepennt: Barrios, Kagawa, Kjaer, Hleb, Dzeko, Grafite, Subotic, Hummels, Huntelaar, Raul, van Nistelrooy, Sahin, Riise, Westermann, Timostschuk, die Liste lässt sich beliebig verlängern. Normalerweise kocht die Diskussion immer nur im Sommer und Winter zu den jeweiligen Transferperioden hoch, doch auch jetzt bietet sich reichlich Gelegenheit, nicht realisierten Transfers nachzuweinen. Dabei kann der Kader nur eine Summe X an Spielern fassen und wenn jeder Spieler, der geradeaus laufen kann, in Bremen landet, können wir gleich 100 Mannschaften aufmachen. Zudem wissen wir doch gar nicht, mit wem wurde wirklich verhandelt und wer wäre überhaupt zu einem Wechsel bereit gewesen. Und bei vielen Beurteilungen hat man ja den Vorteil, dass man den betreffenden Spieler immer im Rückblick beurteilt. Nachdem er also bewiesen hat, dass er es kann. Diese Gnade wird den sportlich Verantwortlichen in der Regel nicht zuteil.

Ja, es gibt Baustellen im Kader und es gibt auch Versäumnisse im Team, doch im Moment haben wir nur diese Mannschaft und der Ruf nach Ex-Spielern und nicht verpflichteten Spielern hilft da auch nicht weiter.

3. „Dann sollen halt U23-Spieler ran“

Häufiger wird auch der Ruf nach Spielern aus der U23 laut. Letzter Platz in der dritten Liga, die wenigsten geschossenen Tore und die zweitmieseste Abwehr. Das soll nicht heißen, dass Thy, Kroos und Co. so gar nix auf der Pfanne hätten, doch so wirklich Bäume reißen sie ja auch nicht aus. Oft wird die Forderung nach jungen Spielern damit unterstrichen, dass man ja frisches Blut braucht. Doch wenn man sich den Kader der ersten Mannschaft mal anschaut, ist es ja nicht gerade so, dass hier nur Altherren-Kicker rumrennen. Marin, Wesley, Bargfrede, Arnautovic, Prödl sind gerade mal Anfang zwanzig und teilweise jetzt auch noch nicht so lange dabei, dass sie schon Inventar sind. Dieses „frisches Blut“-Argument zieht daher nur teilweise.

Auch gerne an dieser Stelle heißt es, dass die eigenen Nachwuchsleute keine Chance bei Schaaf hätten. Ich denke eher, dass es mit der Qualität der Spieler zu tun hat. Bargfrede hat doch bewiesen, dass junge Spieler bei entsprechenden Leistungen durchaus in der Bundesliga ihre Chancen bekommen. Zudem wird noch in jeder Transferperiode nach immer größeren Namen geschrieen. Im letzten Sommer gab es doch genug, die gerne Diego für viel Geld und Gehalt geholt hätten. Auf einmal sind es die eigenen Talente, welche die Rettung bringen sollen. Unberührt davon sind die offensichtlichen Defizite, die konzeptionell im Nachwuchsbereich durchaus da sind. Nur die lassen sich über Nacht nicht lösen.

4. „Oh mein Gott, wir werden absteigen!“

Natürlich gibt die derzeitige sportliche Lage und die letzten Spiele nicht viel Anlass zu Optimismus. Aber dieses ganze „Nächste Saison sind wir montags wenigstens wieder auf DSF im Free-TV“ oder „Na, da haben wir wenigstens das schönste Stadion der zweiten Liga“ geht mir echt auf den Puffer. Hat mal einer geguckt, wie dicht beieinander alles ist. Ja, nur vier Punkte bis zum Relegationsplatz, aber auch nur sechs bis zum fünften. Natürlich müssen wir uns im Moment nicht mit den Europapokalplätzen beschäftigen, aber wir haben eben auch noch 21 Spieltage vor uns. Wären es nur noch fünf Spieltage und vier Punkte zu einem möglichen Abstiegsplatz, würde ich auch leicht nervös werden. Bis dahin bewahren wir einfach ein kleines bißchen die Ruhe.

5. „Hoffentlich verlieren die 0:10, dann sehen alle, dass ich recht hatte“

In der Krise kommen auch immer mehr Leute zum Vorschein, die genau diese Situation schon seit längerem vorhergesehen haben. Eigentlich schon seit Schaafs Amtsantritt, wenn man es genau nimmt. Und nun endlich werden sie bestätigt. Komisch, gesehen und gehört hat man sonst gar nix. Am besten finde ich dann Sätze wie: „0:4 gegen Schalke? Noch viel zu wenig! Die hätten 0:10 verlieren müssen, damit alle endlich sehen, was ich schon lange sehe!“. Ganz großes Kino, quasi gegen das eigene Team sein, um recht zu behalten. Hauptsache, das eigene Ego punktet. Damit meine ich explizit nicht bspw. Blogger-Kollege Johann, der auch letzte Saison immer mal wieder aufvorhandene  Defizite hingewiesen hat, sondern die ganzen Besserwisser, die auf einmal von überall herkommen.

So, das musste mal raus. Und nun reden wir uns weiter die Köpfe heiß.

Lost for words

Das gestrige Spiel beim VfB Stuttgart war der bisherige Tiefpunkt in dieser Saison. Nach der bedingungslosen Kapitulation fällt es mir schwer, das Gesehene aufzuarbeiten. Zu niederschmetternd war einfach die Art und Weise, wie sich die Mannschaft auf dem Platz in ihr Schicksal gefügt hat. Nun ist allerorten Endzeitstimmung und die Rufe nach Konsequenzen werden immer lauter. Die ersten möchten gerne Schaafs Kopf und den von Allofs gleich dazu. Ich persönlich bin eher bei Tobias, der eine gute Replik auf die (ebenfalls gute) Argumentation von Johann geschrieben hat. Der Beitrag von Felix passt hier auch ganz gut. Doch letztlich werde ich hier auf ein diffuses Bauchgefühl zurückgeworfen, dass mich noch nicht den letzten Schritt gehen lässt. Schaaf hat bei mir sehr viel Kredit aufgrund seiner Leistungen in der Vergangenheit. Doch mittlerweile fällt es mir zusehends schwer, ihn zu verteidigen.

Das kickende Personal

Was gestern vor allem ins Auge stach, war die offensichtliche Lustlosigkeit in allen Bereichen. Da wird der Zweikampf verweigert, der lange Weg nicht gegangen, kurz ließ man es an allem vermissen, was man für ein erfolgreiches Spiel braucht. Während man nach den Spielen gegen Bayern, Nürnberg und Enschede auch mit der eigenen Chancenverwertung hapern konnte, konnte sich die Mannschaft vor dem gegnerischen Tor nicht ein einziges Mal gut in Szene setzen. Das Frings nach 19 getroffenen Elfern in Folge gestern an Stuttgarts Ullreich scheiterte, passte da nur ins Bild.

Dabei ist es ein ausgesprochenes Armutszeugnis für die Spieler, was sie da gestern abgeliefert haben. Trotz vieler Ausfälle, war das bestimmt keine 0:6-Trümmertruppe, die Schaaf da aufs Feld geschickt hat. Wer das Spiel gesehen hat, braucht nicht allzu viel Phantasie, um zu dem Schluß zu kommen, dass das Team nicht unbedingt für den Trainer gespielt hat. Einzig Wiese braucht sich keine Vorwürfe zu machen, war er doch noch der Beste in einem desolaten Team. Zu gerne würde ich wissen, was hinter verschlossenen Türen vorgeht: Hat Schaaf das Team verloren? Ist es den Spielern mittlerweile egal, was passiert, Hauptsache, ein neuer Trainer erlöst sie?

Die Führungsetage

Natürlich hat die sportliche Leitung eine ebenso große Verantwortung wie die Spieler auf dem Feld. Warum ist Schaaf nicht der Lage die Mannschaft zu einer defensiveren Spielweise zu bringen? Warum wird einfach weiter gespielt wie bisher? Warum werden immer wieder die gleichen Fehler gemacht? Warum hat gestern bspw. ein Sandro Wagner gespielt, der bisher in allen Spielen den Beweis schuldig blieb, was in außer Einsatz für die Bundesliga qualifizieren könnte. Dass Arnautovic nach seinem verbalen Scharmützel mit Allofs nicht starten durfte, konnte ich ja noch nachvollziehen, aber hat Almeida der Frau von Schaaf an der Po gefasst oder warum musste er als treffsicherster Spieler der bisherigen Saison auf die Bank? Warum wird immer weiter rotiert und munter die Positionen gewechselt, obwohl die Mannschaft eigentlich dringend Sicherheit und ein irgendwie geartetes Korsett braucht? Alles Fragen, auf die ich im Moment keine plausible Antwort habe.

Auch Allofs kann an dieser Stelle nicht ausgespart werden. Dabei will ich erstmal festhalten, dass ich nichts von diesen albernen Milchmädchenrechnungen halte, die gerade jetzt Hochkonjunktur haben. Da werden Erlöse aus Spielertransfers und zusätzliche Europapokaleinnahmen durch die vielfachen CL-Teilnahmen addiert und den Ausgaben für neue Spieler gegenüber gestellt. Bleibt, nach Adam Riese, ein Überschuß von XX Fantastilliarden Euro. Und das hat sich Allofs wahrscheinlich selbst aufs Konto gepackt. Die Finanzierung des Stadionumbaus, die hier seit Jahren praktizierte Politik, ein Gehaltsgefüge einzuhalten und einen Kader zu unterhalten, der bei Nichterreichen der europäsichen Wettbewerbe sofort für ein fettes Minus sorgt, ist auf einmal egal. Alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, hätte man ja mal kaufen können. Diego, Huntelaar, Ruiz, Barrios, die Liste ist lang. Bei allen hat Allofs gepennt. Ist ja egal, dass man für alle Wunschspieler der Fans einen 100-Mann-Kader bräuchte.

Wo der Klausi gepennt hat, ist vor allem in der Defensive. Die Linksverteidiger-Position liegt seit ewigen Zeiten brach und in letzter Zeit reiht sich Verlegenheitslösung an Verlegenheitslösung. Oder hat jemand geglaubt, dass Silvestre sich hier auf einmal als der Heiland entpuppt? Warum sind wir vorne so abhängig von Pizarro? Ja, er ist ein Spitzenspieler, aber ohne ihn ist immer ein Bruch zu erkennen, wenn es vor das gegnerische Tor geht. Zudem habe ich im Moment manchmal das Gefühl, dass wir zuviele Spieler haben, die auf mehreren Positionen einsetzbar sind. Im Basketball nennt man sowas „Tweener“, also Spieler, die auf mindestens zwei Positionen irgendwie zu Hause sind. Marin, Hunt, Arnautovic, Wesley, Jensen, Borowski, Silvestre rotieren mal mehr, mal weniger von A nach B. Beißt sich da die Flexibiltäts-Katze vielleicht in den eigenen Schwanz?

Und nun?

Das ist bei weitem keine vollständige Aufzählung, einfach nur mal das Rauslassen von Gedanken. Ich hoffe, dass Schaaf nochmal die Kurve bekommt, vielleicht haben die Kollegen vom worum-Blog ja recht und es bedarf nur ein paar kleiner Änderungen, um erstmal wieder zu einem mehr an Sicherheit zu finden. Aber momentan fällt es mir schwer, daran zu glauben, dass dies geschehen wird, dafür war das Votum der kickenden Belegschaft gestern zu eindeutig. Im Moment harre ich der Dinge, die da kommen mögen.

Unvermögen

Das Spiel gegen den 1. FC Nürnberg fing erstmal mit einem kleinen Schock an, da sowohl Clemens Fritz als auch Petri Pasanen ausfielen und so Wesley die Linksverteidiger-Position zuteil wurde. Vor der Abwehr spielten Frings und Bargfrede, im offensiven Mittelfeld Marin und Arnautovic. Pizarro gab die hängende Spitze, während Hugo Almeida ganz vorne drin stand. Klaus Allofs meinte nach dem Spiel in München, die Mannschaft müsse das Positive aus der Partie mitnehmen. Und in den ersten 30 Minuten schien die Mannschaft dies auch zu tun. Nach gerade einmal 5 Minuten traf Almeida zum 1:0 für die Grün-Weißen und auch danach setzte man die Clubberer weiter unter Druck. Die wirkten mitunter wie ein angeknockter Boxer, doch leider verpassten es die Bremer, den entscheidenden Schlag auszuteilen. Nach spätestens 30 Minuten fand Nürnberg besser ins Spiel und konnte sich aus dem Würgegriff der Bremer befreien. Kurz vor dem Halbzeitpfiff gelang dem Team von Dieter Hecking dann der Lucky Punch. Ein Einwurf auf der linken Bremer Abwehrseite landet im Strafraum bei Julian Schieber, der Prödl mit einem Bauerntrick aussteigen lässt und Gündogan bedient.

In der zweiten Hälfte fällt das 1:2 wenige Minuten nach dem Wiederanpfiff, als Silvestre auf links erst den Zweikampf kurz vor der Mittellinie nicht gewinnt und dann nicht schnell genug wieder zurück ist. Spätestens das 1:2 bricht der Mannschaft das Genick. Ab da geht nichts mehr zusammen. Schaaf nimmt Silvestre und Bargfrede runter und löst schon eine halbe Stunde vor Spielende die Viererkette auf und lässt eine Dreierkette antreten. Leider kann die Mannschaft keinerlei Druck aufbauen, der zu wirklich gefährlichen Szenen geführt hätte. Am Ende fängt sich das Team noch das 1:3. Das Erschreckende an der Szene war für mich, dass einzig Frings irgendwelche Anstalten gemacht hat, die drei Schüsse aufs Tor, die die Nürnberger brauchten, zu verhindern. Die anderen Spieler schauen sich das Treiben seelenruhig an. Das 2:3 durch Claudio Pizarro kommt zu spät.

Leider hat sich die Mannschaft (wie auch gegen München im Pokal) das Leben selbst schwer gemacht. Vorne wurden auch die besten Chancen nicht genutzt oder Angriffe nicht konsequent zu Ende gespielt und hinten sorgten individuelle Fehler für die beiden ersten Gegentore. Es lässt mich als Fan immer wieder gleichermaßen sprachlos und wütend zurück, wenn ich sehe, wie das Team sich alles mit dem Arsch wieder einreißt, was man sich aufgebaut hat. Vor allem finde ich es auch zweifelhaft, dass Pizarro nach dem Gladbach-Spiel irgendwas von Titel gefaselt hat. Er sollte langsam wissen, dass man lieber einfach mal die Kampfansagen dann bringt, wenn man diese auch vorher und nachher mit Leistung unterfüttern kann. Die Mannschaft hat kaum Zeit zur Erholung, denn am Dienstag steht das „Do or Die“-Spiel gegen Twente Enschede in der Champions League an. Mein Optimismus der letzten Tagen ist mit dem gestrigen Spiel wieder verflogen und die Frage lautet nun: „Quo vadis, Werder?“. Die Mannschaft zeigt ihre zwei Gesichter in immer kürzeren Abständen und lässt selbst über 90 Minuten jegliche Konstanz vermissen.