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Flauschig

Mit 0:6 kam der SVW am Samstag beimVfL Wolfsburg unter die Räder. Zwei Dinge sind mir von dem Spiel nachhaltig in Erinnerung geblieben: einerseits die Tatsache, dass Wolfsburg auf den Flügeln schalten und walten konnte, wie es ihnen gefiel. Es erinnerte ein bisschen an FIFA98, wo Flanken von außen auf halbwegs kopfballstarke Spieler mit einer extrem hohen Quote zum Erfolg führten. Natürlich ist es tragisch, dass Gàlvez per Eigentor das 0:1 erzielte, aber ob an dem Tag das Spiel ohne dieses frühe Gegentor groß anders verlaufen wäre, wage ich zu bezweifeln. Der zweite auffällige Punkt war, dass Wolfsburg sich nicht einmal besonders anstrengen musste. Ich fand es über weite Strecken eine durchschnittliche Partie der Gastgeber, umso erschreckender, dass dies für eine deutliche Klatsche reichte.

Und während der kicker den armen Luca Zander herauspickt, um sich an seiner Leistung abzuarbeiten, stellt sich mir die Frage, wo am Samstag eigentlich die ganzen vermeintlichen Leistungsträger waren. Junuzovic schleppt seine Formkrise immer noch mit sich rum, Fritz fiel nur durch seine gelbe Karte und die damit verbundene Sperre fürs Nordderby auf und Santiago Garcia hat auf seiner Seite auch so seine liebe Mühe. Und das bringt mich zur Frage nach den Führungsfiguren, die Bush schon diskutiert hat. Wo sind die Spieler, welche die anderen mitreißen, an denen sich das Team aufrichten kann, die durch Konstanz vorne wegmarschieren. Vielleicht sind sie gar nicht da, was sich als Problem erweisen könnte. Wo war der Impuls von der Bank? Zur Halbzeit stellte Skripnik von einem 4-1-4-1 auf ein 4-4-2 um und schaffte damit im Mittelfeld noch mehr Räume für Spieler wie Kruse oder Arnold. Natürlich ist es unwahrscheinlich, dass eine Umstellung zur Halbzeit die Partie noch rumgerissen hätte, aber vielleicht hätte man wenigstens das totale Desaster verhindert.

Ein Gedanke, der mir während des Spiels auch kam: ist man bei Werder mittlerweile zu schnell zufrieden. Damit meine ich alle: Spieler, Verantwortliche und auch Fans. Nach den Auswärtssiegen in Mainz und Augsburg hatte ich das Gefühl, dass man dachte, der Dampfer ist wieder auf Kurs. Klar, dass 1:3 gg. Dortmund im Weserstadion war unschön, aber hey, Dortmund ist eine andere Gewichtsklasse. Kannste nix machen. Immerhin hatte man bis zum Wolfsburg-Spiel auch noch keine Partie absolviert, bei der man so richtig vom Platz geballert wurde (wobei es vor allem der mangelnden Chancenverwertung von Leverkusen und Dortmund zu verdanken war).  Und Junu hatte Sokratis dreimal (einself!!!11!!) in einer Szene getunnelt und wir Werder-Fans sind so viel geiler als die aus Wolfsburg! Ich will nicht Bambule und Randale das Wort reden, ich habe auch keinen Bock auf Busblockaden und angespuckte Spieler, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Saison in einer Flausch-Wolke abläuft. Bei Siegen überkommt einen das wohlig warme Gefühl, dass das schon alles irgendwie wird und Niederlagen sind zwar unschön, aber auch eigentlich gar nicht so wild. Was dagegen zu tun ist, weiß ich auch nicht.

Und auch die Mitgliederversammlung vom letzten Montag passt da ins Bild. Wieder wird ein Minus präsentiert, das EK ist nur dank des „Tricks“ dieses Jahr einen Abschluß für den Gesamtkonzern zu präsentieren noch nicht komplett weg. Aber selbst die regionalen Medien interessiert das nicht wirklich. Weitesgehend wird die offizielle Version durchgereicht, wonach man auf dem richtigen Weg ist. Wird zwar seit Jahren so von den Verantwortlichen verkündet, ist halt so. Ich gebe zu, ich kenne mich in dem Bereich nicht aus, aber irgendwie habe ich ein schlechtes Gefühl bei Werders Finanzen und den Beteuerungen, dass im laufenden Geschäftsjahr ist die schwarze Null erreichbar, mag ich noch nicht recht trauen. Meine Vermutung: die Finanzierung des Stadions ist ein noch größerer Mühlstein um den Hals des Vereins, als nach außen hin kommuniziert.

Samstag war hoffentlich nur ein Ausrutscher und alleine schon aufgrund des Nordderbys wird sich die Mannschaft am Wochenende ganz anders präsentieren, da bin ich mir sicher. Aber wir haben das zweitschlechteste Tordifferenz, stellen mit Augsburg die zweitschlechteste Defensive und das obwohl man zuletzt über neu gewonnene defensive Solidität sprach. Und langsam mache ich mir Sorgen. Sorgen, dass viele der Außenstehenden, die Bremen als einen der offensichtlichen Abstiegskandidaten sehen, recht behalten. Ich will nicht, dass der Werder-Weg, der auf der MV beschworen wurde, in Liga 2 führt und sich dabei alle lieb haben und man sich den Abstieg mit einer Extraportion Flausch schön redet. Aber wahrscheinlich ist das nur meine eigene Wahrnehmungsblase.

Lebenslang Grün-Weiß!

Der erste Punkt im zweiten Spiel

Das dritte Pflichtspiel der Saison war zugleich das erste Spiel, welches ich live gucken konnte. Die gute Vorbereitung hatte ich wohlwollend zur Kenntnis genommen, aber nicht allzu viel Bedeutung beigemessen, da: Vorbereitung. Im Pokal würgt man sich in der Verlängerung und dank entsprechender Schiedsrichterentscheidungen in die nächste Runde und gegen Schalke 04 verliert man verdient, aber wohl etwas zu hoch.

Die gute Laune, die bei manchen nach der Vorbereitung herrschte, war damit schon nach dem ersten Spiel verflogen. Am Freitag konnte ich mir dann selbst ein Bild von dem machen, was die Bremer da unten auf dem Platz abliefern. Die ersten 15-20 Minuten inklusive des 0:1 durch Stocker ließen mich ehrlich gesagt fassungslos auf dem Sofa zurück. Das es spielerisch noch nicht läuft: geschenkt, aber das man auch defensiv augenscheinlich keine Entwicklung sieht, war schon eine harte Erkenntnis. Ganz offensichtlich hatte man Uli Garcia als Schwachpunkt ausgemacht und kam gezielt über seine Seite. Dabei machte er keine gute Figur, wurde aber vom Mittelfeld auch völlig allein gelassen. Junuzovic, der die linke Halbposition bekleidete, machte gerade zu Anfang kaum Anstalten, den jungen Linksverteidiger zu unterstützen. Es ist Uli hoch anzurechnen, dass er sich nicht hat unterkriegen lassen und sich durchgebissen hat.

Nach knapp 20 Minuten konnte Bremen selbst erste Akzente und konnte sich aus der Umklammerung der Hertha befreien. Die meiste Gefahr entstand nach Flanken von Uli und ich habe schon lange nicht mehr so gute Flanken aus dem Spiel heraus bei den Grün-Weißen gesehen. Umso schöner, dass es solch eine Flanke war, die Ujah zu 1:1 verwerten konnte. Auch wenn Bremen besser spielte als zu Beginn, blieben die spielerischen Probleme nur allzu offensichtlich. Da konnte auch die Hereinnahme von Maxi Eggestein nichts ändern, der weitgehend blass blieb, aber nach dem Spiel von Skripnik und Eichin gelobt wurde. Es ist in meinen Augen auch ein bisschen viel verlangt, die Lösung der spielerischen Limitierungen beim SVW auf seine schmalen Schultern zu verteilen und ihn nach einem Spiel abzuschreiben.

Die zweite Halbzeit war vom Verlauf her ein Spiegel der ersten, da Hertha mit deutlich mehr Dampf aus der Kabine kam und die Bremer weit hinten reindrängen konnte. Dabei kamen die Berliner nur zu einer wirklichen Großchance, als ein Schuss von Stocker durch Luki neben das Tor gelenkt wurde, aber so wirklich wohl war mir dabei nicht. Mit zunehmender Spielzeit kam Bremen etwas besser ins Spiel und hatte mit einem Latten- und einem Pfostentreffer zweimal den Siegtreffer innerhalb von 90 Sekunden vor Augen. Wäre das verdient gewesen? Wohl nicht, aber seit wann gibt es drei Punkte nur, wenn man sie sich verdient hat. 😉

Das Unentschieden lässt Bremen mit nur einem Punkt aus zwei Spielen zurück. Es ist sicher noch zu früh, in Panik auszubrechen, aber so wirklich viel Mut haben die Spiele nicht gemacht. Schaut man sich die Offensive an, so bleibt vieles allenfalls Stückwerk, was angesichts des kaum veränderten Personals nicht verwundern kann. Aber ich hatte auf ein paar mehr Automatismen gehofft. Und defensiv bleibt ebenfalls viel Luft nach oben. Nächstes Wochenende folgt das überraschende Kellerduell gegen Gladbach, die bisher keinen Punkt geholt haben. Wenn ich mir das Spiel gegen Mainz anschaue, sehe ich schon das Potential, die Schwächen der Gladbacher auszunutzen. Dies setzt aber voraus, dass man hinten sicher steht und die Gladbacher nicht ins Rollen kommen.

Abschließend möchte ich mich noch zwei Dingen widmen: es ist schade, dass jede Saison wieder die gleiche Zombie-Diskussion ihren untoten Kopf erhebt. Spätestens nach den ersten Partien geht sie los, die Suche nach dem heiligen Gral der Raute oder auch dem Super-10er. Die Allzweckwaffe gegen mangelnde Kreativität und Flair. Er soll uns erscheinen, vom Himmel herabsteigen und uns ins Gelobte Land des Fußballs führen. Dabei ist es heilige Pflicht, die Namen Micoud, Diego und Özil mindestens einmal zu nennen und jeden Spieler, der einen gelungenen Pass spielt, sofort mit diesen Göttern des 10er-Olymps zu vergleichen. Tobi hat schon eine sehr schöne Widerrede auf die sinnfreie Diskussion verfasst. Dabei kann ich verstehen, dass die Fans sich immer wieder in die Diskussion verrennen, aber warum greifen die Medien das immer wieder auf und warum kannte der Sky-Kommentator am Freitag kaum ein anderes Thema, wenn er auf Bremen zu sprechen kam.

Sowas lässt mich an den grundsätzlichen Fähigkeiten der Sportjournalisten zweifeln, wenn man nicht sieht (oder sehen will), dass Bremens spielerische Probleme sich durch einen überragenden 10er nicht einfach in Luft auflösen würden. Denn auch der braucht Teamkollegen, mit denen er sich die Bälle zuspielen kann und die ihn dort anspielen, wo er dann seine Magie wirken kann. Mal ganz abgesehen davon, dass sich die Frage stelle, wo ein solcher Spieler bei den bekannten finanziellen Limitationen des Vereins herkommen soll. Die Probleme fangen doch spätestens auf der 6 an und gehen auf den Halbpositionen weiter, denn bei aller Lieber für Junu und Fritz: wirkliche spielerische Highlights setzen sie eher selten. Man kann aber auch lieber auf die Ankunft des Messias warten und Diskussion im nächsten Jahr wieder aufwärmen.

Der letzte Punkt, der mich ein bisschen unruhig werden lässt, sind die von Thomas Eichin getätigten Aussagen zu notwendigen Abgängen:

„Wir müssen definitiv noch verkaufen, um unsere Zahlen besser zu machen“, stellt Eichin klar. „Ich muss noch Budget gutmachen, ich brauche noch ein bisschen was.“

Dabei steht es ja außer Frage, dass es einige Spieler gibt, die den Verein verlassen müssen, da sie keine Rolle mehr spielen, wie bspw. Obraniak oder Pavlovic. Mir macht es Angst, dass Spieler aus wirtschaftlichen Überlegungen verkauft werden müssen. Zudem die meisten Kandidaten für einen Abgang auch kaum Geld in die Kasse spülen dürften, allenfalls Hajrovic dürfte ein bisschen was bringen. Es bleibt die Frage, wie angeschlagen Werder finanziell wirklich ist, trotz aller Beteuerungen von Filbry und Co., alles im Griff zu haben. Zumal man eigentlich auch noch Lücken im Kader hat, die man schließen müsste. Es fällt mir schwer, den Beteuerungen glauben zu schenken, dass der Verein wirklich gut aufgestellt sei. Wie lange wird der Schrumpfkurs noch gut gehen, der gefühlt immer mehr zu einem Ritt auf der Raiserklinge wird? Ich hoffe, dass Lösungen gefunden werden, damit wir am Ende nicht auf der falschen Seite landen.

Lebenslang Grün-Weiß!

Kopfsache

Werder hat die letzten fünf Bundesligaspiele in Folge gewonnen, darunter auch Teams aus den Top-6 geschlagen, namentlich Bayer Leverkusen und der FC Augsburg. Dabei holte man in fünf Spielen einen Punkt mehr als in den 16 Bundesligaspielen zuvor. Und in fünf Spielen vollzieht die Mannschaft einen Wandel vom sicheren Abstiegskandidaten hin zu einem potentiellen Europapokalteilnehmer. Und vor allem wird deutlich, wie sehr Profifußball auch eine Kopfsache ist.

Started from the bottom

Die letzten beiden Heimspiele unter Robin Dutt waren ein 1:1 gegen den SC Freiburg und eine 0:1-Niederlage gegen den FC Köln. In beiden Spielen traute Dutt der Mannschaft eine spielerische Lösung der Probleme nicht zu und wies sein Team an, lange Bälle zu schlagen. Gegen Freiburg war dies schon nach ca. 30 Minuten der Fall, gegen Köln nach ca. 70 Minuten. Es war ein Stück weit auch eine Bankrotterklärung: „Mehr ist mit dem Team nicht zu erreichen. Wir schlagen den Ball lang nach vorne und hoffen dann auf eine Einzelaktion der Offensiv-Spieler“. Damals waren sich vor allem externe Beobachter sicher, dass dieser SV Werder die Klasse wohl kaum halten wird.

Nach der Heimniederlage wurde Robin Dutt durch Viktor Skripnik abgelöst. Ein großer Unterschied zu seinem Vorgänger bestand darin, das spielerische Element zu betonen. Immer wieder sprach Skripnik davon, dass die Mannschaft Fußball spielen solle und nicht alleine nur kämpfen, kratzen, beißen. In der Hinrunde waren erste Anzeichen davon schon sichtbar und es gab auch schon erste Erfolge zu verzeichnen, doch die Mannschaft steckte tief im Abstiegskampf. Guten Spielen bspw. gegen Mainz oder Paderborn folgten herbe Pleiten in Frankfurt oder Gladbach. Seit dem Heimsieg gegen den BVB reiten die Grün-Weißen auf einer Erfolgswelle und mittlerweile überzeugt die Mannschaft auch spielerisch. Exemplarisch sei hier das 1:0 gg. Bayer Leverkusen aufgeführt, welchem ein sehenswerter Spielzug voraus ging (und zudem war das erste Gegentor der Werkself aus dem laufenden Spiel heraus seit Spieltag 8).

Natürlich ist es nicht alleine das gute Zureden vom Trainerteam oder die Vorbereitung in der Winterpause, die nun Früchte trägt. Rückkehrer wie Bargfrede, Di Santo, Selassie und Neuverpflichtungen wie Vestergaard haben einen nicht unerheblichen Anteil an der spielerischen Renaissance und eine höheren defensiven Stabilität. Auch am letzten Spieltag gegen den hoch gehandelten FC Augsburg war beides zu sehen, vor allem in der ersten Halbzeit, wo man den Gegner fast komplett aus dem Spiel nahm. Ich frage mich, was Dutt gedacht haben mag, als er sah, wie die Bremer im Pressing agierten und Ballgewinne zum schnellen Umschalten nutzten: Sachen an denen er lange gearbeitet hatte, ohne dass sich die gewünschten Erfolge einstellten.

Quo vadis?

Es war bisher eine Saison der Extreme: vor der Saison mit vielen Hoffnungen gestartet. Dabei habe ich keinen Durchmarsch in der Liga erwartet, aber doch eine gewisse Weiterentwicklung mit der Aussicht, bei einem perfekten Saisonverlauf vielleicht sogar einen einstelligen Tabellenplatz ergattern zu können und dem Wunsch, mehr Nachwuchsspieler in die Profimannschaft zu integrieren. Die Saison begann ja auch noch unter positiven Vorzeichen, doch bald folgte das Abrutschen in der Tabelle bis hin zum Rauswurf von Robin Dutt. Unter Skripnik ging es zunehmend aufwärts bis hin zur aktuellen Euphoriewelle mit fünf Siegen in Folge im Rücken.

Aber noch sind es 11 Punkte bis zur magischen Zahl von 40 Punkten, die auf jeden Fall den Nichtabstieg sichern. Darauf muss auch weiterhin der Fokus liegen, aber natürlich nimmt die Erfolgsserie den Druck deutlich raus. Alles, was über die 40 Punkte hinaus geht, ist als Bonus anzusehen. Für hochfliegende Europapokalträume ist es in meinen Augen noch zu früh, da traue ich dem Braten nicht so wirklich. Aber die aktuelle sportliche Hochphase darüber hinaus noch durch die Vertragsverlängerung von Zlatko Junuzovic versüßt, die am vergangenen Freitag verkündet wurde. Im Vorfeld habe ich damit ehrlich gesagt nicht gerechnet und auch wenn ich die Überhöhung zu einer reinen Herzensangelegenheit durch die Fans nicht teile (er wird auch in Bremen nicht verhungern oder unter der Brücke schlafen), so ist es doch ein wichtiges Signal, dass sich der Verein in den Augen der Leistungsträger auf dem richtigen Weg befindet. Und es sollte auch Einfluss auf die Entscheidungen von bspw. Theo Gebre Selassie und Franco Di Santo haben, mit denen Thomas Eichin über neue Verträge verhandelt.

Nur dreieinhalb Monate nach dem Tiefpunkt gegen Köln sieht die Lage schon deutlich rosiger aus. Es ist noch längst nicht alles perfekt und eine Portion Skepsis bleibt, aber es scheint so, als würde da etwas wachsen, sowohl was das Spiel auf dem Platz angeht als auch die Gestaltung der Mannschaft über diese Saison hinaus.

Lebenslang Grün-Weiß!

Derby-Verlierer

90% der regulären Spielzeit waren gestern absolviert, als Lukimya den Ball im eigenen Strafraum genau vor die Füße von Rudnevs verlängerte, der den Ball zum 0:1 aus Bremer Sicht über die Linie stocherte. Passend, dass so ein Kacktor ein wahrliches Kackspiel entschied, auch wenn die Hamburger dies aufgrund des Sieges sicherlich anders sehen werden. 90% der Zeit defensiv gut stehen reicht dann eben nicht aus, selbst gegen ebenfalls höchst biedere Hamburger.

Die Taktik, die Skripnik für das Spiel war relativ naheliegend: den Hamburgern das Spielgerät überlassen, sich tief hinten reinstellen und aus einer geordneten Abwehr heraus mit Kontern und Standards zu eigenen Chancen zu kommen. Ich bin auch immer noch der Überzeugung, dass diese Idee nicht grundlegend falsch war. Ich habe bisher zwei Spiele des HSV in dieser Saison gesehen, und jedesmal hatten die Hamburger zwar mehr Ballbesitz und waren feldüberlegen , aber auch gewisse Probleme hatten, sich wirkliche Torchancen herauszuspielen. Die meiste Zeit stand Bremen defensiv weitgehend sicher und wirkliche Chancen des HSV waren Mangelware und in der Hinsicht funktionierte der Matchplan tatsächlich. Doch nach vorne wollte so gut wie gar nicht gelingen, vor allem nicht aus dem Spiel heraus. Die beiden Spitzen – Hajrovic und Petersen – waren kaum in der Lage, Bälle zu halten und so auf die nachrückenden Kollegen zu warten. Zu oft resultierten Bälle nach vorne in Ballverluste.

Anders als im erfolgreichen Spiel gegen den VfB Stuttgart sorgten die Standards diesmal für keine Tore, so dass Bremen unter dem Strich über weite Strecken keinerlei Torgefahr ausstrahlte und die Hamburger Defensive nur selten in Verlegenheit bringen konnte. Letztlich ist es die oben beschriebene unfreiwillige Torvorlage von Lukimya, die das Spiel entschied und die Frage aufwirft, ob es so schlau war, auf ein 0:0 zu spielen. Das 2:0 des HSV fiel, als Bremen alles nach vorne warf und ist auch ein Sinnbild für den Zustand beider Vereine, wenn man sich anschaut, dass die Hamburger einen 4 gg. 0-Konter mit einem Schuss von Arslan abschließen, den Keeper Wolf dann noch über die Linie bugsieren muss, weil er sonst nicht reingegangen wäre. Über weite Strecken war es gestern das befürchtete Aufeinandertreffen von Not gg. Elend und es gehört wahrlich nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass beide Teams auch am Ende der Saison noch in den Niederungen der Tabelle rumkrebsen werden.

Das einzig irgendwie Positive an der Niederlage (Ja, an Niederlagen ist per se nix positiv) ist für mich die Tatsache, dass Skripnik doch nicht der Wunderheiler ist, den viele schon in ihm gesehen haben. Nichts gegen Aufbruchstimmung und Euphorie, aber ich fand den Hype in Teilen schon ein bisschen zuviel des Guten. Natürlich hat Skripnik in der kurzen Zeit schon einige Dinge erreicht und den Spielern neues Selbstvertrauen gegeben und sie immer wieder angehalten, auch wieder Fußball zu spielen. Und seine sympathische Art hat etwas wohltuend entspanntes an sich, aber zu oft hatte ich das Gefühl, dass er vor allem aufgrund der Parallelen zu Schaaf bei seiner Amtsübernahme 1999 die nicht enden wollenden Jubelarien befeuert haben. Doch bei rechtem Licht betrachtet, war keiner der drei Siege in Pokal und Liga vor dem Hamburg-Spiel wirklich souverän. Gegen Chemnitz hatte man erst nach dem 2:0 die Zügel wirklich fest in der Hand, Mainz lässt etliche Großchancen zu Beginn des Spiels ungenutzt und gegen Stuttgart waren es die Standards, die uns den Sieg gebracht haben. Gegen Hamburg wiederum war es am Ende die eigene defensive Schlafmützigkeit gepaart mit offensiver Harmlosigkeit, die uns eine Niederlage eingebrockt haben.

Zudem fiel auf, wie sehr sich das Fehlen einzelner Spieler auf die Mannschaft auswirkt. Nichts gegen Petersen, er ist wirklich ein feiner Kerl, der sehr sympathisch rüberkommt und oft auch eine erfrischend selbstkritische Ader hat, aber er ist eben kein Di Santo. Petersen hat immer wieder Probleme, sowohl bei Ballverarbeitung als auch Ballbehauptung und das war gestern wieder deutlich zu sehen. Das fällt insbesondere dann auf, wenn man aus einer tiefgestaffelten Abwehr heraus schnell nach vorne spielen will und vorne Anspielstationen braucht, die den Ball solange sichern, bis die Kollegen nachgerückt sind. Selke war nach seiner Einwechslung durchaus bemüht, konnte aber auch keine wirklichen Impulse mehr setzen.

Abschließend noch ein Wort zu Schiri Felix Zwayer: an ihm lag es sicherlich nicht, dass man das Spiel verloren hat. Weder hat er Rudnevs den Ball vor die Füße gespielt, noch hat er die Bremer Angriffe alle unterbunden. Aber dennoch fand ich seine Leistung nicht so überragend, wie sie von Collinas Erben in der n-tv-Kolumne beschrieben wird. Die gelb-rote Karte für Fritz war durchaus berechtigt und man kann sich schon fragen, warum unser Kapitän in der 90. Minute noch so den Fuß drüberhalten muss, aber die Konsequenz, die Zwayer hier an den Tag legte, hat er bspw. bei Westermann oder bei Diekmeier vermissen lassen. Bei Westermann bin ich auch immer noch der Meinung, dass sein Foul, welches zur gelben Karte führte, als er mit den Füßen voran in den Gegner gesprungen ist, auch mit rot hätte geahndet werden können.

Gegen Paderborn wird die Liste der Ausfälle nicht unbedingt kleiner, denn neben Fritz fehlt auch Garcia gesperrt und zudem wird Di Santo auch ausfallen. Aber dennoch müssen drei Punkte her. Irgendwie.

Lebenslang Grün-Weiß!

Reset

Das 0:1 gegen den 1. FC Köln war das letzte Spiel als Trainer des SVW für Robin Dutt. Am Samstag wurde er beurlaubt und vorerst übernehmen Viktor Skripnik und sein Team die Leitung der Mannschaft. Das Ende für Robin Dutt zeichnete sich spätestens seit dem Freiburg-Spiel zunehmend ab. Schon nach dem mauen 1:1 gegen die Breisgauer wurde über die Bedeutung des Köln-Spiels als mögliche Alles-oder-nichts-Partie spekuliert. Das leblose 0:6 im Gastspiel beim FC Bayern hat an der Situation nicht wirklich viel geändert, ganz im Gegenteil: im Doppelpass auf Sport1 sprach Thomas Eichin letzten Sonntag schon von einem Endspiel gegen Köln und auch Robin Dutt nannte einen Sieg gegen die Domstädter alternativlos. Schon im Spiel gegen den SC Freiburg wurde ein Sieg zur Pflicht erklärt und vor dem Köln-Spiel wurde rhetorisch noch eine Schippe draufgelegt. Dies erhöhte nicht nur den Druck, sondern wies auch letztlich den Weg in eine Sackgasse, denn es war klar, dass das Verpassen eines Sieges gegen den Effzeh Konsequenzen zur Folge haben würde, wollte man die eigene Glaubwürdigkeit verlieren.

Die Geschichte des Spiels gegen Köln ist relativ schnell erzählt: in der ersten Halbzeit ist Bremen die deutlich engagiertere Mannschaft, findet jedoch gegen extrem gut organisierte Gäste kein Mittel, um die Abwehr wirklich auszuhebeln und gute Torchancen zu erspielen. Mit zunehmender Spieldauer konnte Köln immer wieder gefährliche Nadelstiche setzen. In der 59. Minute erzielt Ujah den entscheidenden Treffer für Köln, nachdem Prödl einen entscheidenden Zweikampf im eigenen Strafraum verliert. Man konnte förmlich spüren, wie dieses Gegentor den Bremern den Boden unter den Füssen wegzog und die Verunsicherung sowohl auf dem Platz als auch auf den Rängen wurde nahezu greifbar. Robin Dutt griff zur Brechstange, stellt Petersen und Selke neben Di Santo in den Sturm und wies die Mannschaft an, die Bälle hoch und lang nach vorne zu schlagen. Da keiner der drei als besonders kopfballstark gilt oder in der Lage war, die hohen Bälle zu verarbeiten und dann auf seine Kollegen weiterzuleiten, waren die letzten Minuten des Spiels wahrlich nicht schön anzusehen und man hatte auch ehrlich gesagt nie das Gefühl, dass die Kölner sich von den hohen Bällen beeindrucken lassen würden.

Als Dutt zum SV Werder kam, war ich zwar nicht hellauf begeistert, aber im Gegensatz zu manch anderen war ich auch nicht völlig gegen die Verpflichtung. Ja, in Leverkusen lief es nicht so gut, aber beim SCF hatte er damals doch einen ganz guten Job gemacht. Und auch wenn ich (wie auch der Rest der Grünweiß-Crew) in der letzten Saison das eine oder andere kritische Wort über ihn verloren habe, war ich vor der Saison relativ optimistisch gestimmt. Ich hatte das Gefühl, dass sich da etwas tun würde und wir diese Saison zwar nicht in Glanz und Gloria bestreiten würden, aber das es einen weiteren Schritt nach vorne geben würde. Und anfangs gab es diese Saison durchaus Hoffnung, doch während zunächst die Mannschaft mit Mentaltiät und einigen guten spielerischen Ansätzen zu überzeugen wusste, wichen die spielerischen Ansätze immer mehr und irgendwann blieb auch die Mentalität auf der Strecke. Tobias hat nach der Bayern-Klatsche die (auch für mich) wichtigsten Kritikpunkte an Dutt aufgeführt, wie bspw. die nicht enden wollende Gegentorflut (94 in 45 Pflichtspielen), das nicht wirklich vorhandene Offensivspiel sowie auch die zunehmende Festlegung auf einen Stamm von vielleicht 16 Spielern. Ich hätte auch gut damit leben können, wenn Dutt die Kurve gekriegt hätte und ich bei ihm das Gefühl gehabt hätte, es würde wieder aufwärts gehen.

Nun wurde gestern die Reißleine gezogen. Ich fand Thomas Eichin bei den Erläuterungen zum Trainerwechsel erstaunlich unsouverän, er sprach davon, wie sehr er Dutt als Trainer schätzte und dass er von seiner Arbeit überzeugt war, aber es nun Zeit für einen neuen Impuls von außen gewesen wäre, da einfach die Ergebnisse gefehlt hätten. Fand ich erstaunlich, da es sich irgendwie nicht so anhört, als sei es wirklich seine Entscheidung gewesen, Dutt zu feuern. Wer weiß, wie souverän Eichin sonst formuliert und es vor allem versteht, Dinge zu sagen, ohne sie auszusprechen. Vielleicht ist es aber auch auf den Umstand zurückzuführen, dass die Entlassung von Robin Dutt natürlich auch für Eichin eine Niederlage ist, denn er holte ihn an die Weser und sollte nun auch Skripnik scheitern, dürften sich die Blicke auf den Geschäftsführer Sport und seine Arbeit, vornehmlich die Spielerverpflichtungen unter seiner Ägide, richten. Ja, auch Eichin muss unter erschwerten Bedingungen arbeiten, aber gerade die Spieler, die für (relativ) viel Geld geholt wurden, bleiben hinter den Erwartungen zurück. Und da werden die Fragen in Eichins Richtung häufiger werden, wenn sich der Erfolg nicht einstellt.

Nun übernehmen Skripnik, Frings, Kohfeldt und Vander also das Regiment an der Seitenlinie. Es ist eine interne Lösung geworden und die Parallelen zu Schaafs Amtsübernahme 1999 sind kaum zu übersehen. Ich finde es gut, dass man Skripnik das Zepter übergeben hat und ich würde lügen, würde nicht auch die Nostalgie dabei eine Rolle spielen. Doch zunächst muss Skripnik beweisen, dass er in der Lage ist, eine Bundesliga-Mannschaft erfolgreich zu trainieren. Kurzfristig wünsche ich mir vom ukrainischen Beckham folgende Verbesserungen, wobei diese Punkte sicher nicht schon zum Chemnitz-Spiel morgen behoben sein werden.

  • Stabilisierung der Abwehr: Diese Saison haben wir uns in 9 Spielen schon 23 Gegentore eingefangen, das sind Werte eines Absteigers. Vorrangig muss es darum gehen, hinten wieder mehr Stabilität reinzubekommen und die teils erschreckenden Fehler zu minimieren. Auch die Tatsache, dass nahezu alle Mannschaften die rechte Bremer Abwehrseite als Schwachstelle identifiziert haben und diese gezielt angreifen, sollte zu denken geben. Dabei liegt es nicht nur an den jeweiligen Außenverteidigern Busch oder Fritz, sondern auch an der mangelnden Absicherung aus dem Mittelfeld heraus. I’m looking at you, Bartels!
  • Spieler aus dem Formtief holen: Viele Spieler durchlaufen gerade eine Formkrise. Gerade defensiv macht es sich bemerkbar, dass bspw. Prödl, Caldirola oder Garcia meilenweit von den Auftritten der Vorsaison entfernt sind. Aber auch ein Nils Petersen scheint derzeit reichlich neben der Spur zu sein.
  • Chancen für Neue: Dutt hat auf einen beschränkten Stamm von vielleicht 15, 16 Spielern zurückgegriffen. Dies muss per se nichts Schlechtes sein, gerade wenn ein Team sich eingespielt hat, macht es Sinn, nicht durch ständige Personalwechsel für Unruhe zu sorgen. Aber gerade im Mittelfeld haben in meinen Augen auch mal kreative Impulse gefehlt, wie ich sie bspw. einem Levent Aycicek oder einem Ludovic Obraniak zutraue. Und bei Obraniak scheint es ja zuletzt auch an Differenzen mit Dutt gelegen haben, dass er keine Chance mehr bekam. Es geht dabei darum, zu schauen, wer der Mannschaft weiterhelfen kann und von wem auch ein Schuss Kreativität ausgeht.
  • Offensive dynamischer gestalten: In den Zeiten zunehmenden Drucks wurde auch das Aufbau- und Offensivspiel der Bremer immer eindimensionaler. Gegen Freiburg stellte Dutt nach 30 Minuten auf lange Bälle um und gegen Köln wurde spätestens nach 70 Minuten der lange Hafer ausgepackt. Beide Male erklärte Dutt dies mit der spielerischen Überforderung der Mannschaft. Mir ist klar, dass man nicht über Nacht ein komplexes Offensivsystem installieren wird, aber es wäre gut, auch noch andere Mittel im Arsenal zu haben, als nur den langen Ball. Gerade aus einer stabilen Abwehr heraus sollten Strategien für die eigenen Angriffe etabliert werden.

Ich bin vorsichtig optimistisch, dass es nun wieder langsam aufwärts gehen könnte. Schauen wir mal.

Lebenslang Grün-Weiß!

Ganz unten

Nach dem enttäuschenden 1:1 gegen den SC Freiburg angelt sich der SV Werder die rote Laterne der Bundesliga. Nach gerade einmal drei Punkten aus sechs Spielen war der Druck auf Mannschaft und sportliche Führung ohne Zweifel vorhanden. Und so wurde auf der Pressekonferenz vor dem Spiel das Motto „Ein Sieg ist Pflicht ausgegeben“. Sowohl Robin Dutt als auch Thomas Eichin machten klar, dass es alleine darum geht, das Spiel zu gewinnen, egal wie. Ich war heute mit Lars im Weserstadion zugegen und auch die beiden Stadionsprecher Stolli und Zeigler ritten ziemlich auf dem Pathos-Gaul herum und beschworen die Wichtigkeit des Spiels für Fans, Verein und Stadt und dies gleich mehrfach. Die Marschrichtung war also klar vorgegeben.

Personell gab es zwei Veränderungen zum Wolfsburg-Spiel: Elia und Galvèz ersetzten Hajrovic und Selke. Das Spiel begann aus Bremer Sicht relativ unsicher und nach 8 Minuten steht es 0:1 aus Sicht der Hausherren. Prödl verliert einen Zweikampf gegen Philipp und als er ihm nacheilt, bringt er ihn im Strafraum zu Fall. Von unserer Position aus sah es berechtigt aus, aber egal ob Knut Kircher hier richtig lag oder nicht: Prödl darf dieser Fehler einfach nicht passieren. Gewinnt er den initialen Zweikampf gegen den Freiburger, werden alle nachfolgenden Diskussionen gar nicht geführt. Wieder ist es ein individueller Fehler, der Bremen zurückwirft. Danach gab es eine Phase von vielleicht 15 Minuten, in denen der SVW schwer angeschlagen wirkte. Einfachste Bälle kamen nicht beim Mitspieler an, immer wieder musste Keeper Wolf als Anspielstation herhalten. Die Unruhe auf dem Rasen und auch auf den Rängen wurde zunehmend greifbar.

Zum Glück fing sich Bremen mit zunehmender Spielzeit und die Kombination von Junuzovic und Di Santo führte zum Ausgleich. Bremen blieb in der Folgezeit das engagiertere Team, konnte jedoch nur selten wirklich gute Torchancen herausspielen. Dabei war Freiburg nicht mal wirklich gut und in der zweiten Halbzeit wirkten die Breisgauer frühzeitig mit dem Punkt zufrieden. Auch die Gäste hatten nach einer guten Anfangsphase kaum etwas anzubieten und daher bleibt vom Spiel vor allem ein fader Nachgeschmack, dass man es selbst gegen so ein biederes Team wie den SCF im eigenen Stadion nicht schafft, einen Sieg zu erringen. Klar, man hatte ein paar Möglichkeiten, aber so richtig gefährlich wurde es nur selten. Es war auffällig, wie schnell sich Bremen wieder dem langen Ball als prägendes Element im Spielaufbau widmete. Hoch und lang, am besten noch auf die beiden Kopfballmonster Elia und Bartels.

Dabei waren es nicht nur die langen Bälle, die selten einen Abnehmer fanden. Auch sonst blieb das Passspiel oft unpräzise und zerfahren. 60% Passquote sprechen da wohl für sich. Zwei Dinge fielen mir dabei auf: es spricht nicht gerade für die Kreativität im Mittelfeld, wenn die meisten Ideen von Junuzovic ausgeht (der zudem auch nur eine Passquote von 60% vorweisen kann). Ja, Obraniak hat sich mit seinen Wechsel-Aussagen keinen Gefallen getan, aber ihn jetzt gar nicht mehr zu berücksichtigen, steigert weder seinen Marktwert, noch bekommt er so die Möglichkeit, der Mannschaft weiterzuhelfen. Und was ist mit Aycicek? Angeblich ein Riesen-Talent, das offensichtlich lieber für die U23 geschont wird. Klar, man muss ihn ja nicht verheizen, aber Kroos für Galvèz als Wechsel kurz vor Schluss ist ja jetzt auch nicht wirklich der Kreativ-Overload im Mittelfeld. Und solange Bartels auf dem Platz ist, kann man Aycicek seine fehlende Defensive auch nicht vorhalten. Der zweite Punkt, der mir aufgefallen ist: Di Santo ist ein spielender Stürmer, der nicht alleine vorne in der Mittelstürmer-Position verharrt, sondern sich auch fallen lässt oder weicht auf die Flügel aus. Doch gerade beim Ausweichen auf die Flügel ergab sich heute dann das Problem, dass die Mitte dann meist unbesetzt blieb oder hohe Bälle von Elia oder dem nachrückenden Bartels nicht erreicht wurden. Es mag spielerisch nicht mehr der Offenbarungseid aus der letzten Saison sein, aber wirklich gut war dieses Spiel in der Hinsicht auch nicht, wie schon das Wolfsburg-Spiel.

Bremen verpasst den selbst angekündigten Befreiungsschlag. Am nächsten Spieltag steht der Betriebsausflug nach München an, bei dem es nur um Schadensbegrenzung geht, bevor es dann zuhause gegen Köln geht. Wieder ein wichtiges Spiel, wieder ein direkter Konkurrent und wahrscheinlich ist dann wieder ein Sieg Pflicht. Bleibt dann nur die Frage, was passiert, wenn man hier den Pflicht-Sieg verpasst. Jetzt auf dem letzten Tabellenplatz zu stehen, ist noch kein Beinbruch, aber so was kann eine Mannschaft schnell verunsichern und die psychologische Komponente darf man nicht unterschätzen. Hoffen wir, dass man sich rechtzeitig gegen eine solche Entwicklung wehren kann, sonst wird es bald noch ungemütlicher am Weserdeich.

Lebenslang Grün-Weiß!