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Holpriger Start

Die erste Runde im DFB-Pokal wurde gespielt (und ausnahmsweise überstanden) und die ersten beiden Spieltage der Bundesliga sind absolviert. Insgesamt ist es ein holpriger Start in die neue Saison und das gilt nicht ausschließlich für die Leistungen auf dem Platz.

Nebengeräusche

Zwischen dem Pokalauftritt in Illertissen, den Werder nach Verlängerung für sich entscheiden konnte, und dem Bundesliga-Auftakt in Berlin kam es noch zum Showdown zwischen Aufsichtsrat und Geschäftsführung. Dabei ist es an sich sicherlich kein besonderer Vorgang, wenn sich AR und GF hinsetzen, um über den zukünftigen Weg des Vereins zu beraten. Was aber diesmal besonders auffiel: im Vorfeld wurden sowohl Zeitpunkt als auch erste Details des Termins bekannt. So konnte man in der SKZ lesen, dass einige Transfers von Eichin (Makiadi, Petersen und Obraniak) kritisch hinterfragt wurden und darüber hinaus zu wenig Wert auf Nachwuchsförderung gelegt werde. Der AR wollte daher den Konsolidierungskurs fortführen. Eichin und die GF wollten dem Vernehmen nach um weitere Mittel für Transfers bitten (zu dem Zeitpunkt war ein mögl. Ruiz-Deal angedacht).

Diese unterschiedlichen Standpunkte an sich sind in meinen Augen gar nicht das Problem, denn in meinen Augen sind beide Sichtweisen nachvollziehbar. Eichin möchte mehr investieren, um den Kader zu verstärken und eine erfolgreichere Saison zu spielen. Der AR hingegen nimmt seine Kontroll-Funktion wahr,  verweist auf die Verluste der letzten Geschäftsjahre und kann sich letztlich mit dem Beharren auf  dem Konsolidierungskurs durchsetzen. Für den einen oder anderen Fan ist damit der AR, vor allem in Person von Lemke, der Sündenbock. Es formieren sich Anti-Lemke-Gruppen auf Facebook und anderswo im Netz, wo man seinem Hass freien Lauf lassen kann. Eichin war sichtlich angefressen, was weniger an den Inhalten gelegen haben dürfte als vielmehr der Tatsache, dass hier über die Öffentlichkeit Politik betrieben wurde. Warum lässt man bspw. Eichin gefühlt wochenlang an Ruiz baggern, nur um ihn dann öffentlich auszubremsen? Warum wurde ausgerechnet zur AR-Sitzung das Gerücht veröffentlicht, dass Werder Bremen das laufende Geschäftsjahr angeblich mit einem Verlust von 8 Mio. Euro beendet? Ein Schelm, wer Böses dabei vermutet. Dabei gibt es für die Beibehaltung des Sparkurses gewichtige Gründe, wie die Verluste der letzten Jahre zeigen oder auch die Tatsache, dass man mit dem Weserstadion und der Beteiligung daran Verlust macht oder auch die Frage, wer für die Mehrbelastungen durch neue Hochwasserschutz-Maßnahmen aufkommt. Es ist nicht einfach nur schwarz oder weiß in der Frage nach höheren Investitionen.

Für den Moment gibt sich Eichin entspannt und spricht davon, dass man mit der Transferphase zufrieden sei und er Spaß an seinem Job hat. Ich hoffe, dass die Posse um den AR-Termin tatsächlich keine langfristigen Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen AR und GF hat und sowas in Bremen nicht zur Gewohnheit wird.

Der Ball rollt

Ich gestehe an dieser Stelle, dass ich von den drei bisherigen Spielen nur Zusammenfassungen gesehen habe. So schön es ist, im DFB-Pokal als Underdog in Runde zwei eingezogen zu sein, so bedenklich fand ich das Zustandekommen. Schieben wir es mal auf die Nervosität und Versagensängste. Zum Glück haben wir in Runde zwei mit dem Chemnitzer FC ein Los, bei dem ein Weiterkommen nicht völlig ausgeschlossen ist.

Bei den beiden bisherigen Bundesliga-Partien kam Werder zweimal nur schwer ins Spiel und war jeweils ca. 55 – 60 Minuten die unterlegene Mannschaft. Gegen Berlin kann man das Spiel noch glücklich ausgleichen und gegen Hoffenheim bleibt nach furiosen 30 Minuten zum Ende des Spiels ein wenig Enttäuschung zurück. Hier spielte man die Hoffenheimer regelrecht an die Wand und konnte sich zu mehreren richtig guten Gelegenheiten kombinieren. Zurecht steht die Frage im Raum, was erst passiert, wenn Werder sich so eine Leistung nicht nur für das letzte Drittel des Spiels aufhebt. Diese Schlußphase gegen Hoffenheim macht für die Saison richtig Mut, auch wenn man es nicht überbewerten sollte. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie auch richtig ansehnlichen Fußball spielen kann und eben nicht alleine über den so genannten Lucky Punch zu ihren Toren kommt. Sie knüpfte an die Leistungen zum Ende der letzten Saison an, als die Mannschaft zunehmend besser in Fahrt kam und auch fußballerisch nicht nur Magerkost auftischte.

Nun befinden wir uns mitten in der Länderspielpause und der nächste Gegner am 12.09. ist Bayer Leverkusen. Hier wäre es dann dringend angeraten, gegen die Schnellstarter nicht erst in der zweiten Halbzeit mit dem Kicken anzufangen. 😉

Lebenslang Grün-Weiß!

Der erste Stadionbesuch

Kommen wir mal weg von der traurigen Aktualität der Bundesliga: neulich hatte ich in einem Buchladen das Buch „Mein erster Stadionbesuch“ in Händen gehalten, was als Inspiration für diesen Blogeintrag diente, da ich an meinen eigenen ersten Besuch im Stadion zurückdenken musste. Ende der 80er, so mit zehn, elf Jahren erwachte mein Interesse am Fußball, also just zu einer Zeit, als Bremen ein erfolgreicher Verein in der Bundesliga war und damals auch mit tollen Auftritten im Europapokal für Aufsehen sorgen konnte. Und die geografische Nähe tat natürlich ihr Übriges, da ich in der Reiterstadt Verden groß geworden bin. In gewisser Weise also ein Glücksfall, auch wenn man mich daher aus gutem Grund als „Erfolgsfan“ titulieren kann. 😉

Mit zehn Jahren trat ich zusammen mit ein paar Freunden in die D-Jugend des FC Borstel ein. Schnell wurde klar, dass mein fußballerisches Talent allenfalls überschaubar war und da ich auch nicht den Willen und die Leidensfähigkeit eines Uli Borowka mitbrachte, war mein Ausflug in den aktiven Fußball nur von kurzer Dauer, bevor ich mich dann dem Handball zuwandte. Im November 1989 fiel nicht nur die Mauer, sondern auch in meinem Leben sollte sich ein einschneidendes Erlebnis vollziehen: am 25.11. fuhren einige Jugendmannschaften des FC Borstel im Rahmen der Weihnachtsfeier ins Weserstadion, um sich hier ein Bundesliga-Spiel des SVW anzuschauen.

Zunächst mal gab es neben dem eigentlichen Spiel noch ein weiteres Highlight für mein elfjähriges Alter Ego, nämlich meinen ersten Besuch bei McDonald’s. Damals gab es in Verden noch keine Filliale des weltumspannenden Burgerimperiums und so wurde ich zum ersten Mal der Burger mit dem goldenen M habhaft. Ich weiß noch, wie ich angewidert die Saure Gurken-Scheibe aus dem Burger fischte, nachdem ich nichtsahnend hineinbissen hatte. Ein Ritual, welches ich auch heute noch mit voller Inbrunst zelebriere. Nach der Völlerei ging es dann weiter zum Stadion. Ich weiß noch, wie beeindruckt ich von diesem riesigen Gebäude war, welches dort am Weserdeich stand. Dazu noch die Masse an Menschen, der Lärm, die Kutten, die Bierbecher, die Fahnen und das Flutlicht.

An das Spiel selbst habe ich kaum noch Erinnerungen. Ich weiß, dass es gegen den FC St. Pauli ging und Bremen das Spiel mit 2:1 gewinnen konnte. Und wenn ich mich recht entsinne müssen wir auf der Nord im Oberrang gesessen haben. Ich weiß noch, wie wir in einer größeren Gruppe während der Halbzeitpause durchs Stadion getigert sind. Beim Weg zurück haben wir rumgealbert und dabei habe ich ein Bier, was auf der Brüstung stand, runtergeschubst. Danach ging es mit hochrotem Kopf und unter dem Gepöbel des Bierbesitzers wieder ganz schnell zu den Plätzen. Ich bin mir sicher, dass jemand im Unterrang eine schöne Bierdusche abbekommen hat. Dafür entschuldige ich mich noch einmal nachträglich. War nicht böse gemeint.

Es sollte nach meiner Premiere noch ein bisschen dauern, bis ich das Weserstadion wieder besuchen würde. Ich kann mich an Spiele in den Jahren 92-94 erinnern, an Siege gegen Bayern und Dortmund. Aber auch an Tiefpunkte, wie das eine Spiel gegen Wattenscheid, für das ich von meinem Handballtrainer Freikarten erhalten hatte. Ich nahm meinen besten Freund mit und so standen wir bei strömendem Regen in der unüberdachten Ostkurve und sahen einem unglaublich miesen 0:0 zu. Und natürlich gibt es auch die absoluten Höhepunkte, wie bspw. das letzte Heimspiel der Saison 2003/04 mit der Überreichung der Meisterschale. Und egal, wie oft ich da bin oder wer der jeweilige Gegner ist, jedesmal wenn ich in die Nähe des Stadions komme, spüre ich die gleiche leichte Aufregung und Vorfreude. Irgendwie ist es eine Art, zu Hause anzukommen.

Vielleicht mag ja jemand seinen ersten Stadionbesuch teilen?

Lebenslang Grün-Weiß!