Tag Archives: Willi Lemke

Kurzes Sturmtief

Die letzten Tage waren wahrlich turbulent an der Weser. Die ersten Windböen hatte ich letzte Woche schon im Blog niedergeschrieben, Burning und Steffen fassen die weiteren Ereignisse zusammen. Seitdem hat sich noch einmal einiges an der Weser getan: erst deutet Lemke an, dass er zum Ende seiner Amtszeit 2016 seinen Posten niederlegen würde. Anschließend stellt Lemke in Aussicht, seinen Posten als Aufsichtsratschef aufzugeben, wenn Marco Bode seine Nachfolge übernehmen würde. Bode bat um Bedenkzeit und heute dann stimmte er zu und noch in diesem Jahr wird dann Lemke ins zweite Glied treten, während Marco Bode zum Vorsitzenden des Aufsichtsrat aufsteigt. Ich ziehe an dieser Stelle meinen Hut vor Willi Lemke, der mit seinem Rückzug weiteren Diskussionen um seine Person erst einmal den Wind aus den Segeln nimmt und darüber hinaus auch einer möglichen Schlammschlacht aus dem Weg geht.

Auch wenn ich weiterhin glaube, dass ein Rückzug Lemkes richtig ist, stellt sich schon die Frage, warum das auf einmal so schnell ging. Ist es die Einsicht von Lemke, dass er im Verein zunehmend isoliert ist mit seinen Positionen (Angriff von Fischer, Bodes Aussagen zur moderaten Verschuldung)? Beugt man sich den Wünschen möglicher Investoren und was hat Netzers freundlicher Hinweis damit zu tun, er könne sich Bode gut in prominenterer Rolle vorstellen? Da kann man jetzt vorerst natürlich eine ganze Menge spekulieren, obwohl die wahren Abläufe wohl weit weniger dramatisch gewesen sind.

Ich glaube, Bode ist eine gute Wahl für den Vorsitz des Aufsichtsrats. Einerseits ist er eine Werder-Legende, der mit seiner ruhigen und zurückhaltenden Art auch außerhalb Bremens viele Sympathien sammeln konnte. Andererseits war Bode in der Vergangenheit nicht an Entscheidungen beteiligt, die heute viel diskutiert werden (Stadionausbau, Transfers, etc.) und schleppt daher keinen negativen Ballast mit sich rum. Seine bisherige Arbeit im Aufsichtsrat kann ich persönlich kaum beurteilen, da man von ihm kaum etwas gehört hat. Das muss auch gar keine negative Eigenschaft sein, ganz im Gegenteil. Mit dem oben erwähnten Interview hat Bode ja schon angedeutet, dass er sich eine moderate Verschuldung vorstellen kann, um das Budget für Spielerverpflichtungen zu erweitern. Ich bin gespannt, ob sich jetzt tatsächlich Investoren aus der Deckung trauen.

Nachdem in den letzten Tagen vielfach vom Chaos-Club oder dem SV Hollywood die Rede war, zeichnet sich mittlerweile ein relativ schnelles Ende der Auseinandersetzungen und Wortmeldungen in diversen Medien ab. Noch vor dem kommenden Bundesliga-Spiel beim FC Bayern kehrt die notwendige Ruhe, damit jetzt wieder die Action auf dem Rasen in den Fokus rücken kann. Das begrüße nicht nur ich, sondern sicherlich auch viele andere Fans und ich bin gespannt, was der Wechsel an der Spitze des Vereins für die Zukunft bringen wird. Man darf auch nicht vergessen, dass ein Rückzug Lemkes alleine den Verein auch nicht wieder ins gelobte Land führen und uns nicht schlagartig aus dem Tabellenkeller katapultieren wird.

Lebenslang Grün-Weiß!

Duell am Osterdeich

Eigentlich wollte ich ein paar Takte zu Willi Lemke loswerden, doch aufgrund der Äußerungen von Klaus-Dieter Fischer gestern abend und dem sich anschließenden medialen Schlagabtausch muss ich das wohl ein bisschen ausdehnen.

In der blauen Ecke: Willi Lemke

Willi Lemke ist ein Werder-Urgestein. Seit 1981 war er Manager der Grün-Weißen und konnte damals mit Otto Rehhagel eine erfolgreiche Ära prägen. Immer noch legendär sind die Verbal-Duelle zwischen Lemke und dem damaligen Bayern-Manager Uli Hoeneß, die einen gewissen Unterhaltungsfaktor hatten. Im Jahr 2003 wurde Lemke Mitglied des Aufsichtsrats und später dann sogar Vorsitzender des AR. Nicht erst seitdem Bremen im Keller der Tabelle angekommen ist und es bei den Fans unruhig wird, ist Lemke das Feindbild Nummer eins im Verein. Dabei lautet der Vorwurf letztlich immer, dass der Willi Werder zu Tode spart. Abgesehen von der Art und Weise, wie Ende August das Treffen zwischen Geschäftsführung und Aufsichtsrat über die Medien ausgetragen wurde, hat Lemke seine Aufsichtsfunktion ausgeübt und aufgrund der wirtschaftlich angespannten Situation weiter auf einem Konsolidierungskurs bestanden. Dadurch kam letztlich auch der Ruiz-Deal nicht zustande. Ich finde es immer noch erstaunlich, wie viele Stimmen seinen Kopf fordern, obwohl er nur seine Funktion ausübt und darauf verweist, dass man nicht mehr Geld ausgeben kann als man zur Verfügung hat.

Ich finde die Personalie Lemke nicht unproblematisch, doch mach ich es nicht daran fest, dass er Eichin an der Shopping-Tour gehindert hat. Zum einen habe ich mich schon vor ein paar Jahren, als Lemke und Allofs über den Sokratis-Deal stritten, gefragt, wo Lemke eigentlich war, als man munter Geld für „Kracher“ wie Carlos Alberto, Wesley, Arnautovic, Marin und Co. ausgegeben hat. Klar, damals standen wir finanziell noch nicht mit dem Rücken zur Wand und die sportliche Situation war eine andere, aber da hat an von Lemke nix gehört. Aber auch bspw. der Deal rund um das Weserstadion, dessen Betrieb sich für Werder erst ab 20+ Spielen lohnt, wurde damals zumindest nicht öffentlich in Frage gestellt. Darüber hinaus finde ich die ganze Geschichte damals mit Jürgen L. Born auch heute noch anrüchig. Das sieht für mich immer noch wie ein gezielter Abschuss eines missliebigen Konkurrenten aus. Aktuell bin ich erstaunt, wie wenig von Lemke in der Causa „Land Bremen vs. DFL“ zu hören ist, obwohl die Pläne, die Kosten für Polizeieinsätze rund um Bundesliga-Spiele an die DFL weiterzureichen, Werder schon insofern geschadet hat, als der DFB Bremen das EM-Qualispiel gg. Gibraltar entzogen hat. Das erstaunt insofern, als Lemke nun nicht gerade als konfliktscheu bekannt ist. Oder will er der regierenden SPD nicht auf die Füße treten? Das alles prägt mein Bild von Willi deutlich stärker als die Tatsache, dass er in unserer jetzigen finanziellen Situation weiter am Sparkurs festhält.

Für die „Lemke raus“-Fraktion noch der Hinweis, dass  man auf der Jahreshauptversammlung die Möglichkeit hat, sich zu äußern (sofern man Vollmitglied ist) und seine Meinung vorzutragen. Und wer der Überzeugung ist, dass Lemke seinen Posten räumen muss, der hat die Möglichkeit, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Davor müssen allerdings 25% der Mitglieder mobilisiert werden. Klar, deutlich schwieriger als Lemkes Kopf zu fordern, aber so könnte es gehen. 😉 Ich sehe Lemke durchaus kritisch, aber es muss auch bedacht werden, dass Lemke nicht alleine im Aufsichtsrat sitzt und daher auch andere die Entscheidung zum Sparen mitgetragen haben. Sollen die dann auch gehen? Ich hänge nicht an der Personalie Lemke, aus den oben genannten Gründen und weil ich glaube, dass er oft zu sehr auf seine eigene Agenda fixiert ist. Daher würde ich seinen Abschied spätestens nach Ablauf der aktuellen Amtszeit 2016 begrüßen.

In der roten Ecke: Klaus-Dieter Fischer

Der Gegenpart von Lemke ist KDF, bis Dezember noch Mitglied der Geschäftsführung von Werder. Gestern und heute machten Berichte die Runde, wonach KDF einen Strategiewechsel fordert und bei der Verpflichtung neuer Spieler stärker ins Risiko gehen möchte, angeblich auch über Schulden. KDF scheint mit den Aussagen einen Nerv getroffen zu haben. Endlich jemand, der Lemkes Knausrigkeit Einhalt gebietet. Das es sich dabei vor allem um eine Retourkutsche für die AR/GF-Sitzung Ende August handelt, wo Details und Zeitpunkt schon vorher an die Medien lanciert wurden, wird dabei ebenso ignoriert wie die Tatsache, dass der Zeitpunkt (Bremen ist frisch gebackener Tabellenletzter) taktisch gut gewählt ist. Zudem erzählt KDF auch nichts wirklich Neues.

Fangen wir vorne an: KDF erzählt, man sei bereit, deutlich mehr ins Risiko zu gehen. Dabei wird die aktuelle Tabellensituation auch ein Stück weit als Rechtfertigung genommen, denn „Aber wir müssen uns jetzt damit beschäftigen: Was bedeutet eigentlich der Abstieg? Nach meinen Einschätzungen bedeutet das Umsatzeinbußen im zweistelligen Millionen-Bereich. Und was bedeutet dagegen eine kurzfristige, nicht zu umfangreiche Verschuldung, um ins Team zu investieren – unser wichtigstes Gut?“ (Quelle: kreiszeitung.de). Als Ende August bekannt wurde, dass der AR am Konsolidierungskurs festhält, machte zeitgleich passenderweise das Gerücht die Runde, dass Werder wieder einen ähnlich hohen Verlust machen würde wie im vorherigen Geschäftsjahr (- 8 Mio. €). Dabei sind die neuerlichen Versuche, in Spieler zu investieren, keine wirklich sensationellen Nachrichten, denn im Sommer hat man ja auch versucht zu investieren. Und ich nehme an, dass man auch in vorherigen Transferphasen auf Seiten der Geschäftsführung bereit war, mehr Geld auszugeben als zur Verfügung stand, um die Qualität des Kaders zu steigern. Nun hat man für neuerliche Gespräche die Tabellensituation als Argument auf seiner Seite sowie den öffentlichen Druck, der sich daraus ggf. ergibt, denn Fischer steht jetzt als visionärer Retter dar, während Lemke weiter der unbelehrbare Geizhals bleibt.

Die zweite vermeintliche Neuigkeit lautet: KDF sei bereit, Schulden in Kauf zu nehmen, um oben genannte Investitionen zu tätigen. Was sämtliche Medien, die diese Meldung aufgriffen, dabei nie erwähnt haben: Bremens Eigenkapital ist bald erschöpft und dann wird Werder eh Schulden machen, alleine um den Betrieb aufrecht zu erhalten und ganz ohne zusätzliche Investitionen. Drei Möglichkeiten bleiben Werder:

  1. Die Einnahmen deutlich steigern. Das dürfte schwierig sein, denn die Einnahmen durch Sponsoren oder Merchandise dürften schon am Limit sein. Eine weitere Möglichkeit wären Spielerverkäufe, aber da sehe ich ad hoc nur Franco Di Santo, der uns eine substantielle Summe einbringen könnte.
  2. Die Ausgaben weiter senken. In den letzten Spielzeiten hat man den Spieleretat von zu Saison zu Saison weiter gesenkt. Aktuell ist da immer noch Luft nach unten, vor allem wenn man sich das Preis-Leistungs-Verhältnis des Kaders im Vergleich zu anderen Mannschaften anschaut (war auch Thema im aktuellen Grünweiß-Stammtisch). Andererseits läuft man Gefahr, die Qualität durch Spielerabgänge noch weiter zu senken und nicht adäquat durch Low-Budget-Transfers ersetzen zu können.
  3. Der Topf voll Gold unter dem Weserstadion. Okay, ein paar Investoren sind da wohl wahrscheinlicher. Dabei macht es jedoch wenig Sinn, Investoren ins Boot zu holen, die einzig die Defizite in der Bilanz auffüllen.

Das Schulden-Thema wird – aller Voraussicht nach – so oder so auf Werder zukommen, ob mit oder ohne zusätzliche Investitionen. Auch wenn ein Abstieg, wie von KDF ausgeführt, verheerende finanzielle Folgen haben kann, sollte man gut überlegen, ob und wie man zusätzliche Transfers finanziert, wenn sich an der derzeitigen Finanzsituation nicht grundlegend etwas ändert. Auch durch Schulden kann der Verein untergehen, nicht alleine durch den Sparkurs von Willi L.

Abschließend will ich noch auf die Erwähnung von drei Bremer Unternehmen eingehen, die bereit sind, Werder finanziell zu unterstützen. Dieses mögliche Engagement wird dabei an eine Bedingung geknüpft: Willi Lemke muss gehen. Ich habe dieses Szenario schon als Gerücht wahrgenommen, nun wird es von KDF benutzt, um direkt Druck auf Lemke auszuüben. Dabei missfällt mir vor allem die Vorstellung von Geldgebern, die ihr finanzielles Engagement an personelle Bedingungen knüpfen. Völlig unabhängig davon, wie man zu der Person Willi Lemke steht. Aber man kann nicht einerseits feixend auf den HSV und deren Sugardaddy Kühne zeigen und gleichzeitig mögliche Investoren bejubeln, die Geld nur geben, wenn Lemke Platz macht. Was ist, wenn denen anschließend andere Personalien im Verein nicht gefallen? Der Geschäftsführer Sport, also Thomas Eichin oder der Trainer? Dürfen die dann auch den Rauswurf fordern und man gibt dann nach, Hauptsache, die Kohle kommt weiterhin? Mir ist klar, dass Bremen über kurz oder lang sich Investoren und/oder strategische Partner suchen muss. Aber man darf auch nicht vergessen, dass diese Investments kein Spenden aus philanthropischen Motiven heraus sind, sondern die sind immer an Bedingungen geknüpft, seien es Anteile an der GmbH, Beteiligungen an Weiterverkäufen von Spielern, Rendite, was auch immer. Sowas muss auch immer sorgfältig geprüft werden.

An der Stelle bin ich auch von den berichtenden Medien enttäuscht, vor allem von denen, die direkt vor Ort sitzen, denn nirgendwo werden die Aussagen von Fischer mal analysiert, sondern nur rausposaunt, ohne konkrete Einordnung.

SV Hollywood?

Einige machen sich Sorgen, dass Bremen nun zum SV Hollywood verkommt oder im Chaos versinkt. Ich denke, dass solche Schlussfolgerungen etwas voreilig sind. Natürlich ist es für Bremer Verhältnisse ungewöhnlich, dass solche Dinge in der Öffentlichkeit ausgetragen werden, aber vielleicht ist es auch einfach an der Zeit, sich endgültig von dem Mythos der „Werder-Familie“ und des „Werder-typischen“ zu verabschieden. Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass schon in den letzten Jahren die Dinge an der Weser schon nicht mehr so idyllisch liefen, wie es vielleicht nach außen hin schien. Die große Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben, die irgendwann nicht mehr durch Transferüberschüsse geschlossen wurde und fragwürdige Entscheidungen im Zusammenhang mit der Stadionnutzung sprechen beispielsweise gegen die sonst so vorsichtige Vorgehensweise, die man hanseatischen Kaufleuten so gerne zuschreibt und für die man sich ja jahrelang hat loben lassen.

Im Hinblick auf die Jahreshauptversammlung am 24.11. bin ich gespannt, ob die von Fischer nun aufgeworfenen Themen zur Sprache kommen und sich darum eine Diskussion entspinnt. Für den Moment scheint es so, dass Fischer vor seinem Abgang noch eine letzte Breitseite gegen Lemke abfeuert und die Auseinandersetzung aus dem August weiterführt (nebenbei ist ja auch nicht so, als seien sich Lemke und Fischer erst seit kurzem nicht mehr grün). Es treffen zwei Auffassungen aufeinander, welcher Weg für den SV Werder in der jetzigen Situation der vermeintlich richtige ist. Auf der einen Seite Lemke (und offensichtlich die Mehrheit des AR), die den Konsolidierungskurs weiter fortführen und vor möglichen Neuverpflichtungen lieber erst einmal Spieler abgeben möchten. Auf der einen Seite die Geschäftsführung um Eichin und Fischer, die bereit ist, ein gewisses Risiko bei Transfers einzugehen. Ich denke, dass die Diskussion noch bis zur Winterpause anhält, wenn dann tatsächlich wieder Spieler verpflichtet werden können und könnte mir bei anhaltendem sportlichen Misserfolg durchaus vorstellen, dass der AR dann den Sparkurs verlässt, wie es Marco Bode wohl schon andeutet. Denn ein Abstieg wäre nicht nur deutlich teurer, sondern könnte Werder auch vorerst das Genick brechen.

Es bleibt spannend an der Weser sowohl auf als auch neben dem Rasen.

Lebenslang Grün-Weiß!

Holpriger Start

Die erste Runde im DFB-Pokal wurde gespielt (und ausnahmsweise überstanden) und die ersten beiden Spieltage der Bundesliga sind absolviert. Insgesamt ist es ein holpriger Start in die neue Saison und das gilt nicht ausschließlich für die Leistungen auf dem Platz.

Nebengeräusche

Zwischen dem Pokalauftritt in Illertissen, den Werder nach Verlängerung für sich entscheiden konnte, und dem Bundesliga-Auftakt in Berlin kam es noch zum Showdown zwischen Aufsichtsrat und Geschäftsführung. Dabei ist es an sich sicherlich kein besonderer Vorgang, wenn sich AR und GF hinsetzen, um über den zukünftigen Weg des Vereins zu beraten. Was aber diesmal besonders auffiel: im Vorfeld wurden sowohl Zeitpunkt als auch erste Details des Termins bekannt. So konnte man in der SKZ lesen, dass einige Transfers von Eichin (Makiadi, Petersen und Obraniak) kritisch hinterfragt wurden und darüber hinaus zu wenig Wert auf Nachwuchsförderung gelegt werde. Der AR wollte daher den Konsolidierungskurs fortführen. Eichin und die GF wollten dem Vernehmen nach um weitere Mittel für Transfers bitten (zu dem Zeitpunkt war ein mögl. Ruiz-Deal angedacht).

Diese unterschiedlichen Standpunkte an sich sind in meinen Augen gar nicht das Problem, denn in meinen Augen sind beide Sichtweisen nachvollziehbar. Eichin möchte mehr investieren, um den Kader zu verstärken und eine erfolgreichere Saison zu spielen. Der AR hingegen nimmt seine Kontroll-Funktion wahr,  verweist auf die Verluste der letzten Geschäftsjahre und kann sich letztlich mit dem Beharren auf  dem Konsolidierungskurs durchsetzen. Für den einen oder anderen Fan ist damit der AR, vor allem in Person von Lemke, der Sündenbock. Es formieren sich Anti-Lemke-Gruppen auf Facebook und anderswo im Netz, wo man seinem Hass freien Lauf lassen kann. Eichin war sichtlich angefressen, was weniger an den Inhalten gelegen haben dürfte als vielmehr der Tatsache, dass hier über die Öffentlichkeit Politik betrieben wurde. Warum lässt man bspw. Eichin gefühlt wochenlang an Ruiz baggern, nur um ihn dann öffentlich auszubremsen? Warum wurde ausgerechnet zur AR-Sitzung das Gerücht veröffentlicht, dass Werder Bremen das laufende Geschäftsjahr angeblich mit einem Verlust von 8 Mio. Euro beendet? Ein Schelm, wer Böses dabei vermutet. Dabei gibt es für die Beibehaltung des Sparkurses gewichtige Gründe, wie die Verluste der letzten Jahre zeigen oder auch die Tatsache, dass man mit dem Weserstadion und der Beteiligung daran Verlust macht oder auch die Frage, wer für die Mehrbelastungen durch neue Hochwasserschutz-Maßnahmen aufkommt. Es ist nicht einfach nur schwarz oder weiß in der Frage nach höheren Investitionen.

Für den Moment gibt sich Eichin entspannt und spricht davon, dass man mit der Transferphase zufrieden sei und er Spaß an seinem Job hat. Ich hoffe, dass die Posse um den AR-Termin tatsächlich keine langfristigen Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen AR und GF hat und sowas in Bremen nicht zur Gewohnheit wird.

Der Ball rollt

Ich gestehe an dieser Stelle, dass ich von den drei bisherigen Spielen nur Zusammenfassungen gesehen habe. So schön es ist, im DFB-Pokal als Underdog in Runde zwei eingezogen zu sein, so bedenklich fand ich das Zustandekommen. Schieben wir es mal auf die Nervosität und Versagensängste. Zum Glück haben wir in Runde zwei mit dem Chemnitzer FC ein Los, bei dem ein Weiterkommen nicht völlig ausgeschlossen ist.

Bei den beiden bisherigen Bundesliga-Partien kam Werder zweimal nur schwer ins Spiel und war jeweils ca. 55 – 60 Minuten die unterlegene Mannschaft. Gegen Berlin kann man das Spiel noch glücklich ausgleichen und gegen Hoffenheim bleibt nach furiosen 30 Minuten zum Ende des Spiels ein wenig Enttäuschung zurück. Hier spielte man die Hoffenheimer regelrecht an die Wand und konnte sich zu mehreren richtig guten Gelegenheiten kombinieren. Zurecht steht die Frage im Raum, was erst passiert, wenn Werder sich so eine Leistung nicht nur für das letzte Drittel des Spiels aufhebt. Diese Schlußphase gegen Hoffenheim macht für die Saison richtig Mut, auch wenn man es nicht überbewerten sollte. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie auch richtig ansehnlichen Fußball spielen kann und eben nicht alleine über den so genannten Lucky Punch zu ihren Toren kommt. Sie knüpfte an die Leistungen zum Ende der letzten Saison an, als die Mannschaft zunehmend besser in Fahrt kam und auch fußballerisch nicht nur Magerkost auftischte.

Nun befinden wir uns mitten in der Länderspielpause und der nächste Gegner am 12.09. ist Bayer Leverkusen. Hier wäre es dann dringend angeraten, gegen die Schnellstarter nicht erst in der zweiten Halbzeit mit dem Kicken anzufangen. 😉

Lebenslang Grün-Weiß!

Von grauen Mäusen

Es ist schwer, etwas zum Spiel am Samstag abend zu sagen, vor allem, wenn man es nicht in voller Länge gesehen hat. Das es gegen Dortmund schwer werden würde, war mir schon vorher klar, nicht zuletzt wegen der angekündigten taktischen Umstellung. Das „spanische Modell“ sollte u.a. den Ausfall von Arnautovic kompensieren und gleichzeitig die Dortmunder in Schach halten. Die Taktik-Füchse von Spielverlagerung nennen es „eine beeindruckende Taktik der Bremer aus theoretischer Sicht„. Das Problem ist halt nur die Umsetzung und da sieht man, dass Taktik auch nur ein Faktor von mehreren ist, der ein Spiel beeinflusst. Reus‘ Freistoß in Minute 9 stellte sämtliche Theorie auf den Kopf. Vielleicht hat Dortmund uns nicht völlig an die Wand gespielt, sondern vor allem von einer immensen Effektivität profitiert, aber letztlich hat Bremen im Spiel nach vorne kaum etwas Gefährliches zustande gebracht.

Schaaf selbst will von einer falschen Taktik nichts wissen. Aber was ist es dann? Die Abstimmungsschwierigkeiten sowohl in der Defensive als auch im Aufbau waren nicht zu übersehen. Immer wieder stimmten Laufwege nicht und vor allem Petersen schien mit seiner Rolle auf der rechten Außenbahn nicht wirklich klar zu kommen. Schon im Trainingslager konnte mich Petersen auf rechts nicht überzeugen, auch wenn die Ergebnisse darüber hinwegtäuschen. Was sagt es über den Kader aus, wenn der Ausfall von einem Spieler (Arno) schon eine Abkehr vom bisherigen System nach sich zieht? Hätte man nicht Yildirim eine Chance auf rechts geben können und so im „üblichen“ 4-1-4-1 spielen sollen? Sind es nur die Umstände und das Glück der Dortmunder, welches uns auf die Verliererstraße gebracht haben? Soll man Schaaf dafür loben, dass er wenigstens versucht hat, sich etwas einfallen zu lassen gegen den BVB?

Ich weiß, es ist nur ein Spiel, noch sind 16 Spieltage zu absolvieren, aber das Spiel am Samstag hat mir sämtliche Vorfreude auf die Rückrunde verhagelt. Wieder einmal hat man sich eine ganze Menge vorgenommen und wieder einmal endete es mit einer gründlichen Enttäuschung. Vielleicht sind wir noch keine „graue Maus“, wie es der kicker schreibt, aber ganz sicher sind wir nur noch Mittelmaß. Vorletzte Saison fast abgestiegen, letzte Saison im Mittelfeld und wenn man es nüchtern betrachtet, sieht es diese Saison nicht besser aus. Der Glanz vergangener Tage und die Tatsache, dass bei Spielen des SVW immer was los sein kann retten uns vor dem Status der grauen Maus, aber viel ist es nicht mehr. Das Ziel ist Europa, aber derzeit sind wir auf direktem Kurz zu 60 Gegentoren. Und Tobias hatte es auf Facebook schonmal angesprochen: Welche Mannschaft kommt mit einer solchen Defensive ins internationale Geschäft? Und schafft die Mannschaft hier wirklich den Turnaround hin zu einer stabilen Defensive? Die Hinrunde hat sicherlich Anlass zu Optimismus in einigen Bereichen geboten, aber schon dort gab es mehr als leise Zweifel an der Defensive.

Eigentlich halte ich Jörg Wontorra für eine Karikatur eines Sportjournalisten, der im „Doppelpass“ meist nur Dünnpfiff von sich gibt. Aber gestern hat er Willi Lemke eine sehr interessante Frage gestellt, auf die Willi in bester Politikermanier nicht einging. Sinngemäß fragte Wontorra, warum andere Trainer in einem Umbruch zunächst auf eine starke Defensive setzen (bspw. Tuchel oder Streich) und Schaaf versucht, die Offensive zum Laufen zu bekommen und somit einen anderen Weg geht. Wie gesagt, eine Antwort darauf kam nicht, aber Lemke sprach in der Sendung mehrfach Schaaf das Vertrauen aus. Mein Vertrauen wird er sich wieder erarbeiten müssen und mich davon überzeugen, dass der eingeschlagene Weg zum Erfolg führt. Am Sonntag ist in Hamburg Wiedergutmachung angesagt. Hoffen wir, dass es mehr als nur warme Worte sind.

Lebenslang Grün-Weiß!

Führungspersonal

Nachdem die wichtigen Fragen vor dem Spiel zwischen Wolfsburg und Bremen schon geklärt wurden und wir wissen, dass Allofs a) sich mit seinem neuen Arbeitgeber über seinen alten Arbeitgeber austauschen wird und b) er sich über einen Sieg seines neuen Arbeitgebers über seinen alten Arbeitgeber offen freuen würde, kommen wir zu anderen Themen, die vielleicht nicht diese Brisanz erreichen. Die Frage an der Weser ist nun natürlich, wie die Lücke zu schließen ist, die Allofs beim SVW hinterlassen hat. Dabei scheinen viele Varianten möglich, von einem „Teammanager“ Schaaf (nach englischem Vorbild) über die Besetzung der Stelle des Sportdirektors/Geschäftsführers mit einer Person bis hin zu einer Teilung der beiden Positionen. Laut Aufsichtsratschef Willi Lemke scheint es eher darauf hinaus zu laufen, dass zwei Leute kommen und einer Sportdirektor wird, während der andere in die Geschäftsführung geht.

Dies halte ich für die beste Lösung, da es (im Nachhinein betrachtet) sicherlich nicht optimal war, eine Person auf beide Posten zu setzen. Man kann vielleicht auch sagen, dass Allofs Wirken seit 2009 nachgelassen hat, als er nach dem Abgang von Born in die Geschäftsführung berufen wurde. Vielleicht war es einfach zu viel Arbeit für eine Person, vielleicht versucht man auch, Zusammenhänge zu sehen, wo es keine gibt. Aber auch unter dem Gesichtspunkt der Machtkonzentration ist es vorteilhafter, nicht zwei Position an eine Person zu vergeben (Magath, anyone?). An den Ausführungen von Lemke im oben verlinkten Artikel irritiert mich ein bisschen, dass er Schaaf eine größere Rolle geben möchte. Es mag sein, dass dies eine strategische Entscheidung ist, Schaaf noch enger an den Verein zu binden, aber Schaaf schien bisher ja auch schon einige Wörtchen mitzureden hatte.

Den Vorschlag von bspw. Andreas, mindestens einen der beiden vakanten Posten mit einer externen Person zu besetzten, kann ich nur unterstützen. Ich denke, neue Impulse und andere Sichtweisen können sicherlich nicht schaden. Aber es muss halt auch jemand sein, der zum Verein passt und der nach Möglichkeit auch ein bisschen Erfahrung vorzuweisen hat. Beiersdorfer wird es wohl nicht und auch Lemke selbst steht nicht zur Verfügung. Ich bin gespannt, wie sich das weiterentwickelt.

Das Fan-Dasein

Eigentlich sind die nachfolgenden Ausführungen schon einen eigenen Post wert, aber ich habe auf der anderen Seite keine Lust, das Thema Allofs in einem weiteren Beitrag zu verwursten. Was mich beim Wechsel von Allofs ein bisschen genervt hatte, war der moralische Zeigefinger aus allen Richtungen, wenn man es wagte, den Wechsel zu kritisieren. Dabei gab es zwei Hauptargumente:

1.) Fußball ist ein Geschäft

Ist richtig, würde ich auch nie bestreiten. Aber darf man sich als Fan eines Vereins sich nicht darüber ärgern, dass der Manager nach albernen Versuchen des Rumeierns geht. Darf man es nicht zum kotzen finden, wenn er auf der Abschieds-PK sagt, dass er Bremen liebt und sich so wohl wie selten gefühlt hat? Ich sehe mich als Fan des Vereins und da kann ich nicht alle Vorgänge um den Club einfach mit einem geschäftsmäßigen Achselzucken hinnehmen. Ich leide während der 90 Minuten eines Spiels und natürlich sind die Jungs meines Vereins die Engel, die nie etwas Böses tun, während der Gegner eine Bande von Schauspielern und Tretern ist. Und natürlich pfeift der Schiri tendenziell gegen Bremen. Und auch das Gehen von Spielern/Funktionären begleite ich im ersten Moment mit einem Gefühl der Enttäuschung. Jemand, der Teil „meiner“ Gruppe war, verlässt diese und wird einer von „denen“. Das ist ja auch eine Faszination des Fußballs, die „wir“-gegen-„die“-Dialektik, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Und so lange das alles friedlich abläuft, sehe ich da kein Problem. Und da braucht man mir nicht oberlehrerhaft mit Vernunft kommen, wenn Allofs den Abgang macht. Nach der ersten Enttäuschung kann ich damit gut leben und sicherlich sind die Chancen, die sich ergeben auch nicht ohne.

2.) Der „normale“ Arbeitgeber macht das auch so!

In der Diskussion um den Wechsel von Allofs (und auch immer wieder bei Spielern) kommt man irgendwann zum schnöden Mammon. Wenn man daran leise Kritik übt, heißt es immer gleich, dass wir (wer auch immer „wir“ sein soll…) das ja im Berufsleben auch so machen würden. Der Vergleich hinkt für mich immer an so vielen Stellen und das geht auch ganz plump mit der Entlohnung los. Ein „normaler“ Arbeitnehmer verdient nicht in den Regionen, die Allofs bekommt. Und es soll auch viele Arbeitnehmer geben, die nicht für jede Gehaltssteigerung den Arbeitnehmer wechseln, vor allem wenn man sich angeblich so wohl fühlt. Und vor allem kann ich nicht heute kündigen und morgen einen neuen Job antreten, während im Hintergrund noch eine Ablöse an meinen alten Arbeitgeber fließt. Als normalem Arbeitnehmer schauen mir auch nicht Millionen bei der Ausübung meiner Arbeit zu und ich muss auch nicht dauernd Interviews und Pressekonferenzen abhalten. Darüber hinaus habe ich auch keinen Agenten, der mir das Verhandeln und Denken abnimmt. Können wir also einfach mal aufhören, das Biotop Profi-Fußball mit dem normalen Arbeitsmarkt zu vergleichen?

 

Should he stay or should he go?

Ende letzter Woche hieß es seitens der Medien, dass der VfL Wolfsburg Interesse an einer Verpflichtung von Klaus Allofs habe und die Unterschrift in Kürze erfolgen würde. Seitdem gibt es immer neue Spekulationen darüber, ob und wann Klausi nach Wolfsburg geht. Diese werden sicherlich auch durch die halbgaren Dementis unseres Geschäftsführers weiter befeuert. Die Aussagen reichen von „Ich habe einen Vertrag bis 2015. Das ist Stand der Dinge.“ bis hin zu „Im Fußball verändern sich die Dinge manchmal schnell“. Allofs führt seit 13 Jahren die sportlichen Geschicke des SV Werder und es ist davon auszugehen, dass er die Wirkung seiner Worte sehr genau abzuschätzen weiß. Er hält sich alle Optionen offen und das ist auch legitim. Andererseits geht es mir heute schon auf die Nerven.  Bei wie vielen Spielern hat man diese Form des Rumeierns schon erlebt, bevor sie nach wochenlangem Hickhack von dannen ziehen.

Ich kann dabei auch nicht behaupten, dass mich die Vorstellung sonderlich erschüttert, dass Allofs nach mehr als 13 Jahren die Koffer packt und woanders anheuert. Meine Sympathien hätte er bei einem Wechsel in die Autobauerstadt nicht mehr, aber andererseits sehe ich mit einem Abgang von KA nicht den Weltuntergang heraufziehen. Bitte nicht falsch verstehen: ich schätze Allofs und seine Arbeit sehr und er hat nicht unerheblichen Anteil am sportlichen Höhenflug der Bremer gehabt. Zusammen mit Thomas Schaaf hat er das Maximum aus den an der Weser herrschenden Rahmenbedingungen geholt. Man kann lange darüber streiten, ob der ausbleibende Erfolg der letzten Jahre auch seinem Versagen zuzuschreiben ist oder ob die Hochphase zwischen 2004 und 2009 nicht einfach ein einzigartiger Ausreißer nach oben war. Ja, der Verein hat gerade einen Rekordverlust bekannt gegeben, aber dieser lässt sich durch Rücklagen ausgleichen und zudem diente der Umbruch der letzten Jahre dazu, die hohen Fixkosten der neuen Situation anzupassen. Finanzielle Stunts wird es in Bremen nicht geben.

Der Spiegel bezeichnet Wolfsburg als Paradies für Allofs. Dabei beziehen sich die paradiesischen Zustände vor allem auf die finanzielle Ausstattung, die sich in Wolfsburg ohne Zweifel ganz anders darstellt als in Bremen. Andererseits soll Geld alleine ja auch nicht glücklich machen. Ich kann mir dennoch vorstellen, dass Allofs nach den Jahren in Bremen einer anderen Aufgabe gegenüber nicht abgeneigt ist, zumal Allofs sich in letzter Zeit auch immer wieder mit Gegenwind aus dem Aufsichtsrat konfrontiert sah und er vielleicht auch keinen Bock mehr hat, sich gegen Lemkes Selbstdarstellungsdrang zu wehren. In den nächsten Tagen wird hoffentlich Klarheit in die Sache kommen und für den Fall, dass Allofs dem Ruf aus dem „Paradies“ folgt, möchte mich für die vergangenen Jahre und die Erfolge bedanken. Aber wie auch bei jedem Spieler, der Bremen verlässt, kann ich ihm bei seiner neuen Aufgabe kein „Viel Erfolg“ mit auf den Weg geben. Es wird spannend zu sehen, wie das Vakuum gefüllt wird (Beiersdorfer, Bode oder vielleicht Guardiola*?) und was dann mit Schaaf passiert, der seinen Verbleib ja auch immer an Allofs geknüpft hat. Im Moment wird es nicht langweilig in Bremen, aber egal wie sich die Dinge entwickeln: der SV Werder Bremen ist größer als alle Namen, egal wie sehr sie den Verein geprägt haben. Es wird weitergehen.

Lebenslang Grün-Weiß!

P.S.: Wir haben wohl auf Schalke verloren. Blöd das! 😉

*= Ein kleiner Scherz