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Hilflosigkeit

In der aktuellen Ausgabe des Grünweiß-Podcasts haben Tobi und ich über die Aussagen aus dem Trainer-Team diskutiert und wie diese zu interpretieren sind. Wolfgang Rolff äußert sich nur sehr selten öffentlich, schon alleine die Tatsache, dass er sich zu Wort meldet, lässt einen aufhorchen. Den Inhalt seiner Aussagen hat Lars im Werderblog schon auseinandergenommen. Ich würde noch ergänzen, dass die Taktik, die Spieler so frontal anzugreifen und teilweise auch namentlich zu nennen schon außergewöhnlich ist. Vielleicht soll damit eine Reaktion provoziert werden, aber letztlich kommt man auch schnell zu den Schlüssen die Lars zieht: warum werden die geforderten Dinge nicht vermittelt bzw. woran hapert es?

Eine weitere interessante Aussage stammt von Thomas Schaaf, der nach der Klatsche in München auf die jungen Spieler und deren Unerfahrenheit verwiesen hatte. Ich denke, es gibt genug Beispiele dafür, dass die Erfahrung an sich nicht das allein ausschlaggebende Kriterium für die defensive Stabilität ist. In dem entsprechenden Artikel von Lars wird ja deutlich, dass bspw. Freiburg über weniger Erfahrung verfügt, aber wenn man sich die Defensive anschaut, deutlich besser dasteht. Außerdem sind das ja keine A-Jugendlichen, die man in die Profimannschaft befördert hat. Sokratis, Prödl und Selassie sind Nationalspieler ihrer jeweiligen Länder und auch wenn Griechenland, Österreich und Tschechien vielleicht nicht zu den Top-Mannschaften gehören, so spricht das ja schon für eine gewisse Qualität. Schmitz hat schon ausreichend Erfahrung und Lukimya hat letzte Saison in der Abwehr des späteren Aufsteigers Düsseldorf gespielt.

Was darüber hinaus irritiert ist der Umstand, dass man vor der Saison Selassie, Lukimya und Sokratis verpflichtete bzw. die Kaufoption zog. Es war die Rede vom Umbruch, von neuen, frischen Spielern, die mit Herz und Leidenschaft spielen. Ich kann mich auch daran erinnern, wie zu Saisonbeginn die tolle Stimmung und der Teamgeist gelobt wurde. Und nun soll die Unerfahrenheit schuld an den anhaltenden Problemen sein? Man hätte im Umbruch ja auch erfahrenere Spieler holen können. Und sollte es nicht Ziel sein, die jungen Spieler zu entwickeln, zumal diese ja auch kontinuierlich an Erfahrung gewinnen? Lässt sich die mangelnde Erfahrung nicht durch ein stimmiges taktisches und spielerisches Konzept ausgleichen und zum eigenen Vorteil nutzen? Ich werfe Schaaf nicht vor, dass man im kommenden Sommer den Kader durch erfahrene Spieler ergänzen will, doch sollte man es sich nicht zu einfach machen und die teils erschreckenden Leistungen in der Defensive alleine auf junge und unerfahrene Spieler zu schieben. Zumal man damit ja indirekt auch wieder Spielerschelte betreibt und zudem das eigene Handeln vor der Saison und zu Beginn der Saison ein wenig konterkariert.

Für mich drückt sich in den Aussagen von Schaaf und Rolff eine gewisse Hilflosigkeit aus. Eigentlich sollten beide Lösungen der selbst angesprochenen Probleme erarbeiten und sich nicht hinter Ausreden verstecken bzw. die Spieler angehen. Ich weiß, gerade Rolffs Aussagen sind sehr populär, denn endlich sagt einer den überbezahlten Millionären mal, wo der Hammer hängt. Und auch Schaaf liefert eine – vordergründig – plausible Antwort auf die Probleme dieser Saison. Alleine, mir reicht das nicht mehr. Seit Jahren werden wir vertröstet, ohne dass sich etwas zum besseren ändert. Und ich bin es leid, bspw. bei Spielberichten auf Spielverlagerung die immer gleichen Probleme unter die Nase gerieben zu bekommen.